#UKRAINE AKTUELL Nr. 1635 (15.8.2026 /9Uhr)

  • Flamingo trifft Raketenzentrum
  • Schäden im Ostseehafen Ust-Luga
  • Drohne flog 2’250 Kilometer weit
  • Wichtige Polymerfabrik stillgelegt
  • 65 Drohnen trafen im Juli ihre Ziele
  • Russisches Scheitern in der 1. Front
  • Lawrow will den totalen Krieg
  • Lüge über 1’000 Jahre Geschichte
  • Drohne tötet dreimonatiges Baby

FLAMINGO GEGEN RAKETENFABRIK

Mindestens ein ukrainischer Marschflugkörper FP-5 «Flamingo» flog in dieser Nacht nach Samara, einer russischen Industriestadt an der Wolga. Die Stadt liegt 1’375 Kilometer Luftlinie von Kyiv entfernt. Gemäss ersten Berichten schlug der Flamingo im zentralen Gebäude des Industriebetriebs «Progress» ein. Dort brach ein von weitem sichtbarer Brand aus. Koordinaten: 53.2231730310067, 50.27198004561961. https://t.me/exilenova_plus/28876; https://t.me/worldmilitares/43907  

Die Firma «Progress» heisst offiziell «Raketen- und Raumfahrtzentrum Progress» und gehört zum Staatsbetrieb Roskosmos. «Progress» produziert unter anderem Sojus-Raketen, Raumfahrzeuge, Aufklärungs- und Erdbeobachtungssatelliten sowie militärische Weltraumtechnik, insbesondere Systeme für optische und radarbasierte Aufklärung. Die Firma hat bisher mehr als 1’700 Raketen und 950 Raumfahrzeuge hergestellt.

Vyacheslav Fedorishchew, Gouverneur der russischen Region Samara, schrieb heute Morgen kurz vor 5 Uhr auf seinem Telegram-Kanal: «Der Feind hat einen Raketenangriff auf unser Industrieunternehmen verübt. Ein Einsatzstab wurde eingerichtet.» Er forderte die Einwohner auf: «Bitte machen Sie keine Fotos oder Videos von den Folgen des Angriffs der ukrainischen Streitkräfte und verbreiten Sie diese nicht. Das ist gleichbedeutend mit der Zusammenarbeit mit dem Feind.»

Anwohner veröffentlichten trotzdem Videos und Fotos des Brandes. https://t.me/fedorishchev_official/1580

Kurz nach 3 Uhr in der Nacht publizierte die Firma «FirePoint» ein Video, das den Start von zwei ihrer FP-5-«Flamingos» zeigt. https://x.com/DenShtilierman/status/2088429498811208070

SCHWERE SCHÄDEN IN UST-LUGA

Bei den ukrainischen Angriffen von Freitagmorgen gegen den Ostseehafen Ust-Luga wurden auch zwei Anlagen für die Verarbeitung von Erdgas getroffen. Ziel waren eine Anlage zur Fraktionierung von stabilisiertem Gaskondensat und eine kombinierte Hydrocrackinganlage von NOVATEK.

In diesen Anlagen wurde Gaskondensat zu hochwertigen Exportprodukten weiterverarbeitet, wodurch eine höhere Wertschöpfung erzielt wird als beim Verkauf des Rohstoffs.

Gemäss Zahlen aus dem Jahr 2022 verarbeiteten die beiden nun teilweise zerstörten Anlagen pro Jahr:

🔸 4,2 Millionen Tonnen leichtes und schweres Öl;
🔸 1,05 Millionen Tonnen Treibstoff für Flugzeuge;
🔸 1,49 Millionen Tonnen Treibstoff für Schiffsmotoren;
🔸 780’000 Tonnen Flüssiggas

Die ukrainischen Blogger von «ExileNovaPlus» schreiben über die Beschädigung von zwei Dritteln der Anlagen: «Dies ist ein Schlag gegen die gesamte Wertschöpfungskette. Und das alles an einem der wichtigsten Exportknotenpunkte im Ostseeraum.» https://t.me/exilenova_plus/28824

POLYMERFABRIK STILLGELEGT

Die russische Stadt Tobolsk liegt hinter dem Ural, hat 100’000 Einwohner und befindet sich 2’550 Kilometer Luftlinie von Kyiv entfernt. Wie heute bekanntwurde, hat die ukrainische Drohnenarmee am Montag den dortigen riesigen Petrochemie-Komplex «Tobolsk-Neftachim» / SIBUR angegriffen, schwer beschädigt und vorläufig ausser Betrieb gesetzt.

Getroffen wurde in diesem Werk die «zentrale Anlage zur Gasaufbereitung Nr.1». Dort wurden 51% aller Rohstoffe für Polymere des Chemiewerks verarbeitet. Durch die Zerstörung dieser Anlage liegt auch die Produktion von Polyethylen im dazugehörenden «ZapSibNeftachim»-Werk still.

Der Petrochemie-Betrieb ist mit einer Produktion von 1,5 Millionen Tonnen Polyethylen pro Jahr die grösste derartige Anlage in Russland ist. Aktuell ist die Produktion eingestellt und die Reparaturarbeiten dürften mehrere Wochen dauern.

Polymere sind der Ausgangsstoff für wichtige Produkte wie Verpackungen, Textilien, Elektronikgehäuse, Einwegartikel für die Medizin, Teile der Automobil- oder Rüstungsindustrie oder Isolationsmaterialien. Unter dem Schlag gegen Chemiewerk «Tobolsk-Neftachim» leidet die ganze russische Wirtschaft. Ausserdem ist mit einer Distanz von über 2’500 Kilometern eine weitere Hürde für Angriffe im russischen Hinterland gefallen. https://www.n-tv.de/infografik/Infografik-id31181104.htm;  https://t.me/exilenova_plus/28816

REKORDZAHL DER ANGRIFFE

Im Juli 2026 wurde ein absoluter Rekord bei der Anzahl der Angriffe auf das Territorium der Russischen Föderation erreicht. Nach Angaben des ukrainischen Projekts «U Now» kam es im Juli zu 65 als erfolgreich gewerteten Angriffen auf Ziele in Russland.

Der bisherige Höchststand war im November 2025 erreicht worden, als 60 Angriffe verübt wurden. Danach verlangsamte sich die Dynamik etwas, aber im Frühjahr und Sommer 2026 stiegen die Zahlen wieder an. https://t.me/u_now/208837

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NEUE FRONTSITUATION

Als 1. Front bezeichne ich die unmittelbare Kampfzone. Diese ist aber nicht mehr – wie zum Beispiel im Ersten Weltkrieg – eine klar definierte, eng begrenzte Linie. Im Jahr 2026 ist die 1. Front ein über 1’200 Kilometer verlaufender Korridor mit einer Tiefe von bis zu 40 Kilometern auf beiden Seiten. Eine solche 1. Front verhindert klassische Angriffsmanöver, wie sie zum Beispiel in den russischen Militärschulen gelehrt werden.

Was das bedeutet, beschreiben die russischen Blogger von «Milinfolive» ihren 615’000 Abonnenten:

«Das Schlachtfeld wird von Drohnen beider Seiten über eine Strecke von mehreren Kilometern entlang der Frontlinie überwacht. Sobald jemand beginnt, Kräfte in einem Radius von 10 – 20 km zu konzentrieren, werden diese sofort entdeckt und von FPV-Drohnen angegriffen, entweder während der Aufstellung oder bereits während des Vormarsches.

So geschah es auch in diesem Fall, wo eine Kolonne leichter Fahrzeuge der Streitkräfte der Russischen Föderation etwa 20 km hinter dem Frontverlauf im Gebiet Dobropolje, in der Nähe des Dorfes Malinowka, zusammengezogen wurde. Daraufhin begannen die Streitkräfte der Ukraine, die Fahrzeugansammlung mit Drohnen anzugreifen, was die Infanterie zwang, sich in den Wäldern zu verteilen und mehrere ihrer Fahrzeuge zerstört wurden, wodurch die Operation faktisch scheiterte. Im Ort sind auch Dutzenden verbrannten Fahrzeugen zu sehen und dies lässt darauf schliessen, dass dieser Abschnitt bereits mehrfach Ziel von gegnerischen Drohnenpiloten war.» https://t.me/milinfolive/177663

LAWROW FÜR TOTALEN KRIEG

Putins Langzeit-Aussenminister Sergei Lawrow ist gegen eine Einstellung der Kämpfe entlang der aktuellen Kontaktlinie. Er liefert eine historische Begründung dafür, und beruft sich dabei auf die «tausendjährige Geschichte» des russischen Reichs:

«Hier geht es um unsere Verantwortung für die tausendjährige Geschichte des russischen Staates (…) Wenn wir jetzt plötzlich an der Kontaktlinie Halt machen würden, würden wir im Grunde die Heldentat unserer Grossväter und Urgrossväter auslöschen, die den Nazismus besiegt haben», sagte Lawrow.

Und weiter drohte Lawrow der Ukraine und dem Westen im Interview mit dem TV-Sender «Nexta» mit Vernichtung: «Wir werden uns nicht auf ihr Niveau herabbegeben, sondern wir werden unsere eigenen Massnahmen deutlich verschärfen, um alles zu zerstören, was die Militärmaschine von Kyiv aus dem Westen antreibt. Und genau das tun wir bereits. Sie fangen schon an zu stöhnen.» https://x.com/nexta_tv/status/2088202039557837077/video/1; https://x.com/Gerashchenko_en/status/2088192013988487177/video/1:  

KOMMENTAR: Lawrows Bezug auf die «tausendjährige Geschichte» hat Parallelen zur Nazi-Ideologie und Propaganda. Hitler verwendete den Begriff «tausendjähriges Reich» am Nürnberger Parteitag der NSDAP am 1. September 1933 und machte ihn zu einer zentralen Aussage der nationalsozialistischen Propaganda. Er behauptete in der Folge mehrfach, dass Deutschland ewig existiere und demokratische Perioden wie die Weimarer Republik nur kurze Fehlentwicklungen seien.

Im Gegensatz zu Lawrows Aussagen, gab es tatsächlich eine tausendjährige Geschichte auf deutschem Boden: Zu den ältesten Städten auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands gehören Trier, Augsburg, Mainz und Köln, deren Ursprünge teilweise in die Zeit vor oder kurz nach Christi Geburt zurückreichen. Demgegenüber wurde Moskau erstmals 1147 schriftlich erwähnt und auch Sankt Petersburg wurde erst 1703 offiziell von Zar Peter dem Grossen gegründet.


Demgegenüber hat die Ukraine eine langdauernde Geschichte. Für Kyiv sind die ersten christlichen Grossgebäude und ein städtisches Leben seit dem Jahr 900 belegt. Die «Kyiver Rus» entstand um das Jahr 882 n. Chr., als der skandinavische Fürst Oleg von Nowgorod die Stadt Kyiv eroberte. In der Folge wurde die «Kyiver Rus» zu einer damaligen Weltmacht, während auf dem Gebiet des heutigen Moskaus vor allem Wälder und Sümpfe dominierten.

ANGRIFF AUF WOHNHAUS

Ein dreimonatiges Baby ist in Marganets in der ukrainischen Oblast Dnipropetrovsk durch einen nächtlichen Angriff der Russen getötet worden. Das berichten die örtlichen Behörden.

Russische Drohnen trafen ein Mehrfamilienhaus. Ein drei Monate alter Junge wurde getötet und 11 Menschen verletzt, davon wurden sieben in kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Unter den Verletzten befinden sich zwei Kinder: ein fünfjähriger Junge und ein zwölfjähriges Mädchen. https://t.me/u_now/208850

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