Ukraine Aktuell Nr. 485 (23.6.23/24Uhr)

AUFRUF ZUM AUFSTAND

Prigoschin, Kriegsverbrecher und Chef der «Wagner»-Söldner veröffentlichte heute ein Video mit brisanten Aussagen, die Anton Gerashchenko, Berater des ukrainischen Innenministers so zusammenfasst: «Alle Patrioten Russlands, wahre Patrioten des Landes, die die Geschichte kennen und keine Fans der schwachen Behörden sind, die die Interessen des Staates verraten haben, kommen auf die Strasse, wir werden euch Waffen finden.»

Heute Abend würden die Frage der Verräter und Kriminellen geklärt, die Russland beschämt haben. Ihre Namen sind Shoigu und Gerasimov. Schoigu werde auf dem Roten Platz gehängt und mit Lenin im Mausoleum liegen. https://twitter.com/Gerashchen…/status/1672338029355102210

In Bakhmut – wo immer noch Wagner Söldner neben russischen Soldaten aktiv sind – überschlagen sich die Ereignisse.

Angeblich beschiessen sich russische Soldaten gegenseitig. Die Plattform «Wartranslated» zitiert einen Eintrag in einem Chatroom: «Die Überreste von Wagners am Stadtrand von Bakhmut eröffneten das Feuer auf die Russische Föderation.

Es entsteht der Eindruck, dass ein Teil der regulären russischen Truppen ihre eigenen Truppen tötet, und es scheint, dass ein Teil des Militärs Prigoschin unterstützt. Es ist zwar nicht klar, was letztendlich passiert, aber es ist ein Blutbad.» https://twitter.com/wartranslated/status/1672329674729373696

Kurz vor Mitternacht sagte Prigoschin in einer neuen Erklärung https://twitter.com/i/status/1672314821436383245 : Die russische Armee habe Wagners Lager beschossen, nun verlege er seine Einheiten nach Moskau, um das Militär zu «bestrafen» und «die Gerechtigkeit wiederherzustellen», fordert das Militär auf, nicht zu versuchen, seine Einheiten aufzuhalten, und droht, jeden zu töten, der es will versuchen. https://twitter.com/sumlenny/status/1672314821436383245

Laut einem Telegram-Kanal mit offensichtlichen Verbindungen zu den russischen Sicherheitskräften soll in Moskau als Reaktion auf Jewgeni Prigoschins «Rebellion» ein Notfall-Sicherheitsplan aktiviert worden sein. Man scheint einen bevorstehenden Angriff auf Moskau zu erwarten. Der Sender VChK-OGPU teilt mit, dass in der russischen Hauptstadt der Plan „Krepost“ (Festung) umgesetzt wurde. Krepost ist ein selten genutzter Sicherheitsplan, der einen Angriff auf Einrichtungen der Sicherheitskräfte in Moskau abwehren soll.

Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur RIAMO handelt es sich dabei «um eine dringende Zusammenziehung des Strafverfolgungspersonals und die Übernahme der Kontrolle über besonders wichtige Objekte des Innenministeriums, des Föderalen Sicherheitsdienstes oder des Föderalen Strafvollzugsdienstes.

«Important Stories» berichtet, dass eine der russischen Präsidialverwaltung nahestehende Quelle sagt, es herrsche „Panik … sie schließen das Szenario des Beginns eines Bürgerkriegs nicht aus“.» https://twitter.com/ChrisO_wiki/status/1672345645300998148

Auf den Strassen Moskaus sind Schützenpanzer und Armee-Mannschaftswagen unterwegs, wie ein kurzer Videoausschnitt zeigt. https://t.me/c/1394092619/50078 Die Staatsduma wurde mit russischen Armeefahrzeugen gesichert. https://t.me/c/1269013410/52893

Kämpfer der Wagner-Gruppe haben sich in den letzten 24 Stunden von ihren Angehörigen verabschiedet und ihnen gesagt, sie sollen sich die Fernsehnachrichten ansehen, was darauf hindeutet, dass sie möglicherweise im Voraus über die heutigen dramatischen Ereignisse mit Jewgeni Prigoschin informiert waren.

Angehörige machen sich Sorgen, was mit ihren Männern passieren wird. «Unsere Männer werden bald als Terroristen erkannt», sagt ein Nutzer. «Sie glauben also wirklich, dass jemand Moskau erreichen kann und was? Den Kreml stürmen?» https://twitter.com/ChrisO_wiki/status/1672338808933699589

Russische Telegram-Sender berichten, dass Fernsehsender in Russland gehackt wurden und nun Prigoschins Aussagen übertragen. https://twitter.com/Gerashchen…/status/1672349850388529154

Der russische Geheimdienst FSB hat ein Strafverfahren gegen Prigoschin wegen der Organisation einer bewaffneten Rebellion eingeleitet, berichtet die russische Generalstaatsanwaltschaft.

«Seine Handlungen werden rechtlich korrekt bewertet werden. Diese Straftat wird mit einer Freiheitsstrafe von 12 bis 20 Jahren geahndet», teilte die Behörde in einer Erklärung mit. https://t.me/c/1394092619/50074

GENERÄLE APPELLIEREN AN PRIGOSCHIN

Die russische Propagandaagentur RIA-Novosti veröffentlichte zwei Videos, in denen russische Generäle sich gegen Prigoschin wenden. General Surowikin (links im Bild, siehe Newsletter) an die Wagner-Gruppe: «Wir haben einen harten Weg hinter uns, ich bitte Sie, aufzuhören, sich dem Willen des Präsidenten zu unterwerfen, alle Probleme friedlich zu lösen.» https://t.me/rian_ru/206674

Generalleutnant Alekseev (rechts im Bild) wandte sich ebenfalls an die Wagner-Gruppe: «Was auch immer Ihre Absichten sind, dies ist ein Dolchstoss in den Rücken des Landes und des Präsidenten – ein grösserer Schlag gegen das Image Russlands und der Streitkräfte kann nicht erfunden werden, eine solche Provokation kann nur von den Feinden des Landes gemacht werden.» https://t.me/rian_ru/206675

EINE ANDERE DONBASS GESCHCHTE

In einem anderen Teil des Prigoschin-Videos vom Mittag https://twitter.com/i/status/1672177488535977984 machte der Söldnerführer brisante Aussagen, die den Donbass betreffen.

Den Kern von Prigoschins Anklage zusammengefasst: Mitglieder der Putin-Administration, Geheimdienstler vom russischen FSB und Oligarchen wie Kurchenko hätten den Donbass seit 2014 geplündert. Sie stahlen Gelder von der Bevölkerung und Gelder aus Moskau, welche für eine Phantomarmee ausgegeben wurden.

Sie hätten den Eindruck erweckt, dass es im Donbass eine grosse Armee gäbe, welche pro Soldat 40’000 Dollar kostete. Die Hälfte des Geldes aber hätten die Generäle und ihre Verbündeten eingestrichen.

Die Situation im Donbass war sehr gut, um Geld zu stehlen. E habe zwar während 8 Jahren dauernd Feuergefechte gegeben, aber viel sei dabei nicht passiert. Das habe erst mit dem 24.Februar gewechselt.

Damals erzählte Verteidigungsminister Schoigu, dass eine grosse ukrainische Armee an der Grenze zum Donbass stehe und zusammen mit dem NATO-Block einmarschieren wolle. Aus diesen Gründen und nicht den offiziell genannten, wurde die «Spezialoperation» begonnen. https://twitter.com/wartranslated/status/1672177488535977984

BELEG FÜR DOPPELTEN PUTIN

Bisher war unklar, ob Putin wirklich einen oder mehrere Doppelgänger hatte und selbst kritische Publikationen wie der «Kiew Independent» bezweifelten die Existenz von mehreren Putins. Seit gestern ist klar, dass es tatsächlich Menschen gibt, die Putin gleichen und seine Rolle übernehmen.

Dies decken verschiedene Plattformen auf. generalsvr_en fasst es so zusammen:

«Gestern kam es zu einer interessanten Diskrepanz. Während der „Live-Übertragung“ des operativen Treffens mit den ständigen Mitgliedern des Russian Sicherheitsrats, welches per Videokonferenz vom echten russischen Präsidenten Wladimir Putin abgehalten wurde, legte das Double einen Kranz am Grab des unbekannten Soldaten nieder und besuchen das Siegesmuseum. Es gab bereits zuvor Unstimmigkeiten, aber dies war das erste Mal, dass es eine so deutliche Diskrepanz gab.» https://twitter.com/generalsvr_en/status/1672136348185112577

EIN HUND ALS OPFER

«Aidar» (Foto im Newsletter) hiess der Hund, der in den Reihen der ukrainischen Verteidigung engagiert war. «Er starb an der Front. Möge er in Frieden ruhen», schreibt liveukraine_media https://www.facebook.com/photo?fbid=10221476396170399

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