Ukraine Aktuell Nr. 532 (9.8.23/20Uhr)

WIE RUSSLAND HÄFTLINGE MOBILISIERT

Seit längerem berichtet die russische Gefangenenrechtsgruppe http://Gulagu.net über die Massenmobilisierung von Sträflingen für den Krieg gegen die Ukraine.

In russischen Strafkolonien werden massenhaft Gefangene auf ihre Eignung für die Einberufung in die «Sturm-Z»-Angriffseinheiten untersucht.

Die «Sturm-Z»-Einheiten von Putin haben ihre geschichtliche Entsprechung, bei den «Straf-Bataillonen», bekannt auch als «Bewährungstruppe 999», von Hitler. https://de.wikipedia.org/wiki/Bew%C3%A4hrungsbataillon

Im Gegensatz zur freiwilligen Häftlingsrekrutierung durch die Söldner-Firma «Wagner PMC» scheint es sich hierbei um eine Zwangsrekrutierung zu handeln.

PUTIN IN DEN STAPFEN HITLERS

Laut Gulagu-Chef Wladimir Osechkin hat der Föderale Strafvollzugsdienst die Gefängnisse angewiesen, Listen mit Häftlingen zu erstellen, die für den Militärdienst geeignet sind und zuvor in den russischen Streitkräften gedient haben, sowie mit Häftlingen, die zum Fahren qualifiziert sind.

Die Rekrutierung von Zuchthaus-Insassen ist möglich durch den am 23. Juni von Putin unterzeichneten Gesetzes-Erlass zu «Einberufung und Militärdienst» und «Mobilisierungsausbildung».

Als Belohnung für den Kriegsdienst wird die Strafe nach Beendigung des Dienstes aufgehoben. Dies wird dazu führen, dass mehr verurteilte Kriminelle frühzeitig in die Zivilgesellschaft Russlands übertreten.

DIE GROSSE MOBILISIERUNG

Angehörige berichten, dass Vorbereitungen getroffen werden, um Gefangene aus Strafkolonien in den Regionen Nowosibirsk, Saratow, Lipezk, Woronesch, Rostow, Tomsk und Nischni Nowgorod zwangsweise zu mobilisieren. Einige sollen bereits an die Front gebracht worden sein.

Gulagu-Net schreibt: «In den Kolonien verschiedener Regionen gab es das Gerücht, dass sie weggebracht würden, aber nicht auf freiwilliger Basis». Bis zu 100’000 Männer sollen auf der Liste stehen.

DIE SORGE DER ZUCHTHAUS-DIREKTOREN

Eine Mobilisierung dieser Größenordnung wird möglicherweise ernsthafte Probleme aufwerfen. Gulagu berichtet, dass die Führung des Bundesstrafvollzugsdienstes besorgt sei über «weite Publizität, mögliche Unruhen und Kontrollverlust über die Situation in den Kolonien und was haben die Gefangenen zu verlieren, wenn sie in zwei Wochen unter Artillerie und Minen an die Front geworfen werden?»

Es heisst, dass «der Direktor des Bundesstrafvollzugsdienstes angewiesen wurde, die operative Arbeit zu intensivieren, um die Verurteilten zu zwingen, handschriftliche Erklärungen über ihren angeblichen Wunsch, an die Front zu gehen, zu verfassen.» In der Praxis scheint dies den Einsatz von Folter und Schlägen bedeutet zu haben.

KEINE MILITÄRDIENST FÜR SEX-SKLAVEN

Nicht zum Kriegsdienst eingezogen werden HIV-infizierte Menschen und solche mit «niedrigem sozialem Status».

Zu der Kategorie «niederer sozialer Status» gehören in russischen Gefängnissen die geächteten und sexuell missbrauchten Sträflinge, die im russischen Jargon als «Schwänze» bezeichnet werden.

Sie sind Opfer des brutalen Kastensystems, das auf einer sexuellen Hierarchie basiert und in dem einige Gefangene so behandelt werden, als ob sie von jedermann vergewaltigt werden könnten. Diese Männer sind auch als «Hähne», «Beleidigte», «Herabgesetzte», «Gezwungene» oder «Wappen» bekannt und müssen neben den Toiletten schlafen.

Die Negativliste bietet Verzweifelten einen möglichen Ausweg. Ein Gesprächspartner sagte über die Kolonien in der Region Nowosibirsk: «Die Menschen suchen nach Möglichkeiten, bis hin zur Erlangung eines HIV-Status, um nicht in die Zone der Sondermilitäroperationen zu gehen.»

Gemäss http://Gulagu.net werden selbst bei einem begrenzteren Mobilisierungsplan täglich mehr als tausend Sträflinge an die Front geschickt. Die Quote wird erhöht dadurch, dass die Gefängnisleiter die Lebensmittelbeschaffung reduzieren, um so weitere Sträflinge entsenden zu können.

STURM-Z-EINHEITEN ALS «FLEISCH»

Aktuell verfügt das russische Militär über die sogenannten «Sturm Z»-Einheiten. Diese sind dafür berüchtigt, Männer zu äusserst verlustreichen «Fleischangriffen» zu schicken.

In Videobotschaften haben Mitglieder von «Sturm-Z»-Einheiten berichtet, dass sie durch eigenen Artilleriebeschuss gezielt «ermordet» würden. Ihre Kompanie hätten bis 75 % ihres Personals verloren. Den Verwundeten der «Z-Sturm»-Einheiten wird zwei Tage Zeit gegeben, um zu heilen, bevor sie erneut an die Front zurückgeschickt werden.

NEUE NORD-Z-EINHEIT

Neuerdings gibt es auch «Nord Z»-Strafeinheiten. Sie habe die Aufgabe als Aufklärungs- und Angriffseinheit zu dienen. «Nord Z» wurde im April 2023 mit Sträflingen aus Strafkolonien in der Region Saratow und Baschkortostan gegründet.

Sie wurden ohne Ausbildung direkt an die Front geschickt und einem ehemaligen Wagner-Kämpfer unterstellt. Gemäss Gulagu-Net seien sie als «Kanonen- und Minenfleisch» verwendet worden.

Die Gefangenen-Hilfsorganisation stellt fest, dass in einer Wiederbelebung der Praktiken der Stalin-Ära Gefangene erschossen werden, wenn sie versuchen zu fliehen, und oft dem Tod auf dem Schlachtfeld überlassen werden, wenn sie verwundet werden.

«Aber selbst wenn sie Glück haben und in das nächstgelegene Militärkrankenhaus evakuiert werden, werden sie von dort ohne umfassende Behandlung, mit Kugeln und Granatsplittern im Inneren oder mit Brüchen entlassen und wieder an die Front geschickt.»

Quellen: https://twitter.com/ChrisO_wiki/status/1689006806067200000; https://t.me/NetGulagu/ (Meldungen 5549, 5552, 5563, 5564, 5578) und https://pointmedia.io/story/64d15d41274c780b0a8cce90

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