UKRAINE AKTUELL Nr. 743 (7.3.24/21Uhr)

  • Moskau greift nach Moldawien
  • Support für «Koalition der Willigen»
  • Schwerer Schlag für Putins Flotte
  • Die Zaluzhnyj Linie entsteht
  • Hamburg oder Paris zerstören?

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MOLDAWIEN IST BEDROHT

Heute unterzeichnete die moldawische Präsidentin Maia Sandu in Paris einen Verteidigungspakt mit Frankreich (FOTO). Vor ihrer Reise erklärte Sandu, Moskau plane, die Stabilität ihres Landes zu untergraben und die EU-Integration zu verhindern. https://www.france24.com/fr/europe/20240307-la-france-se-tient-aux-c%C3%B4t%C3%A9s-de-la-moldavie-face-%C3%A0-la-menace-russe

Moldawien ist das Land zwischen Rumänien und der Ukraine und bewirbt sich um eine Aufnahme in der EU.

Der Sprecher des Kremls, Dmitri Peskow sagte als Reaktion auf den Vertrag mit Moldawien: «Macron erhöht weiter das Niveau der französischen Beteiligung an diesem Krieg.» Damit bestätigte Peskow, dass der Kreml Moldawien als Teil des Ukraine-Krieges betrachtet. https://twitter.com/tweetforAnna/status/1765780440734970158

Gestern hatte die moldawische Regierung bekanntgegeben, dass sie aus dem Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) austreten werde. Diese 1990 zwischen der NATO und dem von Russland dominierten «Warschau-Pakt» geschlossene Vertrag limitierte die Truppenstärke in den einzelnen Ländern, also auch in Moldawien. Dieser Schritt sei gegen Russland gerichtet, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des russischen «Parlaments», der Duma.

Die beiden Regionen Moldawiens, welche sich als autonom bezeichnen und Russland zugeneigt , respektive von russischen Soldaten besetzt sind, geben keine Ruhe. Ende Februar hatte die «Republik Transnistrien» Putin gebeten, den «Schutz» der dort lebenden Russen zu garantieren. Diese Woche besuchte die Vertreterin der Region «Gagausien», Eugenia Gutsul, Putin im Kreml (FOTO) und beklagte sich über die «gesetzlosen Vorgehen» der moldawischen Regierung gegen die Einwohner von Gagausien. https://www.fr.de/politik/russische-separatisten-propaganda-russland-moldau-putin-ukraine-krieg-gagausien-transnistrien-pro-92864858.html

Letzte Woche hatte auch der russische Aussenminister Sergej Lawrow den Ton gegenüber Moldawien verstärkt. Mit ähnlichen Worten wie früher zum Donbass sprach er davon, dass Moldawien die russischsprechenden Einwohner «unterdrücke». Lawrow drohte dem «moldawischen Regime» wegen Transnistrien und vergleicht Moldawien mit der Ukraine: «Die Situation ist identisch». https://twitter.com/i/status/1763893936064491848

«KOALITION DER WILLIGEN»

Der ehemalige Armeegeneral und derzeitige Präsident der Tschechischen Republik, Petr Pavel (FOTO), erklärte heute, er unterstütze die Gespräche innerhalb der NATO und mit anderen europäischen Ländern über eine «Koalition der Willigen». Diese soll der Ukraine alles zur Verfügung stellen, was sie zum Sieg über Russland benötigt. Dazu gehöre auch die Entsendung von NATO-Truppen in die Ukraine in einer nicht-kämpferischen Rolle. https://twitter.com/sentdefender/status/1765148114053206485

Pavel unterstützt damit, neben baltischen Staaten, den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der in dieser Frage isoliert erschien, nachdem sich insbesondere Deutschland und die USA von dessen Ideen distanziert hatten.

ANGRIFF HINTER DER FRONT

Heute Morgen traf kurz vor 6 Uhr eine ukrainische Drohne das russische Stahlindustrieunternehmen «Severstal» in der Region Cherepovets, 800 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Die Drohne durchschlug eine Wand und explodierte dort, wo sich der Hochofen des Werkes befindet. https://twitter.com/bayraktar_1love/status/1765764582360969363

Es war bereits der dritte Angriff mit ukrainischen Drohnen auf ein Rüstungswichtiges Metall- und Stahlwerk in Russland. Zuvor waren Werke in Lipetsk und Kursk attackiert worden. https://twitter.com/sentdefender/status/1765148114053206485

In der russischen Region Kasan brennt eine Ausbildungsinstitut, in welchem Panzerkommandanten der russischen Armee ausgebildet worden waren: Die Höhere Panzerkommandoschule für Offiziere. https://twitter.com/i/status/1765793078135468499

BEDEUTUNG DER «SERGEI KOTOV»

Die Versenkung des russischen Schiffes «Sergei Kotov» vor zwei Tagen https://aldrovandi.net/2024/03/05/ukraine-aktuell-nr-741-5-3-24-20uhr/  hat eine grössere Bedeutung, als ursprünglich angenommen.

Erstens ging mit dem Schiff auch ein Schiffstransport-Kampfhubschrauber vom Typ a-29 unter, der auf dem Deck stationiert war. https://twitter.com/front_ukrainian/status/1764964933387657460

Zweitens ist es der Beleg, dass die neuen ukrainischen Drohnen ein so neues Schiff (erst 2021 in Betrieb genommen, FOTO) attackieren können, denn zwei bisherige Versuche im letzten Jahr scheiterten.

Drittens wachsen in Russland nach dieser Niederlage die Stimmen, welche einen kompletten Rückzug der Schwarzmeerflotte aus dem Asowschen Meer verlangen. Sollte dies geschehen, ist der Weg für ukrainische Seedrohnen frei, welche die Krimbrücke angreifen können. Im Gegensatz zu Raketen können Drohnen bedeutend grössere Mengen Sprengstoff ins Ziel bringen. https://twitter.com/ArturRehi/status/1765094096002334952/photo/1

LAGE AN DER OST-FRONT

Die ukrainische Armee hat die volle Kontrolle über Tonenky westlich von Avdiivka zurückgewonnen. Die Russen beschiessen das Dorf mit Flugabwehrkanonen. https://twitter.com/officejjsmart/status/1765702660571754778

Westlich von Marinka haben die ukrainischen Streitkräfte einige Stellungen im Einsatzgebiet Heorhijiwka zurückerobert. https://twitter.com/astraiaintel/status/1765762127044702589

Der ukrainische Generalstab schrieb, dass es allein heute zu 70 Kampfhandlungen gekommen sei. «Der Feind schlug insgesamt 3x mit Raketen und 43x aus der Luft zu und führte 46x MLRS-Angriffe auf die Stellungen der ukrainischen Truppen und verschiedene Siedlungen durch.» Nach diesen Angaben gelang es den Russen nirgends durchzubrechen, aber auch von ukrainischen Erfolgen ist nicht die Rede. https://www.facebook.com/GeneralStaff.ua

DIE ZALUZHNYJ LINIE ENTSTEHT

Heute erschienen erstmals Video-Bilder der von der Ukraine neu aufgebauten sogenannten «Zaluzhnyj-Linie» in der Region Saporischja. Wie aus den Bildern ersichtlich ist, handelt es sich um ein zickzackförmiges System von Schützen- und Schutzgraben, welche mit Betonbunkern in Würfelform verstärkt werden. Die Verteidigungslinien entstehen hinter der jetzt gültigen Frontlinie und sind eine Art «Rückfallposition». Die Bilder haben eine breite Diskussion ausgelöst, deren Hauptfrage ist: Warum passiert das erst heute? https://twitter.com/astraiaintel/status/1765717758002540723

Übrigens wurde heute der entlassene Armeechef Valerii Zaluzhnyj (FOTO) auf seinen Wunsch hin zum Botschafter der Ukraine in Grossbritanien ernannt. https://t.me/V_Zelenskiy_official/9698

5-MINUTEN ERKLÄRUNG

Der ukrainische Aussenminister Dmitro Kuleba (FOTO) hat ein Video veröffentlicht, in dem er auf zwei Behauptungen antwortet: «War Russland gezwungen, die Ukraine anzugreifen, weil die Ukrainer der NATO beitreten wollten? Versprach die NATO, sich nicht nach Osten auszudehnen, brach dieses Versprechen aber später?» Ich werde weniger als fünf Minuten brauchen, um mit Fakten zu beweisen, dass beide Aussagen falsch sind. https://twitter.com/DmytroKuleba/status/1765286606506738042

Bereits im November hatte Kuleba an Leute mit einem «kurzen Gedächtnis» appelliert: «Zwischen 2014 und 2022 führte die Ukraine rund 200 Gesprächsrunden mit Russland. In diesem Zeitraum wurden 20 Waffenstillstandsvereinbarungen getroffen, die alle von Russland schnell gebrochen wurden. Weder die 200 Gesprächsrunden noch die 20 Waffenstillstände haben Putin daran gehindert, am 24. Februar 2022 eine brutale Invasion in der Ukraine zu starten.

Diejenigen, die dafür plädieren, dass die Ukraine jetzt mit Russland verhandeln sollte, sind entweder uninformiert oder irregeführt, oder sie stellen sich auf die Seite Russlands und wollen, dass Putin eine Pause einlegt, bevor er eine noch größere Aggression startet. Wir sollten und werden nicht in diese Falle tappen.» https://twitter.com/dmytrokuleba/status/1722513404600950931?s=43&t=Sxt_HRDdRrW65xCRS1SmHw

DISKUSSION: HAMBURG ODER PARIS?

Im russischen Staatsfernsehen debattieren unter der Leitung des Kreml-Chefpropagandisten Wladimir Solowjow (FOTO) einige wohlgenährte Herren, welche westeuropäischen Städte angegriffen werden sollen. Marseille oder Paris? fragt Solowjow. Marseille und Paris, auf jeden Fall, eventuell auch Lyon, antwortete einer der Teilnehmer. Bukarest gehöre auf jeden Fall auf die Liste. Und in Deutschland sei, als Rache für Taurus, sicher Hamburg zu zerstören oder vielleicht München? «Vielleicht sollten wir eine Umfrage durchführen, welche Städte sich nicht fürchten, zu verlieren? Damit sie verstehen, wohin sie diese Idioten führen, die diese Länder regieren.», fragte Solowjow.  https://twitter.com/AWerberger/status/1765684103238627738

Solowjow wurde in einer Kreml-freundlichen Publikation aus Zürich als der führende Journalist Russlands lobend erwähnt und der Chefredaktor jenes Heftes bildete sich in einem Selfie stolz mit dem Kriegs-Propagandisten ab.

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