UKRAINE AKTUELL Nr. 708 (1.2.24/21Uhr)

  • Wieder Kriegsschiff auf Tauchstation
  • EU hilft der Ukraine mit 50 Milliarden €
  • Flugplatz auf der Krim angegriffen
  • Wie Zaluzhnyj den Krieg gewinnen will
  • Über 400 Gefangene ausgetauscht
  • China auf Russlands Seite

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KRIEGSSCHIFF VERSENKT

Mehrere Wasserdrohnen des militärischen Geheimdienstes der Ukraine haben gestern die russische Corvette«Ivanowez», ein Schiff mit Raketenwerfer-Anlagen, in der Nähe der besetzten Halbinsel Krim angegriffen. Mindestens eine der Drohnen traf das Schiff in der Mitte, knapp unter der Wasseroberfläche. Dort befanden sich in einer ungepanzerten Zone auf jeder Seite mehrere «P-270 Mosquito-Raketen», von denen jede 150 Kilogramm Sprengstoff transportieren kann. Wie die Videos vermuten lassen, sind diese Raketen nach dem Einschlag explodiert und haben zum Sinken des ganzen Schiffs geführt.

Die «Ivanowez» war ein grosses Raketenboot, welches zur Zerstörung von Überwasserkampfschiffen, Landungskräften und Transportmitteln sowie zur Deckung vor Überwasser- und Luftbedrohungen konzipiert war. Das Schiff war mit 4 Mosquito-Schiffsabwehrraketenwerfern (4 Raketen), 1 76,2-mm-AK-176-Geschützhalterung, 2×6 30-mm-AK-630-Geschützhalterungen und einem tragbaren Igla-Flugabwehrraketensystem ausgestattet.

Die Zahl der Besatzungsmitglieder der «Iwanowez» betrug offiziell 41 Personen. Die Russen startetem nach dem Untergang der Iwanowez eine Such- und Rettungsaktion, die jedoch erfolglos blieb.

Die geschätzten Kosten für das verlorene Schiff belaufen sich auf 60 bis 70 Millionen US-Dollar.

(Mehrere ukrainische und russische Quellen).

Mit dem Erfolg der Ukraine reduziert sich Putins Schwarzmeerflotte weiter. Hier eine Übersicht der bisherigen Verluste vom 26.Dezember: https://aldrovandi.net/2023/12/26/ukraine-aktuell-nr-671-26-12-23-23uhr/

EU HILFT UKRAINE – ORBAN IM OFFSIDE

Unter dem Hashtag “Einheit” schrieb Charles Michel, von der Funktion her Aussenminister der EU zum Beschluss der EU, die Ukraine langfristig finanziell zu unterstützen: « Wir haben einen Deal. Alle 27 Staats- und Regierungschefs haben sich auf ein zusätzliches Hilfspaket für die Ukraine in Höhe von 50 Milliarden Euro im Rahmen des EU-Haushalts geeinigt. Damit ist eine stabile, langfristige und vorhersehbare Finanzierung für die #Ukraine gesichert. Die EU übernimmt die Führung und Verantwortung für die Unterstützung der Ukraine; wir wissen, was auf dem Spiel steht.» https://twitter.com/CharlesMichel/status/1753001809268920719

Der polnische Regierungschef Donald Tusk erklärte gegenüber Skynews, wie es zu diesem Deal kam: Eine starke und einheitliche Haltung von 26 der 27 EU-Staats- und Regierungschefs in Bezug auf die weitere Unterstützung für Kiew war entscheidend, um den ungarischen Premierminister Viktor Orban zu überzeugen, dem Abkommen zuzustimmen, so Polens Regierungschef. Er nannte weitere Einzelheiten: «Wir wollen die Ukraine in ihren Kriegsanstrengungen gegen Russland unterstützen, wir werden 27 sein, die gesamte Gemeinschaft, und niemand wird irgendjemandem eine Belohnung dafür zahlen. (…) Keiner wird nach faulen Kompromissen suchen», fügte er hinzu. https://news.sky.com/story/ukraine-russia-war-latest-putin-sky-news-live-news-12541713

ERFOLGREICHER KRIM-ANGRIFF

Ukrainische Drohnen haben den russischen Militärflughafen auf der derzeit besetzten Halbinsel Krim angegriffen. Nach Angaben von Natalya Gumenyuk, Sprecherin der ukrainischen Süd-Truppen, waren an der Aktion 5 Drohnen beteiligt.

Die russischen Behörden bestätigen, dass es 5 Drohnen waren, aber sie wollen alle abgeschossen haben. Demgegenüber schreiben russische Militärblogger, dass beim Angriff ein Su-30-Jagsflugzeugr, zwei Su-27 Kampfjets und zehn Soldaten verloren gingen. Der Angriff sei so schnell erfolgt, dass die Soldaten keine Zeit gehabt hätten, Schutz zu suchen. https://t.me/uniannet/124450

414 GEFANGENE AUSGETAUSCHT

Nach der Formel 1:1 wurden gestern 207 russische Kriegsgefangene von der Ukraine an Russland und diese Anzahl ukrainischer Gefangene von Russland an die Ukraine übergeben. Nach russischen Angaben handelt es sich um jene Ukrainer, welche vor einer Woche bereits hätten ausgetauscht werden sollen. Nicht dabei sind jene 65 Menschen, deren Namen auf der Liste erschienen, weil sie sich angeblich an Bord der abgeschossenen Iljuschin befanden haben sollen. Allerdings wurden auch die Leichen dieser angeblich getöteten Gefangenen nicht übergeben.

Unter den Ukrainern, die aus der Gefangenschaft zurückgekehrt sind, sind Gefreite, Unteroffiziere und Offiziere welche in Mariupol auf den Schlangeninseln, im Donezk, Saporischja, Luhansk, Kherson und Sumy gekämpft haben. https://t.me/c/1269013410/62553

Mehr als 900 Verteidiger von Mariupol bleiben in russischer Gefangenschaft. Dies gab der Kommandeur der 12. Spezialeinheitsbrigade «Azov», Oberstleutnant Denis «Redis» Prokopenko, bekannt. Ihm zufolge kehrten während des gestrigen Austauschs zwei Azovsche Kämpfer nach Hause zurück, aber diejenigen, die Mariupol verteidigten, standen nicht auf der Liste. https://t.me/uniannet/124454

ABRAMOWITSCHS GELD BLOCKIERT

Die britischen Behörden haben das Geld aus Abramowitschs eingefrorenem Vermögen nicht nach Kiew überwiesen, berichtet «The Guardian».  Dabei handelt es sich um das Vermögen, welches Roman Abramowitsch aus dem Verkauf des Fussballclubs Chelsea kassiert hatte.

Die britische Regierung hatte 2022 dem russischen Oligarchen erlaubt, diesen Fußballverein zu verkaufen, obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits unter Sanktionen stand. https://aldrovandi.net/2022/05/07/ukraine-aktuell-7-5-22-21uhr/. Wie hier https://aldrovandi.net/2023/01/31/ukraine-aktuell-nr-342-31-1-23/ berichtet, hatte Abramowitsch versprochen, die 2,3 Millliarden Pfund (2,6 Milliarden Franken) den Opfern des russischen Überfalls auf die Ukraine zu spenden. Das Geld soll einer noch zu gründenden Stiftung übergeben werden, welche der ehemalige britische UNICEF Botschafter Mike Penrose leiten soll.

Mitglieder des britischen Oberhauses bezeichneten das Versäumnis der britischen Minister, die Milliardensumme nicht auszugeben, als «unverständlich». Diese Gelder bleiben auf dem Konto gesperrt. https://t.me/c/1269013410/62526

ZALUZHNYJ: STAND DES KRIEGES

In einem Interview mit CNN nannte Valeriy Zaluzhnyj die Bedingungen, welche erfüllt sein müssen, damit die Ukraine den Krieg gewinnen kann:

🟡 Drohnen sind der beste Weg für die Ukraine, nicht in einen Stellungskrieg hineingezogen zu werden, in dem wir keinen Vorteil haben; Priorität Nummer eins ist die Beherrschung des gesamten Arsenals an billigen, modernen und hocheffizienten UAVs (Angriffsdrohnen) und anderen technologischen Mitteln;

🟡 Wir sprechen über die Schaffung eines völlig neuen staatlichen Systems der technologischen Umrüstung. Wir glauben, dass die Schaffung eines solchen Systems in fünf Monaten erreicht werden kann

🟡 Die Ukraine muss lernen, mit einem Rückgang der militärischen Unterstützung durch Verbündete und einem Munitionsmangel umzugehen. Wir müssen Kürzungen der militärischen Unterstützung wichtiger Verbündeter bekämpfen und gleichzeitig unsere eigenen politischen Spannungen bekämpfen;

🟡 Russland könnte angesichts der Tatsache, dass die Ereignisse im Nahen Osten die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft abgelenkt haben, versuchen, anderswo neue Konflikte zu provozieren ;

🟡 Die Russische Föderation hat einen erheblichen Vorteil bei der Mobilisierung von Humanressourcen, und in der Ukraine sind staatliche Institutionen nicht in der Lage, die Zahl der Streitkräfte zu erhöhen, ohne unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen; Wir werden durch die Unvollkommenheit des regulatorischen und rechtlichen Rahmens sowie die teilweise Monopolisierung der Verteidigungsindustrie eingeschränkt»;

🟡 «Wir sind in der Lage, den Feind zu vernichten und die Existenz der Staatlichkeit zu sichern. Das Ziel ist, den Moment zu nutzen.»

🟡 Der Schwerpunkt im Jahr 2024 sollte auf der Ausstattung der Streitkräfte mit High-Tech-Mitteln, einer neuen Philosophie der Ausbildung und Kriegsführung unter Berücksichtigung der Ressourcenbeschränkungen sowie der Entwicklung neuer Kampffähigkeiten liegen.

CNN weisst darauf hin, dass das Interview vor den jüngsten Gerüchten über die Entlassung von Zaluzhnyj aufgezeichnet wurde. https://edition.cnn.com/2024/02/01/europe/zaluzhnyi-ukraine-russia-war-analysis-intl/index.html

KEINE PANIK IN DER ARMEE

Sollte Valerii Zaluzhnyj nicht mehr oberster Befehlshaber der ukrainischen Armee sein, so sei die Armeeführung in der Lage, die Situation zu meistern. Das sagte der stellvertretende Kommandeur des 14. separaten Regiments der Streitkräfte der Ukraine, Jewgeni Karas: «Man muss verstehen, dass der Oberbefehlshaber eine Figur ist. Aber ihm folgt der Chef des Generalstabs, der organisatorische Arbeit leistet. Es gibt Anführer der Bodentruppen. Es gibt Luftstreitkräfte. Es gibt eine Menge von anderen Generälen, die den Generalstab leiten», erklärte Karas. «Der Krieg hängt nicht von einer oder zwei Personen ab (…) Wenn die Leute denken, dass wir „verrückt“ sind  – im Falle des Rücktritts von General Zaluzhnyj –  dann ist die Antwort: Nein.» Selbst Verrat oder Streit werden die Ukraine nicht erschüttern. Seiner Meinung nach verfügt die Ukraine über genügend starke Offiziere. https://t.me/uniannet/124490

Siehe auch Analyse von Mick Ryan im gestrigen Ukraine Aktuell Newsletter: https://aldrovandi.net/2024/01/31/ukraine-aktuell-nr-707-31-1-24-19uhr/

Mykhailo Podolyak, Berater des ukrainischen Präsidenten äusserte sich über die Gerüchte wegen der Absetzung von Zaluzhnyj: Zaluzhny sei einer der vom Staatsoberhaupt ernannten Manager. Es gäbe keinen Grund das Thema zu politisieren: «Es gibt eine Vertikale, in der es einen Präsidenten gibt, der Manager ernennt. Einer dieser vom Präsidenten ernannten Manager ist der Oberbefehlshaber».

TREIBSTOFFEXPORTE EINGEBROCHEN

Russland verlor ein Drittel seiner Benzinexporte, nachdem die Ukraine grosse Raffinerien angegriffen hatte. Wie die «Moscow Times» unter Berufung auf das Energieministerium der Russischen Föderation schreibt, haben russische Raffinerien im ersten Monats des Jahres 2024 den Benzinexport ins Ausland um 37 % reduziert. Der Absatz von Dieselkraftstoff – dem grössten Exportprodukt von Erdölprodukten – brach um 23 % ein. Der Rückgang der Exporte sei auf «ausserplanmäßige Reparaturen» in Ölraffinerien zurückzuführen. https://t.me/uniannet/124489

Die «ausserplanmässigen Reparaturen» sind notwendig nach den Angriffen der Ukraine auf die Raffinerien in russischen Hafenstädten. Artikel dazu hier: https://aldrovandi.net/2024/01/26/ukraine-aktuell-nr-702-26-1-24-22uhr/ (Oelraffinerie Tapse) und hier: (https://aldrovandi.net/2024/01/21/ukraine-aktuell-nr-697-21-1-24-22uhr/ Seehafen Ust-Luga)

CHINA AUF RUSSLANDS SEITE

Der Chef des chinesischen Verteidigungsministeriums, Dong Jun, sagte dem russischen Kriegsminister Shoigu, dass die Volksrepublik China Russland in der «Ukrainenfrage» trotz des anhaltenden Drucks seitens der USA und Europas voll und ganz unterstützen werde. https://t.me/uniannet/124402

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet heute, dass China die Ukraine vor einem Monat vor «negativen Konsequenzen» gewarnt habe. Dies würden eintreten, wenn die Ukrainer grosse chinesische Firmen als «Kriegssponsoren» bezeichnen. Namentlich genannt wurden 14 grosse Firmen Chinas darunter die «Alibaba»-Gruppe; die «Xiaomi» Corporation; die China National Offshore Petroleum Corporation und die China Railway Construction Corporation. Die Reaktion der ukrainischen Seite ist nicht bekannt. https://www.reuters.com/world/china-warns-ukraine-over-naming-its-firms-sponsors-war-sources-2024-02-01/

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