UKRAINE AKTUELL Nr. 770 (3.4.24/21Uhr)

  • Zerstörung der russischen Armee
  • Angriffe auf Raffinerien sind effizient
  • Russland hat 50 Marschflugkörper geladen
  • Partner gaben 5 – 7% ihrer Patriot-Systeme
  • Mobilisierungsplan sauber erarbeitet

REKORDVERLUSTE DER RUSSEN

Auf der Basis geolokalisierter Videos und weiterer Belege hat Alexander Kovalenko Militärischer und politischer Kolumnist für die Gruppe «Information Resistance» eine Bilanz des Monats März erstellt. In der Zusammenfassung stellt er fest: «Die Zermürbung des Feindes ist auf Kurs. Es ist eine schwierige Phase des Krieges, die für viele unverständlich ist, denn in dieser Zeit ist nicht der Gewinn von Territorium entscheidend, sondern die Anzahl zerstörten Feinde und Ausrüstungen.

Die Indikatoren für die letzten drei Monate und insbesondere für März deuten darauf hin, dass der Abbau der russischen Besatzungstruppen planmässig verläuft. Seine Beschleunigung ist nur mit der verstärkten Unterstützung unserer Partner möglich, in die große Hoffnungen gesetzt werden.»

Nach der Einnahme von Avdiivka schien es, als würde Russland eine operative Pause einlegen und an der Wiederherstellung der Kampffähigkeit der Einheiten arbeiten, die kolossale Verluste erlitten hatten. Doch stattdessen setzte es seine Trägheitsoffensive fort, presste das verbleibende Potenzial aus den Truppen heraus und führte sogar Reserven ein. Daher war der März 2024 in Bezug auf die Verluste in der russischen Armee nicht «niedriger» als die vorangegangenen Monate, sondern in mancher Hinsicht ein Rekordmonat.

Verluste beim Personal

  • Im März 2024 erlitten die russischen Besatzungstruppen keine Rekordverluste an Personal, aber sie waren immer noch recht hoch: Minus 28’200 Personen.
  • In sechs Monaten beliefen sich die Personalverluste der russischen Truppen auf insgesamt 164’310.

Verluste von Panzern

  • Im ersten Monat des Frühjahrs verlor die russische Armee 376 zerstörte, beschädigte und übernommene Panzer. Das ist zwar kein Rekord, aber doch eine recht hohe Verlustzahl.
  • Der russische militärisch-industriellen Komplexes versucht diese Verluste mit Neulieferungen und Reparaturen zu ersetzen, fällt aber insgesamt ins Minus.

Verluste an gepanzerten Kampffahrzeugen

  • Die Verluste an gepanzerten Kampffahrzeugen beliefen sich im März auf insgesamt 739 Einheiten. Auch dies ist kein Rekordwert, aber auch kein niedriger Wert.
  • Neuerdings werden alte Kampfgeräte (BTR-60 und BTR-50P) aus den Lagern geholt und es tauchen sogar Museumswürdige Exemplare wie das berühmte Führungs- und Stabsfahrzeug des «Jüngsten Gerichts», der Ladoga, an der Front auf, wo es zerstört wurde.
  • Der Kampfeinsatz solcher einzigartiger Museumsexponate zeigt, dass die russischen Besatzer alles in die Ukraine schicken, was sie in einen funktionsfähigen Zustand versetzen können, unabhängig davon, wie einzigartig es ist.

Verluste der Artillerie

  • Im März verlor die russische Armee die Rekordmenge von 976 Rohrartillerie-Systemen. Der vorherige Rekord wurde im September 2023 aufgestellt – 947). Der Grund ist, dass immer mehr gezogene Artilleriekomponenten in die Kampfzone geliefert werden.
  • Geschleppte Haubitzen sowjetischer Bauart (mit unzureichender Zielweite und -genauigkeit) werden nicht nur zu einem leichteren Ziel für weitreichende und hochpräzise Artillerie im Rahmen der Gegenbatteriebekämpfung, sondern auch für ukrainische Drohnen.
  • Dennoch war der russische militärisch-industrielle Komplex in der Lage, die Artilleriekomponente der Besatzungstruppen mit solchen Lieferungen aufzustocken, da die Wiederherstellung von Haubitzen dieses Typs, die aus dem Lager entfernt wurden, weniger Zeit in Anspruch nimmt als die Wiederherstellung komplexerer Systeme.

Verluste Mehrfachraketenwerfer (MLRS)

  • Der Indikator für zerstörte Mehrfachraketensysteme ist für den Zeitraum vom 23. März recht niedrig.
  • Dies liegt daran, dass Russland wegen mangelndem Personal diese Systeme weitgehend von der Front fernhält, was die Zerstörung dieser Komponente erschwert.

Verluste der Luftverteidigung

  • Im März verloren die russischen Besatzer 53 Luftverteidigungssysteme. Dies ist die dritthöchste Zahl seit Beginn des Krieges.
  • Die Zerstörung der Luftverteidigung ist ein wichtiges Element, nicht nur für das Kampfgebiet sondern auch für die Verteidigung von Anlagen in Russland selbst.

Verluste an Fahrzeugen

  • Hier gab es im März einen absoluten Rekord. Die russische Armee verlor 1’546 Einheiten.
  • Diese Zahl erklärt sich dadurch, dass ungepanzerte, zivile Fahrzeuge zunehmend in grossem Umfang zweckentfremdet eingesetzt werden.
  • Der Mangel an Panzern, gepanzerten Kampffahrzeugen und gepanzerten Fahrzeugen für regelmässige, systematische Angriffe auf die Stellungen der ukrainischen Streitkräfte wird durch Fahrzeuge ohne Panzerung ausgeglichen, und daher ist der Anstieg der Verluste dieser Komponente einfach phänomenal.
  • All dies deutet darauf hin, dass diese Verluste weiter zunehmen werden. Es sei denn, es ergibt sich eine andere Gelegenheit, zum Beispiel ein Treibstoffmangel, der die Fahrzeuge zum Stillstand zwingt. Quelle: https://war.obozrevatel.com/kovalenko-polnyim-hodom-idet-istoschenie-protivnika-analiz-poter-rossijskih-okkupantov-za-mesyats.htm

PUTINS LUFTWAFFE GESCHRUMPFT

Mit Stand März verfügen die Russen noch über etwa 100 Su-35-Jäger, mehr als 100 Su-34-Jagdbomber und sieben A-50U-Flugabwehrflugzeuge (FOTO).

Nach neuesten Schätzungen der GUR – Geheimdienst der ukrainischen Armee – werden drei A-50U repariert und modernisiert. Zwei davon befinden sich im Werk Taganrog Beriev und eines auf dem Flugplatz in Uljanowsk (Aviastar-Werk). https://t.me/voynareal/86987

EFFIZIENTE SCHLÄGE DER UKRAINE

CNN berichtet, dass Angriffe auf russische Raffinerien grössere Auswirkungen auf die russische Wirtschaft haben könnten als Sanktionen. Experten sagen, dass die Angriffe eher auf Destillationsanlagen abzielten, die für die Verarbeitung von Rohöl zu Treibstoff und Nebenprodukten von entscheidender Bedeutung sind, als auf Treibstofflager.

Die Wiederherstellung dieser Verarbeitungsanlagen würde westliche Technologien erfordern, zu denen der Zugang in Russland derzeit begrenzt ist. Dieser strategische Ansatz Kyivs ist schädlicher als willkürliche Angriffe auf Ölraffinerien.

Experten gehen davon aus, dass nach den Raffinerien auch die grossen Häfen Russlands ins Visier genommen werden könnten, auf die rund zwei Drittel der Exporte von Rohöl und Erdölprodukten entfallen. https://twitter.com/Eric_Lecomte_/status/1775237187530887592

GROSSANGRIFF DROHT

Die russische Marine wurde von der Ukraine aus dem Schwarzen Meer vertrieben. Aber sie sie verfügt immer noch über genügend Kampfschiffe, welche Marschflugkörper abschiessen können. Heute sagte Natalia Humeniuk, Sprecherin des Einsatzführungskommandos Süd: Die Schwarzmeerflotte verfügt aktuell über 9 entsprechende Schiffe und U-Boote.

Humeniuk: «Obwohl die Russen nicht aktiv im Schwarzen Meer operieren können, verfügen sie in ihren Basen über Raketenträger, die bereits mit Kalibr beladen sind. Die Gefahr bleibt hoch. Es sind 50 Raketen geladen.» Die Bevölkerung wurde aufgerufen, die Alarmsirenen ernst zu nehmen und Schutz im Falle der Bedrohung zu suchen. https://apostrophe.ua/ua/news/society/2024-04-03/kalibryi-uje-nagotove-rossiya-mojet-nanesti-novyiy-massirovannyiy-udar-po-ukraine/317988

4’000 FLIEGENDE WAFFEN EINGESETZT

Alleine im März griff die russische Armee die Ukraine mit mehr als 400 Raketen verschiedener Typen, mehr als 600 Shahed-Raketen und mehr als 3’000 gelenkte Fliegerbomben an. Diese Zahlen nannte Volodymyr Zelenskyj heute Abend und sagte weiter: «Verschiedene Städte und Dörfer der Ukraine leiden unter diesem Terror, und Russland geht in den Frontgebieten und Grenzgemeinden besonders brutal vor.

Unser Kharkiv, eine Stadt mit mehr als einer Million Einwohnern, wurde seit dem ersten Tag dieses Krieges von Raketen und Drohnen getroffen. Nun setzen russische Terroristen auch Luftbomben gegen Kharkiv ein. Das sind täglicher Missbrauch und Schmerz, tägliche Verluste in der Stadt. Zerstörte kritische Infrastruktur, tägliche Zerstörung gewöhnlicher Wohngebäude. All dies wird nicht passieren, wenn die Ukraine zuverlässige Luftverteidigungssysteme erhält, die das Leben unseres Volkes retten und die Sicherheit unserer Städte wiederherstellen können.» https://t.me/V_Zelenskiy_official/9965

PARTNER BEI PATRIOT GEIZIG

Der ukrainische Aussenminister Dmitri Kuleba sagte, die internationalen Partner verfügte über mehr als 100 funktionierende Patriot-Systeme, aber davon maximal 5 – 7 an die Ukraine abgebe. Das sei zu wenig für eine effiziente Verteidigung vor russischen Raketenangriffen. «Partner haben uns verschiedene ihrer (Luftverteidigungs-)Systeme zur Verfügung gestellt. Wir wissen das zu schätzen, aber angesichts des Ausmasses des Krieges reicht es einfach nicht aus», betonte Kuleba.

Der Aussenminister fügte hinzu, dass Russland im März 94 ballistische Raketen abgefeuert habe, die viel schneller seien als herkömmliche Marschflugkörper und schwerer abzuschiessen seien. Seiner Meinung nach hängt die Frage, ob die Ukraine mit ausreichend Luftverteidigungssystemen ausgestattet werden soll, vom politischen Willen der Partner ab. https://www.unian.net/war/soyuzniki-ne-dali-ukraine-dopolnitelnye-5-7-patriot-hotya-imeyut-bolee-100-sistem-kuleba-12593265.html

ZINSEN DER RUSSEN-VERMÖGEN NUTZEN

Mehr als 240 Milliarden Euro an russischen Vermögenswerten wurden in EU-Ländern eingefrorenWie EU-Justizkommissar Didier Reynders sagte, arbeitet die EU derzeit an einem Mechanismus zur Verwendung von Mitteln zum Ausgleich des Schadens, den die Russische Föderation der Ukraine zugefügt hat. Er fügte hinzu, dass in europäischen Ländern Vermögenswerte in Höhe von 37 Milliarden Euro und etwa 200 bis 208 Milliarden Euro an russischen Staatsvermögen eingefroren seien. Pro Jahr ergeben diese Vermögen Erlöse von 2 – 3 Milliarden Euro pro Jahr. Schon bald werden über die Verwendung dieser Vermögensgewinne entschieden. https://t.me/uniannet/130105

MEINUNG ZUR MOBILISIERUNG

Seit gestern sind erste Elemente der verstärkten ukrainischen Mobilisierung bekannt. (https://aldrovandi.net/2024/04/02/ukraine-aktuell-nr-769-2-4-24-21uhr/) Daniela Heimerl hat dazu folgenden Text geschrieben und macht eine Leseempfehlung, was ich hier und im Newsletter gerne veröffentliche:

«Ich finde, dass die Art und Weise, wie dieses Gesetz ausgearbeitet und bearbeitet beispielhaft für eine Demokratie ist. Mitten in einem furchtbaren Angriffs-und Vernichtungskrieg, welcher jetzt im dritten Jahr ist, unter ständigem militärischen und russischen Desinformationsbeschuss und einer ausländischen Presse, welche nichts weiss, aber negativ berichtet, von den Partnern wie die USA oder auch die EU im Stich gelassen, haben die Ukrainer es geschafft, ein neues Mobilisierungsgesetz, welches auch professioneller Mobilisierung einführt, zu schaffen. Ich verneige mich vor den Bürgern und Institutionen. Und natürlich leidet das Land unter Korruption (wie jede ehemalige Sowjetrepublik, das Markenzeichen des postsowjetischen Schlamms), aber schauen Sie sich die öffentliche Meinung an, sie ist sehr reif. Die Zahlen, der Männer, welche flüchten ist für mich eher gering. Viele Gründe, um einer Mobilmachung zu entgehen, sind lauter. Probleme werden angesprochen und Lösungen gesucht. Die Massnahmen versuchen, darauf einzugehen. Auch, was die Korruption anbelangt. Es gibt jetzt nur wehrfähige und nicht wehrfähige Männer. Ich halte das für gut.

LESEEMPFEHLUNG:
https://www.ui.se/globalassets/ui.se-eng/publications/sceeus/challenges-of-the-ukrainian-mobilization-2.pdf

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