/#UKRAINE AKTUELL Nr. 1611 (22.7.2026 /9Uhr)

  • Neue ukrainische Militärführung
  • Legendärer neuer Armeechef
  • AZOV-Chef leitet Bodentruppen
  • Zelenskyj will Fedorov behalten
  • Fedorov beharrt auf Ministerium
  • Drohnen-Armeechef für Fedorov
  • Kommentar: Krise geht weiter
  • Zwei Wildberries Lager brennen

UKRAINISCHE ARMEE UMGEBAUT

Am Dienstagabend gab der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj folgende Wechsel in der Führung der ukrainischen Armee bekannt:

  • General Olexandr Syrskyj wurde zum Rücktritt als Armeechef gezwungen.  
  • General Mykhailo Drapatyi ist neuer Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee.
  • AZOV-Chef und Brigadegeneral Denys Prokopenko ist neuer Chef der Landstreitkräfte.

Zelenskyj sagt zudem, er habe dem bisherigen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorow eine «bedeutende» Rolle bei der Leitung des ukrainischen Technologiesektors angeboten.

Fedorov hat sich bisher nicht öffentlich zu Zelenskyjs Angebot geäussert. Auf «X» gratulierte er Drapatyi zur Ernennung (Anmerkung: Fedorov hatte Drapatyi vorgeschlagen). Ausserdem dankte er Syrskyj: «Ich habe General Oleksandr Syrskyj angerufen, um ihm für die Verteidigung der Region Kiew, die Gegenoffensive in Charkiw und andere historische Schlachten zu danken.» Sein «X»-Post endet so: «Doch nun müssen wir noch schneller vorankommen, die nächsten Kapitel dieser Geschichte schreiben und die Fehler der Vergangenheit korrigieren.»

Olexandr Syrskyj schreibt: «Heute verlasse ich mein Amt als Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine. Ich übergebe meinem Nachfolger eine Armee, die nicht nur die Verteidigung hält, sondern sich auch im Zustand der Offensive befindet.»

https://x.com/ZelenskyyUa/status/2079664474722615574 https://x.com/FedorovMykhailo/status/2079664838473613443; https://t.me/u_now/206175;  https://kyivindependent.com/inside-the-zelensky-fedorov-stalemate-neither-side-is-ready-to-yield/;

LEGENDÄRER ARMEE-CHEF

Mychajlo Drapatij wurden einer breiten Öffentlichkeit durch einen Husarenstreichs am 9. Mai 2014 in Mariupol bekannt. Damals durchbrach ein Schützenpanzer BMP-2, in dem der damalige Major Drapatij sass, eine Barrikade der von Putin gesteuerten «Separatisten» und konnte das Innere der Stadt wieder unter ukrainische Kontrolle bringen.

Drapatyi wurde am 21. November 1982 in der ukrainischen Stadt Kamjanez-Podilskyj geboren, ist verheiratet und mehrfacher Vater.

Der Militäranalyst «GeoInsider» schreibt über den 42-jährigen Generalmajor Mykhailo Drapatyi, dass er «im Gegensatz zu vielen anderen hochrangigen Offizieren seinen Ruf fast ausschliesslich auf dem Schlachtfeld erarbeitet hat» und «einer neuen Generation von Militärführern» sei.

Nach einer Auflistung seiner militärischen Laufbahn hebt Geoinsider hervor:

  • «Was Drapatyi auszeichnet, ist seine Herangehensweise an die Kriegsführung. Er gilt innerhalb des ukrainischen Militärs als einer der stärksten Befürworter moderner, technologiegetriebener Kampfmethoden. Er hat sich für den flächendeckenden Einsatz von Drohnen, elektronischer Kriegsführung, der Integration von nachrichtendienstlichen Informationen und dezentraler Führung eingesetzt.»
  • «Als Befehlshaber der Landstreitkräfte leitete Drapatyi Reformen ein, die darauf abzielten, die Kampfausbildung zu verbessern, die Rekrutierung zu modernisieren, Korruption einzudämmen, die Führungsebene der Unteroffiziere zu stärken und sicherzustellen, dass Soldaten eine Ausbildung erhielten, die den Realitäten des modernen Schlachtfelds entsprach und nicht einer veralteten Doktrin.»
  • «Ein weiteres prägendes Merkmal ist sein Schwerpunkt auf Rechenschaftspflicht. Nach einem tödlichen russischen Angriff auf ein ukrainisches Ausbildungszentrum im Jahr 2025 trat Drapatyi als Befehlshaber der Landstreitkräfte zurück und erklärte, dass Kommandeure – und nicht Soldaten – die Verantwortung für Versäumnisse tragen müssten. Er kritisierte offen eine Militärkultur, die sich der Rechenschaftspflicht entzog, und argumentierte, dass die Führung die Verantwortung übernehmen sollte, anstatt die Schuld nach unten abzuwälzen.»

Innerhalb der Ukraine wird Drapatyi weithin als Teil angesehen, die eher durch den Krieg gegen Russland als durch die sowjetische Militärtradition geprägt sind. Seine Anhänger sehen in ihm einen pragmatischen Befehlshaber, der Front-Erfahrung mit der Bereitschaft verbindet, Innovation, Technologie und institutionelle Reformen zu fördern.

Video vom 9.Mai 2014: https://x.com/frontlinekit/status/2079695368623726669/video/1 ;  https://x.com/insidergeo/status/2079656137398395173 ; https://t.me/u_now/206189

DANK AN BÜRGER UND SYRSKYJ

Die Plattform «Exile NovaPlus» schreibt: «Wir möchten uns bei allen Menschen bedanken, die ihre bürgerliche Haltung gezeigt haben. Die sich nicht vor den russischen Raketenangriffen fürchteten und auf die Plätze gingen, um ihre Meinung zu äussern. Solange wir zusammen sind, wird die Ukraine leben.» https://t.me/exilenova_plus/26156

Kateryna Lisunova, ehemalige ukrainische BBC-Reporterin, schreibt: «Heute stelle ich fest, dass viele Menschen im Westen überrascht, beeindruckt und vielleicht sogar ein wenig neidisch darauf sind, wie direkt die Ukrainer an den Entscheidungsprozessen und der Regierungsführung ihres Landes beteiligt sind. (…) Seinem Volk zuzuhören und bei Bedarf seine Meinung zu ändern, ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.» https://x.com/katerynalis/status/2079741755373531373

Denys Shtilierman, der Chefentwickler des Raketenbauers «FirePoint», schreibt: «Das Schlimmste, was passieren könnte, ist Undankbarkeit. Denn die Ukraine hat Syrskyi zweifellos viel zu verdanken. Vielen Dank für Ihren Einsatz, Herr General.» https://x.com/denshtilierman/status/2079664117363745093

Volodymyr Zelenskyj sagte: «Ich bin Oleksandr Syrskyi und jedem einzelnen unserer Soldaten dankbar für die starken Positionen der Ukraine an der Front.» https://x.com/ZelenskyyUa/status/2079664474722615574

WARUM FEDOROV ZURÜCK WILL

Mit der Ernennung von Drapatyi zum Obersten Befehlshaber und ihm als Verteidigungsminister könne ein starkes Team an die Arbeit gehen. Das soll Fedorov im Gespräch mit Zelenskyj geäussert haben, schreibt die Publikation «Ukrainska Pravda», welche vor einer Woche als erste die Abberufung von Fedorov gemeldet hatte.

«Zusammen mit Drapatyi könne er sofort an die Umgestaltung der ukrainischen Armee gehen. Sollte hingegen eine neue Person ins Verteidigungsministerium berufen, werde es Monate dauern, bis ein Team gebildet sei und sich in alle Prozesse eingearbeitet habe. «Gleichzeitig sei nach der Entlassung von Oleksandr Syrskyi die formale Grundlage weggefallen, auf die sich der Präsident gestützt hatte, als er die Abberufung von Fedorov als Verteidigungsminister begründete.» https://www.pravda.com.ua/eng/news/2026/07/21/8045244

Eine ganz andere Zukunft sieht die britische «The Times»: Der zunehmend populäre Fedorov werde von seinem Umfeld ermutigt, eine Anti-Korruptionspartei zu gründen und zukünftig gegen Zelenskyj als Präsidentschaftskandidat anzutreten. https://twitter.com/maks_nafo_fella/status/2079583841526640962

KYIV: KRISE NICHT BEENDET

(KOMMENTAR): Der Umbau des ukrainischen Militärs ist eine Antwort auf die zunehmende Kritik an der Führung von General Syrskyj. Ihm werden mehrere militärischen Erfolge gutgeschrieben. Aber gleichzeitig blühte unter ihm eine Brutalisierung der ukrainischen Armee und eine blühende Korruption. Beide Übel führten zu Demonstrationen im ganzen Land. Vor allem gegen diesen zweiten Missstand war Mykhailo Fedorov aktiv, weshalb die Demonstranten seine Rückkehr forderten.

Präsident Zelenskyj hat auf diesen Teil des Protests nicht reagiert. Er traf Fedorov am Wochenende zu mehrstündigen Gesprächen und bot ihm mehrere Alternativstellen zum Verteidigungsministerium an, aber Zelenskyj lehnte die Rückkehr Fedorovs als Verteidigungsminister ab. Fedorov soll Zelenskyjs Angebote abgelehnt haben und lehnt sie nach Angaben aus seinem Umfeld weiterhin ab.

Gleichzeitig ist der von Zelenskyj und der Regierung kurzfristig vorgeschlagene Verteidigungsminister Yevhen Khmara nicht handlungsfähig. Das Parlament, überrascht von Fedorovs Absetzung und dem Regierungswechsel, hat die Ernennung nicht genehmigt und sich in die Sommerpause bis am 18. August verabschiedet. Auch die Ernennung des neuen Auslandschefs fiel beim Parlament durch. Damit verfügt die Ukraine derzeit weder über einen Verteidigungsminister noch über einen Aussenminister. Das führt zu einer schwierigen Situation mit den ausländischen Partnern aus Regierungen und Waffenindustrie.

Nach meiner Meinung hat Zelenskyj die Krise selbst verschuldet. Positiv ist als Folge der Umbau der Armeespitze. Negativ ist die Instabilität der Ukraine nach aussen und teilweise nach innen – zumindest für die nächsten 28 Tage.

MAGYAR UNTERSTÜTZT FEDOROV

Robert «Magyar» Brovdi, Chef der ukrainischen Drohnenarmee äusserte sich bisher nicht zur Politik, sondern nur zu den Erfolgen gegen die russische Armee. Gestern durchbrach er dieses Schweigen und machte zwei wichtige Aussagen:

  • «Magyar» erklärte, dass jede Destabilisierung im Landesinneren in einer so kritischen Phase des Krieges ausschliesslich dem Feind in die Hände spiele. Seiner Ansicht nach schwächt die «Strassendemokratie» während eines umfassenden Krieges die Front und lenkt die Gesellschaft von dem ab, was am wichtigsten ist. Er forderte die Organisatoren und Teilnehmer der Proteste nachdrücklich auf, ihre Energie stattdessen darauf zu richten, die ukrainischen Streitkräfte praktisch zu unterstützen.
  • Gleichzeitig unterstützte «Magyar» Mykhailo Fedorov als Verteidigungsminister. Er betonte, dass Fedorov einer der wenigen wirklich effektiven Manager sei, denen es gelungen sei, das ukrainische Militär in eine auf technologische Kriegsführung ausgerichtete Streitmacht umzugestalten. «Dies ist ein Mann, dessen Arbeit darüber entscheidet, ob unsere Leute an der Front jeden einzelnen Tag überleben», betonte Magyar.

3. & 4. WILDBERRIES ANGRIFF

In dieser Nacht haben ukrainische Drohnen zwei weitere Verteilzentren des grössten Internethändlers Russlands in Brand gesteckt. Es handelt sich um das

  • Logistikzentrum von Wildberries in Newinnomyssk, Region Stawropol, mit einer Fläche von 94’000 Quadratmetern (Standort: 44.66712568108862, 41.893256478943144)
  • Logistikzentrum von Wildberries in Krasnodar mit einer Fläche von 150’000 Quadratmetern (das grösste im südlichen Russland).

Die ukrainische Drohnenarmee bezeichnet dies als Vergeltung für die Angriffe russischer Drohnen auf Einkaufszentren und Postverteilzentren in der Ukraine. Ausserdem verkaufe Wildberries auch militärische Artikel, die gegen die ukrainische Armee eingesetzt werden.

https://x.com/Osinttechnical/status/2079762186579100099/video/2; https://t.me/exilenova_plus  

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