Ukraine Aktuell Nr. 572 (18.9.23, 21Uhr)

«ICH WEISS WO WIR DURCHBRECHEN»

In einem TV-Interview mit der CBS-Sendung «60minutes» sagte der ukrainische Staatspräsident Volodymyr Zelenskyj: «Die Ukraine wird die russische Verteidigung kraftvoll durchbrechen. Ich weiss, wo wir es tun werden.» https://t.me/insiderUKR/61996

Oleksandr Syrsky, Kommandeur der ukrainischen Landstreitkräfte meldete heute persönlich die Erfolge der ukrainischen Truppen an der Ostfront. Syrsky sagte: «Nach der Befreiung von Klischtschiwka und Andriiwka starteten die Russen zahlreiche Gegenangriffe aus verschiedenen Richtungen und versuchten vergeblich, ihre Stellungen zurückzuerobern. Diese Dörfer waren wichtige Elemente der gegnerischen Verteidigungslinie von Bakhmut bis Horlivka.». https://t.me/c/1394092619/54950

Ausserdem bestätigte Syrsky die Zerstörung der 72.Motorschützenbrigade Russlands https://aldrovandi.net/…/ukraine-aktuell-nr-569-15-9…/ sowie die Vernichtung von zwei weiteren russischen Eliteeinheiten, der 31. und 83. separate Luftangriffsbrigade.

MASSENHAFT LEICHEN

In einem Video – aufgenommen mit einer Helmkamera https://twitter.com/i/status/1703342982361911701 – sind die Schäden an der ukrainischen Natur und russischen Soldaten deutlich zu sehen. Der Helmträger geht durch ein weitgehend zerstörtes Unterholz. Auf dem Weg von geschätzt hundert Metern zwischen zwei Unterständen liegen mindestens zwei dutzend Leichen russischer Soldaten.

Maksym Zhorin, stellvertretender Kommandeur der 3. Angriffsbrigade aus der Region Bakhmut, schreibt zu diesem Video: «Die Vernichtung des feindlichen Personals ist eine unserer vorrangigen Aufgaben. In den Kämpfen um Andriivka haben die Russen alles verloren, nicht nur Territorium, sondern auch viele ihrer Männer. In letzter Zeit haben sie begonnen, alle verfügbaren Reserven in diesem Gebiet zu nutzen. Manchmal hatten sie ein paar Stunden lang keine Zeit zum Leben und es wurde sofort neues Fleisch geschickt, um sie zu ersetzen. Diese Leichen liegen im Müll herum, und niemand wird sie wegbringen.» https://twitter.com/DenesTorteli/status/1703342982361911701

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ZWEI WICHTIGE DÖRFER

Die ukrainische Plattform «New Voice» sprach mit Oberst Wlad Woloschyn, Pressechef der Ostgruppe der ukrainischen Armee darüber, was die ukrainischen Streitkräfte in Klischtschiwka zu tun hatten und warum sie zwei befreite Stellungen nach Emmanuel Macron und seinem Berater Bernard-Henri Levy benannt haben.

Woloschyn: «Die Befreiung von Klischtschijiwka ist für uns äusserst wichtig. Das Dorf liegt an der Eisenbahnlinie, die von Horliwka nach Bakhmut führt, und in der Nähe verläuft auch eine wichtige Autobahn. Klischniwka gibt uns also die Möglichkeit, alle Zufahrtsstraßen vom Süden nach Bakhmut zu kontrollieren. Aber auch unser Feind hat die Bedeutung dieses Ortes erkannt, so dass die Russen seit Monaten alle ihre Reserven hierher verlagern und versuchen, die Siedlung um jeden Preis zu halten.» (…)

Darüber hinaus hat der Feind in Kleshchiyivka ein unglaublich umfangreiches System von Befestigungen errichtet, darunter unterirdische Gänge, unterirdische Unterstände, Gräben, Erdwälle usw. Ich kann sagen, dass wir so etwas noch nie gesehen haben. Man muss auch bedenken, dass alle Zufahrten zum Dorf vermint waren. (…)

Wie ist es uns gelungen, Klischtschiwka zu befreien? Dank der Tatsache, dass das Kommando der Streitkräfte und die Brigadekommandeure einen Plan für schrittweise Angriffsaktionen entwickelt hatten, der es ihnen ermöglichte, russische Verstärkungen, die sich zu nähern versuchten, abzuschneiden.

Jede Angriffsaktion ist immer mit grossen Verlusten verbunden. Um dies zu vermeiden, muss buchstäblich jeder Schritt sorgfältig überlegt sein. Gegenwärtig werden fast alle Offensivaktionen der ukrainischen Streitkräfte an verschiedenen Frontlinien von kleinen Angriffsgruppen durchgeführt. (…)

Im Allgemeinen sollten laut Militärwissenschaft die Angreifer die Zahl der Verteidiger drei zu eins übertreffen. Und in einem Gebiet wie Klischtschiwka sind für einen Angriff fünf- bis siebenmal mehr Kräfte erforderlich als für die Verteidigung. Aber in Wirklichkeit war es umgekehrt: Wir hatten weniger Kräfte und Mittel als die Russen. Nur dank der einstudierten Operationen, der Geschicklichkeit und der Motivation der ukrainischen Soldaten ist es uns gelungen, diese Siedlung zu befreien. (…)

Wir haben die beiden befreiten Stellungen in Klischtschiwka nach Emmanuel Macron und seinem Berater Bernard-Henri Levy benannt. Warum haben wir uns dafür entschieden? Weil wir diese Persönlichkeiten verstehen und respektieren. Levy zum Beispiel ist ein großer Freund der Ukraine, der viel für uns tut. (…)

Wenn man sich die Karte der Kämpfe anschaut, kann man sehen, dass Klischtschiwka der Beginn der Befreiung des nördlichen Donbass ist. Diese Operation kann tatsächlich der Beginn einer groß angelegten Räumung aller besetzten Gebiete in der Region Donezk sein. Sie zeigt, dass diese mächtige, aus mehreren Staffeln bestehende Verteidigung, die der Feind in den besetzten Gebieten errichtet hat, durchbrochen werden kann.» https://nv.ua/…/yak-zvilnyali-klishchijivku-polkovnik…

TABULA RASA IM VERTEDIGUNGSMNISTERIUM

Seit zwei Wochen heisst der neue ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerov und seither bleibt in seinem Ministerium kein Stein auf dem anderen. Zuerst hat er die Überprüfung aller bestehenden Verträge angekündigt.

Heute entliess Umjerov alle 6 stellvertretenden Verteidigungsminister und den Staatssekretär. Daraufhin haben alle Personen ein Rücktrittsschreiben eingereicht und mitgeteilt, dass sie nicht mehr auf den Posten zurückkehren werden. Lediglich der Erste Stellvertreter, Olexander Pawljuk, bleibt weiter im Amt. https://www.pravda.com.ua/news/2023/09/18/7420281/

Umjerov nannte keine Gründe, sondern sagte lediglich: «Eine vollständige Erneuerung ist im Gange. Die Beratungen über die Kandidaten für das Amt des stellvertretenden Verteidigungsministers laufen.» https://t.me/insiderUKR/62004

Zu den Entlassenen gehört auch die im TV und hier in «Ukraine Aktuell» öfters zitierte Hanna Malyar. Auf ihrem Telegram schreibt sie nicht über die Entlassung, sondern – wie in den bisherigen Tagen – über die Lage an der Kriegsfront. https://t.me/annamaliar/1079

Die Anzahl von 6 stellvertretenden Verteidigungsministern ist aus westlicher Sicht erstaunlich, aber für eine Ost-Armee aus der Tradition der sowjetischen Armee nicht unüblich. So hat zum Beispiel der russische Verteidigungsminister 22 Stellvertreter.

RUSSLAND VERURTEILT UKRAINER

Die russische Justiz verhält sich so, wie wenn die Ukraine keine eigene Rechtsstaatlichkeit und keine Souveränität hätte. Anders lassen sich drei Urteile der letzten Tage kaum erklären:

Heute wurde die in der Ukraine lebende Ukrainerin Maria Efrosinnina von einem russischen Gericht zu 7 Jahren Haft verurteilt. Sie dürfe auch die sozialen Netzt nicht mehr benutzen, worauf sie in einem Post schrieb: «Russland ist die Dunkelheit, die jedem, der die Wahrheit sagt, solche Strafen auferlegt».

Zuvor hatte ein Gericht in Moskau Boris Filatow in Abwesenheit verurteilt. Filatow ist Journalist und Bürgermeister von Dnipro.

Ebenfalls verurteilt wurde der ukrainische Geschäftsmann Jewhen Tschernjak weil er humanitäre und finanzielle Hilfe für die Ukrainer geleistet hatte.

Zur Verhaftung ausgeschrieben sind ausserdem der Chef des militärischen Geheimdienstes Kyrylo Budanov oder der ukrainische Armeechef Valerij Zaluzhny. https://t.me/insiderUKR/62023

BESATZER-ZENTRUM BESCHÄDIGT

In der Stadt Donezk im Donbass hat die russlandfreundliche Marionetten-Verwaltung ihr Hauptquartier und dort hat russische Gauleiter Denis Puschilin seinen «Regierungssitz».

Das Gebäude wurde heute durch ein nicht bekanntes Flugobjekt angegriffen. Dabei wurde das Dach des mehrstöckigen Gebäudes abgedeckt. Die Scheiben an der Fassade barsten und ein Teil der Wände stürzten ein. Aus dem Gebäude steigt Rauch auf. https://t.me/insiderUKR/62012

DAS POLNISCHE REDUIT

Die Schweizer Armeeführung unter General Henry Guisan wollte im Falle eines Überfalls durch Nazideutschland das Schweizer Mittelland soweit wie möglich verteidigen, sich aber vor allem in die Schweizer Berge, in das sogenannte «Reduit» (beschusssichere Verteidigungsanlage) zurückziehen. https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_R%C3%A9duit

Heute wurde bekannt, dass Polen noch in diesem Jahrhundert ähnliche Überlegungen im Fall eines Angriffs durch Russland hatte. Im Falle einer russischen Invasion wollte sich die polnische Armee bis über die Weichsel zurückziehen und hätte damit 40% des Territoriums aufgegeben. Die Dokumente stammen aus dem Jahr 2011, und der Stempel «geheim» wurde 2013 entfernt. Die polnische Partei «Recht und Gerechtigkeit», die als nationalistisch, klerikal-konservativ, christdemokratisch und populistisch definiert wird, veröffentlichte heute die entsprechenden Dokumente. https://t.me/insiderUKR/62008

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