Ukraine Aktuell Nr. 685 (9.1.24/21Uhr)

  • Serbische Söldner beklagen sich
  • Russische Soldaten leiden im Krieg
  • Kyrill für Gehirnwäsche im Kindergarten

SERBEN KLAGEN ÜBER RUSSEN

Serbische Freiwillige kämpfen als bezahlte Söldner in den Reihen der russischen Armee. Engagiert sind sie im 119. Regiment in einer Einheit die «Volk» heisst.

Jetzt erschienen zwei Videos, in denen sich serbische Söldner darüber beklagen, wie sie in der russischen Armee behandelt wurden. Dejan Berić (FOTO rechts, Video: https://twitter.com/i/status/1744468684033179807) kämpft seit längerem für Russland und mobilisiert in Serbien Männer für den Dienst Putins. Nun beschwert sich Berić, dass die Russen der 119. Brigade serbische Söldner wie Vieh behandeln, sie als «Zigeuner» bezeichnet und einige von ihnen geschlagen haben. Das Kommando der Brigade schickte die Söldner ohne Munition in die Angriffe und empfahl ihnen, diese während der Schlacht einzusammeln. https://twitter.com/wartranslated/status/1744468684033179807

In einem anderen Teil desselben Videos berichtet Berić, dass sich die Serben weigerten, unter solchen Bedingungen einen Angriff zu starten. Dafür wurde ihnen Fahnenflucht vorgeworfen. Sie wurden aus dem Unterstand geworfen, mehrere Tage lang in der Kälte festgehalten, geschlagen und dann aufgefordert, Papiere zu unterschreiben, in denen sie sich selber als Spione bezeichneten. https://t.me/Pravda_Gerashchenko/85995

In einem zweiten Video https://twitter.com/i/status/1744449765411344751 beschwert sich ein namentlich nicht bekannter Serbe, dass Serbische Söldner von den russischen Kommandeuren des 119. Regiments mit den Gewehrkolben von AK-47 (Kalaschnikows) verprügelt wurden. https://twitter.com/igorsushko/status/1744449765411344751

RUSSISCHE SOLDATEN LEIDEN

Mobilisierte Russen ertragen stoisch die entsetzlichen Bedingungen an der Front in der Ukraine, ohne Nahrung oder Wasser und mit endemischem Diebstahl ihrer Vorräte und Ausrüstung durch ihre eigene Seite. Unterdessen trauen sich viele ihrer Frauen nicht, etwas zu sagen, weil sie Vergeltungsmassnahmen befürchten.

Ein Bericht von Radio Free Europe beleuchtet die Erfahrungen der mobilisierten Russen, die in der Ukraine kämpfen, anhand der Schilderungen zweier Familien, eine aus dem Nordwesten Russlands und die andere aus der Region Swerdlowsk im Ural am äußersten östlichen Rand Europas.

Tatjana ist die Frau eines Vertragssoldaten namens Sergej, der im Juli letzten Jahres freiwillig in den Krieg zog. Sie sagt, dass die meisten russischen Soldaten, wie ihr Mann, einfach nur Geld verdienen wollen, um ihre Familien zu unterstützen und ihre Hypotheken abzubezahlen.

«Niemand kämpft mehr für das Mutterland», sagt sie. «Egal, wen Sie fragen, jeder geht dorthin, um das Wohlergehen seiner Familie zu verbessern.» Sergej verdient 200’000 Rubel (2’210 Dollar) im Monat, das Dreifache seines früheren zivilen Gehalts.

Allerdings wurde ein Grossteil der anfänglichen Rekrutierungsprämie für den Kauf persönlicher Ausrüstung zu überhöhten Preisen verwendet. Wie Tatjana erklärt, müssen die Soldaten auch damit fertig werden, dass ihre persönlichen Gegenstände von ihren Kameraden gestohlen werden. «Mein Mann ging auf eine Mission, und als er zurückkam, war alles gestohlen. Warme, gute, wollene Socken. Der Rasierapparat, den ich ihm geschenkt hatte. Er bewahrte ihn die ganze Zeit sicher auf. (..) Und einigen Leuten wurden in den Zügen auf dem Weg zu ihrer Einheit ihre Telefone und ihr Geld gestohlen. Einige von ihnen haben immer noch keinen Kontakt. Man sollte meinen, sie würden alle zusammenarbeiten, und dann passiert so etwas. Die eigenen Leute bestehlen die eigenen Leute. Wie kann das sein?»

Die russischen Männer werden ohne Ausrüstung an der Front abgesetzt. «Sie setzten sie einfach auf einem leeren Feld ab und liessen sie tun, was sie wollten. Mein Mann schlief also in einem Leichensack. Sie bekommen dort draußen nichts. Keine Handschuhe, keine warme Unterwäsche, keine Munition. Sie haben ihnen nicht einmal Schaufeln gegeben. Aber sie haben ihnen Leichensäcke gegeben.»

Die Soldaten sind auf Medikamente und medizinische Hilfsgüter angewiesen, die von zu Hause geschickt werden, da es an der Front nichts gibt. «Mein Mann sagte, dass er erst dort verstanden hat, was Brot ist», sagt Tatjana. Brot und Wasser sind «Gold wert» und werden wegen des Mangels an Vorräten rationiert. «Sie werden für zwei oder drei Wochen an die Front geworfen und überleben, wie Sie wollen.»

Sehr viele überleben nicht. Nach Angaben von Tatyana wurden von den 300 Männern der Einheit ihres Mannes in nur drei Monaten alle bis auf 18 getötet, verletzt oder vermisst – eine Verlustquote von 94 %. Die Männer werden nicht ausgewechselt, sondern bleiben so lange an der Front, bis sie sterben oder zu verletzt sind, um zu kämpfen.

Tatjana sagt: «Nach dem ersten Einsatz wurde den Überlebenden eine Ruhezeit von zwei Wochen bis 45 Tagen versprochen, aber sie wurden getäuscht. Nach nur vier Tagen wurden sie für drei Wochen an die Front geschickt. Einer der Kollegen meines Mannes hat einen Granatsplitter im Kopf, ein anderer hat einen Bänderriss im Knie, jemandes Arme sind gebrochen, einer kann seinen Rücken nicht mehr beugen und ein anderer kann nicht mehr sehen. Und dann gibt es noch alle möglichen Folgekrankheiten. Prostatitis, Hämorrhoiden, Lungenentzündung. Es ist ein ständiger Schmerz. Die Soldaten schreiben Berichte, und ihre Vorgesetzten zerreissen sie einfach. Sie sagen, du bist ein Versager, kein Bericht. Die Kommandeure wollen sie wieder an die Front schicken.»

Trotz ihrer Schwierigkeiten sind die Soldaten entschlossen, weiter zu kämpfen und glauben der Propaganda, dass sie Russland verteidigen. Tatjana sagt, dass «niemand abhaut. Sie sind alle bereit, weiterzuziehen. Und sie werden weitermachen. Weil sie Männer sind».

Sie sagt, die Soldaten müssten einfach «ausatmen», «heilen», um wieder bereit zu sein, an die Front zurückzukehren. «Ich glaube, das ist jedem Menschen angeboren. Sie verstehen ihre Verantwortung. Sie werden bis zum Ende weitermachen. Mein Mann sagt: «Ich werde gesund und dann gehe ich zurück zu meinen Jungs.»

Die Soldaten-Ehefrauen tauschen in Chatforen Informationen aus, haben aber Angst, sich zu beschweren, weil sich die Verantwortlichen an ihren Angehörigen rächen könnten.

«Einige Frauen sind der Meinung, dass alle Glocken geläutet werden sollten, während andere darum bitten, nirgendwo etwas zu schreiben. Zum Beispiel werden diejenigen, die sich beschweren, plötzlich von ihren eigenen Befehlshabern erschossen und der Tod wird auf den Krieg geschoben. Oder sie sagen, es gibt einen Ort namens Zaitseve, und sie werden zur Bestrafung dorthin geschickt. Zaitseve ist wie ein Gefängnis. Sie sperren dich ein, sie geben dir nichts zu essen, sie verprügeln dich. Weisst du, sie misshandeln dich. Lieber Gott, wir leben im 21. Jahrhundert, wir sind keine Faschisten, wie können sie uns so misshandeln?»

https://www.severreal.org/a/za-rodinu-seychas-nikto-ne-voyuet-zheny-voennyh-prosyat-otpustit-ih-domoy/32758424.html und https://twitter.com/ChrisO_wiki/status/1744648455614525601

KYRILLS PLAN FÜR KINDER

Wladimir Gundjajew, bekannt als Kyrill I., ist der offizielle Vertreter der orthodoxen Kirche Russlands mit der auch evangelische und katholische Kirchen des Westens Kontakte pflegen, wie zum Beispiel der Papst und seine Entourage https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2023-06/zuppi-kardinal-moskau-kyrill-frieden-patriarch-putin-papst-krieg.html

In einem Interview zum orthodoxen Kirchenfest  https://twitter.com/i/status/1744338513410089394 redete Kyrill I. über den Krieg gegen die Ukraine und welche Rolle die Erziehung von Kindern dabei spielt: «Siege werden nicht nur auf dem Schlachtfeld errungen, sondern auch in Kindergärten und Schulen. Deshalb müssen wir ihnen schon in jungen Jahren beibringen, ihr Heimatland zu verteidigen.» https://twitter.com/Gerashchenko_en/status/1744338513410089394

Zu den orthodoxen Weihnachten hatte Kyrill die besten Wünsche an den ungarischen Staatspräsidenten Viktor Orban gerichtet. Auf der Webseite der Orthodoxen Kirche ist dies der einzige Staatsmann, der unter den Gratulierten aufgeführt ist. Zu erinnern ist bei dieser Gelegenheit, dass Orban es geschafft hat, dass die EU Kyrill nicht auf die Liste der Sanktionierten nimmt. https://twitter.com/nexta_tv/status/1743961014826103208

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