Sieg nach Punkten für Macron

In den Umfragen der letzten 10 Tage (IFOP) hat sich der Abstand zwischen Macron und LePen vergrössert. Aber als entscheidend gilt die TV-Debatte von gestern Abend.

Diese Live Debatte auf den grossen französischen TV-Kanälen dauerte 2 Stunden 50 Minuten. Danach befragte BFMTV die Zuschauer: 59% fanden, dass Emmanuel Macron überzeugend gewesen sei, 39% Marine LePen.

Die Zeitung «Aujourd’hui en France» titelt heute: «Macron im Angriff – LePen in der Verteidigung». Die anderen regionalen und nationalen Blätter begnügen sich mit der Feststellung, dass sich «zwei Gesichter Frankreichs» gezeigt haben, dass es «Projekt gegen Projekt» gewesen sei oder dass «die Kandidaten in jedem Punkt anderer Meinung» waren.

Einig sind sich alle Beobachter auch, dass es eine «echte Debatte» gewesen ist. Einige Sätze dieser Debatte bleiben in Erinnerung und sie kamen alle von Macron. (zitiert nach meiner Mitschrift der Debatte).

Schulden

Le Pens Partei hat 11 Mio€ Schulden bei einer Kreml nahen Bank:«Wenn Sie von Russland reden, dann reden Sie mit Ihren Bankiers. Sie können nicht die Interessen Frankreich vertreten, weil sie von Russland abhängig sind. Viele ihrer Entscheidungen erklären sich durch diese Abhängigkeit.»
Diese Abhängigkeit unterstrich Le Pen unfreiwillig mit dieser Aussage: «Ich bin gegen das Ende der Gas und Ölimporte, denn das macht nur uns weh, nicht den Russland.»

Kaufkraft

«Sie können den Leuten nicht 10% mehr Lohn versprechen, denn die Löhne machen die Unternehmer, nicht Sie.»
«Sie haben keine Antworten und ihre Zahlen sind falsch.»

Europa

«Sie können einen Club nicht alleine ändern, es sind 27 Länder am Tisch. Sie glauben immer, sie können nur an Frankreich denken, aber das geht nicht in Europa. Ihr Programm sagt es nicht klar, aber Sie wollen aus Europa austreten.»

Umweltschutz, Arbeitslosigkeit, Covid

«In ihrem Programm hat es kein Wort zum Thema Umweltschutz. In Wahrheit sind sie Klimaskeptisch.»
«In ihrem Programm hat es kein Wort zum Thema Arbeitslosigkeit. Offenbar sind sie mit der Senkung zufrieden.»
«Hören Sie auf, alles durcheinander zu bringen. Wie hätten Sie auf Covid reagiert?»

Gewalt und Justiz

«10’000 Polizeistellen wurden geschaffen. Die Mittel der Justiz wurde um 30% erhöht. Wir machen konkrete Resultate mit konkreten Massnahmen nicht Deklarationen.»

Laizität und Islamismus

«Sie machen eine unzulässige Verknüpfung zwischen Kopftuch – Immigranten – Islamismus.»
«Wenn Sie die religiösen Symbole wie das Kopftuch auf der Strasse verbieten wollen, dann müssen Sie auch das Kreuz und die Kippa verbieten. Wenn sie das auf der Strasse verbieten wollen, dann wollen sie den Bürgerkrieg.»

Vox Populi

Der Sieg nach Punkten ist da. Oder wie die Verkäuferin in meiner Boulangerie heute Morgen sagte: «Le Pen hat nicht die Postur, um zu regieren. Ihre Vorschläge sind zu wenig solide.» (Andere Reporter zitierten früher jeweils die «Taxifahrer», wenn sie des «Volkes Stimme» wollten).

Trotzdem ist ein Sieg Macrons nicht gewiss. Dranbleiben, ist die Devise des grünen Kandidaten Yannick Jadot: Man müsse unbedingt Macron wählen und so dem Rechtsextremismus einen Riegel schieben.
Noch deutlicher ist Marcel Thomazeau, ein deportierter Résistant-Kämpfer in der Zeitung La Marseillaise: «Ich will keine Faschistin an der Spitze Frankreichs».

Die Entscheidung wird am Sonntagabend um 20.00 Uhr bekannt.

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