UKRAINE STORYS: Der Angriff auf Putins Flotte

Mick Ryan, ehemaliger australischer Generalmayor und Buchautor («War trasnformed»), veröffentlichte den folgenden Text auf Twitter: https://twitter.com/WarintheFuture/status/1586515795848626176/

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Ich habe ihn redaktionell bearbeitet: Zwischentitel, Links, Verständlichkeit.
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Über den ukrainischen Angriff auf die russische Schwarzmeerflotte vor der besetzten Krim werden immer mehr Details bekannt. In den folgenden Tagen wird es noch mehr Klarheit geben, aber einige unmittelbare Beobachtungen sind möglich.

ZUNEHMENDE FÄHIGKEITEN

Erstens ist klar, dass sich die Fähigkeit der Ukraine, russische Streitkräfte anzugreifen, über das Schlachtfeld hinaus weiter ausdehnt.
Sie haben operative und strategische Ziele im Visier, unterstützt durch gute Nachrichtendienste und Langstreckenangriffsinstrumente wie HIMSRS und maritime Drohnen.

Dies wird noch mehr Druck auf ein russisches Militär ausüben, das darum kämpft, sich in den von ihm besetzten Gebieten der Ukraine zu behaupten.
Mobilisierte Truppen werden wenig helfen, die Art von Angriffen zu verhindern, die gerade in Sevastopol stattfanden.

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Video des Sevastopol-Angriffs aus der Sicht einer der Wasserdrohnen. Veröffentlicht vom ukrainischen Journalisten Andriy Tsaplienko: https://twitter.com/i/status/1586358395933970433
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ANGRIFFE AUF MILITÄR

Zweitens konzentriert sich die Ukraine bei diesen operativen und strategischen Angriffen weiterhin auf militärische Ziele.
Mit dieser Sevastopol-Aktion zeigt die Ukraine die Fähigkeit seegestützte Raketen auf Militäranlagen Russlands abzufeuern.

Die Ukraine sendet damit auch die Botschaft an Russland und an die Unterstützer der Ukraine im Westen, dass die Ukraine gegen das russische Militär und NICHT gegen das russische Volk kämpft. Dies ist eine wichtige strategische Botschaft.

Offen ist, ob die ukrainische Kosten-Nutzen-Analyse für diesen Angriff berücksichtigt hat, dass Russland die Getreideexporte stoppen würde. Aber auch hierfür gilt: Die Strategischen Botschaft Russlands, die den Getreideexport blockiert, ist schlecht für Russland.

ANPASSUNGSFÄHIGE UKRAINER

Viertens zeigt dieser Angriff erneut, wie anpassungsfähig die Ukrainer sind. Sie haben schnell eine neue maritime Schlagfähigkeit entwickelt, die ihr wachsendes Langstreckenschlagarsenal ergänzt.

Wichtig ist, dass die Ukraine diese neue Waffe in ihre operativen und strategischen Angriffskonzepte integriert hat.

Eine neue Waffe zu haben ist gut; sie geschickt in militärische Kriegsführungskonzepte integrieren zu können, ist der Gipfel militärischer Effektivität.

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Zusatzinformationen: https://www.navalnews.com/naval-news/2022/09/ukraines-new-weapon-to-strike-russian-navy-in-sevastopol/
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DIE KRIM ZURÜCKEROBERN

Fünftens meint die Ukraine ernsthaft, ihr Territorium auf der Kriminsel zurückzuerobern.

Präsident Zelenskyj hat in der Vergangenheit mehrmals über die Befreiung der Krim gesprochen.

Die ukrainischen Angriffe zersetzen langsam die russischen Militärkapazitäten auf der Krim und zwingen Russland, seine Prioritäten beim Einsatz von Streitkräften zu überprüfen.

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Hier ist eine Rede, die Volodymyr Zelenskyj kürzlich zur Krim gehalten hat: https://www.president.gov.ua/en/news/povernennya-ukrayinskogo-prapora-v-krim-oznachatime-vidrodzh-78697
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RUSSLAND AUF DEM HOHEN ROSS

Sechstens zeigen die Russen wieder einmal, dass sie ihren Gegner nicht ernst nehmen. Die Ukrainer haben bereits zuvor Sevastopol und andere Ziele auf der Krim mit Drohnen angegriffen.

Und die Russen wussten, dass die Ukraine weitere Fähigkeiten entwickelt hat. Man konnte es in der Presse lesen. Wo dachten die Russen denn, dass die Ukraine sie einsetzen würden?

Die Unfähigkeit Russlands, sich schnell an solche offenen und offensichtlichen Bedrohungen anzupassen, ist ein weiterer Hinweis auf ihre schlampige Professionalität.

Sie sind unfähig zu begreifen, dass sie gegen ein ukrainisches Militär kämpfen, das eine militärische Institution von Weltklasse ist.

NEUE WAFFENSYSTEME

Siebtens und letztens greifen beide Seiten bei ihren operativen und strategischen Angriffen zunehmend auf ferngesteuerte oder autonome Systeme zurück.

Beide Seiten setzen während des gesamten Krieges UAVs (unbemannte Flugkörper) für Aufklärung, Überwachung und taktische Angriffe ein.
Der russische Einsatz iranischer Drohnen und der ukrainische Einsatz maritimer Drohnen bei Sevastopol bedeutet eine Ausweitung ihres Einsatzes.

Diese Systeme sind zwar billiger in der Anschaffung als bemannte Systeme oder ausgeklügeltere Flugkörper.

Sie erfordern jedoch immer noch eine hohe Intelligenz für das Zielen und für die Bewertung nach dem Angriff. Dieses Element ist nicht billig und verlangt viel Entwicklungsarbeit.

DROHNEN UND GEGENDROHNEN

Beide Seiten müssen noch mehr in Gegendrohnen- und Gegenautonomiesysteme investieren. Ziel ist es, die Kosten und den Personalbedarf solcher Systeme zu reduzieren, damit sie billiger sind als die Drohnen, die sie zerstören.

Als solches wird der Krieg in der Ukraine ein Testfeld für diese Drohnenabwehrsysteme sein und auch für eine Beurteilung der Kosten dieser Art von Kriegsführung.

Wie gesagt, sind dies nur einige sehr anfängliche Gedanken zu den Auswirkungen des Schlags von Sevastopol .

Wir werden in den nächsten Tagen sicher noch viel mehr erfahren.

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