Ukraine Aktuell (3.4.22/21Uhr)

410 TOTE IN DER REGION KIEW

Ausser dem Massaker von Bucha gab es offenbar auch in den vor kurzem befreiten Städte Irpin und Gostomel eine erhebliche Anzahl an Opfern.

Die erste Generalstaatsanwältin der Ukraine, Iryna Venediktova, (@VenediktovaIV) schreibt auf Facebook, dass eine Gruppe von 50 Mitarbeitern, die Staatsanwaltschaft und die Nationalpolizei Ermittlungen im Landkreises Buchansky aufgenommen hat, wozu die Städte Bucha, Irpin und Gostomel gehören.

Bisher seien 410 Leichen identifiziert worden. Vom 1.-3.April haben die Staatsanwaltschaft und anderen Spezialisten bereits 140 dieser Opfer gerichtsmedizinisch überprüft. Zur Beweisaufnahme gehört auch die Sicherstellung von Foto- und Videobeweisen und Zeugenbefragungen.

BUCHA MASSAKER RÜTTELT AUF

Die Tötungen einer Vielzahl von ukrainischen Zivilisten in Bucha durch Putins Soldaten, verstärken den Ruf nach einem Kriegsverbrecher-Tribunal gegen Putin und seine Befehlsempfänger.

UNO-Generalsekretär António Guterres fordert eine unabhängige Untersuchung, die zu «effektiver Rechenschaft» führen müsse.

Die deutsche Aussenminsterin Annalena Baerbock, der deutsche Kanzler Olaf Schulz, die britische Aussenministerin Liz Truss, der italienische Ministerpräsident Mario Draghi und EU-Ratspräsident Emmanuel Macron verurteilten übereinstimmend das Massaker an den Zivilisten in Bucha und verlangten eine Verfolgung der Verbrechen durch einen internationalen Strafgerichtshof.

Schulz, Baerbock, Truss und der Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates versprachen, dass weitere Sanktionen gegen Russland ergriffen werden und die Ukrainer mehr Waffen erhalten.

SCHWEIZ UNTERSTÜTZT UNTERSUCHUNGEN

«Die Berichte aus Bucha lassen schwere Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht befürchten.», schreibt das Departement für auswärtige Angelegenheiten heute Abend. «Die Schweiz unterstützt Untersuchungen des Internationalen Strafgerichtshofs, sowie anderer Institutionen zu Verletzungen des Völkerrechts in der Ukraine.»

Man rufe alle Seiten auf, «das humanitäre Völkerrecht strikt einzuhalten».

RUSSLAND DEMENTIERT MASSAKER

Das russische Verteidigungsministerium bestritt, dass es in Bucha «gewaltsame Aktionen» gegen Zivilisten durchgeführt habe, und beschuldigte die ukrainische Führung, «alle veröffentlichten Fotos und Videos» fabriziert zu haben.

Nach bisher bekannten Angaben haben nicht nur ukrainische Soldaten die Fotos und Videos gemacht, sondern auch mindestens ein anerkannter Photojournalist der Nachrichtenagentur Associated Press (AP).
Es handelt sich um Vadim Ghirda, der seit 1990 an verschiedenen Kriegsschauplätzen tätig war, unter anderem in Rumänien, Serbien während den Nato-Bomben, Kosovo, Israel und Irak. https://www.worldpressphoto.org/…/detail/2643/vadim-ghirda

RUSSLAND GREIFT IM SÜDEN AN

Die ukrainischen Verteidiger haben das von russischen Truppen bedrohte Mykolajiw weiterhin unter ihrer Kontrolle. Die russische Armee hat nun Mykolajiw mit mehreren Raketen attackiert und dabei ein Treibstofflager getroffen. Das berichtet das russische Verteidigungsministerium. Der Bürgermeister berichtete seinerseits von «mehreren Raketeneinschlägen».

VERLUSTE FÜR PUTINS ARMEE UND DESSERTEURE

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs zieht sich die russische Armee im Norden noch mehr zurück. Dabei würden sie weiterhin geplünderte Güter aus der Ukraine nach Weissrussland einführen.

Bei der Stadt Charkiw habe die russische Infanterieeinheit der 59. Panzerregiments grosse Verluste erlitten: 80% ihrer Soldaten seien dabei getötet worden.

Weiter schreibt der Generalstab: «Aufgrund der erheblichen personellen Verluste weigerten sich etwa 25 Soldaten der 31. separaten Angriffsbrigade aus Uljanowsk, am Krieg mit der Ukraine teilzunehmen, und wollen ihren Dienst quittieren».

BISHER 11 GEMEINDEPRÄSIDENTEN ENTFÜHRT

«Bis heute befinden sich 11 Gemeindevorsteher in den Regionen Kiew, Cherson, Charkiw, Saporischschja, Mykolajiw und Donezk in Gefangenschaft». Das sagte heute Abend die stellevertretende ukrainische Regierungschefin.

Man informiere laufend das Internationale Komitee des Roten Kreuzes, die UNO und weitere Organisationen, so wie man das auch bei anderen verschwundenen Zivilisten tue.

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