UKRAINE AKTUELL Nr. 750 (14.3.24/20Uhr)

  • Russlands Offensive gescheitert
  • Heikle Lage für ukrainische Armee
  • Exil-Soldaten kämpfen in Russland
  • Zivilisten fliehen aus dem Grenzgebiet
  • Probleme der russischen Öl-Industrie
  • 10x mehr Geschosse von Rheinmetall

RUSSEN SIND GESCHEITERT

Trotz intensivem Einsatz von metallischem und menschlichem Material ist die Offensive der russischen Armee zum Stillstand gekommen. Dies belegt der Vergleich von vier Frontabschnitten in der Ukraine der letzten 30 Tage. Lediglich in der Region Avdiivka (Vergleichskarten unten links) kamen die russischen Soldaten ein paar Kilometer voran. In den anderen drei Frontabschnitten haben sich die Frontverläufe und die sogenannten «grauen Zonen» (umkämpfte Zonen) kaum geändert.

Auf der Kupjan-Achse setzt die russische Armee 40’000 Soldaten und mehr als 1’000 gepanzerte Fahrzeuge ein und kommt nicht voran.

Auf der Achse Bakhmut-Chasis-Yar beträgt der Geländegewinne nach fast 30 Tagen 2.5 Kilometer. Wollen die Russen ihr strategisches Ziel – die Eroberung von Kramatorsk – in diesem Tempo erreichen, wird es rechnerisch 18 Monate dauern.

Und auch auf der Robotyne-Achse konnten die Russen die Grenze nur um 1,5 Kilometer zu ihren Gunsten verschieben.

Die Karten stammen vom rumänischen Militäranalysten Radu Hossu. Er schreibt dazu: «Ich möchte berücksichtigen, dass all diese Verteidigungsarbeit in den letzten 5 Monate, seit Russland mit mehrachsigen Offensiven begonnen hat, ohne US-Hilfe durchgeführt wurden. Putin sagte in einem Interview, dass die Ukraine ohne die USA in 2-3 Wochen besiegt wäre. Es ist 5 Monate her, dass die USA ihre Waffenhilfe eingestellt haben, und die Ukraine leistet weiterhin Widerstand.» https://twitter.com/RaduHossu/status/1767015060046598362,

HEIKLE LAGE FÜR UKRAINE

Der britische Geheimdienst veröffentlichte heute in seinem öffentlichen Bulletin die folgende Einschätzung: «Die russischen Streitkräfte setzen ihre Angriffe in mehreren Bereichen der Frontlinie fort. Russland konzentriert seine Operationen westlich von Avdiivka und Marinka, beides Städte in der Oblast Donezk. Auf diese Achsen entfielen 60 Prozent der gemeldeten russischen Angriffe in den letzten vier Wochen. Die durchschnittliche Zahl der wöchentlich gemeldeten russischen Bodenangriffe auf die Ukraine ist jedoch seit Ende Februar 2024, als der Wochendurchschnitt 600 erreichte, um 13 Prozent zurückgegangen. Russland hat im Februar die Kontrolle über Avdiivka und mehrere Dörfer westlich der Stadt erlangt, aber seitdem hat sich der Vormarsch verlangsamt.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Gesamtsituation für die ukrainischen Streitkräfte in den kommenden Wochen schwierig sein wird, da Russland weiterhin Kräfte regeneriert und Angriffe auf vorrangigen Achsen durchführt.» https://twitter.com/DefenceHQ/status/1768198913771667811/photo/1

EXPLOSIONEN IN BELGOROD

In der russischen Stadt Belgorod – 50 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt – kam es gestern und heute zu einer Reihe von Explosionen. Der örtliche Gouverneur von Gladkov meldet zwei Todesopfer infolge des Beschusses sowie die Schliessung städtischer Einkaufszentren bis zum Ende des Tages. Darüber hinaus forderte er die Anwohner auf, für 1-2 Tage auf Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu verzichten.

Auch am Abend waren Explosionen aus der Stadt Belgorod zu hören. Ob diese von der ukrainischen Armee oder bewaffneten Putin-Gegnern verursacht wurden, ist nicht bekannt.

Bereits gestern kam es zu einem Angriff auf Belgorod. Dabei wurde die Zentrale des Geheimdienstes FSB getroffen und mehrere Geheimdienstoffizier wurden verletzt.

Aktuell finden Kämpfe in verschiedenen Siedlungen und Dörfern statt: «Die Russen haben Truppen aus Hubschraubern im Gebiet des Dorfes Kozinka gelandet, es kommt zu heftigen Kämpfen

Dies meldeten Soldaten vor Ort. Auch im Raum Spodaryushino gehen die Kämpfe weiter, der Feind zieht Kräfte und Ausrüstung aus den Gebieten Sumy und Charkow ab.» https://t.me/ukrainian_militant/22014

FLUCHT AUS BELGOROD

Das «Sibirische Bataillon» hat heute Abend einen Aufruf an die Bevölkerung der russischen Regionen Belgorod und Kursk gerichtet: «Im Zusammenhang mit der Durchführung einer begrenzten Militäroperation in den Regionen Kursk und Belgorod fordern wir die dringende Evakuierung der Bewohner der folgenden Siedlungen in den Grenzgebieten. Retten Sie Ihr Leben und das Ihrer Kinder! Wir sehen, dass sich Putins Truppen unter der Zivilbevölkerung verstecken, daher ist es unsere Aufgabe, maximale Sicherheit für die lokale Bevölkerung zu gewährleisten.

In diesem Zusammenhang stellen wir einen humanitären Korridor bereit, damit Zivilisten und russisches Militärpersonal die angegebenen Siedlungen von heute 21:00 Uhr bis zum 15. März um 7:00 Uhr ungehindert verlassen können. Danach starten wir einen massiven Angriff auf Putins Militär in den auf der Karte auf dem Foto markierten Siedlungen.» (Die KARTE erhalten die Abonnenten von Ukraine Aktuell»).

Kurze Zeit danach meldet dasselbe «Sibirische Bataillon», dass sich in der Stadt Grayvoron in der Region Belgorod Panik ausbreitet und dass sich ein ungewöhnlich grosse Autostrom aus der Stadt bewegt. https://t.me/SiberianBattalion/245

Einer der Kreml-Blogger berichtete von chaotischen Zuständen im Gebiet des Dorfes Kozinka in der Region Belgorod. https://t.me/uniannet/128222

Auf Videos sind brennende Autos in der Region Belgorod zu sehen und Menschen, die flüchten. Der Kommentar dazu lautet: «Putins Regierung liess ihre Bürger sich selbst überlassen und gab ihnen nicht die Möglichkeit, sicher zu evakuieren. Gleichzeitig übernahmen die RDK-Kämpfer (Russisches Freiwilligenkorps) die Verantwortung für ihre Mitbürger und organisierten einen sicheren Korridor für die Einreise in das Gebiet der Ukraine.» https://t.me/operativnoZSU/139761

Zu der Situation sagte Andriy Yusov vom militärischen Geheimdienst der Ukraine, dass die russischen Behörden die Evakuierung behindern und die Menschen als «Schutzschilder» benutzen: «Wir können diese Informationen (über die Blockierung der Evakuierung in der Region Belgorod) bestätigen. Wir haben eine Reihe von Abhörungen erhalten – sowohl Gespräche zwischen Sicherheitskräften und Anwohnern, in denen es heisst, dass Verkehrsknotenpunkte von Sicherheitskräften umzingelt sind und es Straßensperren gibt (…) Die Behörden versuchen, ihre Bürger als „menschlichen Schutzschild“ zum Schutz des Regimes zu nutzen», bemerkte Yusov. https://t.me/uniannet/128227

Das Sibirische Bataillon (https://t.me/SiberianBattalion) ist neben der «Legion Freiheit Russlands» (https://legionliberty.army/ ) und dem «Russischen Freiwilligenkorps) (https://t.me/russvolcorps)  eine von drei bewaffneten Organisationen, welche von der Ukraine aus am Sturz von Putin arbeiten. Wie viele Menschen in diesen drei Gruppen engagiert sind, ist derzeit nicht bekannt.

AUFRUF DER ANTI-PUTIN-KÄMPER

Am Morgen hatten das «Sibirische Bataillon», die «Legion Freiheit Russlands» und das «Russische Freiwilligenkorps gemeinsam den folgenden Appell an die lokalen Behörden von Kursk und Belgorod gerichtet: «Die Befreiung russischer Regionen vom Terrorregime des Kremls geht in diesen Momenten weiter. Nun kommt es in den Regionen Belgorod und Kursk zu massiven Angriffen gegen Putins Truppen.

Wir fordern die autorisierten Personen dieser Regionen, vor allem den Gouverneur der Region Kursk, Roman Starovoit, und den Gouverneur der Region Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, auf, unverzüglich eine Evakuierung aus dem gesamten Gebiet der oben genannten Regionen anzukündigen und die Zivilbevölkerung unverzüglich zu evakuieren.

Zivilisten sollten nicht unter dem Krieg leiden, und etwaige Verluste während der Kämpfe werden auf dem Gewissen von Starovoit und Gladkow liegen.

Wir fordern, dass die Gouverneure damit aufhören, die verbrecherischen Befehle des Kreml-Regimes auszuführen und sich nicht in die Evakuierung von Zivilisten aus dem Kampfgebiet einmischen, die selbst bereits beschlossen haben, ihre Häuser zu verlassen und das Leben ihrer Familien zu retten.

Die Operation zur Befreiung der Gebiete Kursk und Belgorod wird fortgesetzt, bis alle Ziele erreicht sind. Der Sieg wird unser sein!» https://t.me/russvolcorps/897

PROBLEME MIT ÖL-RAFFINERIEN

Die anhaltenden Drohnenangriffe der Ukraine auf russische Ölraffinerien zeigen Wirkung. Der russische Militärblogger @generalsvr_en schreibt: «Gestern legten Experten des Russischen Sicherheitsrates einen neuen Bericht über die Risiken vor, die mit den Angriffen der Streitkräfte der Ukraine auf russische Ölraffinerien verbunden sind.

Nach Einschätzung der Experten wird es in naher Zukunft zu Treibstoffengpässen kommen, die zu höheren Preisen für Benzin und Dieselkraftstoff führen werden. Höhere Logistikkosten werden die Inflation in die Höhe treiben.

Wenn die Schläge andauern, werden die Schäden zunehmen, und die Raffinerien werden gezwungen sein, die Prozesse zu stoppen und für Reparaturen abzuschalten, und die Krise könnte sich zu einer gross angelegten und schlecht kontrollierten Krise ausweiten.» https://twitter.com/generalsvr_en/status/1768231869068300667

4 WAFFENFABRIKEN GEPLANT

Der deutsche Waffenkonzern «Rheinmetall» plant den Bau von mindestens vier Fabriken zur Waffenproduktion in der Ukraine. Das sagte heute Armin Papperger, der CEO des Konzerns.

«Die Ukraine ist mittlerweile ein wichtiger Partner für uns und wir sehen ein Potenzial von 2 bis 3 Milliarden Euro Umsatz) pro Jahr», sagte er. https://t.me/uniannet/128231

Rheinmetall beliefere die Ukraine nun mit «Hunderttausenden» Granaten unterschiedlichen Kalibers, sagte Papperger gegenüber der «Deutschen Welle». Ihm zufolge handelt es sich hierbei um fast alle Produkte des Konzerns im Bereich der Munitionsproduktion, mit Ausnahme des Werks in Südafrika, dessen Behörden keine Genehmigung für Lieferungen in die Ukraine erteilen. «Der Bedarf der Ukraine ist enorm», sagte lder Firmenchef. https://t.me/dwglavnoe/37531

Im letzten Jahr steigerte Rheinmetall seinen Umsatz um 12 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro und rechnet bis Ende dieses Jahres mit einem Umsatz von 10 Milliarden Euro. Seit dem Beginn des Krieges von Russland gegen die Ukraine verzehnfachte Rheinmetall die Produktion von Artilleriegeschossen. Ende dieses Jahres sollen es 700’000 für das ganze Jahr sein und im Jahr 2027 rechnet die Firma mit einer Produktion 1.1 Millionen Geschossen. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/rheinmetall-ruestungskonzern-macht-rekordumsatz-und-erwartet-weiteren-sprung/100023244.html

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