- Russlands Landwirtschaft taumelt
- Russische Treibstoffexporte gestoppt
- 1’900 Km entfernte Raffinerie brennt
- Russland greift Einkaufszentrum an
- Nordkorea will 30’000 Soldaten liefern
- Kasachstan plädiert für Waffenruhe
- Putin bleiben nur noch drei Varianten
- Heikle innenpolitische Lage in Kyiv
LANDWIRTSCHAFTSPROBLEME
Russland hatte eine Stellung als Supermacht beim Militär und bei den Öl- und Gasreserven. Beides wurde widerlegt. Nun könnte auch der dritte Mythos – jener von Russland als Agrar-Supermacht – fallen.
Russland steht vor einer äusserst schwierigen Erntezeit und befindet sich in einer Zwickmühle zwischen schweren Klimaanomalien und einer strukturellen Kraftstoffkrise, die den Feldbetrieb (bei Weizen) direkt bedroht.
Bereits zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 führte ein anhaltender Niederschlagsmangel zu einem drastischen Rückgang der Bodenfeuchtigkeit, was die frühe Entwicklung der Winterkulturen (insbesondere Weizen und Gerste) beeinträchtigte. Der Trend zur Wasserknappheit setzte sich in den entscheidenden Monaten April und Mai fort und behinderte das Keimwachstum. Branchenanalysen zufolge verzeichnete die Frühjahrsaussaat die schlechtesten Zahlen der letzten acht Jahre.
Zusätzliche Probleme könnten während der Ernte die «weitreichenden Sanktione» der Ukraine bringen. Systematische Angriffe auf Raffinerien haben in etwa fünfzig Regionen zu erheblichen Problemen bei der Versorgung mit Benzin und Diesel geführt. Dies löst nun eine Kettenreaktion bei den Preisen aus. Die Preise für Agrardiesel haben sich in einigen Regionen wie Belgorod, Brjansk und Samara um 35% bis 90% erhöht. Die Folge: Ein Drittel der russischen Agrarunternehmen arbeitet mit Verlust. Einige versuchen dies zu umgehen, indem sie die ihnen zugeteilten Kraftstoffe zu Höchstpreisen verkaufen, weil dies profitabler ist, als die Ernte einzubringen.
Erschwerend hinzu kommen:
- Die von Moskau verhängten hohen Ausfuhrzölle, die den Profit auf dem internationalen Markt schmälern;
- Der schlechte Rubelkurs bei gleichzeitig steigenden Preisen für Kraftstoff, Düngemittel und westliche Maschinen;
- Der Wegfall staatlicher Subventionen aufgrund der leeren Staatskasse, was die Bauern zwingt, Kredite aufzunehmen, deren Zinssätze bis zu 25% betragen.
Das Risiko für eine schlechte Ernte ist offensichtlich. In Tatarstan forderte Marat Zyabbarov, der Minister für Landwirtschaft und Ernährung, die Bauern auf, private Dieselreserven für mindestens 10 bis 14 Tage anzulegen. Nur so könne ein vollständiger Stillstand der Maschinen während des Erntehöhepunkts vermieden werden.
Die nationale Landwirtschaftsministerin Oksana Lut und der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Novak halten Krisensitzungen ab, um zu versuchen, den Markt zu stabilisieren. https://twitter.com/marsetac/status/2070760805935517848
KEIN BENZIN-EXPORT BIS 2027
BBC Russia zitiert den russischen Vize-Premierminister Alexander Nowak: «Wir haben beschlossen, das Exportverbot für Benzin auf den Jahreswechsel zu verlängern, sowohl für Hersteller als auch für Nicht-Hersteller.» Gleichzeitig soll das Exportverbot für Diesel aufgehoben werden, sobald sich der «Markt erholt» hat.
Der Mangel an Benzin und Diesel in Russland entstand, nachdem die ukrainischen Streitkräfte ihre Angriffe auf Raffinerien und Kraftstofflager intensiviert hatten. Exportverbote und zusätzliche Benzinimporte können die Probleme, die durch die Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf die Raffineriebetriebe entstehen, nicht ausgleichen, sagen Experten gemäss BBC. https://t.me/bbcrussian/97675

SCHLAG 1’900 KM ENTFERNT
Am Samstag griffen ukrainische Drohnen die 1’900 Kilometer von der Grenze entfernte russische Raffinerie «Antypino» in Tjumen an. Der Angriff erfolgte in zwei Wellen.
Die erste Drohne traf die Anlage zur Tiefenreinigung von Dieselkraftstoff (ATD). In diesem Anlageteil wird Schwefel aus Diesel entfernt, damit der Treibstoff die erforderlichen Qualitätsmerkmale aufweist.

Die zweite Drohne traf das Tanklager, was zusätzlich die Gefahr von Bränden und dem Verlust von Ölprodukten birgt.
Tjumen ist eine der grössten Raffinerien Russlands mit einer Verarbeitungskapazität von 7.5–9 Millionen Tonnen Erdöl und eine der bislang am weitesten entfernten angegriffenen Anlagen. https://t.me/exilenova_plus/27147; https://x.com/revishvilig/status/2080943805243494758

ANGRIFF AUF EINKAUFSZENTRUM
Russisch-iranische Shahed-Drohnen trafen in dieser Nacht das Einkaufszentrum «Epicentr» in Kryvyj Rih. Im Gebäude brach ein grossflächiger Brand aus.
Weitere russische Drohnen- und Raketenangriffe richteten sich in dieser Nacht gegen die Hauptstadt Kyiv.
➡️ Im Desnjanski-Bezirk brannte ein Lagergebäude mit einer Fläche von 150 Quadratmetern sowie 11 Autos auf einem Parkplatz.
➡️ Im Schewtschenko-Bezirk brannte ein vierstöckiges Gebäude, das bereits zuvor beschädigt wurde und ein Feuer brach in einem 18-stöckigen Gebäude aus.
➡️ Im Solomjanski-Bezirk brannte ein nicht bewohntes Gebäude.
Alle Brände wurden gelöscht. Es gab keine Todesopfer oder Verletzte. https://t.me/u_now/206568

MENSCHEN UND RAKETEN AUS KOREA
In seiner Abendansprache sagte Volodymyr Zelenskyj am Samstag:
«Wir sehen auch die Zusammenarbeit Russlands mit Nordkorea. Russland möchte weitere 30’000 Soldaten aus Nordkorea erhalten. Seit Juni laufen in der Region Woronesch in Russland Vorbereitungen für die Ankunft dieser Soldaten. Nordkorea bereitet sich auch darauf vor, zusätzliche Abschussrampen für ballistische Raketen nach Russland zu verlegen. All das stellt nicht nur für die Ukraine eine Bedrohung dar. Russland hilft Nordkorea, zu lernen, wie man Krieg führt, seine Waffen zu verbessern und echte Kampferfahrung im Einsatz dieser Waffen zu sammeln. All dies stellt eine Bedrohung für alle in Asien dar, die im Wirkungsbereich nordkoreanischer Raketen liegen. Wir werden dem entgegenwirken.» https://t.me/V_Zelenskiy_official/20165

KASACHSTAN FÜR WAFFENRUHE
Der Präsident Kasachstans schlug Putin vor, den Krieg in der Ukraine einzufrieren. Bei einem Treffen mit dem Kremlherrscher sagte Kasym-Schomart Tokajew: «Vielleicht sollte dieser Konflikt eingefroren werden (…) natürlich unter Garantien grosser Mächte, einschliesslich Russland, und weiter in Richtung des lang ersehnten Friedens.»
Tokajew sprach von der Ukraine und Russland als sogenannte «Bruderländer»: «Es ist schade, dass junge Menschen sterben, das ist das genetische Erbe der Bruderländer – Russlands und der Ukraine. All das muss gestoppt werden, denn was passiert, ist meiner festen Überzeugung nach, zum Vorteil und zur Freude der Gegner sowohl Russlands als auch der Ukraine.»
Gleichzeitig präzisierte Tokajew, dass er entsprechende Telefonate aus Europa und den USA erhalten habe, er sich aber weigere, als Vermittler zu fungieren.

Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte zu Tokajews Vorschlag, dass «ein solches Einfrieren nicht möglich» sei. «Für uns gibt es eine Hauptbedingung: Wir müssen unsere Ziele erreichen», erklärte der Vertreter des Kremls. https://en.interfax.com.ua/news/general/1188093.html; Video: https://x.com/wartranslated/status/2081004599666782563/video/1 https://t.me/bbcrussian/97679,

PUTINS DREI VARIANTEN
Joni Askola, Militärblogger aus Finnland, hat die drei Varianten herausgearbeitet, die Putin nach den zunehmenden Angriffen und Erfolgen der Ukrainer bleiben. Zuerst stellt Askola fest: «Putin gehen die rein militärischen Karten aus, um seine gescheiterte Invasion in der Ukraine zu retten.»
Wie schon andere Beobachter festgestellt haben, könne Putin keines seiner Kriegsziele in vernünftiger Zeit oder überhaupt erreichen. Ihm und seiner Armee von Soldaten und Söldnern wird weder die volle Besiegung der ganzen Ukraine noch die vollständige Besetzung der Regionen Donezk und Luhansk im Donbass gelingen. Deshalb verengen sich für Russland die Lösungsmöglichkeiten auf drei Hauptwege: Den Krieg einzufrieren, den aktuellen zermürbenden Status quo fortsetzen oder eine grosse Eskalation einleiten.
Askola schreibt: «Putin ist bekannt als Entscheidungsprokrastinierer (das heisst, er schiebt Entscheidungen solange wie nur möglich hinaus). Aus diesem Grund wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit maximal lange am Status quo festhalten. Das wird nicht ewig halten.
Ein Einfrieren wäre tatsächlich Moskaus klügster und für die internationale Lage gefährlichster Schachzug. Es würde Russland ermöglichen, die finanzielle Blutung zu stoppen, seine Streitkräfte wieder aufzubauen und den Ukrainekrieg in einem permanenten Schwebezustand zu halten, ohne je demobilisieren oder öffentlich eine Niederlage einzugestehen zu müssen.
Allerdings ist ein Einfrieren höchst unwahrscheinlich, weil Putin diesen Krieg als existenziell für sein Regime betrachtet. Darüber hinaus operiert er in einem totalen Informationsvakuum. Gerasimow und andere Spitzenkommandeure verbergen routinemässig ukrainische Erfolge und übertreiben russische Gewinne in grotesker Weise, sodass Putin als Idiot ohne realistischen Blick auf das Schlachtfeld zurückbleibt.»
Irgendwann wird diese Illusion zerbrechen, prognostiziert Askola. Dann bliebe Putin nur der grosse Aufmarsch seiner Armee mit Verstärkung aus Belarus. Ein solcher Angriff auch von der belarussischen Grenze her, würde die ukrainische Armee dazu zwingen, lebenswichtige Brigaden von den kritischen südlichen und östlichen Fronten abzuziehen. Russland müsste aber seinerseits dafür breite Bevölkerungsschichten mobilisieren. Diese Mobilisierung haben andere Beobachter bereits auf die Zeit nach den Duma-Wahlen im Herbst vorausgesagt und als gewisses Risiko für Putin bezeichnet.
Askola schreibt: «Putin steht vor harten Dilemmata, während ihm langsam seine Karten ausgehen. Allerdings sollten die wenigen Karten, die ihm noch bleiben, nicht unterschätzt werden.» https://twitter.com/joni_askola/status/2074820230430196144

HEIKLER POLITISCHER MOMENT
Die ehemalige ukrainische BBC-Journalistin Kateryna Lisunova zur aktuellen Situation in der Ukraine:
«Wir könnten am Rande einer grossen politischen Krise in der Ukraine stehen. Die Proteste nehmen an Intensität zu. Nun, da Syrskyi weg ist, ist der angegebene Grund für die Entlassung von Mykhailo Fedorov – sein Konflikt mit dem Oberbefehlshaber – hinfällig geworden. Viele Ukrainer sehen mittlerweile kein Hindernis mehr dafür, ihn nicht wieder als Verteidigungsminister einzusetzen, weshalb die Proteste wahrscheinlich an Fahrt gewinnen werden.
Bei Protesten wie diesen ist eine Auslandsreise eine riskante politische Entscheidung. Berichten zufolge plant Volodymyr Zelenskyj, am 28. Juli in die USA zu reisen, um an der Beerdigung von Senator Lindsey Graham teilzunehmen und Präsident Trump zu treffen. Den wichtigsten Verbündeten der Ukraine zu besuchen, während die innenpolitische Unruhe zunimmt und die Fedorov-Frage ungelöst bleibt, könnte zu einer ernsthaften politischen Belastung werden.
Viele hoffen, dass der Präsident die innenpolitische Krise löst, bevor er ins Ausland reist.» https://x.com/katerynalis/status/2081020337173529055; https://x.com/maks_nafo_fella/status/2081065579889267013;



