- Wildberries in Leningrad brennt
- Massive Schäden an Raffinerien
- Tiefste Ölverarbeitung seit 2002
- Import von Benzin aus Marokko
- Tanklastwagen sind Jagdobjekte
- Prinzipien für eine neue Armee
- In Russland ist die Angst spürbar
- Ex-General will die ganze Ukraine
WEITERER WILDBERRIES-BRAND
Heute griffen in den frühen Morgenstunden ukrainische Drohnen zwei Lagerkomplexe des russischen Internethändler «Wildberries» an. Ihre Standorte befinden sich in der Nähe von Moskau und St. Petersburg. Es handelt sich um die 15. und 16. Anlage von Wildberries, die in den letzten zwei Wochen angegriffen wurden.
Was bisher bekannt ist:
- In Krasny Bor, im Bezirk Leningrad – zu dem St. Petersburg gehört – wurde das Lager von Wildberries angegriffen. Erste Videos zeigen den Einschlag einer Drohne und danach eine dynamische Brandentwicklung mit einer von weitem sichtbaren grossen Rauchwand.
Die Anlage befand sich 1’025 Kilometer Luftlinie von Kyiv entfernt. https://t.me/supernova_plus/57381; https://t.me/exilenova_plus/28042
Die Kommunikationsabteilung von Wildberries bestätigt den Angriff und schreibt: «Aufgrund eines Angriffs auf eine Logistikanlage des Unternehmens in Krasny Bor ist ein Brand ausgebrochen. Die Anlage wurde rechtzeitig evakuiert. Die Annahme laufender Lieferungen ist vorübergehend eingeschränkt; diese werden an andere Standorte umgeleitet.» https://t.me/rwb_press_service/1674

- In Tschechow, im Bezirk Moskau, wurde das Lager von Wildberries angegriffen. Hier missriet der Anschlag. Verfügbare Bilder zeigen Drohnentrümmer, die vor dem Lager auf einem leeren Parkplatz einschlugen, nicht aber das Gebäude trafen. https://t.me/exilenova_plus/28036 Die Anlage befindet sich 755 Kilometer Luftlinie von Kyiv entfernt.
- Eine Erklärung zum Sinn der Angriffe auf Wildberries-Lager gibt es auf UkraineAktuell.com. (https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1623-3-8-2026-9uhr/)

MASSIVE RAFFINERIE-SCHÄDEN
Wie hier bereits gemeldet, trafen Ende der letzten Woche ukrainische Angriffs-Flugkörper die beiden wichtigen Raffinerien in Rjasan und Wolgograd im tiefen russischen Hinterland («3. Front»). Satellitenbilder zeigen nun das Ausmass der Schäden:
In Rjasan wurden in der Nacht zum 29. Juli mehrere Anlagenteile und Tanks der Raffinerie getroffen (siehe FOTO). Unklar ist, ob diese Schäden alle beim letzten Angriff oder teilweise schon zuvor verursacht wurden.
In Wolgograd (ehemals Stalingrad) wurden in der Nacht zum 31. Juli insbesondere Schlüsselelemente für die Umwandlung von Rohöl zu Benzin, Diesel oder andere Mineralölprodukten getroffen. Dazu gehören namentlich die Anlage ELOU-AVT-1 mit einer Kapazität von 6 Millionen Tonnen Ölverarbeitung pro Jahr und die Anlage ELOU-AVT-3. Ausserdem wurden einige Rohrleitungen beschädigt. Diese Raffinerie gehört der Firma Lukoil.
In der Nacht auf heute (4. August) wurden zwei weitere Anlagen angegriffen. Es handelt sich um die Raffinerie in Syrzan in der Region (Oblast) Samara und die Raffinerie in Kstowo in der Region Nischni Nowgorod. Videos zeigen Brände, aber das Ausmass der Schäden ist noch nicht absehbar.
https://t.me/exilenova_plus/27962; https://t.me/exilenova_plus/27960; https://t.me/u_now/207589
RAFFINERIEN AUSSER BETRIEB
Der Juli 2026 war einer der schwierigsten Monate für die russische Ölindustrie. Das schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Laut ihren Berechnungen hat die Ukraine im Laufe des Monats mindestens 30-Mal russische Raffinerien, Ölterminals, Tanker, Häfen und Anlagen der Pipeline-Infrastruktur angegriffen.
In der ersten Monatshälfte waren vor allem Raffinerien das Ziel, darunter die grösste Raffinerie Russlands, die Omsk-Raffinerie, die mehr als 2500 km von der ukrainischen Grenze entfernt liegt. In der zweiten Hälfte von Juli verlagerten sich die Angriffe auf Tanker, Häfen und die logistische Infrastruktur, über die Russland Öl exportiert. (In der zweiten Monatshälfte wurden vor allem Wildberries-Lager angegriffen).
Wie Bloomberg betont, zeigt diese Taktik Ergebnisse: Die Ölverarbeitung in Russland sank im Juli auf 3,6 Millionen Barrel pro Tag – das ist der niedrigste Wert seit Mai 2002 und etwa ein Drittel unter dem üblichen saisonalen Niveau. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-08-03/ukraine-s-shifting-strikes-deepen-uncertainty-around-russian-oil

BENZIN AUS MAROKKO
Russland – vor dem Krieg gegen die Ukraine eine Grossmacht im Erdöl- und Erdgasgeschäft – ist nun auf Importe von Benzin angewiesen. Afrika, Indien und Kasachstan helfen Putins Regime in der Not.
Eine Lieferung von rund 30’000 Tonnen AI-92-Benzin ist aus Tanger (Marokko) im russischen Hafen von Murmansk eingetroffen. Laut Reuters war Lukoil der Lieferant, und der Treibstoff wird bereits für den Weitertransport per Bahn angeboten.
Russland sah sich gezwungen, im Ausland nach Benzin zu suchen, nachdem ukrainische Drohnenangriffe seine Ölraffinerien getroffen hatten. Zuvor hatten bereits Lieferungen auf dem Seeweg aus Indien begonnen, während auch Treibstoff aus Kasachstan und Weissrussland bezogen wurde. https://www.reuters.com/business/energy/russia-imports-gasoline-cargo-morocco-market-sources-say-2026-07-31/

TANKLASTWAGEN GESPRENGT
Die ukrainische Drohnenarmee arbeitet weiterhin in der 2. Front am «Logistik-Lockdown». Transporte aus den grenznahen Regionen in die besetzte Südzone und auf die Halbinsel Krim werden bekämpft. Wie das vor sich geht, zeigt ein soeben veröffentlichtes Video vom 2. August.
Zu sehen ist ein Konvoi, bestehend aus drei Tanklastwagen und drei militärischen Begleitfahrzeugen auf dem Weg in Richtung Krim.
Zuerst sprengt eine Drohne den am Ende fahrenden Benzintransporter. Nachdem dieser explodiert war, greift eine weitere Drohne den zweiten Tanklastwagen an und sprengt diesen ebenfalls in die Luft.
Auf dem Video ist nicht ersichtlich, was mit den drei Begleitfahrzeugen und dem dritten Benzintransporter geschieht. https://x.com/Tendar/status/2083951222436827412/video/1

NEUE UKRAINISCHE ARMEE
Andrij Bilezkyj ist Brigadegeneral des 3. ukrainischen Armeekorps («Azov»). Als Gründer des ursprüngliche Azov-Bataillons und Politiker der Partei «Patriot der Ukraine» im nationalen Parlament, der «Werchowna Rada» (2014-2019) vertrat er rechtsextreme und nationalistische Positionen, von denen er sich seit 2022 teilweise abgrenzte.
In einem aktuellen Interview sagte Andrij Bilezkyj als Kommandant des 3. ukrainischen Armeekorps, zuständig für etwa ein Siebtel der 1. Front:
- Als wir die Verantwortung für den gesamten 160-Kilometer-Sektor übernahmen, verlor die Ukraine Dutzende von Kilometern an Territorium, etwa 60 Quadratkilometer pro Monat in diesem Gebiet.
- Das war vor etwa einem Jahr und zwei Monaten. Vor neun Monaten haben wir den Vormarsch des Feindes vollständig gestoppt. Jetzt rücken wir an einigen Abschnitten der Front selbst vor. Mit anderen Worten: Wir verlieren nicht nur kein Territorium mehr, sondern gewinnen nach und nach auch wieder einen Teil davon zurück.
- Wenn man fragt, was die wichtigsten Veränderungen waren, war die erste unser Ansatz bei Führung und Kontrolle. Das ukrainische Militär war stark zentralisiert. In der Praxis folgte die Entscheidungsfindung traditionell einem Modell, bei dem der oberste Befehlshaber allein entscheidet und jede Phase der Umsetzung streng kontrolliert. In dieser Hinsicht ähnelten wir der russischen Armee.
- Stattdessen streben wir Teamarbeit an. Unser Leitprinzip ist das «Mission Command». Ich persönlich bin der Meinung, dass die Leute dazu ermutigt werden müssen, Eigeninitiative zu zeigen. Es ist nicht einfach, ukrainischen Offizieren der alten Schule diese Denkweise zu vermitteln – das braucht Zeit.
- Die zweite grosse Veränderung ist die besondere Betonung des Aufbaus eines professionellen Unteroffizierskorps. Dies ist ein weiterer Bereich, in dem die post-sowjetischen Streitkräfte deutlich hinter der westlichen Militärphilosophie zurückliegen. Ein Unteroffizier ist der Nerv, das die Absicht des Offiziers an die Muskeln weiterleitet – an den Soldaten vor Ort. Im Laufe eines Jahres haben wir mehrere Tausend Unteroffiziere für das Korps ausgebildet, was dessen Effektivität drastisch verbessert hat.
- Die dritte Komponente – und zwar nur die dritte – ist die Technologie. Im vergangenen Jahr haben wir die Zahl der Drohnenpiloten im Korps verdreifacht. Ich glaube, wir sind nun zweifellos das grösste Korps der Welt, was den Einsatz unbemannter Systeme betrifft, sowohl in der Luft als auch am Boden. Man muss jedoch unbedingt verstehen, dass die Effektivität nicht von der Anzahl der Drohnenpiloten oder der Anzahl der Drohnen abhängt. Sie hängt in erster Linie vom Kommandosystem und vom Planungssystem ab. Ohne diese beiden ersten Komponenten funktioniert die technologische Komponente schlichtweg nicht.
Quelle: https://youtube.com/watch?v=byEaxqxVlzM; https://x.com/revishvilig/status/2084335166533636464

ANGST GREIFT UM SICH
«Putins Lieblingsphilosoph» Alexander Dugin macht sich Sorgen um den Zustand der russischen Gesellschaft. Der prominente Ideologe und Ideengeber für Putin sagte, dass er sich im Hinblick auf die aktuelle Lage nicht optimistisch fühlen könne, und fügte hinzu, dass er vor allem ein Gefühl der Besorgnis verspüre: «Ich verspüre ein Gefühl der Besorgnis, weil sich die Angriffe auf Russland verschärfen», sagte er.
Dugin räumte zudem ein, dass Anzeichen wachsender Besorgnis in der gesamten russischen Gesellschaft und Politik immer deutlicher sichtbar werden: «In unserer Gesellschaft und in unserer Politik sind Töne der Besorgnis zu hören. Es ist unmöglich, die wachsende Unzufriedenheit unter den Menschen nicht zu bemerken, und man kann sie nicht einfach als ukrainische Propaganda abtun.»
«Visoner», ein Militäranalyst aus Georgien, schreibt: «Diese Äusserungen sind besonders bemerkenswert angesichts Dugins langjähriger Unterstützung für den Kreml und deuten darauf hin, dass die sich ausweitenden Auswirkungen des Krieges innerhalb Russlands selbst unter einigen der loyalsten Stimmen Moskaus immer schwerer zu ignorieren sind.» https://x.com/visionergeo/status/2083996624548761887

GANZE UKRAINE EROBERN
Viktor Sobolew ist ein pensionierter russischer Generalleutnant und Mitglied des Verteidigungsausschusses der Staatsduma («Parlament» der Russischen Föderation). Sobolew sagte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur News.ru, dass der Krieg gegen die Ukraine nicht in diesem Jahr enden werde, sondern erst, wenn die westliche Grenze der Ukraine erreicht sei. Entgegen den offiziellen Verlautbarungen des Kremls sagte der Ex-General also, dass es um die Eroberung der gesamten Ukraine gehe. Seine Stimme als Mitglied des Verteidigungsausschusses hat Gewicht.
Originalzitat Sobolew: «Es gibt noch keine Vorbedingungen für ein Ende der Spezialoperation [im Jahr 2026]. Die Ziele der Spezialoperation müssen erreicht werden. Meiner Meinung nach bedeutet dies, die Westgrenzen der Ukraine zu erreichen. Die Reichweite von Drohnen nimmt zu, und die Sicherheitszone, für die unsere Truppen derzeit die Grenze zurückdrängen, wird eindeutig nicht ausreichen. Europa wird uns keinen Frieden gewähren. Wenn wir jetzt irgendeiner Art von Waffenstillstand zustimmen, sind wir zu einem noch schrecklicheren und blutigeren Krieg in einem Jahr verdammt.» https://news.ru/vlast/v-gosdume-otvetili-mozhet-li-svo-zavershitsya-v-2026-godu



