UKRAINE AKTUELL Nr. 715 (8.2.24/22Uhr)

  • Wieder 100 Gefangene frei
  • Erwartungen an neuen Armee-Chef
  • Historisches Vorbild für Tucker Carlson
  • US-Senat ringt um Hilfe-Paket

******************
Abonniere den Gratis-Newsletter «Ukraine Aktuell» und Du erhältst exklusive Fotos, Karten und Zusatzinformationen, die Du hier nicht siehst. Hier kannst Du Dich anmelden: https://aldrovandi.net/newsletter-ukraine-aktuell-anmeldung
******************

WIEDER 100 GEFANGENE FREI

Infolge eines weiteren Austauschs mit den Russen nach der Formel 1:1 sind 100 ukrainische Verteidiger in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Koordinierungsstelle für die Behandlung von Kriegsgefangenen teilte mit, dass sich unter den 100 aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrten Verteidigern 49 Soldaten der ukrainischen Nationalgarde, 25 Grenzsoldaten und 26 Angehörige der Streitkräfte befinden.

«Alle Freigelassenen sind Gefreite und Unteroffiziere. 84 gerettete Soldaten verteidigten Mariupol, darunter 82 Verteidiger von «Azovstal», der Rest erfüllte Kampfaufgaben in den Richtungen Donezk und Lugansk», heisst es in der Nachricht.

Der älteste freigelassene Häftling ist 62 Jahre alt und der jüngste 20 Jahre alt. Die Koordinationszentrale berichtete, dass mindestens 28 der freigelassenen Gefangenen Verletzungen oder schwere Krankheiten haben.

Dies ist der 51. Gefangenenaustausch. Seit der gross angelegten Invasion wurden bereits 3’135 Verteidiger und Beschützer der Ukraine aus russischer Gefangenschaft befreit. https://www.unian.net/war/obmen-plennymi-ukraina-vernula-sotnyu-svoih-zashchitnikov-12538068.html
 

NEUER ARMEECHEF DER UKRAINE

Der bisherige Generalstabschef Valerji Zaluzhnyj wurde vom ukrainischen Staatspräsident Volodymyr Zelenskyj abgesetzt. An Stelle von Zaluzhnyj tritt per sofort Oleksandr Syrskyj, der bisherige Chef der ukrainischen Landstreitkräfte.

In seiner Abendansprache erklärte Zelenskyj unter anderem: «Ich bin General Zaluzhnyj für zwei Jahre Verteidigung dankbar. Ich schätze jeden Sieg, den wir gemeinsam errungen haben, und danke allen ukrainischen Kriegern, die diesen Krieg heldenhaft auf ihren Schultern tragen. Ich habe General Zaluzhnyj vorgeschlagen, dass wir weiterhin im ukrainischen Staatsteam zusammenbleiben.

Ich habe Dutzende Gespräche mit Kommandeuren auf verschiedenen Ebenen geführt. Ich habe insbesondere mit den Brigadegenerälen Andriy Hnatov, Mykhailo Drapatyi und Ihor Skybiuk sowie den Obersten Pavlo Palisa und Vadym Sukharevskyi gesprochen.

Sie alle werden für Führungspositionen in der Armee in Betracht gezogen und werden vom erfahrensten Kommandeur der Ukraine angeführt. Ich habe Generaloberst Oleksandr Syrskyj zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine ernannt. Er verfügt über erfolgreiche Defensiverfahrung, insbesondere im Kyiver Verteidigungseinsatz. Er verfügt auch über erfolgreiche Offensiverfahrung, insbesondere bei der Befreiungsoperation Kharkiv.

Ab heute wird ein neues Führungsteam die Führung der Streitkräfte der Ukraine übernehmen.

Ich möchte sicherstellen, dass unsere Krieger in Robotyne und Avdiivka sowie der Generalstab und die Stabstreffen alle die gleiche Vision der Kriegsanstrengungen teilen. https://t.me/V_Zelenskiy_official/9407

Über die mögliche Absetzung von Zaluzhnyj habe ich hier die Einschätzung des Armee-Analysten Mike Ryan am 31.Januar publiziert. https://aldrovandi.net/2024/01/31/ukraine-aktuell-nr-707-31-1-24-19uhr/

Anstelle weiterer Analysen sind hier vier interessante Statements veröffentlicht:

MYKHAILO FEDOROV, Minister für digitale Transformation in der Ukraine: «Meine volle Unterstützung für Präsident Zelenskyjs Entscheidung. Die Frontlinie braucht Veränderungen. Dringend, proaktiv, intelligent. Die alte Art der Kriegsführung funktioniert im Jahr 2024 nicht mehr. Offensive Aktionen können nicht aus einer defensiven Position heraus durchgeführt werden.

Ein paar Punkte für das globale Publikum, um zu verstehen, was in der Ukraine passiert:

General Syrskyj übernahm die Führung bei der Befreiung der Regionen Kyiv und Kharkiv. Die Erfahrung von Syrskyj wird mit der Generation junger Generäle und Obersten kombiniert, die die Bedürfnisse der Frontlinie kennen und verstehen. Und was noch wichtiger ist, sie nutzen die technischen Vorteile.

Ich erwarte, dass die neue Führung die dringenden Herausforderungen angeht: Klarer und realistischer Aktionsplan für 2024; Jeder General muss die Frontlinie kennen; Nur ausgebildete Soldaten an der Nulllinie; Logistische Probleme mit Lagern und Munitionsverteilung; Gerechter Personalwechsel.

Der Krieg im Jahr 2024 ist ganz anders als im Februar 2022. Heute prägen Technologien die Organisationsstruktur der Armee und verändern die Doktrin der Kriegsführung. Ich glaube an einen Durchbruch nur durch Technologien: Drohnen, Funkfrequenzen Planung; Bodenplattformen; AI. Wir müssen Probleme, Verluste und die Ineffizienz der Gegenoffensive 2023 zugeben.

Die Ukraine hat den Punkt erreicht, an dem wir in der Lage sind, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, oder wir verlieren Territorien, Menschen und unsere Souveränität. Im Jahr 2024 geht es darum, die Front neu zu erfinden und die Ukraine zurückzugewinnen. https://twitter.com/FedorovMykhailo/status/1755654659883044996

Die «Washington Post» schreibt, dass viele ukrainische Soldaten den neuen Armeechef kritisch betrachten:

Im Artikel steht, Syrskyj werde als Kommandeur aus der Sowjet-Ära angesehen, der es nicht geschafft hat, Bakhmut zu halten. Bakhmut hatte einen begrenzten strategischen Wert, für den Tausende von ukrainischen Soldaten getötet und viele weitere verwundet wurden. Einige ukrainische Soldaten bezeichnen Syrskyj als «Schlächter». «Ich weiss nur, was ich von meinen Untergebenen gehört habe», sagte ein hochrangiger Militärbeamter, der wie andere unter der Bedingung der Anonymität sprach, weil er nicht befugt war, dies öffentlich zu tun. «Hundert Prozent von ihnen haben keinen Respekt vor ihm, weil sie glauben, dass er das Leben der Soldaten nicht zählt. (…) Im Vergleich zu Zaluzhnyj erhält er viel weniger Unterstützung», fügte die Person hinzu. https://www.washingtonpost.com/world/2024/02/08/valery-zaluzhny-commander-ukraine-removed/

CHRISTOPHE TYMOWSKI, ein ehemaliger Schweizer Offizier und Redaktor bei der «Revue Militaire Suisse» schreibt, dass Syrskyj ein Vertreter symbolischer Schlachten sei, der das Risiko von grossen Verlusten in Kauf nehme. «Die Politik gewinnt die Oberhand über den gesunden Menschenverstand und die Notwendigkeiten. Leider sehe ich nicht voraus, dass die legitimen Absichten des scheidenden Kommandanten, die gefährdeten Gebiete zu verlassen, umgesetzt werden. Stattdessen werden wir eine bis zum Äussersten gehende Sturheit erleben, was zu einer Verschlechterung der ukrainischen Streitkräfte führen wird.» https://twitter.com/Christophe_Tymo/status/1755675650726256930

Zum neuen Führungsteam der ukrainischen Armee gehören: Ihor Skybyuk – stellvertretender Kommandeur der Verteidigungskräfte und ehemaliger Kommandeur der 80. Luftlande-Sturmbrigade; Mykhailo Drapaty – ehemaliger Kommandeur der 58. motorisierten Infanteriebrigade und des Militärstützpunkts „Kherson“; Andriy Hnatov – Stabschef, stellvertretender Befehlshaber der Truppen des Einsatzkommandos „Süd“;

Pavlo Palisa – Kommandeur der 93. mechanisierten Brigade und Vadim Sukharevskyi – Kommandeur der 59. motorisierten Infanteriebrigade. https://t.me/c/1269013410/62891

MAXIM ZHORIN, stellvertretender Kommandant der 3.Angriffsbrigade, einer Eliteeinheit der Azov-Soldaten, kennt diese Führungspersonen und sagte in einer TV-Sendung: «Die vom Präsidenten benannten Generäle sind Kampfgeneräle und kamen aus den Schützengräben von 2014.» https://www.youtube.com/watch?v=Afc6MX4LdCM

Laut Zhorin gehören Zaluzhnyj und Syrskyj etwa «der gleichen Schule» an. Neu sind die Generäle, die dem Team des neuen Oberbefehlshabers der Streitkräfte der Ukraine, Syrskyj, beitreten werden. Sie sind jung und verfügen dennoch über umfangreiche Kampferfahrung. «Das ist eine neue Militärgeneration – etwa 40 Jahre alt», bemerkte er. «Und ihre Erfahrung kann durch keine Militärschule ersetzt werden.»

VORBILD FÜR TUCKER CARLSON

Der beim konservativen Sender «FOX News» wegen der Verbreitung offensichtlicher Fälschungen gefeuerte Starmoderator Tucker Carlson hat sein Gespräch mit Putin fertiggestellt. Das sogenannte «Interview» wird in dieser Nacht in den USA via Twitter/X und www.tuckercarlson.com veröffentlicht. Der Amerikaner machte dafür Werbung auf Instagram, aber nicht auf Twitter/X.

Carlson selber ist mit dem Flugzeug nach Serbien weitergeflogen, wo er weitere Putin-Unterstützer treffen wird.

Es gibt ein historisches Vorbild für das Wirken von Carlson Tucker. Der ukrainische Blogger «Lew Anno1540» hat die Parallelen gezogen. Hier Auszüge:

Die offensichtlichste Parallele zu Carlsons kriecherischer Annäherung an einen russischen Despoten ist wohl der New York Times-Reporter Walter Duranty, der von 1922 bis 1936 Büroleiter in Moskau war. Nachdem er seine Loyalität unter Beweis gestellt und glühende Berichte über den Fünfjahresplan der Kommunisten geschrieben hatte, erhielt er von Stalin ein Exklusivinterview. Er versäumte es, über den Holodomor zu berichten, die Hungersnot, der 1932 und 1933 Millionen von Ukrainern zum Opfer fielen, und griff diejenigen an, die versuchten, die Nachricht zu verbreiten, darunter Gareth Jones, ein walisischer Journalist.

«Jeder Bericht über eine Hungersnot in Russland ist heute eine Übertreibung oder bösartige Propaganda», schrieb Duranty in einem falschen Artikel. Später, als Stalins Gräueltaten öffentlich bekannt wurden, sagte Duranty: «Man kann kein Omelett machen, ohne ein paar Eier zu zerschlagen.»

Mit dieser Haltung hat sich die New York Times im Laufe der Jahre keinen Gefallen getan, und Duranty wurde immer wieder als ein ungeheuerliches Beispiel für Fehlverhalten angeführt. Die Zeitung räumt ein, dass die Berichterstattung, für die er 1932 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, «weitgehend diskreditiert» ist.»

Vom heute veröffentlichten Gespräch erwartet er nicht viel: «Schliesslich steht Carlson schon seit langer Zeit auf Putins Seite. Er plädierte dafür, dass Washington sich im Krieg gegen die Ukraine auf die Seite Russlands stellen sollte, und bezeichnete den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelenskyj als «gefährlichen Autoritaristen» – eine Beschreibung, die seiner Meinung nach nicht auf den russischen Staatschef zutrifft. Er hat auch immer mit Putins Forderungen nach «traditionellen Werten» übereingestimmt – was in Russland in der Regel den Missbrauch von LGBTQ+-Rechten bedeutet.» https://twitter.com/anno1540/status/1755671911596486934

US-SENAT RINGT UM HILFE-PAKET

Demokraten und einzelne Republikaner stimmten heute im US-Senat für ein abgespecktes Auslandshilfepaket, das Mittel für die Ukraine, Israel und Taiwan ohne Reformen der Grenzpolitik vorsieht.

Das Paket enthält 60 Mrd. USD für die Ukraine, 14,1 Mrd. USD für Israel, 9,2 Mrd. USD für humanitäre Hilfe und 4,8 Mrd. USD für die Unterstützung regionaler Partner im indopazifischen Raum. Massnahmen an der amerikanischen Südgrenze, welche gestern von den Republikanern kritisiert worden waren, wurden aus dem Paket gestrichen.

Nach der 67:32-Abstimmung können die Senatoren nun mit der Prüfung des Pakets beginnen. Es ist jedoch noch nicht sicher, ob der Gesetzentwurf die für eine endgültige Verabschiedung erforderlichen Stimmen erhält. Der Diskussionsprozess könnte sich noch Tage hinziehen.

Sollte der Senat der Hilfe zustimmen, muss sie noch vom Repräsentantenhaus verabschiedet werden. Dort haben die Republikaner die Mehrheit und diese stehen unter enormem Druck von Donald Trump, der sich gegen die Hilfe ausgesprochen hat. Quellen: https://www.bbc.com/news/world-us-canada-68246566 und https://kyivindependent.com/draft-senate-passes-fails-to-pass-ukraine-israel-aid/

Facebook
Twitter
Pinterest
Telegram
Email
Print
BLICKPUNKT

Ähnliche Texte

Artikel

Erste Klärungen vor Schicksalwahl

Im Hinblick auf die Neuwahlen in 17 Tagen in Frankreich gibt es erste Entscheidungen.(FOTO: Marion Maréchal-LePen und Éric Ciotti haben drei Dinge gemeinsam: Sie sehen

Mehr »
Artikel

FRANKREICH VOR RICHTUNGWAHL

Die Nationalisten und Rassisten haben in Frankreich an diesem Sonntag bei den Europawahlen 37.1% der Stimmen erreicht. Geschockt von diesem Resultat hat Staatspräsident Emmanuel Macron

Mehr »

Copyright © 2020. www.aldrovandi.net. All rights reserved.