- Armeereformer in Kyiv unter Druck
- Front1: Kostjantynivka wehrt sich
- Front2: Über 100 Schiffe kaputt
- Front2: Kommandoposten zerstört
- Front3: Tiefste Ölverarbeitung seit 2005
- Strandlandeoperation mit Robotern
- «Krimbrücke ist für uns nicht prioritär»
- Ukraine hat Null Patriots-Raketen
- Was Russinnen denken – Teil 3
GERÜCHTE UM FEDOROV
In ukrainischen Medien erschienen am Montag Berichte, dass Volodymyr Zelenskyj den jungen und erfolgreichen Verteidigungsminister Michailo Fedorov ablösen wolle. Geschehen würde dies im Rahmen des Umbaus der Regierung. Grund sei, dass die Armeespitze und die Zulieferer der ukrainischen Armee die radikalen Reformen von Fedorov nicht gut finden.
Roman Romaniuk schreibt in der Ukrainska Pravda: «Man will ihn entlassen, weil er, nachdem er in den Zug der Korruption eingestiegen war, statt einen Espresso zu bestellen und ruhig mit allen weiterzufahren, beschlossen hat, den „Notbremshebel“ zu ziehen. Den Passagieren in den Abteilen der Luxuskorruption hat das nicht gefallen. Und nun ringt der „Präsident von so wie Du mir – so ich Dir“ gedanklich mit dem „Präsidenten der Reformen“: Soll er bei dem aggressiven Minister bleiben, der ihn nach den schändlichen Korruptionsskandalen mit seinem gesellschaftlichen Ansehen gedeckt hat, oder soll er mit den „alten Freunden“ weitermachen, um das System stabil zu halten?» https://www.pravda.com.ua/articles/2026/07/13/8043869/
Der hoch geschätzte ukrainische Journalist Illia Ponomarenko schreibt: «Zu den grössten Schwächen von Zelenskyj als Präsident zählen seine endlose Günstlingswirtschaft und seine Nachlässigkeit in der Personalpolitik. (…) Gerüchten zufolge sind Fedorov und seine Reformen denen ein Dorn im Auge geworden, die sich allzu sehr daran gewöhnt haben, mit der Rüstungsproduktion sehr gutes Geld zu verdienen.» https://x.com/IAPonomarenko/status/2076690089468440954
Die ehemalige BBC und Voice-of-America-Journalistin Kateryna Lisunova warnt: «Sollte Fedorov abgelöst werden, könnte dies eine heftige Gegenreaktion in der ukrainischen Gesellschaft auslösen, da dies als äußerst unpopuläre Entscheidung angesehen würde. Fedorov ist genau die Art von Führungskraft, die die Militärreformen zum Abschluss bringen sollte und dafür mehr Befugnisse und Möglichkeiten erhalten sollte.» https://x.com/KaterynaLis/status/2076666177254736244
Giorgi Revishvili, Militäranalyst aus Georgien, listet die bisherigen Verdienste von Michailo Fedorov auf und merkt an: «Obwohl erhebliche Herausforderungen bestehen bleiben, ist die Situation erheblich besser als vor sechs Monaten, als Fedorov sein Amt antrat. Daher wäre seine Entlassung ein schwerwiegender Fehler und könnte sich als äusserst nachteilig für die Kriegsanstrengungen der Ukraine erweisen.» https://x.com/revishvilig/status/2076716768005877879

FRONT1: KOSTJANTYNIVKA
Am 3. Juli hatte Putin im Rahmen einer Militärbesprechung der russischen Öffentlichkeit mitgeteilt, dass die ostukrainische Stadt Kostjantynivka von seiner Armee eingenommen worden sei. Schon einen Tag später dementierten das die dort ansässigen ukrainischen Truppen. (Siehe «Ukraine Aktuell Nr. 1595). Die Stadt ist ein wichtiger Teil eines entscheidenden Verteidigungsgürtels, zusammen mit den Städten Kramatorsk und Slovjansk, wie die Karte des «Institute for the Study of War» (ISW) zeigt.
Am Wochenende erreichte uns ein Bericht eines ukrainischen Kommandanten, der in Kostjantynivka kämpft. Hier in gekürzter Form wiedergegeben:
«Unsere Truppen sind überall um mich herum, aber es sind auch Russen in der Stadt. Wir haben die Stadt grösstenteils unter Kontrolle. Die Russen bewegen sich hier und da, und wir versuchen, sie auszuschalten. Die Kerle verstecken sich in Kellern, wo sie schwer zu entdecken sind. Wenn wir sie finden, töten wir sie. Wenn nicht, kann das in einer Tragödie enden. So sieht die Lage aus. Sie versuchen, irgendwo mit ihrer Flagge aufzutauchen, ein Foto zu machen, und werden dann, falls sie entdeckt werden, ausgeschaltet.»
Der Kommandant räumt aber auch ein, dass es für die Verteidiger zunehmend schwierig wird: «Natürlich verstärken die Russen ihre Truppen in Teilen der Stadt, insbesondere am Stadtrand von Kostjantynivka. Die Lage an den Flanken ist schwierig, vor allem aus Richtung Torezk. Unsere Logistik ist völlig zusammengebrochen. Wir haben Verluste und Verwundete zu beklagen, aber es ist im Moment extrem schwierig, sie von hier zu evakuieren.»
https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1595-6-7-2026-8uhr/; https://understandingwar.org/map/ukraines-fortress-belt-is-the-cornernstone-of-a-future-defensible-frontline/; https://www.facebook.com/jan.jessen2/posts/pfbid02tEeEnbByTNMe4CpCtAvB8oRBrPnY2U36ezuauyZVhPw7dKfeJSvsWFbRaAnMiY7Hl

2. FRONT: VERHEERENDE SCHLÄGE
- In nur einer Woche hat die Ukraine über 100 russische Schiffe zerstört oder ausser Gefecht gesetzt, die im Asowschen Meer und im Schwarzen Meer im Einsatz waren. In den letzten 24 Stunden waren es erneut 15 Schiffe. Die Attacke richtete sich gegen die Schmuggelschiffe der sogenannten «Schattenflotte» und gegen Tanker, welche die Halbinsel Krim mit Treibstoff versorgen wollten. https://x.com/DefenceU/status/2076602876013490238, https://x.com/Psycho_Fella/status/2076519914794365080, Animation der zerstörten Schiffe: https://x.com/oko_gora_tg/status/2076596022101373316/video/1
- In der Region Kherson gelang der ukrainischen Armee in der Nacht auf Montag ein schwerer Schlag gegen die russische Armee im Bezirk Arjansk am besetzten linken Ufer des Dnjepr. Zerstört worden sei ein weitverzweigtes unterirdisches Kommandoposten-Netz und mehrere Munitionslager. Die Verluste der Gegner seien gross. Laut offiziellen Erklärungen der ukrainischen Armee waren Drohneneinheiten, Marineflieger und die Eliteeinheit «Lazarus-Gruppe» der Nationalgarde an der Operation beteiligt, die ein «voller Erfolg» gewesen sei. Details der Operation würden später bekanntgegeben. https://x.com/NSTRIKE1231/status/2076602070325436724

D-DAY MIT SEE- UND LANDDROHNEN
Letzte Woche führten ukrainische Streitkräfte eine vollständig unbemannte amphibische Landung auf der Kinburn-Nehrung an der Mündung des Dnjepr durch. Das war weltweit die erste ihrer Art.
Ein Video zeigt, wie ein unbemanntes Drohnen-Landungsboote ein ferngesteuertes Landfahrzeug («Bodenroboter») absetzt, welches sofort die russischen Stellungen entlang des Strandes angreift.
Das als Fähre dienende Oberflächenfahrzeug (USV) erreichte den Strand über das Schwarze Meer. Beim angreifenden Bodenroboter handelt es sich um ein schwer bewaffnetes unbemanntes Bodenfahrzeug (UGV) vom Typ «Rys». https://x.com/WarMonitor3/status/2076653577741684783/video/1
Der Angriff wurde von der 123. Territorialverteidigungsbrigade durchgeführt und dürfte eine Übung für andere Landungsoperationen sein.
Der Militärbeobachter Jarl Finland schreibt: «Diese operative Integration von Meeres- und Bodenrobotik stellt einen gewaltigen Sprung in der amphibischen Taktik dar und beseitigt das Risiko für Menschen an stark verminten und verteidigten Küsten.» https://x.com/jalle51/status/2076622006821310715

KRIMBRÜCKE OHNE PRIORITÄT
Der Kommandeur der ukrainischen Kräfte für unbemannte Systeme (Drohnenarmee «SBS»), Robert «Madyar» Brovdi, sagte, dass die Zerstörung der Krimbrücke derzeit keine Priorität habe. Stattdessen konzentriere sich die Ukraine darauf, die russische Logistik zu stören und das Leben in dem besetzten Krimgebiet unerträglich zu machen. Die auf der Krim lebenden Russen sollen «ununterbrochen über diese Brücke in ihr Russland fahren, weit hinter den Ural. Sie hätten nicht in unsere Krim eindringen sollen.»
Weiter sagte Brovdi in einem Interview mit dem irischen Journalisten Caolán Robertson: «Wir isolieren die Krim und sperren die Zufahrtswege ab, nicht den Weg hinaus. Die Brücke steht nur aus einem Grund noch: damit die Besatzer sich über diese Brücke nach Russland verpissen können. Tankwagen brennen. Kein Treibstoff. Kein Strom. Keine Zukunft für Russlands Kriegsmaschinerie dort.»
Video: https://x.com/CaolanReports/status/2076676606496526500/video/1; https://telegram.me/uniannet/195933

FRONT 3: MINUSREKORD BEIM ÖL
In der Stadt Salawat in Baschkortostan brennen seit dieser Nacht Teile der dortigen Ölraffinerie. Die Anlage «Gazprom Neftechim» befindet sich 1’400 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Nach Angaben von Anwohnern gab es auf dem Gelände des Unternehmens eine Reihe von Explosionen, gefolgt von einem Brand. https://telegram.me/exilenova_plus/25292; https://telegram.me/u_now/205406
Anlässlich einer vom russischen TV übertragenen Ausstellungsbesuchs sagte Putin zu einem Besucher: «Ja, sie [die Ukrainer] bereiten uns derzeit gewisse Probleme mit Erdölprodukten. Ich denke, die Lage wird sich allmählich verbessern.» Gemäss der Nachrichtenagentur Bloomberg ist Russlands durchschnittliche Ölverarbeitungsrate in diesem Monat auf 3,91 Millionen Barrel pro Tag gesunken. Das sind 1,4 Millionen Barrel pro Tag unter der normalen Verarbeitungskapazität und der tiefste Stand seit März 2005.

In den vergangenen 100 Tagen hat die Ukraine etwa 50 Objekte der Treibstoffinfrastruktur angegriffen, darunter mindestens 24 der 34 grössten russischen Raffinerien. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-07-13/russian-refinery-runs-plunge-to-lowest-in-more-than-two-decades
NULL «PATRIOTS»-RAKETEN
Die Ukraine hat seit elf Tagen keine russischen ballistischen Raketen mehr abgefangen, da die Vorräte an Patriot-PAC-3-Raketen vollständig aufgebraucht sind.
Die letzten erfolgreichen Abschüsse fanden am 2. Juli statt, als das Patriot-System vier ballistische Raketen vom Typ «Iskander-M» zerstörte, wobei jedoch erhebliche Ressourcen für den Versuch des Abschusses von Hyperschallwaffen vom Typ «Zirkon» verbraucht wurden.
Während des Angriffs am 6. Juli wurden die letzten verbleibenden Raketen von mehreren Abwehrsystemen abgefeuert, jedoch waren diese ineffektiv. https://t.me/karymat/14404

WAS RUSSINNEN DENKEN (TEIL3)
In den kommenden Tagen werde ich aus Selfie-Videos zitieren, die zurzeit die sozialen Netze in Russland fluten. Die Idee: Einen Einblick in die Gedankenwelt von Russinnen und Russen zu erhalten, angesichts der Treibstoffkrise und des Krieges, der nun das Aggressorland selbst erreicht.
Frau Nr.2: In einem von ihr selbst gefilmten Nervenzusammenbruch sagt eine junge Frau, während sie an einer Tankstelle wartet: «Eigentlich sollte ich glücklich sein. Es ist Freitagabend. Aber wie kann man glücklich sein, wenn man finanziell im Minus ist?» Die Russin beschwert sich darüber, dass sie wegen der allgemeinen Wirtschaftskrise gerade viel Geld mit ihrem Onlinegeschäft verloren hat. Auch ihr Plan, sich als Prostituierte zu verdingen, sei ins Wasser gefallen, als ihre eigene Mutter sie daran erinnerte, dass sie zu alt sei und Herpes habe. https://x.com/jayinkyiv/status/2076240331239014734
Frau Nr.3: Eine junge Frau meldet sich per Video um 21 Uhr abends wartend vor einer Tankstelle aus ihrem Auto, in dem sie zusammen mit einer Freundin sitzt. Um 0:30 Uhr schickt sie ein Bild, wie sie und ihre Freundin sich im Auto auf die Nacht vorbereiten. Die nächste Sequenz zeigt die beiden wartenden Frauen um 8:40 Uhr am Folgetag vor der Tankstelle. Schliesslich spaziert die Autofahrerin um 12 Uhr vor der Kamera hin und her und erklärt, dass sie nun Benzin tanken konnte: «Alles ist in Ordnung. Nichts Ungewöhnliches», sagt sie nach 15 Stunden Wartezeit. https://x.com/nafovoyager/status/2075492594671374490



