Ukraine Aktuell Nr. 610 (26.10.23/21Uhr)

ERSCHÖPFTE SOLDATEN

In einer Reportage berichtet die Plattform «Kyiv Independent» von der Front in Bakhmut und den Zustand der dort kämpfenden Ukrainer. Während die Bakhmut-Gegenoffensive sich verzögert, sind die Soldaten von den Schrecken des Krieges ausgebrannt. Die ukrainischen Soldaten, die in einem brutalen Krieg, in dem bereits so viele fielen, sind dem Tod nur knapp entkommen, kämpfen in einem gefühlt endlosen Kreislauf und sagen, dass sie von dem Schrecken, den sie täglich erleben, erschöpft sind.

Emotionales Burnout und der Wunsch, nach Hause zu gehen, nehmen zu, während die Ukraine ihre Gegenoffensive auf drei Hauptachsen fortsetzt, einschliesslich derjenigen bei Bakhmut. https://kyivindependent.com/as-bakhmut-counteroffensive-lags-soldiers-burnt-out-from-horrors-of-war/

UKRAINE VOR GRÖSSERER MOBILISIERUNG

Die Ukraine hat das Wehrpflichtalter auf 25 Jahre gesenkt, aber umgesetzt wurde diese Anordnung bisher nicht. Das sagte Serhiy Rakhmanin, Mitglied des Ausschusses für nationale Sicherheit, Verteidigung und Nachrichtendienst in einem Interview mit Ukrayinska Pravda.

Rakhmanin bemerkte zu dieser angekündigten Mobilisierung: «Wenn das geschieht, können die Militärs ausrechnen, welches Plus sie an Mobilisierungsressourcen wirklich bekommen, und ob es sich lohnt, die Altersgrenze weiter zu senken.» Der Bedarf an solchen Wehrpflichtigen ergibt sich seiner Meinung nach aus zwei Gründen: Bestimmte Arten von Kampfeinsätzen erfordern jüngere Soldaten, ebenso wie der technologische Fortschritt des aktuellen Krieges. https://www.pravda.com.ua/rus/news/2023/10/26/7425818/

ZUGESPITZTE LAGE BEI AVDIIVKA

Anton Gerashchenko, Berater des ukrainischen Innenministers, warnt vor einer Niederlage bei Avdiivka.

Er schreibt auf Twitter/X: «Die ukrainische 110. mechanisierte Brigade wehrte alle Angriffe direkt auf Avdiivka erfolgreich ab. Die Lage nördlich von Avdiivka hat sich jedoch ernsthaft zugespitzt. Trotz schwerer Verluste rückten russische Angriffstruppen nördlich von Avdiivka entlang der Eisenbahnschienen vor und besetzten ein Gebiet von bis zu einem Kilometer Breite. Sie versuchten, den kontrollierten Korridor zu erweitern und die Voraussetzungen für eine Konzentration der Kräfte und eine weitere Offensive in Richtung Stepove-Berdychi und in Richtung des Industriegebiets der Koks- und Chemiefabrik von Avdiivka zu schaffen. Dies ist eine sehr ernste Bedrohung, die höchste Aufmerksamkeit erfordert.» https://twitter.com/Gerashchenko_en/status/1717487878328946941

Seit der Eröffnung der Grossoffensive am 10.Oktober auf die ostukrainische Stadt Avdiivka haben die russischen Truppen 5’000 Soldaten und 400 Fahrzeuge und Waffensystem verloren. Das sagte Oleksandr Shtupun, Sprecher der ukrainischen Ost-Truppen.

Die Russen würden weiterhin mit grossen Menschenmengen aus der Infanterie die Stadt angreifen. Darunter habe es auch sogenannte Z-Sturmtruppen, die aus freigelassenen Zuchthaus-Insassen bestehen. Allerdings komme es zunehmend zu Dienstverweigerungen: «Es gibt Fälle von Weigerung, insbesondere von Vertretern der Storm-Z-Abteilungen, die in einigen Einheiten zu rebellieren beginnen», sagte Shtupun am ukrainischen Fernsehen. https://t.me/operativnoZSU/120541

PARTISANENAKTION IN BERDJANSK

Am 23. Oktober 2023 wurde im vorübergehend besetzten Berdjansk in der Region Saporischschja ein Auto mit vier Vertretern des russischen FSB-Geheimdienstes durch eine Explosion zerstört. Die Aktion fand in der Michurin-Straße, wo die Geheimdienstleute im «Jasmin Guest-House-Hotel» übernachteten.

Zu den Liquidierten gehörte ein FSB-Agent, welcher ukrainische Gefangene gefoltert hatte.

Nach dem Attentat befahl der im von Russland eingesetzte Gauleiter die Ausgangssperre in der Nacht bis 5 Uhr am Morgen zu verlängern. Überlebende russische Besatzer verliessen das «Jasmin Guest-House» und suchten einen anderen Unterschlupf. https://t.me/c/1394092619/56779  

RUSSLAND RÜSTET AUF

Analysen von Satellitenbildern von «Maxar» und «Planet Labs» zeigen, dass Russland die Produktionskapazitäten in seinen Militärbetrieben stark ausbaut. Radio Liberty benennt die wichtigsten Produktionsstätten:

Dazu gehören KAZAN AVIATION PLANT bei Kasan, wo Bomber vom Typ Tu-22M3 und Tu-160 gebaut werden;
Das URALER ZIVILLUFTFAHRTBETRIEB, ehemals Werk Nr. 404, in Jekaterinenburg, welches Motoren für die Helikopter Mi-1, Mi-8, Mi-24 und Ka-52 baut;
Die IRKUTSKER FLUGZEUGWERKE welche das Kampfflugzeuges Su-30 baut;
Die DUBNA-MASCHINENBAUERK im Norden von Moskau, welche die Raketen X-22, X-55 und X-101 herstellt;
Die Raketenfabrik ALMAZ-ANTEY in der Moskauer Sonderwirtschaftszone «Technopolis» und ZALA AERO, ein Tochterunternehmen des Kalaschnikows Konzerns.

Analysten entdeckten auf dem Geländer der Firmen neue Produktionsstätten, wobei die grösste 300 Meter lang und 180 breit ist. https://www.radiosvoboda.org/a/skhemy-rosiya-rozbudovuye-viyskovi-zavody/32653350.html

NORDKOREA LIEFERUNGEN BESTÄTIGT

Die USA, Japan und Südkorea haben die Waffenlieferungen der Demokratischen Volksrepublik Korea an Russland bestätigt. Das steht in einer gemeinsamen Erklärung, veröffentlicht auf der Website des US-Aussenministeriums

«Angesichts des Versuchs Russlands, den Krieg mit Hilfe Nordkoreas fortzusetzen, sind wir weiterhin entschlossen, die Souveränität der Ukraine und ihre Bemühungen zu unterstützen, den Folgen des russischen Angriffskriegs entgegenzuwirken», steht in der Erklärung. Geschrieben wird ausserdem, dass Pjöngjang im Gegenzug für die Unterstützung Moskaus Hilfe bei der Entwicklung seines militärischen Potenzials erhalten werde.

Insbesondere befürchten die Verbündeten, dass die Russische Föderation Nordkorea mit Nukleartechnologie versorgen wird. https://www.state.gov/u-s-japan-rok-joint-statement-condemning-dprk-russia-arms-transfers/

TREFFEN DER MILITÄRKOMMANDANTEN

An einem nicht genannten Ort trafen sich General Christopher Cavoli, Befehlshaber der United States Forces Europe, und Admiral Sir Tony Radakin, Chef des britischen Verteidigungsstabs mit Valerij Zaluzhnyi, dem Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee.

Zaluzhnyi schreibt: «Wir konzentrierten uns auf den aktuellen Bedarf der Streitkräfte der Ukraine an Granaten, Drohnen und militärischer Ausrüstung. Wir erörterten auch die zentralen Fragen der Stärkung unserer Luftverteidigung und des Schutzes kritischer Infrastruktureinrichtungen im Herbst und Winter. https://t.me/CinCAFU/592

Am Treffen sei vereinbart worden, dass die Ukraine im Januar neue Raketen mit einer Reichweite von 300 km und einem Sprengkopfgewicht von 100 kg erhält. Das berichtete der Voice of America-Journalist Gongadze unter Berufung auf einen Beamten des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine: «Basierend auf den Ergebnissen des Treffens zwischen dem ukrainischen Militärkommando und dem alliierten Militärkommando wird das Tempo der Waffenlieferungen an die Ukraine nicht abnehmen», schreibt sie. https://twitter.com/MGongadze/status/1717531974007406896  

WAFFEN-STOPP DER SLOWAKEI

Der neu ernannte slowakische Premierminister Robert Fico sagte, sein Land werde keine Waffen mehr an die Ukraine liefern und versprach, diese Haltung auch auf europäischer Ebene zu vertreten. Das schreibt heute der Guardian. https://www.theguardian.com/world/2023/oct/25/slovakia-prime-minister-robert-fico-attend-european-union-summit

In einer Rede vor slowakischen Gesetzgebern am 26. Oktober fügte er jedoch hinzu, dass Bratislava weiterhin humanitäre Hilfe leisten werde. https://kyivindependent.com/slovak-pm-robert-fico-vows-no-more-weapons-for-ukraine/

Fico ist Chef der linkspopulistischen Partei SMER, welche eine pro-russische Politik vertritt. Er hat sich im Bündnis mit einer anderen linken Partei (HLAS) des früheren Regierungschefs Peter Pellegrini und der rechts-nationalistischen «Slowakische Nationalpartei – SNS» von Andrej Danko eine regierungsfähige Mehrheit gesichert.

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