- Grossfeuer in Logistikzentren
- Russen beklagen materielle Verluste
- Kein «D-Day» für die Krim notwendig
- Beschlüsse der Kyiver Armeeführung
- Ukrainisches Volk vertraut Fedorov
- EU kapert Schmuggel-Öl-Tanker
- Maersk stoppt Schiff-Transporte
- Russischer Manager erhängte sich
BRENNENDE WILDBERRIES
Die am Dienstagmorgen in Krasnodar und in Stawropol angegriffenen Warenlager des russischen Internetgiganten «Wildberries» (Russlands «Amazon») brennen weiterhin unkontrolliert.
An beiden Orten versuchen Helikopter, das Feuer durch den Abwurf von Wasser einzudämmen – bisher ohne Erfolg.
Volodymyr Zelenskyj schrieb zu den Angriffen: «Heute wurden wichtige Ziele in den Regionen Krasnodar und Stawropol mit weitreichenden Angriffen getroffen – Logistikzentren, die an der Versorgung der russischen Armee mit Komponenten für Drohnen, Navigationsausrüstung und Ausrüstung beteiligt sind.»
Nach noch nicht bestätigten Angaben russischer Blogger wurde in dieser Nacht in Stadt Woronesch auch das Wildberries-Logistikzentrum im Novaya Usman-Bezirk angegriffen. Ob es dort ebenfalls brennt, steht zurzeit nicht fest. Der Komplex in Novaya Usman wurde im November 2025 eröffnet. Er ist eine der grössten privaten Logistikanlagen Russlands, erstreckt sich über eine Fläche von 156’000 Quadratmetern und kann nach vollständiger Automatisierung bis zu 1,8 Millionen Artikel pro Tag abwickeln.

In den sozialen Medien Russlands erscheinen viele Selfie-Videos, in denen sich junge Menschen darüber beklagen, dass ihr mühsam aufgebautes Internetbusiness in Flammen aufgeht. Die meisten betonen, dass sie unschuldig seien, weil sie sich ja nicht für Politik interessieren.
KOMMENTAR: Putin und sein Regime hatten jahrzehntelang einen «Deal» mit der russischen Bevölkerung nach dem Motto: «Ich lasse Euch in Ruhe – lasst mich in Ruhe machen». Dieser Gesellschaftsvertrag zerbricht in diesen Wochen. Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien und Rüstungsbetriebe, der Mangel an Treibstoff und jetzt die Störung des Konsumalltags, erschüttern die bisher folgsame Bevölkerung.
https://t.me/exilenova_plus; https://ua.news/en/war-vs-rf/video-u-rosiyi-pislia-ataki-droniv-spalakhnuli-naftobaza-ta-sklad-wildberries

BRENNENDES FLÜSSIGGAS
Im Dorf Nowopassko in der Region Uljanowsk haben ukrainische Drohnen die NS-Oil-Raffinerie angegriffen. Laut Videos der Anwohner wurde das Flüssiggaslager und das Öldepot des Unternehmens getroffen. Zum Ausmass der Schäden liegen derzeit keine Einzelheiten vor.
NS-Oil-Raffinerie hat eine jährliche Verarbeitungskapazität von 600’000 Tonnen. Sie produziert eine breite Palette an Produkten, darunter Benzin, Diesel und Flüssiggas und beliefert vorwiegend den russischen Inlandmarkt. Internationale Sanktionen gegen die Firma, die zur Prominvest-Holding gehört, sind nicht bekannt. Die Raffinerie befindet sich 900 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Sie war bereits Ende 2025 von Langstreckendrohnen angegriffen worden.
Ein weiterer Angriff richtete sich diese Nacht gegen das Flüssiggastanklager «Subhankulowo» der «Transneft-Ural» in Tuimazy in der Region Baschkortostan. Anwohner berichten von mehreren Drohnen, die angegriffen hätten, und veröffentlichten Videos eines grossen Brandes.
https://t.me/exilenova_plus/26529 ; https://t.me/exilenova_plus/26531

KEIN «D-DAY» NOTWENDIG
Letzte Woche sagte Robert «Magyar» Brovdi, Leiter der ukrainischen Drohnenarmee «SBS», dass es keine Sprengung der Krim-Brücke brauche, sondern dass die Russen diesen Übergang nach Russland nutzen sollen, um die besetzte Halbinsel zu verlassen. Die ukrainischen Drohnen würden mit ihren Mitteln die Insel für Russen unbewohnbar machen. (Siehe «Ukraine Aktuell Nr. 1603»). Das Interview führte der junge, irische Journalist Caolan Robertson.
Robertson befragte ebenfalls die amerikanisch-polnische Historikerin und Journalistin Anne Applebaum («Roter Hunger», «Gulag», «Achse der Autokraten»). Diese sagte im Interview: Die Ukraine braucht keine Landung à la D-Day auf der Krim. Sie muss die Halbinsel unbewohnbar machen: Die Siedler, die nach 2014 dorthin gezogen sind, sollen ihre Entscheidung hinterfragen, nach Hause zurückkehren und Putins Behauptung untergraben, die Krim sei dauerhaft Teil Russlands.
Applebaum weiter: Als Putin 2014 die Krim einnahm, wirkte er schwach und unbeliebt. Die Krim hauchte dem Putinismus neues Leben ein. Er liess die Russen glauben, Russland könne wieder grossartig werden, weckte imperialistische Gefühle und verschaffte Putin den Erfolg, auf den er seither verweist. https://www.youtube.com/watch?v=AAbtLR_n_E8; https://x.com/Mylovanov/status/2076716842924511417/video/1 ; https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1603-14-7-2026-8uhr/

EINIG UND SELBSTBEWUSST
Der designierte, vom Parlament aber noch nicht bestätigte, Verteidigungsminister Yevhen Khmara und der neue Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee Mykhailo Drapatyi stimmten am Dienstag ihre Positionen ab.
Die Ukraine werde den Krieg auf das Territorium Russlands verlagern und die Angriffe mit Waffen grosser Reichweite verstärken. Zu den Prioritäten gehören die Entwicklung von Präzisionsschlägen, Mittelstreckenangriffen, Drohnen- und Robotersystemen sowie die Ausstattung der Kampfverbände mit modernen Waffen grosser Reichweite.
Gemeinsam mit Drapatyi vereinbarte Khmara ausserdem Massnahmen zur Stärkung der Verteidigungskräfte. Das Ziel sei ein technologischer Vorteil gegenüber dem Feind, die Rettung von Soldatenleben und die Zwangsgewährung des Friedens durch Russland unter ukrainischen Bedingungen.
In einem Treffen zwischen Khmara, Drapatyi und Zelenskyj wurde ausserdem eine weitere Ernennung beschlossen: Neu wurde Ihor Skybiuk zum neuen Chef des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine ernannt.
https://t.me/u_now/206216; https://t.me/V_Zelenskiy_official/20103
KOMMENTAR: Solange der Verteidigungsminister vom Parlament nicht gewählt ist, kann er nicht handeln. Dieser Stillstand dauert noch bis mindestens zum 18. August, ausser wenn das Parlament unterbricht die Sommerferien und tritt zu einer Notsitzung zusammen. Gleichzeitig besprechen sich der Verteidigungsminister und der neue Armeechef. Dies hat konkret wenig Bedeutung, ist aber vor allem ein Signal in Richtung Mykhailo Fedorov, dass sich die ukrainische Regierung nicht von ihrem Kurs abbringen lassen will.
Neu und aufgefallen ist die folgende Formulierung in der Forderung an Russland: «Die Zwangsgewährung des Friedens durch Russland unter ukrainischen Bedingungen.» Dies ist mehr als ein Betteln um einen Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinie. Diese Formulierung ist Ausdruck der gestärkten ukrainischen Armee und ihrer jüngsten Erfolge.

FEDOROV BEIM VOLK BELIEBT
In der ersten Runde einer hypothetischen Präsidentschaftswahl – die Frage lautet: «Wen würden sie an diesem Sonntag wählen? – würden diese Woche 22,3 % der Ukrainer ihre Stimme dem amtierenden Präsidenten Volodymyr Zelenskyj geben. Gemäss der aktuellen Umfrage bekäme der ehemalige Oberbefehlshaber Valerij Zaluschnyj 14,9 % der Stimmen und für der entlassende Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov würden 13,4% stimmen.
Auf Platz 4 mit nur noch 7,2% liegt der Chef der Präsidialamtes Kyrylo Budanov, der bisher jeweils knapp hinter Zaluschnyj lag.
Neben der «Sonntagsfrage» für die Wahl wurde auch die Frage nach dem «Vertrauen» gestellt. Hierbei liegt Zelenskyj nur noch auf dem vierten Platz:
Platz 1: Valery Zaluzhnyi — 70%
Platz 2: Mykhailo Fedorov — 65% (+30% in einer Woche)
Platz 3: Kyrylo Budanov — 62%
Platz 4: Volodymyr Zelenskyj — 59%
Die Umfrage wurde mittels Telefoninterviews bei 1’000 repräsentativ ausgewählten Ukrainerinnen und Ukrainern am 20. und 21. Juli vom Unternehmen «Rating Group» durchgeführt. Befragt wurden Einwohner aus allen Regionen, mit Ausnahme der von Russland derzeit besetzten Gebiete. https://www.ratinggroup.ua/en

EU KAPERT ÖL-TANKER
Die Europäische Union macht ein bisschen Ernst mit den seit Langem angekündigten Massnahmen gegen die Schmuggelschiffe von Putins «Schattenflotte». EU-Aussenministerin («Aussenbeauftragte») Kaja Kallas gab die Beschlagnahmung des Tankers «MV South Star» bekannt. Ausserdem kündigte sie eine Verschärfung des Drucks auf die russische Schattenflotte an.
Gemäss der «International Maritime Organization» fuhr die «MV South Star» (IMO 9263186) unter der Flagge Kameruns in Richtung Tunesien. Wo das Schiff aufgerieben und blockiert wurde, ist derzeit nicht bekannt.
Russische Militärblogger sind entsetzt. So schreibt «Lord of War», dass die EU Piraterie gegen die Rohstofftanker Russlands betreibe: «Hier ist alles klar: Sie gehen so weit, wie wir es ihnen erlauben. Und im Moment erlauben wir ihnen alles.» https://t.me/llordofwar/652489

MAERSK STOPPT TRANSPORTE
Nachdem Russland in letzter Zeit zivile Frachter vor der ukrainischen Hafenstadt Odesa angegriffen hat, stoppt die dänische Reederei Maersk das Anlaufen eines Schwarzmeerhafens.
Der Schifffahrtskonzern Maersk teilte mit, dass er seinen Dienst über den ukrainischen Fischereihafen Tschornomorsk eingestellt habe. Die Mitteilung erfolgte, nachdem Russland seine Angriffe auf Kyivs maritime Exportrouten intensiviert hatte.
Maersk ist in diesem Monat das zweite grosse Unternehmen, das seine Aktivitäten von Tschornomorsk aus stoppt. Zuvor hatte der führende ukrainische Getreideexporteur Kernel Holding den Betrieb am wichtigsten Hafen der Stadt in der vergangenen Woche wegen einer Serie russischer Angriffe ausgesetzt. https://www.reuters.com/world/maersk-suspends-service-via-chornomorsk-fishing-port-amid-russian-attacks-2026-07-22/; https://t.me/milinfolive/176553

MANAGER ERHÄNGTE SICH – AUF DEM BALKON
Der 57-jährige Alexey Korshenko wurde tot auf dem Balkon seiner Wohnung gefunden. Laut russischen Behörden hat er sich erhängt.
Korshenko war stellvertretender Generaldirektor der Avia Group, dem Unternehmen, das die Geschäftsterminals für die Luftfahrt an den Flughäfen Scheremetjewo und Pulkowo verwaltet. Die Avia Group betreibt zudem eine Helipad-Anlage auf der Insel Valaam, die häufig von Putin genutzt wird.
Korshenko hatte 2011 an der Eröffnung des Geschäftsflugterminals im Flughafen Scheremetjewo mitgewirkt und leitete den Betrieb der Anlage, in der der Geschäftsjet Embraer Legacy 600 des Wagner-Gruppen-Gründers Jewgeni Prigoschin vor dessen letztem Flug am 23. August 2023 abgefertigt wurde.
Ehemalige Kollegen wiesen darauf hin, dass Korshenko etwa drei Wochen vor seinem Tod abrupt aus seinem Amt entlassen worden war.
In den letzten vier Jahren sind mehr als zwei Dutzend Top-Manager grosser russischer Unternehmen – darunter Gazprom, Novatek und Lukoil – unter verdächtigen oder ungeklärten Umständen gestorben.
https://united24media.com/world/key-airport-executive-who-oversaw-prigozhins-final-flight-found-dead-20951; LISTE der seltsamen Todesfälle: https://en.wikipedia.org/wiki/Suspicious_Russia-related_deaths_since_2022



