UKRAINE AKTUELL Nr. 722 (15.2.24/21Uhr)

  • Russen greifen Belgorod an
  • Ultimative Lage in Avdiivka
  • Bedeutung der «Caesar Kurnikow»
  • Wiederaufbau kostet 486 Milliarden $
  • Stimmungswechsel in der Ukraine

RUSSEN GREIFEN BELGOROD AN

«Legion Freiheit Russland» ist der Name einer bewaffneten Gruppe von russischen Putin-Gegnern, welche in der Ukraine – wie auch das sibirische Bataillon – gegen die russische Armee kämpfen und in ihrer Heimat Aktionen gegen die faschistische Kreml-Führung unternehmen. (Texte vom Januar, Dezember und September hier: https://aldrovandi.net/2024/01/03/ukraine-aktuell-nr-679-3-1-24-22uhr/, hier: https://aldrovandi.net/2023/12/17/ukraine-aktuell-nr-662-17-12-23-23uhr/ oder hier: https://aldrovandi.net/2023/09/28/ukraine-aktuell-nr-582-28-9-23-22uhr/)

Nun übernimmt die «Legion Freiheit Russlands» die Verantwortung für die Angriffe auf die russische Stadt Belgorod und das Territorium der Region Belgorod. Bei diesen sollen, so die russischen Behörden,  Menschen ums Leben gekommen sein, ohne dass dies genau spezifiziert wurde.

Die «Legion» nennt ihre Aktion eine «Rache für die Zerstörung Kharkivs» und der Region Kharkiv, durch russische Soldaten, da diese Region für die Legionäre zur «zweiten Heimat» geworden sei. Die Legion schreibt: «Putin hat Belgorod und die Region in eine Militärzone verwandelt. Wir werden das Beheben und die gesamte Grenzregion der Region Belgorod entmilitarisieren, damit die Zivilbevölkerung ruhig schlafen kann. Wir haben Familien und Freunde in Belgorod und sind mehr als alle anderen an ihrer Sicherheit interessiert. Je länger der Krieg dauert, desto mehr Schläge werden auf das schlafende, friedliche Kharkiv fallen und desto schneller und tiefer wird der Krieg auf das Territorium Russlands übergreifen.» https://t.me/Tsaplienko/48345

PLAN B FÜR AVDIIVKA

«Derzeit ist die Situation an der Kampflinie dynamisch und kann sich buchstäblich jede Stunde ändern.» Das sagte Dmytro Lykhova, Sprecher der ukrainischen Kampftruppen «Ost» zur Lage rund um die belagerte Stadt Avdiivka. «Für den Fall, dass die Besatzer die wichtigste Logistikader der Streitkräfte der Ukraine nach Avdiivka unterbrechen, sind bereits Ersatzlogistikrouten geplant.» https://t.me/Tsaplienko/48346

«Die Lage in Richtung Avdiivka ist sehr schwierig», die Zahl der Eindringlinge ist deutlich grösser als die der Verteidigungskräfte, das Verhältnis beträgt 1:7. Das sagte Alexander Borodin, ein Vertreter der dort kämpfenden 3. Spezialbrigade: «Die Russen rücken in deutlich überlegener Zahl vor. Wir können sagen, dass es jeder siebte ist. Es gibt eine ständige Offensive in verschiedenen Gebieten. Das sind zwei russische Armeen, die dort angreifen. Jetzt führen wir den Befehl aus, Positionen zu halten», bemerkte Borodin.

Auch John Kirby, der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrat der USA bezeichnete die Lage in Avdiivka als kritisch. Die Stadt könnte aufgrund eines Munitionsmangels in den ukrainischen Streitkräften unter die Kontrolle der Russischen Föderation geraten. https://t.me/uniannet/125824

Die «Washington Post» berichtet, dass das ukrainische Militär mit einem Teilrückzug aus Avdiivka begonnen habe und beruft sich dabei auf Quellen im ukrainischen Militär. Die Gesprächspartner der Zeitung glauben, dass der Verlust von Avdiivka «eine Frage der Zeit» ist. https://www.washingtonpost.com/world/2024/02/15/ukraine-avdiivka-oleksandr-syrsky-russia/

Bisher hat die ukrainische Militärführung keine solchen Informationen bekanntgegeben.

«CAESAR KURNIKOW»

Kyrylo Budanov, der Leiter des militärischen Geheimdienstes der Ukraine sagte, dass das gestern versenkte russische Landungsschiff «Caesar Kurnikow» Fracht von Noworossijsk nach Sewastopol transportiert habe. Sein Dienst habe das Gross-Schiff mit 5 MAGURA V5-Drohnen zerstört. https://t.me/c/1981859495/8339

Bei diesen Drohnen handelt es sich um Überwasser-Drohnen aus ukrainischer Entwicklung. Der Begriff MAGURA ist ein Akronym für Maritime Autonomous Guard Unmanned Robotic Apparatus. https://de.wikipedia.org/wiki/MAGURA_V5

Zum versenkten Schiff gab Pavlo Lakiychuk, ein pensionierter Kapitän der ukrainischen Marine, folgende Auskünfte: Die russische Schwarzmeerflotte verfügte über zwei Typen grosser amphibischer Schiffe, die wie zivile Massengutfrachter aussehen. Sie werden scherzhaft «Reistransporter» oder «Arbeitstier» genannt. Die Caesar Kurnikow wurde 1986 vom Stapel gelassen, ist also für russische Verhältnisse ein relativ junges Schiff und kostet gegen 110 Millionen US-Dollar.

Das Schiff sei eine «Legende» gewesen, sagt Lakiychuk. Es nahm am Jugoslawien- und Georgienkrieg teil. In den Jahren 2015–2017 war er Teil des «Syrian Express», der Waffen nach Syrien und zurück nach Russland lieferte.

Der gestrige Anschlag war der zweite Versuch der Ukraine, die «Caesar Kurnikow» zu zerstören. Der erste ereignete sich am 24. März 2022, als die Ukraine den Hafen von Berdjansk mit einer ballistischen Point-U-Rakete traf. Damals sank der Transporter «Saratow». Die «Caesar Kurnikow» und das Schwesterschiff «Nowocherkask» wurden beschädigt.

Die Symbolik der jetzigen Aktion liegt im Datum. Vor 81 Jahren – am 14. Februar 1943 – starb der sowjetische Offizier Caesar Kurnikow, nach dem das Schiff benannt war. https://forbes.ua/war-in-ukraine/korabel-smertnik-chim-vidomiy-tsezar-kunikov-yakiy-sogodni-znishchilo-gur-pereviznik-shakhediv-i-pikhoti-vartistyu-110-mln-14022024-19224

«KEINE WOHLTÄTGKEIT»

Im Rahmen des Treffens westlicher Unterstützer für die Ukraine sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zur Unterstützung der Ukraine: «Die Unterstützung der NATO ist ein Beispiel für echte transatlantische Lastenteilung.
Ich begrüsse auch die jüngste Entscheidung der EU über ein großes neues Hilfspaket. Und ich gehe davon aus, dass der US-Kongress bald diesem Beispiel folgen wird.
Das ist keine Wohltätigkeit. Das ist eine Investition in unsere eigene Sicherheit.» https://t.me/c/1981859495/8318

RUSSEN SPONSERN MIKE JOHNSON

Der Sprecher der US-Republikaner Mike Johnson wehrt sich weiter gegen ein Hilfepaket der USA an die Ukraine. Er tut dies nicht direkt, sondern behauptet, dass es viel wichtiger sei, die amerikanische Südgrenze gegen Immigranten zu schützen.

Solange dieses Problem nicht gelöst sei, würden die Republikaner im US-Repräsentantenhaus, dem vom US-Senat bewilligten Paket nicht zustimmen. Johnsons Worte: «Wenn es um die Grenze geht, ist das kein republikanisches Problem, es ist die Angelegenheit jedes Einzelnen. Wir kennen die Geschichten von Kindern, die mit Fentanyl vergiftet werden, und von Städten, die von Migranten überrannt werden. Wir ergreifen Massnahmen, um unsere eigene Grenze zu schützen». https://t.me/c/1394092619/62018

Bereits im Oktober 2023 hatte «Newsweek» enthüllt, dass Mike Johnson Spenden für seinen 2018-Wahlkampf erhielt von einer Organisation die zu 88% drei Russen gehört. Die Organisation heisst «American Ethane» und die Hauptfinanzierer sind die Russen Konstantin Nikolaev, Mykhailo Yuryev und Andriy Kunatbaev. https://www.newsweek.com/house-speaker-mike-johnson-donations-russia-butina-1838501

BALTISCHE STAATEN SCHÜTZEN SICH

Die baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen bereiten sich auf eine russisch Invasion vor. Sie bauen Betonpyramiden («Drachenzähne»), Gräben und Bunker. Das berichtet die britische «Times»: https://www.thetimes.co.uk/article/nato-baltic-frontline-bunkers-anti-tank-mines-russia-zbdqk3xlv

Verstärkt wird insbesondere der tausend Kilometer langer Abschnitt ihrer Ostgrenze. Dieser militärisch gefährdetste Teil der Nato-Flanke heisst «Baltische Verteidigungslinie» und sie soll mit Barrieren und Bunkern verstärkt werden.

Suzan Lilleval, stellvertretende Verteidigungsministerin Estlands, sagt dazu: «Jeder Bunker wird eine Fläche von etwa 37 Quadratmetern haben, Platz für etwa 10 Soldaten bieten und vor Artilleriefeuer geschützt sein. Darüber hinaus wird es Munitionsdepots und Bauwerke wie Panzerabwehrminen, Gräben, Stacheldraht usw. geben, sowie Betonpyramiden gegen Panzer, bekannt als «Drachenzähne».

DIE KOSTEN DES WIEDERAUFBAUS

Die Ukraine braucht fast eine halbe Billion Dollar für den Wiederaufbau nach dem Krieg und die beschlagnahmten russischen Vermögenswerte sollten diesen Betrag decken. «Die Gesamtkosten für Wiederaufbau und Erholung in der Ukraine werden sich im nächsten Jahrzehnt auf 486 Milliarden US-Dollar belaufen, gegenüber 411 Milliarden US-Dollar vor einem Jahr», heisst es in einem neuen Bericht der Europäischen Kommission.

Laut dem ukrainischen Premierminister Denys Shmygal sollte die Beschlagnahme der im Westen eingefrorenen russischen Vermögenswerte die wichtigste Ressource für die Wiederherstellung der Ukraine sein. https://t.me/uniannet/125813

STIMMUNGSWECHSEL IN DER UKRAINE

Eine repräsentative Umfrage bei 5’105 befragten Ukrainerinnen und Ukrainern zeigt einen Stimmungswechsel nach dem erzwungenen Rücktritt des Armeechefs Valerii Zaluzhnyj.
Die Ukrainer sind kategorisch gegen den Rücktritt von Zaluzhnyj (80,45 % dagegen) und gegen die erzwungene Mobilisierung (89,72 % dagegen).
Die absolute Mehrheit befürwortet die freiwillige Mobilisierung mit finanzieller Motivation (für – 93,97 %) und die Einberufung von Sicherheitskräften im Hinterland (für 86,54 %).

Der Rücktritt von Zaluzhnyj und die angekündigte Mobilisierung veränderten auch die politischen Präferenzen der Ukrainer.
Würden heute die Präsidentschaftswahlen stattfinden, sähe das Ergebnis wie folgt aus: Zaluzhnyj: 38,16 %, Zelenskyj: 16,17 %, Timoschenko: 9,91 %, Poroschenko: 8,08 %.
Wenn Zaluzhnyj nicht an den Wahlen teilgenommen hätte: Zelenskyj: 21,01 %, Timoschenko: 18,83 %, Poroschenko: 14,14 %, Klitschko: 6,64 %.

Vier Parteien würden ins Parlament einziehen: Zaluzhnyjs Partei: 36,92 %, Zelenskyjs Partei: 12,76 %, Timoschenkos Partei: 9,84 %, Poroschenkos Partei: 7,65 %. https://www.facebook.com/share/p/FWtAHM2SVk1fZ1cp/?mibextid=WC7FNe

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