- Ukrainische Krise nicht beendet
- Zelenskyj trifft diverse Armeechefs
- Fedorov lehnt Alternativposten ab
- Syrskyj entschuldigt sich
- Budanov ruft zur Geduld auf
- Demonstrationen auch am 5. Tag
- Korruptionsvorwürfe gegen General
- Angeblich 64 russische Gefangene
- Schwarzes Meer ohne Schiffe
- Russische Gedanken an Tankstellen
SPANNUNGEN DAUERN AN
Die extremen Spannungen zwischen dem ukrainischen Verteidigungsminister, dem Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, dem Präsidenten der Ukraine und den demonstrierenden Ukrainern sind noch nicht geklärt.
Die Demonstrationen «Fedorov muss bleiben – Syrskyj muss weg» halten auch am 5. Tag an. Zelenskyj habe noch bis Freitag Zeit, eine Entscheidung zu fällen, hiess an den Demonstrationen. https://kyivindependent.com/zelensky-weighing-syrskyi-dismissal-as-protesters-plan-final-rally-before-3-day-pause
Der ehemalige Aussenminister der Ukraine Dmitri Kuleba sagte in einem Interview: «Wenn der Oberbefehlshaber der Ukraine dazu beiträgt, den zivilen Verteidigungsminister abzusetzen, mischt er sich in die Politik ein. Die Bürger könnten dann seinen Rücktritt fordern, um die unpolitische Rolle der Armee zu wahren. Die Ukrainer können zwar die Entlassung eines Befehlshabers fordern, aber sie können seinen Nachfolger nicht bestimmen. Der Oberbefehlshaber muss aufgrund seiner militärischen Kompetenz ausgewählt werden – nicht aufgrund seiner Beliebtheit, seines Charismas oder der Unterstützung in den sozialen Medien». https://x.com/mylovanov/status/2079192140274639256
Gemäss dem gewöhnlich gut informierten Journalisten Christopher Miller von der Financial Times (FT) hat Mykhailo Fedorov alternative Posten abgelehnt. Er wolle lediglich als Verteidigungsminister zurückkehren, schreibt die Financial Times:
«Der Präsident traf sich am Wochenende rund sechs Stunden lang mit Fedorov und steht seit dessen Entlassung am Donnerstag fast täglich mit ihm in Kontakt, wie aus Kreisen hervorgeht, die über die Angelegenheit informiert sind. Zelenskyj bot Fedorov mehrere alternative Positionen anstelle seines früheren Amtes als Verteidigungsminister an, doch dieser lehnte sie ab, so diese Kreise.» https://www.ft.com/content/51dad580-487a-43d4-8427-cdd764cbe8f5
Am Montag traf Zelenskyj mehrere Kommandeure zu Einzelgesprächen, teilweise mehrfach. Dazu gehörten der stellvertretende Generalstabschef Wolodymyr Horbatjuk sowie die Kommandanten Mykhailo Drapaty (Bodentruppen); Andriy Biletsky (3. Armeekorps – AZOV); Ihor Obolensky (Nationalgardekorps „Charter“), Oleh Apostol (Luftlandetruppen). Einige von ihnen werden auch als Nachfolger von Olexandr Syrskyj gehandelt, schreibt die Plattform «Liga». https://news.liga.net/ua/politics/news/zelenskyy-hotuie-vidstavku-syrskoho-dzherela-nazvaly-kandydativ-na-posadu-holovkoma-zsu; https://x.com/zelenskyyua/status/2079186095053430948
Am Montagabend leitete Präsident Zelenskyj eine Sondersitzung des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats mit der Teilnahme von Korpskommandanten, Waffenherstellern, dem Verteidigungsministerium, dem Finanzministerium und den Geheimdiensten. Welche Personen teilnahmen, wurde nicht mitgeteilt. Bekannt ist lediglich, dass Rustem Umerov (vormaliger Verteidigungsminister) und Kyrylo Budanov (Leiter der Präsidialabteilung) dabei waren. Inwieweit Syrskyj und Fedorov einbezogen wurden, steht aktuell nicht fest.
Die Hauptthemen waren die Versorgung der Streitkräfte, Beschaffungen, zusätzliche Finanzierung, die Lieferung von Drohnen, Robotersystemen, Langstreckenartilleriegeschossen und anderer Ausrüstung. Es wurde auch vereinbart, regelmässige Treffen zwischen Militär, Herstellern und der Regierung durchzuführen, um Probleme bei der Lieferung und Qualität der Waffen schnell zu lösen. https://t.me/u_now/206045
Ebenfalls am Montagabend veröffentlichte die neu zusammengestellte Regierung einen Erlass, in
dem Jevgen Chmara zum amtierenden Minister für Verteidigung und Andrij Sybyha zum amtierenden Minister für auswärtige Angelegenheiten ernannt wurden. Dieser Vorschlag muss aber noch vom Parlament beraten werden, das sich bis am 18. August in den Sommerferien befindet. https://t.me/u_now/205752
Der oft gut informierte ukrainische Journalist Serhii Sternenko schreibt, das vermutlich am heutigen Dienstag Zelenskyj die wichtige Entscheidung bekanntgeben werde: «Diese Entscheidung ist längst überfällig, und die Bevölkerung der Ukraine fordert sie zu Recht. Wie auch immer diese Entscheidung ausfallen mag – es darf nicht nur um die Änderung eines Nachnamens gehen. Sondern um einen Wandel in der Herangehensweise, um den Einsatz von Technologien und den Umgang mit Daten im Krieg. Wir verfügen nicht über unbegrenzte personelle Ressourcen. Die Ukraine wartet.» https://x.com/sternenko/status/2079166353580191953

AUFRUF ZUR GEDULD
Kyrylo Budanov, vormals Chef des militärischen Geheimdienstes und jetzt Chef der Präsidialabteilung, ruft zur Gelassenheit auf:
«Die Situation im Zusammenhang mit den jüngsten internen Veränderungen hat starke Emotionen ausgelöst. Ich habe Verständnis für diejenigen, die ihren Standpunkt zum Ausdruck bringen. Gelassenheit ist die Stärke, die unseren Staat all die Jahre zusammengehalten hat. Die Haltung der Öffentlichkeit wurde zur Kenntnis genommen.
Die Situation wird professionell, konstruktiv und zum Wohle unseres Staates gelöst. Daher bitte ich alle, Ruhe zu bewahren. Diskussionen sind in einem freien Land ganz normal. Es ist wichtig, dass sie friedlich fortgesetzt werden, ohne Provokationen, die der nationalen Sicherheit schaden könnten.
Ich fordere alle auf, keinen Hass zu schüren. Der Feind beobachtet jede unserer internen Auseinandersetzungen genau und wartet darauf, dass wir anfangen, uns untereinander zu bekämpfen. Ich sage es den Feinden ganz offen: Ihr werdet euren Wunsch nicht erfüllt bekommen. Lasst uns an unseren gemeinsamen Sieg denken. Die Ukraine wird definitiv gestärkt aus dieser Situation hervorgehen.
Die Arbeit ist im Gange. Ergebnisse werden folgen.» https://x.com/kyrylo_budanov/status/2079192299997970555

GENERATIONEN-KAMPF
Der leitende Journalist Francis Farrell vom Kyiv Independent hat analysiert, welche Kräfte sich in der Ukraine aktuell gegenüberstehen.
«Seit dem Einmarsch russischer Panzer im Jahr 2022 stehen zwei konkurrierende Visionen für die Ukraine im Mittelpunkt des Kampfes des Landes um Überleben und Unabhängigkeit.
Die eine ist alt, hartnäckig und sowjetisch geprägt: widerstandsfähig, erfahren und mit vielen Siegen in der Vergangenheit, hinter denen sich jedoch oft Lügen, Korruption und Misswirtschaft verbergen.
Die andere ist jung, innovativ und wird nicht von militärischen Traditionen, sondern von der zivilen Wirtschafts- und IT-Kultur angetrieben.»
Er zitiert einen der Slogans der Demonstranten: «Fedorov = mehr russische Todesopfer, Syrskyi = mehr ukrainische Todesopfer» und beendet seinen Artikel mit: «Ein Grossteil der internen Konflikte innerhalb des ukrainischen Militärs ist auf die zwischen diesen Kräften herrschenden Spannungen zurückzuführen, und sie hätten keine treffenderen Vertreter finden können als Syrsky bzw. Fedorov.»
https://kyivindependent.com/analysis-why-ukrainians-feel-commander-in-chief-syrskyi-must-go-2
UMSTRITTENER SYRSKYJ
Martina Boguslavets, Anwältin und Leiterin des öffentlichen Anti-Korruptionszentrums MEZHA, schreibt, dass einer der engsten Vertrauten des Oberbefehlshabers, General Vladmir Karpenko, hunderte von Millionen Hrywnja für die angebliche Beschaffung von Brennholz abgezweigt und auf privaten Konti versteckt habe. Dies würden mehr als 100 neu entdeckte Verträge belegen. Boguslavets schreibt, all dies geschehe unter «den Augen von Syrskyj» und würde von ihm nicht bekämpft. https://twitter.com/boguslavet91660/status/2079177588614840639
Eine andere Kritik richtet sich gegen eine verpatzte Propagandaaktion zugunsten von Syrskyj von letzter Woche. Elitesoldaten seien gezwungen worden, Fotos in der umkämpften Stadt Kostiantynivka zu erstellen, auf denen die Soldaten zusammen mit ukrainischen Fahnen und Porträtbildern von Syrskyj gezeigt wurden. So habe man versucht, den Eindruck einer Unterstützung von Syrskyj zu erwecken. Die an der Aktion beteiligten Soldaten seien jedoch kurz nach der Aktion von der russischen Armee gefangen genommen worden.
Syrskyj selbst sagte in einer Stellungnahme: «Es überraschte mich, zu erfahren, dass es zwischen dem Minister und mir einen Konflikt gab. Ich hatte unsere Beziehung als Arbeitsbeziehung wahrgenommen: trotz komplexer Sachverhalte und unterschiedlicher Standpunkte. So sollte es zwischen zwei Institutionen während eines großen Krieges sein.
Falls ich jemanden beleidigt habe: Mykhailo Albertovich, es tut mir leid. Ich kann manchmal harsch sein. Aber ich bitte Sie und alle, die diese Geschichte mit Begeisterung verfolgen: Konzentrieren wir uns nicht auf das Persönliche, sondern auf das Globale. Auf den Sieg.» https://militarnyi.com/uk/articles/moya-robota-vijna/

SYRSKYJ EINHEIT MELDET ERFOLG
Das 225. Separate Sturmregiment gilt als eine der Einheiten, die eng mit dem Oberbefehlshaber der Ukraine Oleksandr Syrskyi verbunden sind. Diese Einheit meldete gestern, dass es ihr gelungen sei, 64 russische Soldaten in der Region Saporischschja gefangen zu nehmen.
Nach Angaben des Regiments hatten russische Truppen den Auftrag, hinter die ukrainischen Stellungen vorzudringen, ohne dabei in Kampfhandlungen zu geraten. Ihre angebliche Mission bestand darin, ukrainische Drohnenbesatzungen aufzuspüren, Informationen zu sammeln und in den Dörfern russische Flaggen zu hissen, um «Propagandamaterial» zu erstellen, das fälschlicherweise den Eindruck erwecken sollte, die Ortschaften seien von russischen Streitkräften eingenommen worden.
Die eingedrungenen russischen Soldaten seien in den Gebieten Ternuvate, Kosivtseve, Rizdvianka, Verkhnia Tersa und Vozdvyzhivka im Oblast Saporischschja aufgespürt worden. Nicht gemeldet wurde, wann es zu diesen Gefangennahmen gekommen sei. Video: https://www.facebook.com/watch/?v=3151958288328252; https://x.com/nstrike1231/status/2079179668003975318

SCHWARZES-MEER-EXODUS
Nach den massiven Drohnenangriffen gegen pro-russische Schiffe im Schwarzen Meer, befinden sich dort kaum noch Tanker, Frachter und Schlepper.

Die Analysten von «Oko Goro» schreiben unter Berufung auf maritime Daten und Satellitenaufnahmen: «Der Rückgang der Zahl der im Schwarzen Meer vorhandenen Schiffe hängt damit zusammen, dass die meisten Tanker ihre üblichen Ankerplätze in unbekannte Richtung verlassen haben. An einem der wichtigsten Ankerplätze befanden sich Anfang Juli noch 82 Schiffe. Gestern waren nur noch 6 dort.» https://twitter.com/oko_gora_tg/status/2078892493567893800/video/1

WAS RUSSEN DENKEN (Teil5)
Die ukrainischen Angriffe gegen russische Ziele und der Mangel an Treibstoff geben russischen Bürgern zu denken. Aus einer Vielzahl von Videos zitiere ich einzelne Aussagen:
Mann Nr.4 sitzt in einem Auto in der südrussischen Region Sotschi, dem Luxusferienort der Kreml-Elite: «Da habt ihr es: Das ist der Plan ölproduzierenden Superatommacht. Es ist bereits nach zehn, und hier stehen wir nun in der Schlange an der Tankstelle. Ist das nicht wunderbar? Die Stadt Sotschi, wo die Nächte dunkel sind. Es gibt kaum Touristen, weil sie es nicht bis hierher geschafft haben. Und all das andere. Ich weiss, dass die Lage in anderen Regionen auch nicht besser ist und wenn ich darüber nachdenke, was gerade passiert, wird es auch nicht besser. Mir fehlen die Worte. Es ist Scheisse. Das ist total im Arsch.» https://x.com/NatalkaKyiv/status/2075621998554665202/video/1
Mann Nr.5 steht vor einer Tankstelle. Sich selber filmend, sagt er, dass es in Russland nicht genug Benzin gibt, um Autos zu betanken. Aber dies sei nur eine kleine Unannehmlichkeit. Das wahre Chaos wird dann beginnen, wenn kein Kraftstoff mehr für die Generatoren da ist. https://x.com/j__o__k__/status/2075506956438224963
Weitere «Russische Gedanken» finden sich unter www.ukraineaktuell.com



