#UKRAINE AKTUELL Nr. 1616 (27.7.2026 /9Uhr)

  • Russlands Marine immer kleiner
  • Keine Schiffsparade in St.Petersburg
  • Ukrainischer Plan für tiefe Schläge
  • Massive Drohnenangriffe in der Nacht
  • Moskau wird zur Abwehr-Festung
  • Zelenskyj Worte zum Fedorov-Streit
  • Iran nennt Ukraine «Israel-Handlanger»
  • Russen sperren Krim-Tataren ein

MARINEPARADE OHNE SCHIFFE

In St. Petersburg stellten sich Marinesoldaten vor einem Wandgemälde auf, welches ein russisches Atom-U-Boot zeigt. Je nach Foto- oder Videokonnte so der Eindruck erweckt werden, dass es sich beim Unterwasser-Boot um einen realen Gegenstand handelt. Tatsächlich wurde am Sonntag der «Tag der russischen Marine» abgesagt und es wurden weder U-Boote noch andere Kriegsschiffe gezeigt.

«Der Tag der Marine» ist in Russland ein Feiertag und seit 2017 umfassten die üblichen Feierlichkeiten aufwendige Darbietungen der russischen Seemacht, darunter eine grosse Parade von Kampfschiffen der Ostsee-, Schwarzmeer-, Nord- und Pazifikflotte in St. Petersburg.

Für die Absage gibt es zwei Gründe: Die Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen und die geschrumpfte Schwarzmeerflotte.

Die ukrainische Armee hat die einst mächtige russische Schwarzmeerflotte stark verkleinert. Von ursprünglich 90 Schiffen sind noch 41 unversehrt. Und diese versteckt die Kremlführung in Häfen ausserhalb der ukrainischen Seedrohnen. Die Zwischenbilanz.

Hauptkampfschiffe (insgesamt 33):
• zerstört: 4
• beschädigt: 8
• unversehrt: 21

Landungsschiffe und Boote (insgesamt 34):
• zerstört: 15
• beschädigt: 10
• unversehrt: 9

Hilfsschiffe (insgesamt 23):
• zerstört: 3
• beschädigt: 9
• unversehrt: 11

Putin begab sich am Sonntag in seiner Heimatstadt St. Petersburg zu einer kleinen Gruppe von Marinesoldaten in weisser Uniform und nahm so die Marine-Parade ab. Bewohner der zweitgrössten Stadt beschwerten sich, dass es während des Tages in der Innenstadt zu weitreichenden Ausfällen des mobilen Internets und des Zugriffs auf Telegram, ChatGPT, Steam und andere Online-Dienste kam.

https://t.me/u_now/206632; https://t.me/ukrainian_militant/39400; https://kyivindependent.com/russia-cancels-st-petersburg-navy-day-parade-for-second-straight-year-amid-ukrainian-drone-threat/;  https://x.com/nexta_tv/status/2081362176099455023;

NEUER PLAN FÜR TIEFE SCHLÄGE

Zelenskyj kündigte eine Aktualisierung der Liste der Prioritätsziele für Fernangriffe auf Russland an. Er schreibt:

«Unsere Schlagreichweite hat bereits 3’000 Kilometer überschritten, und wir bauen unsere Fähigkeit, auf noch grössere Entfernungen zu operieren, weiter aus. Die strategische Tiefe der russischen Hintergebiete, die lange Zeit einer der Vorteile Russlands war, wird nun zu einem besonderen Problem für die politische und militärische Führung Russlands, da sich die überwiegende Mehrheit der russischen Luftabwehrsysteme um Moskau, die staatlichen Residenzen, die Krim-Brücke und Sankt Petersburg konzentriert.»

Zelenskyj betonte, dass seit Beginn des Jahres im Rahmen dieser Kampagne mehr als 1’000 Einsätze durchgeführt wurden. Ziel waren unter anderem Ölraffinerien, kritisch wichtige militärische Produktionsstätten und wichtige Logistikzentren. https://twitter.com/ZelenskyyUa/status/2081393737628815504

TIEFE SCHLÄGE IN RUSSLAND

Zwischen 250 und 350 ukrainische Drohnen flogen in der Nacht auf Montag Angriffe auf Ziele in Russland und den besetzten Gebieten. Die Angaben stammen aus unterschiedlichen Quellen.

  • JAROSLAWL (Distanz zu Kyiv:  750 Kilometer): Der Gouverneur gab die Sperrung einer Strasse in Richtung Moskau bekannt. Dort befinden sich ein Industriegebiet sowie eine Raffinerie.
  • ROSTOW AM DON: (Distanz zu Kyiv: 760 Kilometer): Als Ziele wurden ein Hafen und die Eisenbahninfrastruktur angegriffen. Videos von Anwohnern zeigen heranfliegende Drohnen.
  • BELGOROD (russische Grenzregion): Die Stadt wurde von einem massiven Angriff getroffen. Durch den Einsatz der Luftabwehr wurden Schäden an Wohngebäuden festgestellt. Ausserdem seien die Gebäude FSB (Inlandgeheimdienst) und des Innenministeriums getroffen worden.
  • SARAPUL / UDMURTIEN (Distanz zu Kyiv: 1’620 Kilometer): Anwohner melden Explosionen aus der Stadt. Angegriffen wurde der Tanklagerkomplex des Kombinats «Horizont», in dem russische Erdölreserven gelagert werden.
  • TAGANROG (Distanz zu Kyiv: 710 Kilometer): Bilder von Anwohnern zeigen eine Rauchsäule an einem nicht näher beschriebenen Ort.
  • GLAZKOVKA (Halbinsel Krim): Ein Brand wurde an den Positionen der russischen Luftverteidigung auf dem Berg Chroni in der Nähe des Dorfes Glazovka bei Kertsch festgestellt. Das berichtet die Monitoringgruppe «Krymskiy Veter» unter Berufung auf Daten von Satellitenaufnahmen.

https://t.me/u_now/206650; https://t.me/Crimeanwind/105810; https://t.me/exilenova_plus/27240; https://t.me/c/1269013410/92352

DIE MOSKAUER FESTUNG

Russland hat den Bau von Flugabwehrsystemen rund um Moskau beschleunigt, nachdem es zu Angriffen ukrainischer Drohnen gekommen war.

Nach den Drohnenangriffen im Mai hat Russland die Errichtung einer zweiten Verteidigungslinie von Flugabwehrsystemen rund um die Hauptstadt deutlich beschleunigt. In einem Umkreis von etwa 40 Kilometern um Moskau wurden bereits 24 neue Türme errichtet, von denen einige die Moskauer Ölraffinerie, Umspannwerke und den Flughafen schützen.

Geplant ist, die Systeme vom Typ «Pantsir» auf den Türmen zu installieren. Der Abschluss des Baus des gesamten Systems wird innerhalb des nächsten Jahres erwartet. https://t.me/uniannet/196945; https://x.com/nexta_tv/status/2081384009230111035  

ZELENSKYJ ZUM FEDOROV-STREIT

In einem Interview mit dem britischen Sender «Sky News» sagte der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj:

  • «Ich hatte ein ernstes Problem – nicht über Tage oder Wochen, sondern über Monate – in der Zusammenarbeit und Interaktion zwischen dem Chef des Generalstabs und dem Verteidigungsministerium.»
  • «Es gibt bestimmte Fragen, die wir lösen müssen, und das können wir nur durch die Zusammenarbeit des Ministeriums mit dem Militär erreichen. Eine Seite allein kann das nicht schaffen. Die grösste Herausforderung ist die Mobilisierung. Wir könnten mit weiteren 500’000 russischen Soldaten konfrontiert werden. Wir brauchen eine neue Herangehensweise an die Mobilisierung und neue Massnahmen. Ich brauche Einigkeit zwischen diesen beiden Institutionen.»
  • «Der zweite Punkt ist die Luftverteidigung. Wir haben nicht genügend Raketenabwehrsysteme. Ich habe keine Zeit für Verhandlungen. Hören Sie, ich habe keine Zeit, erst die eine Seite anzuhören und dann die andere, weil diese beiden Seiten sich nicht jeden Tag, sondern jede Stunde treffen müssen, bis unser Himmel geschützt ist. Ich muss nicht herausfinden, wer Recht hat und wer nicht.»

In der Ukraine gehen unterdessen die Demonstrationen für die Wiedereinsetzung Fedorovs weiter. Gestern wurde in Kyiv, Lemberg und anderen ukrainischen Städten zum 10. Mal für den ehemaligen Verteidigungsminister demonstriert.

https://news.sky.com/video/watch-zelenskyy-speaks-to-sky-news-about-andy-burnham-drone-warfare-and-the-russian-threat-13567255;  https://t.me/uniannet/196982; https://x.com/sternenko/status/2081469376235016638

IRAN BESCHULDIGT UKRAINE

Das iranische Aussenministerium beschuldigte die Ukraine, im Schwarzen Meer ein iranisches Handelsschiff angegriffen und einen Seemann getötet zu haben: «Zelenskyj hat ein iranisches Handelsschiff angegriffen und einen Seemann getötet. Ein eklatanter Verstoss gegen die Charta der Vereinten Nationen, der auf Anordnung Israels begangen wurde, um Europa in seinen Krieg hineinzuziehen». Das schrieb der iranische Aussenminister Abbas Araghchi auf «X».

Der iranische Aussenminister gab an, dass er mit dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow und der europäischen Diplomatin Kaija Kallas telefoniert habe: «Ich habe deutlich gemacht, dass das, was der Marionettenherrscher in Kyiv getan hat, nicht ungestraft bleiben darf.»

Nach ukrainischen Angaben handelt es sich beim angegriffenen Schiff um einen Transport von russischen Waffen in den Iran.

https://x.com/araghchi/status/2081406217486778612; https://t.me/rbc_news/153768

RUSSEN SPERREN TATAREN EIN

Im Untersuchungsgefängnis Nr. 2 in Simferopol gibt es 20 Zellen, in denen von den russischen Sicherheitskräften festgenommene einheimische Krim-Tataren in dem Status «inkommunikado» festgehalten werden. Dies bedeutet, dass solche Personen komplett von der Aussenwelt abgeschnitten sind und keinen Kontakt zu anderen haben.

Das erklärte der Leiter des Krimtataren-Ressourcenzentrums, Eskender Barijew: «Vor etwa einer Woche erhielten wir Informationen, dass im Untersuchungsgefängnis Nr. 2 im dritten Stock 20 separate Zellen gibt, in denen sich politische Gefangene in dem Status «inkommunikado» befinden. Wir haben Informationen darüber erhalten, in welchen Zellen drei, in welchen vier und in welchen zwei Personen untergebracht sind. Nach unseren Schätzungen befinden sich etwa 56 Personen in diesem Status.»

Er fügte ausserdem hinzu, dass im Untersuchungsgefängnis Nr. 2 die Eheleute Oleg Platonow und Natalia Poluch aus Sewastopol in dem Status «inkommunikado» festgehalten werden: «Oleg Platonow arbeitete ein Jahr und drei Monate in Aluscht, wo er festgenommen wurde. Seine Frau Natalia Poluch begleitete ihr 9-jähriges Kind zur Schule, woraufhin sie verhaftet und festgenommen wurde, während das Kind in einem Waisenhaus untergebracht wurde. Erst nach einigen Monaten konnten die Verwandten das Kind nach Hause holen. Über die Eheleute selbst gab es überhaupt keine Informationen.» https://t.me/Crimeanwind/105778

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