#UKRAINE AKTUELL Nr. 1648 (28.8.2026 /8 Uhr)

  • 15 Stunden Drohnenterror in Kyiv
  • Seltsame russische Drohnen-Ziele
  • Schwierige Energielage in Kherson
  • Brand in grosser Rohöl-Raffinerie
  • Der langsame Tod der Raffinerien
  • Zentrale der Besatzer getroffen
  • Kreml droht London mit Vergeltung
  • Verdeckte Mobilisierung gestartet
  • Neue These zum Moskauer CIA-Trip
  • Trump macht sich keine Sorgen

15 STUNDEN LUFTALARM

In der Nacht auf Freitag griff die russische Armee das Lager «Nova Poshta» in der Gemeinde Bilyhorodska (Gemeinde Bucha, nahe Kyiv) an und setzte es in Brand. https://t.me/u_now/210393

Schon den ganzen Donnerstag hindurch wurde die ukrainische Hauptstadt Kyiv immer wieder mit russischen Drohnen angegriffen. Insgesamt gab es während des Tages 13 Alarmmeldungen. Videos zeigen mehrere Quartiere der Stadt, die mit Drohnentrümmern übersät sind. In den meisten Fällen handelte es sich um Teile von abgeschossenen russischen Drohnen. Das öffentliche Leben wurde stark beeinträchtigt und auf den Strassen gab es kilometerlange Staus. Viele Züge fielen aus, sodass sich zahlreiche Wartende in den Bahnhöfen befanden. https://t.me/u_now/210365

Ziele der russischen Drohnen waren Wohngegenden und ein Verteilzentrum von «Aurora Multimarket». Dies ist der grösste Non-Food-Discounter mit der sogenannten «One-Dollar-Store»-Kette in der Ukraine. Der Angriff auf das Verteilzentrum erfolgte in zwei Wellen. Die zweite Angriffswelle begann, als sich Rettungs- und Löschtruppen am Tatort befanden.

Getroffen wurde zudem ein grosses Lager der Firma ROSHEN («Roshen Confectionery Corporation»). Dies ist einer der weltgrössten Hersteller von Süsswaren und Backwaren mit 320 verschiedenen Produkten. Und ebenfalls von russischen Drohnen zerstört wurde das zentrale Lager des Spielwarenkonzerns «Toy House» in Kyiv.

https://t.me/u_now/210354; https://t.me/insiderUKR/132197; https://ain.ua/2026/08/27/rosiiani-znishhili-rozpodilcii-centr-merezi-budinok-igrasok/

Am späten Abend begaben sich viele Menschen in die tiefer gelegenen U-Bahnstationen in Kyiv, um dort – geschützt vor weiteren Angriffen – zu schlafen. https://t.me/insiderUKR/132234

SCHWIERIGE LAGE IN KHERSON

Nach einem erneuten Angriff der russischen Streitkräfte erlitt das Wärmekraftwerk Kherson schwere Schäden: Alle verbliebenen Anlagen zur Wärme- und Stromerzeugung des Kraftwerkswurden zerstört oder ausser Betrieb gesetzt. Die russischen Angreifer hatten für ihren Anschlag vier gelenkte Fliegerbomben (KAB’s) verwendet.

Bisher versorgte die Anlage bedeutende Teile der privaten Wohnräume der Stadt mit Wärme. Die gezielten Angriffe kurz vor Beginn der kalten Jahreszeit bedrohen die Wärmeversorgung der verbliebenen rund 60’000 Einwohner massiv.

«Dieser Angriff hat keinen militärischen Zweck. Sein einziges Ziel ist es, die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und zu versuchen, Zehntausenden von Einwohnern von Cherson kurz vor Beginn der Heizperiode die Wärmeversorgung abzuschneiden», sagte der amtierende Naftogaz-Geschäftsführer Sergii Fedorenko.

Die Oblastverwaltung warnt, dass man diesen Winter nicht mehr mit einem normalen Betrieb des Kraftwerks rechnen kann. Daher werden die Einwohner, insbesondere Familien mit Kindern und ältere Menschen, aufgefordert, die Stadt, wenn möglich, zu verlassen. https://t.me/u_now/210372;  https://kyivindependent.com/russia-destroys-all-generating-equipment-at-kherson-thermal-power-plant-ahead-of-heating-season/

RAFFINERIE JAROSLAWL BRENNT

Ukrainische Drohnen griffen in dieser Nacht die Erdölraffinerie in Jaroslawl an. Sie befindet sich nordöstlich von Moskau in einer Luftliniendistanz von 1’000 Kilometern von Kyiv entfernt. Videos zeigen eine hochaufsteigende Rauchwolke. https://t.me/exilenova_plus/29943

Die Raffinerie von Jaroslawl ist einer der wichtigsten Lieferanten von Treibstoffen für Moskau und die Moskauer Agglomeration. Die geplante Produktionskapazität beträgt etwa 15 Millionen Tonnen Öl pro Jahr. https://t.me/uniannet/199651

Gemäss dem «Ukraine Aktuell»-Archiv war dieselbe Raffinerie bereits am 6. August angegriffen worden. Auch damals wurden Brände gemeldet. https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1627-7-8-2026-8uhr/

AGONIE EINER RAFFINERIE

Agonie, die letzte Phase des Sterbeprozesses, gibt es auch für russische Erdölraffinerien. Hier am Beispiel der am 26. August getroffenen viertgrössten Raffinerie LUKOIL-Nižegorodnefteorgsintez in Kstowo in der Oblast Nischni Nowgorod.

Die 1958 erbaute Raffinerie verfügt über eine Kapazität von 17 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr oder rund 340’000 Barrel pro Tag. Sie macht etwa 5 % der russischen Raffineriekapazität aus und ist der zweitgrösste Benzinproduzent des Landes.

Die Ukraine hat wiederholt zugeschlagen:

12.03.2024: Primärraffinerieeinheit AVT-6 beschädigt. In der ATV-6 wird das Rohöl aufgeteilt.

29.01.2025: Raffineriekomplex getroffen

01.10.2025: Getroffen

16.10.2025: Getroffen

04.11.2025: Getroffen

05.04.2026: Getroffen

18.05.2026: Getroffen

20.05.2026: AVT-6 erneut getroffen. Die Hälfte der Rohölverarbeitungskapazität ausser Betrieb.

24.06.2026: Getroffen

02.07.2026: Getroffen

26.08.2026: Grossbrand nach neuen Treffern.

Die Mehrfachangriffe belegen die Taktik, die im Newsletter «Ukraine Aktuell Nr. 1647», im Text «Raffinerien massiv reduziert», beschrieben wurde. https://twitter.com/jayinkyiv/status/2092501136037019903

HAUPTQUARTIER GETROFFEN

Mit dem Angriff vom 26. August hat die ukrainische Armee die Hauptkommandostellen der russischen Besatzer in Donezk getroffen. Das Hauptquartier und die Reserveräume waren im Untergeschoss der ehemaligen technischen Universität versteckt. https://t.me/exilenova_plus/29889

Beim Angriff gegen die Kommandostelle wurden mutmasslich britisch-französische «Storm Shadow»/ «SCALP» Marschflugkörper eingesetzt. https://t.me/milinfolive/178254

Dies hat zu einer heftigen Reaktion des russischen Aussenministeriums geführt. Die Sprecherin Maria Sacharowa sagte, Russland könne britische Militärziele innerhalb und ausserhalb der Ukraine angreifen. Dies könne eine angemessene Reaktion auf Angriffe auf Ziele in Russland mit britischen Langstrecken-Marschflugkörpern sein. Grossbritanien befinde sich «nur einen Schritt vom Terrorismus entfernt», sagte Sacharowa. https://www.reuters.com/world/europe/russia-says-it-could-strike-uk-military-targets-response-ukrainian-strikes-using-2026-08-27/

VERDECKTE MOBILISIERUNG

Russland führt eine verdeckte Mobilisierung in 17 Regionen durch. Dies berichtet die kremlkritische Publikation «The Moscow Times». Putins Armee sucht nach Männern mit Problemen im Bereich Alkohol, Drogen und psychische Gesundheit.

  • In Noworossijsk wurde ein Mann festgenommen, geschlagen, mit Drogen versetzt und gezwungen, einen Vertrag zu unterzeichnen.
  • In der Oblast Archangelsk wurde ein Mann wegen Alkoholkonsums auf der Strasse festgenommen und an die Front geschickt.
  • In Omsk wurde ein Mann von der Arbeit geholt, festgehalten und schliesslich wurde ein Vertrag im Namen des Mannes unterzeichnet.
  • In Udmurtien wurde ein Mann von der psychiatrischen Patientenliste gestrichen und an die Front nach Donezk geschickt.

https://ru.themoscowtimes.com/2026/08/24/44-36-a204138

Gemäss der neuesten Mitteilug des ukrainischen Geheimdienstes werden neue Kategorien von Straftätern aus Gefängnissen einbezogen. Rekrutiert werden sollen neu Personen mit Vorstrafen wegen Bandenkriminalität, kriminellen Organisationen, Waffen- und Drogenhandel.

Gesondert genehmigt worden seien ausserdem die Mobilisierung von Frauen, die in Gefängnissen und Strafkolonien inhaftiert sind. https://t.me/insiderUKR/132181

Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies Berichte über Vorbereitungen für eine neue Mobilmachungswelle als die «x-te ukrainische Desinformation» zurück. https://x.com/nexta_tv/status/2092127079504478529

Verfügbare Informationen sind zurzeit diese:

  • Volodymyr Zelenskyj sagte, dass Russland nach den «Wahlen» in die Staatsduma Ende September 300’000 – 500’000 Soldaten rekrutieren werde. Der ukrainische Präsident berief sich dabei auf Angaben seiner Geheimdienste. https://t.me/V_Zelenskiy_official/20172
  • Gemäss der russischen Plattform «Astra» wurden russische Armeevermittler angehalten, 500’000 Freiwillige in den nächsten Monaten zu rekrutieren. https://t.me/astrapress/121466

NEUE THESE ZUM CIA-BESUCH

Gemäss der «New York Times» flog der CIA-Direktor John Ratcliffe nach Moskau, um dort die tatsächliche Lage an der Front zu erklären. Der Chef des US-Auslandgeheimdienstes traf sich mit FSB-Inlandgeheimdienstchef Alexander Bortnikow. Ratcliffe soll Bortnikow erklärt haben, dass die russische Armee in 18 Monaten nur 1% zusätzliches ukrainisches Gebiet erobert habe. Die Verluste der russischen Armee seien enorm hoch und die Überlebensdauer eines Soldaten betrage an der Front weniger als 35 Minuten.

Die «New York Times» schreibt unter Berufung auf aktuelle und ehemalige Beamte, dass der CIA bezweifelt, dass der Kreml über die tatsächliche Situation unterrichtet sei. Daher habe Washington beschlossen, den Geheimdienstkanal zu nutzen, in der Hoffnung, dass der ehemalige KGB-Mitarbeiter Putin diese Botschaft ernster nehmen wird als die übliche Diplomatie. Ratcliffe habe die Russen dazu gedrängt, eine Einigung zu erzielen, bevor sich ihre militärische und wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert.

Vor seiner Reise habe Ratcliffe die ukrainische Seite kontaktiert und versichert, dass er nicht beabsichtige, mit Moskau hinter dem Rücken Kiews zu verhandeln. Er werde die russischen Positionen ausloten, ohne im Namen der Ukrainer Zugeständnisse zu machen. https://www.nytimes.com/2026/08/27/us/politics/cia-director-russia-ukraine.html

Trump wies den Bericht zurück, wonach CIA-Direktor John Ratcliffe nach Moskau gereist sei, um den Kreml vor einem Angriff auf NATO-Länder zu warnen. Laut Trump habe Ratcliffe keine besondere Botschaft überbracht, und die Reise sei lediglich ein routinemässiger Arbeitsbesuch gewesen. Auf die Frage, was er von einer möglichen russischen Provokation gegen die NATO halte, sagte Trump: «Sie [Russland] werden [NATO-Gebiet] nicht angreifen. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen. Es gibt kein Problem.» https://x.com/nexta_tv/status/2093047124602593748/video/1

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