Ukraine Aktuell Nr. 678 (2.1.24/23Uhr)

  • Teurer Radarkomplex überlebte 12 Stunden
  • Kein Handschlag für russischen Kriegshetzer
  • Erneuter grosser Angriff auf Zivilisten
  • 5 Punkte gegen Putins Terror
  • Warum die russischen Angriffe nicht viel kosten

Berichte mit Bildern gibt es auf Instagram: https://www.instagram.com/ukraineaktuell/

TEURER RADARKOMPLEX KAPUTT

In der Südukraine wurde heute ein ultramodernes und sehr teures russisches Radarsystem mit dem Namen «1K148 Yastreb-AV» ausser Betrieb gesetzt. Für die Zerstörung des Geräts setzten die Ukrainer zwei sehr präzise Boden-Boden-Raketen vom Typ «M30» ein. https://twitter.com/Osinttechnical/status/1742218357468799458

Das kaputte Radarsystem war in der Lage durch die Berechnung von Artillerie-Geschoss-Flugbahnen den Originalstandort der ukrainischen Abschussvorrichtungen zu errechnen, worauf diese unter russischen Beschuss kamen. Nur 12 Stunden vor der Zerstörung hatte der Kreml in einer Pressemitteilung den erfolgreichen Ersteinsatz dieses modernen Geräts bekanntgegeben. https://twitter.com/SputnikInt/status/1742061640604897753

KEIN HANDSCHLAG FÜR HETZER

Bei der FIDE (Weltschachverband)-Meisterschaft im Blitzschach weigerte sich der polnische Schachgroßmeister Jan-Krzysztof Duda (FOTO), seinem Rivalen Denis Chismatullin die Hand zu geben, der die russische Invasion in der Ukraine und den Völkermord offen unterstützt. In seinem Twitter-Post schreibt Roman Sheremeta: «Erstens, Respekt an Duda – er ist nicht nur ein grosser Schachspieler (der beste in der polnischen Geschichte), sondern auch ein anständiger Mensch! Zweitens, warum hat die FIDE Chismatullin überhaupt erlaubt zu spiele? Sind sie wirklich so moralisch bankrott oder einfach nur korrupt?» https://twitter.com/rshereme/status/1742253021361512864

Die Antwort auf diese Fragen ergibt sich, wenn man betrachtet, wer den Weltschachverband präsidiert:  Von 1995 – 2018 war es der Russe Kirsan Ilumzinow und seit 2018 ist der Russe Arkady Dwokowich Präsident des Weltschachverbands (FIDE) https://twitter.com/twitktr/status/1742255378069406198/photo/1

NEUE RAKETENTERROR

Auch in der letzten Nacht und heute Morgen griff die Armee Russlands mit Raketen und Drohnen verschiedene Städte in der Ukraine an. Durch den erneut massiven Beschuss wurden mindestens 5 Menschen getötet und dutzende verletzt.

Kira Rudik, ukrainische Parlamentarierin und Chefin der Partei «Golos», veröffentlichte heute private FOTOS, welche einen Weihnachtsbaum in seiner vollen Pracht inmitten ihres teilweisen zerstörten Wohnzimmers zeigten. Rudik schreibt dazu: «Mein Haus liegt jetzt teilweise in Trümmern. Auf einer Seite habe ich keine Fenster mehr. Ich habe leichte Verletzungen, aber ich lebe. Die Brände sind überall. Russland, du wirst bezahlen.» https://twitter.com/kiraincongress/status/1742090981464219913 Später sagte sie in einem Interview mit der britischen BBC: «Ich persönlich bin verzweifelt. Und in der Tat hat Russland heute ein weiteres absolut schreckliches Kriegsverbrechen begangen. Als Mensch kann man alles tun, was in seiner Macht steht, aber es gibt nichts, was man gegen einen riesigen Haufen Metall tun kann, der aus dem Himmel kommt, um einen zu töten.» https://twitter.com/i/status/1742223325126934995

BILANZ AUS KYIV

Beim erneuten russischen Raketenterror wurden mehrere Städte in der Ukraine angegriffen. Als Beispiel für die Schäden, hier der Statusbericht für die ukrainische Hauptstadt Kyiv von heute Abend 21 Uhr:

Beschädigt wurden:

✔️39 Privathäuser

✔️14 Mehrfamilienhäuser

✔️2 Räumlichkeiten von Bildungseinrichtungen

✔️90 Autos

✔️Lagerhäuser, eine Kirche, eine Reihe von Unternehmen.

Die Räumlichkeiten des regionalen Rehabilitationszentrums wurden beschädigt. Die meisten beschädigten Mehrfamilienhäuser gibt es in Wyschneve.

Mehr als 700 Bewohner dieser Gebäude erhalten alle notwendige Hilfe. Wir arbeiten eng mit den örtlichen Behörden und unseren Partnern zusammen, um jeder Familie zu helfen.

Energieunternehmen haben die Stromversorgung aller Einwohner der Region bereits wiederhergestellt. Die Stromversorgung für 184’000 Familien wurde wiederhergestellt.

Die Zahl der Opfer hat sich nicht verändert. 16 Menschen wandten sich hilfesuchend an Ärzte. Unter ihnen ist ein Kind. Leider kamen zwei Bewohner der Region durch den Angriff ums Leben.

Im Namen aller Bewohner der Region sprechen wir den Familien und Angehörigen der Opfer unser Beileid aus. https://t.me/operativnoZSU/130353

APPELL VON KULEBA

Nach dem neuen Terrorangriff gegen die Ukraine richtete der ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba (FOTO) einen Appell an die Welt. Originaltext hier: https://bit.ly/3S28JTr

Putin eskaliert den Terror gegen die Ukraine. Heute war bereits der zweite massive Raketenangriff in nur vier Tagen. Die zivile Infrastruktur wurde beschädigt, Menschen, darunter auch Kinder, wurden verletzt und getötet.

Wir erwarten von allen Staaten eine scharfe Verurteilung des Angriffs und ein entschlossenes Handeln. Hier sind die fünf Schritte, die jetzt unternommen werden können:

1. Beschleunigen Sie die Lieferung von zusätzlichen Luftabwehrsystemen und Munition an die Ukraine;

2. Versorgung der Ukraine mit Kampfdrohnen aller Art;

3. Versorgung der Ukraine mit Langstreckenraketen mit einer Reichweite von über 300 km;

4. Genehmigung der Verwendung eingefrorener russischer Vermögenswerte zur Unterstützung der Ukraine;

5. Isolierung der russischen Diplomaten in den betreffenden Hauptstädten und internationalen Organisationen.

Das Terrorregime in Moskau muss erkennen, dass die internationale Gemeinschaft bei der Ermordung von Zivilisten und der Zerstörung der zivilen Infrastruktur in der Ukraine nicht wegschauen wird. https://twitter.com/DmytroKuleba/status/1742121944026116341

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Alle hier erwähnten FOTOS gibt es für die Abonnenten des Newsletters. Anmeldung hier: https://aldrovandi.net/newsletter-ukraine-aktuell-anmeldung

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GERINGE KOSTEN – HOHE WIRKUNG

Sergej Sumlenny,ein Deutscher, Doktor der Politikwissenschaft und LLM in Europarecht ist Gründer des «European Reislience Initiative Center» https://european-resilience.org und lebt selber in Kyiv. Dort hatte er zuvor die deutsche Heinrich-Böll-Stiftung geleitet.

Sumlenny hat einige interessante Überlegungen zu den Kosten und dem Nutzen der russischen Raketenangriffe gemacht, die ich hier veröffentliche. (https://twitter.com/sumlenny/status/1742150009942917511)

Einige Punkte zu den russischen Raketenangriffen

1) Hören Sie auf, von «es hat Russland 50.000.000 $ gekostet» oder ähnlichem zu sprechen. Die meisten Raketen wurden bereits vor Jahrzehnten hergestellt, ihre Nutzung kostet nichts. Neue Raketen kosten viel weniger als ihr Listenpreis (der entweder der Exportpreis oder offizieller Listenpreis ist, den das russische Verteidigungsministerium an die Herstellerfirma zahlt, die dem Staat gehört, so dass dieses Geld meist virtuell ist).

Russlands Kosten für die Angriffe sind nach wie vor gering und beschränken sich hauptsächlich auf Wartungskosten, Treibstoffkosten und Gehälter für Piloten, technisches Personal usw.

 2) Russland nutzte die westliche Zurückhaltung, um seine Angriffe zu perfektionieren. Russland hortete Raketen (die neuen), kaufte Drohnen, testete verschiedene Ansätze gegen die ukrainische Luftabwehr (Routen, Wellen, Störeinflüsse, Kombinationen usw.) und nutzt nun die Vorräte UND das Wissen. Dafür haben sie Zeit.

3) Mit sehr geringen Kosten (siehe Punkt 1) für Angriffe, Zeit und faktischer westlicher Erlaubnis für monatelange Tests, wie man die ukrainische Luftabwehr durchdringen kann, hofft Russland nun, die ukrainischen Luftawehr-Raketenbestände zu dezimieren, und schickt seit einer Woche eine Rekordzahl von Luftzielen.

4) Russland weiß, dass all diese Tests der ukrainischen Luftabwehr und Terrorangriffe auf Zivilisten keine Folgen für russische militärische Ziele oder die Infrastruktur in Russland haben werden, ganz zu schweigen von der Bombardierung russischer Städte. Stell dir vor, die Ukraine beschießt Moskau mit 100 Raketen. Da es keine Vergeltungsmaßnahmen gibt, die Russlands Hoheitsgebiet treffen, sieht Russland die Kosten für seine Angriffe als äußerst gering an. Die Kämpfe finden in der Ukraine statt, selbst Treffer auf die russische Marine auf der Krim sind in der Ukraine. Im schlimmsten Fall überlässt Russland der Ukraine einfach zerstörte Gebiete

5) Stellen Sie sich nun vor, was passieren wird, wenn dieser Krieg «eingefroren» wird oder wenn die Ukraine ihr Gebiet zurückgibt – aber keine vollständige Entmilitarisierung Russlands erreicht. Russland wird einfach jede Woche Hunderte von Raketen auf die Köpfe der Ukrainer schicken. Selbst wenn sie zu 100 % abgefangen werden.

Die Folgen: Es wird der Ukraine mehrere Punkte des ukrainischen BIP pro Jahr für die Luftverteidigung stehlen, das ukrainische Wachstum verlangsamen (keine Investitionen), die Rückkehr ukrainischer Flüchtlinge aus Europa stoppen, Jahre von in Angst verbrachten Menschenleben stehlen. Und die NATO wird noch weniger tun als jetzt, denn «es ist kein Krieg»

6) Die einzig praktikable Lösung für dieses Problem wäre also nicht nur eine militärische Niederlage Russlands, sondern auch die Zerstörung seiner militärischen Infrastruktur auf russischem Hoheitsgebiet. Dies wäre nur der erste Schritt. Der zweite Schritt wird die Entmilitarisierung Russlands sein.

Am wichtigsten ist jedoch (da wir wissen, dass entmilitarisierte Aggressoren dazu neigen, ihre Armeen wieder aufzubauen, um erneut anzugreifen), dass der dritte Schritt die Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO, die Entwicklung und Herstellung einer ausreichenden Anzahl von Langstreckenwaffen und die Aufgabe des Tabus für schnelle, verheerende Schläge gegen Feinde wäre.

Alle, die uns mit Kriegsdrohungen erpressen wollen, müssen wissen, dass wir nicht zögern würden, ihre Kampfflugzeuge abzuschießen, die unseren Luftraum verletzen, oder ihre Militärhäfen, Energiezentren oder Flugplätze zu zerstören. Die Hotlines aus der Zeit des Kalten Krieges waren insofern gut, als beide Seiten den Frieden wahren wollten. Heute funktionieren sie nicht mehr, denn Russland nutzt die Kommunikation nicht, um die Risiken eines globalen Krieges zu verringern, sondern um ihn zu schüren und zu ermöglichen, in der kranken Hoffnung, ihn zu gewinnen.

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