- Zelensky will Krise beenden
- Neue Rolle für Fedorov
- Zukunft von Syrskyj unsicher
- «Wir sind keine Idioten!»
- Forderungen der Front-Generäle
- Lage auf der Krim katastrophal
- Angriffe in der zweiten Front
- Russischer Onlinehändler brennt
- Grösster Raketenangriff auf Kyiv
ANZEICHEN FÜR EIN ENDE DER KRISE
Die Krise in der ukrainischen Staatsführung ist nicht beigelegt, aber es gibt Anzeichen dafür, dass Zelenskyj einen Ausweg auf der von ihm selbstverschuldeten Situation findet. Im Wesentlichen gibt es zwei Lösungsachsen:
- Erstens scheint Zelenskyj die Probleme in der ukrainischen Armee ernst zu nehmen, die unter der Führung des bisherigen Oberbefehlshabers Olexandr Syrskyj allseits sichtbar sind.
- Zweitens wird an neuen Strukturen gearbeitet, die dem bisherigen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov einen grösseren Einfluss geben.
In der gesamten Ukraine fanden am Samstag erneut Demonstrationen zur Unterstützung von Mykhailo Fedorov und zur Forderung nach dem Rücktritt des Oberbefehlshabers Oleksandr Syrskyi statt.
In seiner Abendansprache sagte Volodymyr Zelenskyj: «Natürlich höre ich, was die Leute sagen. Ich habe mich heute lange mit Mykhailo Fedorov unterhalten. Ausserdem habe ich heute mit Oleksandr Syrskyj gesprochen. An den Entscheidungen bezüglich der Armee wird noch gearbeitet.» https://t.me/V_Zelenskiy_official/20035
Mykhailo Fedorov schrieb auf «X»: «Veränderungen sind unvermeidlich. Noch nie habe ich eine so grosse Verantwortung gespürt – nicht einmal während meiner Zeit im Regierungsdienst. Vielen Dank an unsere Veteranen und Soldaten, die die Stellung halten und unsere Ehre wahren. Der Dialog ist in Gang gekommen. Ich glaube daran, dass wir Erfolg haben werden.» https://x.com/FedorovMykhailo/status/2078539676441309661
Der vormalige Aussenminister der Ukraine, Dmytro Kuleba, sagte, dass sich Zelenskyj offenbar bei seiner Entscheidung auf die Seite von Syrskyj gestellt habe. «Wenn der Präsident eine andere Person in Ihrem Zuständigkeitsbereich unterstützt hat, macht es keinen Sinn, Minister zu bleiben. Deshalb würde eine Rückkehr von Fedorov als Verteidigungsminister weder Zelenskyj noch Fedorov noch der Ukraine helfen: Der Minister, der Präsident und der Oberbefehlshaber würden jeweils in getrennten Blasen agieren.» https://x.com/Mylovanov/status/2078551647664447502/video/1
Die ehemalige ukrainische BBC-Journalistin Kateryna Lisunova schrieb mit Bezug auf Zelenskyjs Aussage: «Sollte Zelenskyj auf das Volk hören, seinen Kurs ändern und den Forderungen seines Volkes nachkommen, würde er als Volodymyr der Weise in die Geschichte eingehen. Hoffen wir es.» https://x.com/katerynalis/status/2078548027820667391

NEUE ROLLE FÜR FEDOROV
Für den bisherigen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov wurde angeblich eine neue Stelle geschaffen, in der er direkt und ohne Einfluss des Generalstabs die asymmetrische Kriegsführung, den Einsatz modernster Waffensysteme und die Beschaffung von Waffen aus dem Ausland direkt in die Wege leiten kann.
Verschiedene ukrainische Telegramkanäle berichten, dass Fedorov in den «Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine» berufen wird. Er werde dort als Delegierter des Präsidenten die militärische Technik und die strategische Planung verantworten und könne ohne Einfluss der Militärhierarchie handeln. Konkret habe Fedorov folgende Aufgaben:
- Mit der Plattform «Brave1» werde die Produktion von unbemannten Langstreckensystemen und das Raketenprogramm unter seine unmittelbare Kontrolle fallen.
- Prüfung der militärischen Beschaffungen: Schaffung eines transparenten Systems zur digitalen Kontrolle der Logistik der Verteidigungskräfte und Beseitigung von Korruptionsrisiken.
- Direkte Zusammenarbeit mit westlichen Gebern: Fedorov behält seinen Status als Hauptverhandlungsführer für die Gewinnung ausländischer Investitionen im Hochtechnologiesektor des ukrainischen Rüstungskomplexes.
https://x.com/obyvatel_4/status/2078286964969611440; https://x.com/noelreports/status/2078556127634026657;

SYRSKYJS ZUKUNFT UNSICHER
Ukrainische Abgeordnete haben einen Antrag an den ukrainischen Präsidenten gestellt, die Entlassung des Oberbefehlshabers Oleksandr Syrskyj zu prüfen und einen Nachfolger auf der Grundlage fachlicher Kompetenz und messbarer technologischer Ergebnisse zu ernennen. Ausserdem fordern sie regelmässige militärische Briefings hinter verschlossenen Türen für das Parlament.
Gemäss der «Financial Times» (FT) erwägt Zelenskyj, Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyi abzulösen.
Er könnte dies tun, spekuliert die Zeitung, wenn er einen Nachfolger findet, der einen reibungslosen Übergang gewährleisten und eine stabile Verteidigung entlang der 1’200 km langen Front aufrechterhalten kann.
Laut einem hochrangigen Regierungsbeamten versammelt Selenskyj an diesem Wochenende Militärkommandeure, um sich deren Einschätzungen zur Lage an der Front anzuhören und Kandidaten für die Übernahme des Kommandos über die Armee zu befragen, berichtet die FT.
https://www.ft.com/content/1b34caa6-d909-4df8-a90f-b928f219926; https://x.com/NOELreports/status/2078468842947293573; ; https://x.com/visionergeo/status/2078437845149036647

DER KERN DES PROBLEMS
Maria Druska, eine ehemalige Mitarbeiterin im ukrainischen Verteidigungsamt und im Aussenministerium, beschreibt in einem Beitrag, was der Kern des Protestes ist, der sich in den letzten drei Tagen immer stärker in der Ukraine zeigt. Hier einige Zitate:
- «Die Menschen sind diese Woche nicht wegen eines einzigen Mannes auf die Strasse geströmt. Sie sind für ihre eigene Zukunft auf die Strasse gegangen. Dafür, wie Macht in diesem Land tatsächlich ausgeübt wird. Für eine vernünftige Personalpolitik. Gegen Korruption.»
- «Die Ukrainer haben jahrelang die Zähne zusammengebissen. Wir wollten keine Proteste, und die meisten von uns wollen sie immer noch nicht – denn wir wissen, dass jedes bisschen innerer Unruhe ein Geschenk an Moskau ist, sowohl auf dem Schlachtfeld als auch im Informationskrieg.»
- «Dieses Schweigen war eine Entscheidung, eine disziplinierte Entscheidung. Aber wir befinden uns im fünften Jahr eines umfassenden Krieges und im siebten Jahr dieser Präsidentschaft. Und es gibt einen Unterschied zwischen Zusammenhalt und der Erwartung, alles zu schlucken, was man uns vorsetzt.»
- «Als die Ministerpräsidentin und das gesamte Kabinett über Nacht entlassen wurden, verstand niemand, warum. Es spielt keine Rolle, was ich oder andere persönlich von diesen Leuten hielten. Es ergab keinen Sinn.»
- «Das ist es also, was die Menschen tatsächlich fordern: Sprecht mit uns. WIR SIND KEINE IDIOTEN. Erklärt die Entscheidung. Steht zu euren Fehlern, wo ihr sie gemacht habt. Zeigt die Strategie. Legt die Vision dar. Das ist es, was Führung in einer Demokratie erfordert, egal wie schwierig es ist.»
https://twitter.com/maria_drutska/status/2078598504273072225;

WAS DIE FRONT VERLANGT
Volodymyr Zelenskyj sprach am Samstag in einer Videokonferenz mit führenden Kommandanten verschiedener Frontabschnitte. Begleitet wurde er von Brigadegeneral Serhiiovych Palisa, der seit zwei Jahren stellvertretender Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine ist. In seinem Telegram-Kanal schreibt Zelenskyj:
- «Wir haben die notwendige Lieferung von Waffen und Ausrüstung für die Kampfhandlungen, die Umsetzung von Rotationen, den Schutz unserer Logistik und die Zerstörung der russischen Logistik besprochen.»
- «Es sind mehr Artilleriesysteme mit grosser Reichweite erforderlich – insbesondere Munition des Kalibers 155. Wir werden mit den Herstellern und allen, die die Lieferung sicherstellen, über zusätzliche Möglichkeiten sprechen.»
- «Drohnen: Dies ist eine offensichtliche Priorität für das Militär, und die Lieferung muss erhöht werden.»
Zum Abschluss dankte Zelenskyj namentlich den drei Kommandanten: Brigadegeneral Woloschyn, Brigadegeneral Maistrenko und Brigadegeneral Sydorow.
Zelenskyj erwähnte Generalstabschef Olexandr Syrskyj nicht und auch nicht seinen von Mykhailo Fedorov vorgeschlagenen potentiellen Nachfolger, den Befehlshaber der Vereinigten Streitkräfte, General Mykhailo Drapatyi. https://t.me/V_Zelenskiy_official/20024

KRIM-KATASTROPHE KOMMT
Der von Russland eingesetzte Gauleiter für die Halbinsel Krim, Sergey Aksyonov, gab gegenüber der Bevölkerung zu, dass es an vielem mangelt. In einem Video sagte Aksyonov, es gebe keine Garantie dafür, dass an den Tankstellen jeden Tag Benzin verfügbar sein werde. Die Stromversorgung sieht nicht besser aus. «Derzeit ist es unmöglich, einen Zeitplan zu erstellen, der die Stromverteilung gleichmässig über die Republik Krim verteilt.» https://x.com/nexta_tv/status/2078123649186300197/video/1
Das in der Krim fehlende Benzin führt zu Einschränkungen der Transporte. Einwohner berichten, dass viele Geschäfte leer sind, darunter auch solche mit Grundnahrungsmitteln oder Wasser. Die Antwort laute oft: «Keine Lieferung», beklagt sich ein Bewohner. https://www.facebook.com/reel/1358884019719518

Das internationale Wirtschaftsmagazin «Economist» beschreibt, wie Russland seinen Einfluss auf die Krim immer mehr verliert: Die Krim verwandle sich von einer Festung in eine Falle für die Russen – sie können sie weder aufgeben noch problemlos halten.
Laut der Zeitung erschweren ukrainische Angriffe auf die Krim nach und nach die Versorgung der russischen Streitkräfte. Derzeit verfüge die Krim noch über ausreichende Vorräte, doch deren Auffüllung wird immer schwieriger. Die Einwohner haben bereits begonnen, Langzeitvorräte anzulegen, und müssen an Tankstellen mit Warteschlangen rechnen.
«Die Ukraine hat ihre Drohnenoffensive verstärkt und zielt dabei auf strategische Infrastruktur wie Umspannwerke, Brücken, Öllager und Flugplätze ab. Ausserdem unterbrechen Drohnen die Strassen-, Schienen- und Wasserwege, die die Krim mit Russland verbinden. Eine vollständige Isolierung der Halbinsel würde der Ukraine bei künftigen Verhandlungen eine starke Verhandlungsposition verschaffen.» https://www.economist.com/graphic-detail/2026/07/16/russia-is-losing-its-grip-on-crimea

2. FRONT: ASYMMETRISCHE SCHLÄGE
- Gestern wurde in der Region Belgorod, nahe der ukrainischen Grenze ein Nitratlager gesprengt. Das Nitrat war von der russischen Armee in der Nähe des Dorfes Veterinnoye gelagert worden und explodierte, nachdem es von einer Drohne getroffen worden war. https://x.com/vijesti11111/status/2078507607036395744
- Seit heute Nacht brennt es in der Ölraffinerie in Michailowsk an mehreren Stellen. Die Anlage befindet sich in der Region Stawropol in Südrussland und war schon mehrfach das Ziel von ukrainischen Drohnenangriffen. Es handelt sich um eine der wichtigsten Ölraffinerien Russlands. https://t.me/exilenova_plus
- In der Nacht auf Samstag haben ukrainische Drohnen weitere 13 Schiffe im Schwarzen Meer attackiert. Damit beläuft sich der Schaden an Putins Schattenflotte und sogenannten Zuliefererschiffen innerhalb von acht Tagen auf 172 beschädigte oder zerstörte Einheiten. https://x.com/maria_avdv/status/2078473803290550532

3. FRONT: WILDBERRIES BRENNT
«Wildberries» ist der grösste Onlinehändler in Russland mit Hauptsitz in Moskau. Seit Samstagmorgen brennen drei Grosslager in Elektrostal, Kotedino bei Kolomna und Kotowsk.
Das Wildberries-Logistikzentrum in Elektrostal in der Region Moskau wurde auf einer Fläche von 215’000 Quadratmetern vollständig zerstört. 7 Mitarbeiter der Nachtschicht kamen nach russischen Angaben ums Leben. Grosse Teile Moskaus liegen unter einer schwarzen und dichten Rauchdecke.
Der Schaden beträgt nach Angaben der Firma über 100 Milliarden Rubel (1,1 Milliarden Euro) und legt schätzungsweise 15 Prozent des Umsatzes sofort lahm. In sozialen Netzen beschweren sich Zulieferer von Wildberries über die erlittenen Verluste und darüber, dass sie nicht entschädigt werden.
Der ukrainische Journalist Post Anton Gerashchenko verweist darauf, dass Wildberries nicht mehr nur ein Online-Marktplatz für Kleidung und Haushaltswaren war. Die Plattform verkauft Waffen, Schutzwesten, Drohnen, Drohnenkomponenten und Glasfaserkabel für Drohnen: «Deshalb sind solche Einrichtungen legitime militärische Ziele für die ukrainischen Streitkräfte.»
https://x.com/bayraktar_1love/status/2078433327980175367/video/1; https://t.me/exilenova_plus/25760; https://t.me/notes_veterans/28597; https://x.com/gerashchenko_en/status/2078482467250438280

RAKETENANGRIFF AUF KYIV
In dieser Nacht schoss die russische Armee etwa 35 bis 40 Raketen auf die Hauptstadt ab. Es handelte sich um die grösste Anzahl ballistischer Raketen seit Beginn des Krieges. Die Einschläge wurden innerhalb von 40 Minuten kurz nach Mitternacht registriert. Die Raketen flogen gleichzeitig aus drei Richtungen. Zum Einsatz kamen sowohl S-400- als auch Iskander-M- und Zirkon-Raketen.
Abwehrerfolge und Einschläge wurden aus folgenden Bezirken gemeldet:
➡️ Im Solomyanski-Bezirk wurde ein Mehrfamilienhaus getroffen, teilte Klitschko mit.
➡️ Im Schewtschenko-Bezirk kam es aufgrund des Falls von Trümmern zu einem Brand in einem Mehrfamilienhaus. Die Rettungsdienste sind unterwegs.
➡️ Im Dnipro-Bezirk brennen ein Einkaufszentrum und Autos. Die Rettungsdienste sind unterwegs.
➡️ Im Swjatoschyn-Bezirk brennt ein privates Wohnhaus.
https://t.me/u_now/205858; https://x.com/katerynalis/status/2078623050917179815



