Ein Massaker ein Massaker nennen

Unter dem Titel «das vermeintliche Massaker» läuft zurzeit auf der Facebook-Seite «Ungesunder Menschenverstand» (https://m.facebook.com/ungemeve/), die sich mit der Wahrheitssuche auf eine bewusst emotionsfreie Art befasst und interessante Erkenntnisse liefert, eine Diskussion über das Massaker von Bucha.

Der Autor meint dabei, dass die Leichen, die im ukrainischen Bucha entdeckt wurden, nicht die Folgen eines Massakers seien, sondern die Folgen von der in der russischen Armee seit langem herrschenden «Dedowschtschina», einer Erniedrigungsmethode, übersetzt: «die Herrschaft der Großväterchen».

Ich habe dazu folgende Antwort verfasst: «Man darf Dinge und Ereignisse auch beim Namen nennen:
Duden definiert «Bedeutung Massaker» mit «das Hinmorden einer großen Anzahl [unschuldiger, wehrloser] Menschen».
Unter «Massaker eingeordnet» werden bei Wikipedia (Deutsch) «Artikel einsortiert, die sich mit Angriffen von bewaffneten Kollektiven (z.B. militärische oder paramilitärische Einheiten) auf eine wehrlose Gruppe befassen, mit dem ZIel, die Opfer zu töten, in den Regel im Rahmen von Kriegen, Progrommen oder Aufständen.».
Hilfreich ist auch diese Definition: «In der Soziologie wird darunter ein „zumeist kollektives, auf die Vernichtung von Nichtkombattanten“ (Zivilisten oder entwaffnete Soldaten) zielendes Handeln verstanden.»

Sie argumentieren ihre Nichtverwendung des Begriffs Massaker mit der Tradition der Erniedrigung in der russischen Armee, die in Bucha auf eine gewisse Art von den Soldaten – dem inneren Kreis der Armee – auf die Bevölkerung «übersprungen» ist.

Ich meine, Sie liegen damit falsch und eigentlich spielt es für die Qualifikation eines Massakers als Massaker auch keine Rolle.

Die SS-Truppen haben für ihr Massaker im französischen Oradour-sur-Glane eine misslungene Resistance-Aktion als Vorwand verwendet;
die GJ’s im vietnamesischen Mỹ Lai waren kollektiv besoffen, respektive durch Drogen berauscht und durch den Vietcong-Widerstand frustriert.

Man muss nicht immer die ganz grossen Vernichtungsaktionen, wie jene von Srebrenica oder Baby-N-Yar herbeiziehen, um ein Massaker ein Massaker zu nennen.

Die Untersuchungen der Generalstaatsanwältin der Ukraine und des Strafgerichtshofes in Den Haag werden das, was geschehen ist, qualifizieren und die notwendigen Schritte unternehmen.»

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