#UKRAINE AKTUELL Nr. 1650 (30.8.2026 /8 Uhr)

  • Munition in Wohngebiet explodiert
  • Fahrlässiger Tod von 37 Ukrainern
  • «Banderol» ist Putins Wunderwaffe
  • Kreml-Politiker fordert breiten Terror
  • Ukraine rüstet sich für den Winter
  • Brand in Leningrader Raffinerie
  • Attacke auf russischen Flugplatz
  • Bombenanschlag gegen Folterer
  • Mykhailo Fedorov berät Italien
  • Fedorov warnt das eigene Militär
  • Reichste Russinnen verloren Geld

ILLEGALES MUNITIONSDEPOT

Beim Dorf Myla bei Bucha in der Region Kyiv griffen russische Drohnen in der Nacht auf Samstag ein Munitionsdepot an, das sich mitten in einer Wohngegend befand. Durch die Explosionen wurden mindestens 37 Menschen getötet und 42 verletzt. Mehrere Dutzend Wohnhäuser sind so stark beschädigt, dass sie nicht mehr bewohnt werden können. 400 Einwohner können zudem nicht in ihre Häuser zurück, weil es zu gefährlich ist. Der ukrainische Sicherheitsdienst hat ein Strafverfahren eingeleitet. https://t.me/u_now/210554; https://t.me/insiderUKR/132385;

In der Abendansprache reagierte der ukrainische Staatspräsident Volodymyr Zelenskyj ungehalten auf diesen Vorfall. Das Lager für Geschosse, Minen, Munition und Drohnen hätte sich «dort definitiv nicht befinden dürfen.» Zelenskyj weiter: «Es ist eine schreckliche Situation und ein entsetzliches Versäumnis derjenigen, die Sprengstoffe direkt neben Menschen gelagert haben. Ein solches Verbrechen ist absolut inakzeptabel.» https://t.me/V_Zelenskiy_official/20637

PUTINS NEUE WUNDERWAFFE

Die Ukraine sieht sich einer drastisch eskalierenden Bedrohung durch Russlands «Banderol» ausgesetzt. Dies ist ein neuer Flugkörper, der die Eigenschaften eines Marschflugkörpers und einer jetgetriebenen Drohne vereint. Mit Geschwindigkeiten von über 500 km/h soll sie für rund 80 % der jüngsten Angriffe auf die Hafeninfrastruktur von Odesa verantwortlich sein.

Die Waffe besteht weitgehend aus Material, das international sanktioniert ist und nicht nach Russland gelangen dürfte. Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes (HUR) verwendet die Waffe ein in China hergestelltes Swiwin-Strahltriebwerk, Murata-Batterien aus Japan sowie elektronische Komponenten aus den USA, der Schweiz und Australien.

«Banderol» hat einen 115-Kilogramm-Splittergefechtskopf, der bis zu 50 Kilogramm Sprengstoff enthält. Der Gefechtskopf ist etwa dreimal kleiner als die Gefechtsköpfe der Marschflugkörper und Raketen der Typen «Kh-101» oder «Iskander-K». Die «Banderol» kostet jedoch auch bedeutend weniger.

Die «Banderol» stützt sich bei der Steuerung auf Satellitennavigationssignale und kann durch elektronische Kriegsführung gestört werden, ist jedoch auch mit einem autonomen Navigationssystem ausgestattet. Zudem kann die Waffe scharfe Kurven fliegen, was ihren Abschuss erschwert. Für die Bekämpfung der «Banderol» sind leistungsfähigere Luftabwehrsysteme kurzer und mittlerer Reichweite erforderlich.

Wie der britische «Telegraph» in seiner Sonntagsausgabe schreibt, ist der Hafen von Odesa wegen des vermehrten Einsatzes von «Banderol»-Drohnen faktisch stillgelegt. Nur noch ein Getreideschiff könne pro Tag den Hafen verlassen – früher waren es 7 – 8. In der ersten Hälfte des Augusts brach der Export ukrainischer Getreideprodukte um etwa 75 % im Jahresvergleich ein.

https://x.com/kyivindependent/status/2087562044287390064; https://www.telegraph.co.uk/world-news/2026/08/29/russia-cheap-fast-missiles-cut-ukraine-sea/

TERROR STATT KAMPF

Die Strategie des Kremls ist nicht das Erringen eines Sieges im Kampf, sondern das Brechen des ukrainischen Volkes durch bewussten, anhaltenden Terror: «Wir müssen diese Leute so sehr demoralisieren, dass sie mit erhobenen Händen herauskommen, um unseren Truppen zu begrüssen.»

Dies sagte der Vizepräsident der Staatsduma, Pjotr Tolstoi, in einer Live-Sendung des russischen Fernsehens. Mit seinem Statement fordert die zweithöchste Persönlichkeit im russischen Parlament die massenhafte Demoralisierung der Zivilbevölkerung durch ständige Bombardierungen.

Der 57-jährige Tolstoi sagte, während 30 Jahren habe die russische Regierung behauptet, dass die Ukrainer ein Brudervolk seien und dass ihre Gesellschaft nicht leiden dürfe und dass die Menschen  nicht verantwortlich für ihre Regierung seien, sondern eher als Kinder betrachtet würden. Dies sei falsch. Deshalb müsse man insbesondere Kyiv bombardieren und zuvor den Bewohnern 24 Stunden Zeit geben, die Stadt zu verlassen. https://x.com/LetsArmUKR/status/2093365004451897463/video/1; https://x.com/wartranslated/status/2093276500720079230/video/1  

UKRAINE IST VORBEREITET

Die russische Armee hat bereits begonnen, die ukrainische Energie-Infrastruktur anzugreifen. Ziel ist es, die Energieversorgung für den Winter zu verunmöglichen und so das ukrainische Volk mit Kälte zu brechen.

Das ukrainische Energieministerium hat nun eine Meldung veröffentlicht, wie die Pläne Russlands durchkreuzt werden können.

Das Ministerium schreibt: «Die Ukraine hat die für das Basisszenario der Heizperiode 2026/2027 erforderlichen Gasreserven aufgebaut. In den unterirdischen Gasspeichern der Ukraine sind nun 14.6 Mia. Kubikmeter Gas gelagert – damit wurde das Ziel einen Monat früher als geplant erreicht. Dies ist ein wichtiger Schritt bei der Vorbereitung des Energiesystems auf den Winter.» https://x.com/minenergy_ua/status/2093319931920052717

ZWEI GROSS-ANGRIFFE

Aus der Stadt Kirishi in der Oblast Leningrad in der Russischen Föderation werden heute Morgen mehrere Explosionen gemeldet. Videos zeigen einen Grossbrand beim Ölraffinerie- und petrochemische Kombinat «Kirishinefteorgsintez» (KINEF). Koordinaten: 59°29’20.26″N 32°04’17.46″E.

Die dort befindliche Raffinerie ist eine der grössten in ganz Russland mit einer Produktionskapazität von etwa 20 Millionen Tonnen Öl pro Jahr oder 400’000 Barrel pro Tag. Wieweit sie ausgefallen ist, steht zurzeit nicht fest.

Die Luftdistanz zwischen Kirishi und Kyiv beträgt 1’000 Kilometer.

https://t.me/u_now/210587; https://t.me/exilenova_plus/30097

In der Stadt Yeisk in der Oblast Krasnodarsk am Schwarzen Meer wurde in der Nacht der dortige Flughafen und weitere Gebäude angegriffen. Satellitendaten des NASA-Systems «FIRMS» («Fire Information for Resource Management System») zeigen «ausserordentliche Wärmequellen» an 10 Stellen, wobei sich die grösste beim Flughafen befindet. Lokale Quellen berichten, dass auch das Militärgelände angegriffen wurde.

Seit über einer Stunde gebe es Detonationen von Munition, hiess es um 5 Uhr morgens. Die Behörden haben eine Notunterkunft in einem lokalen Kulturzentrum eingerichtet. Die Luftdistanz zwischen Yeisk und Kyiv beträgt 705 Kilometer. https://t.me/exilenova_plus/30104; https://t.me/Crimeanwind/108381;

ANSCHLAG GEGEN FOLTERER

In der von Russland besetzten Stadt Donezk wurde ein Auto des stellvertretenden Leiters der Strafkolonie Olenowka, Dmitri Neelow, in der Luft gesprengt. Neelow soll an Folterungen ukrainischer Kriegsgefangener beteiligt gewesen sein.

Nach ersten Erkenntnissen wurde ein Sprengsatz unter sein Fahrzeug platziert. Der Zustand von Neelow ist derzeit unbekannt.

Im Jahr 2023 identifizierten Journalisten Neelow als eine der Personen, die an den Folterungen ukrainischer Gefangener in Olenowka beteiligt waren.

Im Jahr 2024 kam es in Donezk zu einem ähnlichen Sprengstoffanschlag, bei dem vermutlich der ehemalige Leiter derselben Strafkolonie, Sergej Ewsjukow, ums Leben kam. https://t.me/uniannet/199830;  https://x.com/Q0MT6pFmbVqynsM/status/2093759522640724088

NEUER JOB FÜR FEDOROV

Mykhailo Fedorov, der ehemalige Verteidigungsminister der Ukraine, hat zugestimmt, den italienischen Verteidigungsminister Guido Crosetto zu beraten. Seine Aufgabe wird es sein, Rom dabei zu unterstützen, moderne Kriegstechnologien einzuführen, den Verteidigungssektor zu stärken und sich an neue Sicherheitsbedrohungen anzupassen.

Gleichzeitig betonte Fedorov, dass er weiterhin an Projekten arbeiten werde, die die Verteidigung der Ukraine stärken und dazu beitragen, internationale Ressourcen zu gewinnen. https://twitter.com/nexta_tv/status/2093378269068316973

Gleichzeitig veröffentlichte Fedorov eine Warnung in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters an das ukrainische Verteidigungsministerium und der Armee. Der georgische OSINT-(OpenSource)-Analyst «Visioner» schreibt zu Fedorovs Aussagen:

• «Fedorov hat eine der schonungslosesten Einschätzungen des Krieges seitens einer hochrangigen ukrainischen politischen Persönlichkeit abgegeben und davor gewarnt, dass die Ukraine derzeit «allmählich und langsam verliert» und nur noch ein begrenztes Zeitfenster habe, um den Kurs umzukehren.»

• «Fedorov argumentiert, dass die Ukraine zwar noch «alle Chancen» auf einen Sieg habe, aber dringend eine schlüssige Strategie zur Beendigung des Krieges benötige. Er machte das Fehlen einer einheitlichen strategischen Vision, unzureichende Innovation, tief verwurzelte Korruption und Vetternwirtschaftsnetzwerke sowie die mangelnde politische Unabhängigkeit der staatlichen Institutionen dafür verantwortlich, dass die Ukraine auf der Stelle tritt.»

• «Fedorov ist der Ansicht, dass Technologie die Lage grundlegend verändern könnte. Er forderte ein koordiniertes System, das auf KI-gesteuerten autonomen Drohnen, kostengünstigen Luftabwehrraketen, elektronischen Sensoren und dem eigenen ukrainischen Programm für ballistische Raketen basiert und dadurch die Notwendigkeit verringert, Soldaten direkt auf dem Schlachtfeld zu exponieren.»

• «Fedorov argumentiert ausserdem, dass die Ukraine nur noch einige Monate Zeit habe, um die Dynamik ihrer Kampagne gegen die russische Treibstoff- und Militärlogistik zu nutzen, bevor Moskau seine Verteidigung und Taktik anpasst.»

«Visioner» schreibt abschliessend: «Fedorovs Einschätzung ist für Kyiv bewusst unbequem, doch die zentrale Botschaft lautet nicht, dass eine Niederlage der Ukraine unvermeidlich sei. Fedorov argumentiert, dass der derzeitige Kurs nicht tragbar ist, betont aber gleichzeitig, dass die Ukraine nach wie vor über das technologische und militärische Potenzial verfügt, diesen zu ändern. Seiner Ansicht nach ist die entscheidende Frage, ob Kyiv vereinzelte Innovationen und Erfolge auf dem Schlachtfeld schnell genug in eine einheitliche Strategie umsetzen kann, um die Initiative zurückzugewinnen.» https://twitter.com/visionergeo/status/2092306574606000207

REICH ALS WITTWE ODER TOCHTER

Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» hat eine Liste mit den reichsten Frauen Russlands veröffentlicht. Was auf den ersten Blick auffällt: Drei der fünf reichsten Frauen haben geerbt: Entweder als Witwen oder als Tochter. Ihre Vermögen wurden von ihren Ex-Männern oder vom Vater erarbeitet (oder je nach Sichtweise als Teil des Oligarchensystems gestohlen). Und auf den zweiten Blick bemerkenswert: Drei der fünf reichsten Frauen Russlands besitzen in diesem Jahr weniger als noch im letzten Jahr.

  1. Tatjana Kim. Gründerin und Geschäftsführerin von Wildberries. Verheiratet. Vermögen 2026: 5 Milliarden US-Dollar (2025: 7,1 Milliarden US-Dollar)
  2. Elena Baturina. Präsidentin der Inteco Management GmbH. Witwe des ehemaligen Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow. Vermögen: 1.3 Milliarden $. (2025: 1,3 Milliarden $)
  3. Ljudmila Kogan. Geschäftsführerin «BFA-Development». Witwe des ehemalige St. Petersburger Geschäftsmanns Wladimir Kogan. Vermögen: 1,25 Milliarden $.(2025: 1.2 Millilarden $)
  4. Ekaterina Fedun. Privatinvestorin. Tochter des ehemaligen Lukoil-Mitbesitzers Leonid Fedun. Vermögen: 1 Milliarde $ (2025: 1,15 Milliarden $).
  5. Tatjana Volodina. CEO von «Etoile» und «Podruzhka/Freundin», Vermögen: 1,1 Milliaarden $ (2025: 1,15 Milliarden $).

https://t.me/rbc_news/155597; https://www.forbes.com/profile/tatiana-volodina

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