UKRAINE AKTUELL, Nr. 729 (22.2.24/20Uhr)

  • Navalnys Mutter sah die Leiche
  • Shoigu im Siegentaummel
  • Kämpfe an allen Fronten
  • Dänemark liefert Waffen statt Worte
  • Putin will Transnistrien

NAVALNYS MUTTER SAH DIE LEICHE

Gestern Abend wurde Ljudmila Navalnaja heimlich in die Leichenhalle gebracht, um die Leiche ihres Sohnes zu zeigen. Die Ermittler teilten ihr mit, dass sie die Todesursache kennen und alle medizinischen und rechtlichen Dokumente vorbereitet hätten. Die Frau überprüfte diese und unterschrieb auch die Sterbeurkunde des Politikers.

Navalnys Mutter wurde der Leichnam ihres Sohnes gezeigt. Man hat allerdings von ihr verlangt, dass die Beerdigung geheim abgehalten werde. Dies sagte Ljudmila Nawalnaja in einer Videoaufnahme. https://twitter.com/i/status/1760706592771555826

Gemäss Navalnaja hätten die Sicherheitskräfte in ihrer Gegenwart Nachrichten «entweder vom Kreml oder von der Zentrale des Untersuchungsausschusses» mit Anweisungen erhalten, wie der Politiker beerdigt werden solle: «Sie wollen, dass es heimlich geschieht, ohne sich zu verabschieden. Sie wollen mich an den Rand des Friedhofs zu einem frischen Grab bringen und sagen: „Hier liegt dein Sohn», sagte Nawalnys Mutter.

Die russischen Ermittler hätten gedroht, wenn sie nicht zustimme, «werden sie etwas mit der Leiche machen», sagte die Mutter des toten Oppositionellen. «Ermittler Voropaev hat mir offen gesagt: ‚Die Zeit ist nicht auf Ihrer Seite, die Leiche verwest.» https://t.me/ovdinfo/20614

Die Frau von Navalny, Yulia Navalnaja, traf heute ihre gemeinsame Tochter, machte eine Selfie mit ihr und schreibt: «Mein süsses Mädchen. Ich bin hergekommen, um dich zu umarmen und zu unterstützen, und du sitzt da und feuerst mich an. So stark und mutig und unverwüstlich. Wir werden das durchstehen, mein Schatz. Ich bin so froh, dass du hier bist. Ich habe dich lieb.» https://twitter.com/yulia_navalnaya/status/1760616130450776507

SHOIGU IM SIEGESTAUMMEL

Vor zwei Tagen berichtete der russische Kriegs-/Verteidigungsminister Sergei Shoigu an Putin, dass das Dorf Krynky am linken Ufer des Dnjepr von russischen Truppen erobert worden sei. Unter anderem sagte er, dass Krynky, in dem sich der ukrainische Brückenkopf befand, von russischen Truppen kontrolliert werde. Es befänden sich nur «noch einige ukrainische Soldaten in den Kellnern der Siedlung».

Russische Militärblogger nervten sich über diese offensichtlich falsche Aussage. So schreibt «Milinfolive» (590’000 Abonnenten auf Telegram): «Lokale Quellen bestätigen diese Tatsache derzeit nicht; der Feind behält immer noch die Kontrolle über einen Teil der Überreste der Siedlung. Und ausserdem widersprechen sich die Aussage, dass Krynky geräumt wurde, und die gleichzeitige Aussage, dass der Feind weiterhin in den Kellern sitzt, einfach.Warum es notwendig war, der Lokomotive auf so hohem Niveau vorauszufahren, ist ein Rätsel. Anscheinend entschieden einige Leute, dass es angesichts des Schwindelgefühls durch die Erfolge in Avdievka niemandem auffallen würde.» https://t.me/milinfolive/116716

Auch die ukrainische Plattform @Wartranslated berichtete, dass der grösste Teil des «Brückenkopfs» auf der linken Seite des Dnjepr weiterhin von Ukrainern gehalten werde. Die Erfolgsmeldung sei lediglich verbreitet worden, um «einer bestimmten Person den Rang eines Generals zu verschaffen». https://twitter.com/wartranslated/status/1760058570068877594

KÄMPFE AN ALLEN FRONTEN

Der ukrainische Präsident Zelenskyj liess sich heute vom Generalstab und dem Chef des militärischen Geheimdienstes informieren. Als einzige konkrete Information schrieb der Präsident über die Lage nahe der eroberten Stadt Avdiivka und das linke Ufer des Dnjepr bei Krynky auf Telegram: «Avdiivka ist eine neue Verteidigungslinie. Krynka: Unsere Marines halten zuverlässig den Brückenkopf. Dem Feind gelang lediglich eine Desinformationsoperation.» https://t.me/V_Zelenskiy_official/9555

In den Gebieten Lymano-Kupian und Bakhmut dauern weiterhin heftige Kämpfe an. Russische Truppen stürmen weiterhin in der Nähe von Sinkivka, Terni, Chasovoy Yar und Klischtschijiwka. Das  ukrainische Militär nahm am 21. Februar fünf Besatzer gefangen. https://suspilne.media/690158-na-limano-kupanskomu-napramku-ukrainski-vijskovi-vzali-u-polon-patoh-okupantiv/

Das operative Kommando der ukrainischen Armee schrieb über die Lage bei Bakhmut: «Die russische Armee griff in Richtung Bakhmut an. Ungefähr 15 Einheiten gepanzerter Fahrzeuge, die Hälfte konnte niederbrennen, die andere Hälfte zog sich zurück.» https://t.me/operativnoZSU/137536

Gemäss der Plattform «Deep State» rückt die russische Armee bei Marjinka vor. https://twitter.com/JayinKyiv/status/1760562046028890410

In der Nacht des 22. Februar griff der Feind mit zehn Angriffsdrohnen vom iranischen Typ «Shahed» und einer Antiradarrakete vom Typ «Kh-31P» an. Acht Drohnen wurden in den Regionen Poltawa, Dnipropetrowsk, Saporischschja und Charkiw zerstört. https://t.me/c/1269013410/63412

DÄNEMARK ERHÖHT TEMPO

«Dänemark wird bereits in diesem Sommer F-16-Kampfflugzeuge an die Ukraine übergeben». Dies gab das dänische Verteidigungsministerium auf seiner Webseite bekannt. Ausserdem finanziert die dänische Regierung in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium der Tschechischen Republik den Transfer von 15’000 bis 155 mm Granaten in die Ukraine. https://fmn.dk/da/nyheder/2024/ny-donationspakke-sikrer-15.000-artillerigranater-til–ukraine/

Der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte zu den Lieferungen von F-16 Kampfjets: «Wenn die Ukraine F-16-Kampfflugzeuge von ihren Verbündeten erhält, wird sie das Recht auf Selbstverteidigung haben, einschließlich der Aufgabe, legitime russische Militärziele außerhalb der Ukraine anzugreifen.» https://t.me/mysiagin/27129

KREML WILL TRANSNISTRIEN

Die sogenannten «Republik Transnistrien» könnte sich in den nächsten Tagen der russischen Föderation anschliessen. Zu diesem Zweck findet am 28. Februar eine Versammlung der in «Transnistrien» herrschenden Partei statt, berichtet die moldawische Zeitung «Deschide». Für den 29.Februar ist eine Botschaft von Putin an die Versammlung geplant und es wird erwartet, dass der Kreml-Herrscher dort «Transnistrien zum «Anschluss an das russische Reich» auffordern wird. Das transnistrische Volk habe bereits 2007 mit 97.1% für den Anschluss an Russland gestimmt, heisst es von der führenden Clique.

Zusammenhang: Als «Republik Transnistrien» wird eine Region in Moldawien bezeichnet, die direkt an die Ukraine angrenzt und von russischen Soldaten besetzt wird, aber völkerrechtlich ein unbestrittener Teil des westlich orientierten Landes Moldawien ist. https://t.me/c/1269013410/63436

ALTERNATIVES INTERVIEW

Der amerikanische TV-Sender «Fox News» interviewte anlässlich des kommenden Jahrestags der russischen Invasion den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelenskyj. Das Interview wurde als Alternative zum Interview des ehemaligen «Fox-News» Start Carlson mit Putin in einem anderen Deko aufgezeichnet. Das Gespräch fand in einem ausgebombten Haus nur 1.5 Kilometer entfernt von der Kriegsfront statt. Zelenskyj spricht über den Jahrestag des Krieges, die Debatte im US-Kongress über die Hilfe für die Ukraine und den Rückzug der ukrainischen Truppen aus Avdiivka.

Demgegenüber hatte sich Putin, der nur selten ausser Haus zu sehen ist, im Kreml filmen lassen und vorallem seine Art der Geschichtsschreibung zum Besten gegeben. https://twitter.com/jackryan212/status/1760469905881637065

LAWROW OHNE KEROSIN

Der russische Aussenminister Sergei Lawrow bekam in Brasilien den langen Arm der USA zu spüren. In Brasilien weigerten sie sich, Lawrows Flugzeug zu betanken, mit dem er zu einem Treffen mit dem Präsidenten des Landes, Lula da Silva, fliegen sollte

Nach Angaben des Portals «Aero Telegraph» geht der staatlichen Il-96, mit der Lawrow fliegt, der Treibstoff aus. Die Flughafenbetreiber weigerte sich, das Flugzeug zu betanken, da die Gefahr bestand, unter sekundäre US-Sanktionen zu fallen.

Medienberichten zufolge lud die brasilianische Seite Lawrow schließlich ein, als «Mitreisender» im Flugzeug des brasilianischen Aussenministers Mauro Vieira zu einem Treffen mit da Silva zu fliegen. https://t.me/uniannet/126434

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