UKRAINE AKTUELL Nr. 769 (2.4.24/21Uhr)

  • Drohnenfabrik und Raffinerie angegriffen
  • Ratloser Kreml nach Doppelschlag
  • NATO bereitet 100 Milliarden Paket vor
  • Belarus bereitet Krieg vor

DOPPELSCHLAG IN RUSSLAND

Heute Morgen griffen unbemannte Fluggeräte eine Drohnenfabrik und eine Ölraffinerie in der russischen Teilrepublik Tatarstan an. Es ist die erste bekannte Attacke gegen die russische Waffenindustrie und die erste, die so weit entfernt von der Ukraine stattfand.

Bisher waren Öl-Raffinerien und Militärplätze die Hauptziele. Der Angriff fand in einer Entfernung von über 1’100 Kilometer von der ukrainischen Grenze statt. Er belegt, dass die versprochenen Reichweiten-Erweiterungen für ukrainische unbemannte Fluggeräte eine Realität sind.

Ein Video zeigt, wie ein ferngesteuertes Kleinflugzeug die russische «Shahed»-Drohnenfabrik in Alabuga in der Region Tatarstan angreift. Zu sehen ist das Gerät im Anflug, wie es auf einem aus Betonelementen hergestellten Gebäude aufschlägt und mit einem grossen Feuerball explodiert. Zu hören sind Schreie von verängstigen Menschen. https://twitter.com/i/status/1775104792353710529

Der Gouverneur Tatarstans, Rustam Minichanow, bestätigte die Informationen über die Angriffe auf die Anlagen. Er stellte fest, dass Angriffe auf Unternehmen «Geran-2» in Jelabuz und die Ölraffinerien Nischnyokamsk verübt wurden. Der Gouverneur behauptet, dass die Produktion nicht betroffen sei. Fotos zeigen allerdings verschiedene Gebäude, welche massiv beschädigt sind.

Die Drohnenfabrik befindet sich in der sogenannten «Sonderzone», einem speziell ausgeschiedenen Industriegebiet. Sie produziert iranische Shahed-Raketen in Lizenzproduktion, welche in der Ukraine gegen Soldaten und Zivilisten eingesetzt werden. https://tsn.ua/exclusive/bpla-ataka-na-tatarstan-use-pro-udari-po-virobnictvu-shahediv-ta-npz-2548645.html

Parallel zum Angriff auf die Drohnenfabrik wurde auch die Ölraffinerie «TANECO» in Nischnjokamsk in Tatarstan attackiert. Wie russische Medien mitteilten, traf die Drohne die technologische Anlage der Raffinerie. Insbesondere die primäre Verarbeitungsanlage wurde getroffen und dort brach ein Feuer aus.

Das Werk «TANECO» („Tatarstan Oil Refining Complex“) hatte im Jahr 2022 ein Verarbeitungsvolumen von 16,2 Millionen Tonnen Öl pro Jahr erreicht und befand sich auf dem fünften Platz im Ranking der grössten Raffinerien Russlands. https://suspilne.media/719152-ukrainskij-dron-vluciv-v-ustanovku-pervinnoi-pererobki-nafti-na-npz-v-tatarstani-dzerela/

Hinter den beiden Angriffen steckt der Geheimdienst der ukrainischen Armee (GUR) unter Führung von Kyrylo Budanov. Beim Angriff auf die Raffinerie war auch der Staatsicherheitsdienst der Ukraine beteiligt. «Wir arbeiten weiterhin systematisch daran, dass Russland immer weniger Möglichkeiten hat, den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu finanzieren. (…) Wir werden dem Tankstellenland weiterhin den Sauerstoff abschneiden, um den Zufluss von Petrodollars in den russischen Militärhaushalt zu minimieren», sagte eine Quelle des ukrainischen Inlandgeheimdienstes (SBU).  https://t.me/voynareal/86922

REAKTIONEN AUF DOPPELSCHLAG

Der russische Präsidentensprecher Dmytro Peskow sagte, das Militär arbeite daran, ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien zu stoppen.

Nach den Drohnenangriffen auf Tatarstan sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der russischen Staatsduma (sogenanntes «Parlament), Andrij Kartapolow, dass «wenn wir Kiew einnehmen, dann wird die Willkür mit Drohnen ein Ende haben.» Er versicherte, dass russische Soldaten ihr Möglichstes tun würden, um den Himmel über Russland zu schützen.

Anderseits sagte Andrij Guruljow, Abgeordneter der russischen Staatsduma, dass die Drohnen, die Tatarstan angegriffen haben, von den Steppen Zentralasiens aus gestartet sein könnte: «Sie sind praktisch unbewohnt und werden weder aus der Luft noch per Radar überwacht. Man kann dort alles mitnehmen», sagte Guruljow. https://tsn.ua/exclusive/bpla-ataka-na-tatarstan-use-pro-udari-po-virobnictvu-shahediv-ta-npz-2548645.html

Die Regierung von Kasachstan verneinte den Vorwurf, dass sie etwas mit dem Anschlag zu tun hat: «Die in einigen Telegrammkanälen verbreitete Information, dass die Drohnen, die angeblich die Objekte der Republik Tatarstan angegriffen haben, vom Territorium Kasachstans aus abgefeuert wurden, ist nicht wahr». Das schrieb das Verteidigungsministerium des Landes. Das Ministerium stellte fest, dass «solche Unterstellungen darauf abzielen, Kasachstan zu diskreditieren». https://t.me/uniannet/130044

AI-GESTEUERTE DROHNEN

Die russische Luftabwehr hat Mühe ukrainische Drohnen zu neutralisieren. Die normalerweise eingesetzte elektronische Kriegsführung setzt die Navigationssysteme und Funk-Fernsteuersysteme von Drohnen ausser Kraft. Aber das funktioniert derzeit in vielen Fällen nicht, weil die Drohnen mit Elementen «künstlicher Intelligenz» ausgerüstet sind.

Der amerikanische Sender CNN hat dazu neue Erkenntnisse beigesteuert. «Die Genauigkeit der Attacken wird durch den Einsatz künstlicher Intelligenz ermöglicht. Jedes Flugzeug verfügt über einen Terminalcomputer mit Satelliten- und Geländedaten». Diese Daten können die Drohnen autonom, also ohne Verbindung zu Funk- oder GPS-Verbindungen nutzen. «Die Flüge werden im Voraus mit unseren Verbündeten festgelegt, und die Flugzeuge folgen dem Flugplan, damit wir Ziele mit metergenauer Präzision treffen können.» Das sagte eine der namentlich nicht genannten Quellen zu CNN.

Die Drohnen «haben etwas, das man ‹maschinelles Sehen› nennt, eine Form der KI. Im Grunde genommen nimmt man ein Modell, das auf einem Chip gespeichert ist, und trainiert dieses Modell, um die Geografie und das Ziel, zu dem es navigiert, zu erkennen. Das sagte Noah Sylvia, Forschungsanalyst am Royal United Services Institute, einer in Großbritannien ansässigen Denkfabrik. https://edition.cnn.com/2024/04/01/energy/ukrainian-drones-disrupting-russian-energy-industry-intl-cmd/index.html

100 MILLIARDEN PAKET

Die Nato arbeite an der Zusammenstellung eines militärischen Hilfepakets für die Ukraine in der Höhe von 100 Milliarden US-Dollar. Das sind 40 Milliarden $ mehr als das amerikanische Hilfepaket, welches die US-Demokraten im Parlament verabschieden wollen. Die NATO-Hilfe ist auf 5 Jahre ausgelegt.

Auf diese Weise versucht das Bündnis, die Ukraine vor dem «Wind des politischen Wandels» zu schützen, der zu einer zweiten Trump-Präsidentschaft führen könnte.

Darüber schreibt die Financial Times. Es wird darauf hingewiesen, dass der Vorschlag für die sogenannte Mission für die Ukraine von Generalsekretär Jens Stoltenberg vorgelegt wird. Darüber werden die NATO-Aussenminister morgen Mittwoch beraten.

Wenn der Plan genehmigt wird, wird das Bündnis auch die Kontrolle über die von den USA geführte Rüstungsunterstützungsgruppe Ramstein erlangen. Dies wird es der NATO ermöglichen, die Lieferung tödlicher Waffen an die Ukraine zum ersten Mal seit der umfassenden Invasion Russlands im Jahr 2022 zu verwalten. https://www.ft.com/content/254c3b86-2cb9-4c71-824b-dacacbbc9871

RAKETENANGRIFF AUF DNIPRO

Der russische Angriff auf die ukrainische Stadt Dnipro zerstörte eine Hochschule, einen Kindergarten und das Gebäude eines Unternehmens. 18 Menschen wurden verletzt, darunter 5 Kinder. https://t.me/operativnoZSU/141796

ERSTE ELEMENTE DER MOBILISIERUNG

Das Alter für die Einberufung in die ukrainische Armee wird von 27 Jahre auf 25 Jahre gesenkt. Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj unterzeichnete das entsprechende Dekret. Das Gesetz war im letzten Frühsommer vom Parlament verabschiedet worden und das Team rund um den Präsidenten hat die Vorlage die letzten 10 Monate geprüft.

In einem weiteren Dekret werden die Anforderungen an eine Dienstbefreiung für medizinische Fälle verschärft. Wer eine «eingeschränkte Militärdiensttauglichkeit» in Anspruch nehmen will, muss sich nach 9 Monaten erneut untersuchen lassen. https://nv.ua/ukr/ukraine/events/zelenskiy-pidpisav-zakon-pro-znizhennya-prizovnogo-viku-do-25-rokiv-50406542.html

BELARUS BEREITET KRIEG VOR

Von heute bis am Donnerstag finden an der Grenze zur Ukraine, Polen und Litauen ein Manöver auf Stabsebene der belarussischen Armee statt.  Sie zielen darauf ab, die Kräfte der Territorialverteidigung und die Fähigkeiten der Reserveoffiziere zu testen. Zuvor hatten belarussische Massenmedien berichtet, dass Wehrpflichtigen aufgerufen wurden, sich beim Militärkommissariat für die Registrierung zu melden. https://t.me/modmilby/37523

In einem Statement sagte der weissrussische Diktator Alexander Lukaschenko in der belarussischen Stadt Grodno: «Glauben Sie niemandem, gegen den wir kämpfen wollen. Wir bereiten uns auf den Krieg vor, ich spreche ganz offen darüber. Wenn ihr Frieden wollt, bereitet euch auf den Krieg vor. Das ist sehr richtig gesagt.» Dieses und das nächste Zitat stammen von der belarussischen Nachrichtenagentur.

Lukaschenko zufolge findet in der Republik die notwendige Ausbildung der entsprechenden Einheiten statt, und die Truppen werden mit verschiedenen Waffentypen und Ausrüstungen versorgt.» https://twitter.com/Albin293129165/status/1775225863094628503

Äusserungen des belarussischen Diktators sollten als Element der Vorbereitung auf eine künftige Teilnahme am Krieg gegen die Ukraine und Europa betrachtet werden. Diese Meinung äusserte der stellvertretende Kommandeur der 3. Sonderbrigade Zhorin in seinem Telegram. «Vielleicht ist dies eines der letzten Signale für den verängstigten Westen, dass es an der Zeit ist, sich zusammenzuschliessen und sich auf den Krieg vorzubereiten», bemerkte Zhorin. https://t.me/uniannet/130042

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