UKRAINE AKTUELL Nr. 1602 (13.7.2026 / 8Uhr)

  • Azov-Meer wird Tankerfriedhof
  • Umweltschonende Angriffe
  • Eigenartige Bitte aus Indien
  • Tanks und Raffinerien brennen
  • Auf der Krim kostet Benzin 5€
  • Zelenskyj baut Regierung um
  • Was Russen denken – Teil 2
  • Ukrainer-Supporter Graham tot
  • Köppels Propaganda demaskiert

TANKER FRIEDHOF IM MEER

In den letzten 10 Stunden wurden weitere 14 russische Schiffe im Asowschen und Schwarzen Meer beschädigt oder zerstört. Damit steigt die Schadensbilanz nach sechs Tagen auf 90 Schiffe. Jeder einzelne Angriff ist per Video dokumentiert.

Die Brände von Tankern und Trockentransportern in beiden Gewässern werden auch vom NASA-Satellitensystem «NASA FIRMS» dokumentiert.

Bilder von beschädigten Tankern zeigen insbesondere Zerstörungen der sogenannten «Brücken», wo sich die Steuerungszentrale, die Navigationsausrüstung und die Kontrollsysteme befinden.

https://x.com/jayinkyiv/status/2076210312324256150; https://t.me/exilenova_plus/25167

WIE DIE UKRAINE ANGREIFT

Bilder von beschädigten Tankern und Transportschiffen zeigen Brände insbesondere bei der Kommandobrücke und nicht bei der Ladung. Was die Absicht der ukrainischen Drohnenpiloten ist, erklärt der Militärbeobachter Jarl Finland:

«Es handelt sich um eine kalkulierte asymmetrische Strategie, die darauf abzielt, maximale operative Störungen zu erzielen, ohne dabei eine ökologische Katastrophe zu riskieren.

  • Vermeidung einer ökologischen Katastrophe: Ein Durchschlagen der Hauptladetanks birgt das Risiko massiver Ölverschmutzungen in gemeinsamen Gewässern. Ein Angriff auf den hinteren Maschinenraum setzt das Schiff ausser Gefecht, während der Rumpf intakt bleibt. 
  • Sanktionen als Waffe: Der Maschinenraum ist der komplexeste Teil eines Schiffes. Angesichts strenger westlicher Technologieblockaden ist es für Moskau nahezu unmöglich, spezielle Ersatzteile zu beschaffen, was die endgültige Verschrottung des Schiffes erzwingt. 
  • Neutralisierung der Besatzungen: Ein Treffer auf die Kommandobrücke zerstört die Navigationssysteme und sendet eine deutliche Warnung an die internationalen Schattenbesatzungen, die diese illegalen Versorgungslinien betreiben. Die Ukraine stoppt nicht nur den Frachtverkehr, sondern baut systematisch die Infrastruktur von Putins versteckter Kriegswirtschaft ab.

SELTSAME INDISCHE BITTE

Indien hat sich über diplomatische Kanäle an die Ukraine gewandt und darum gebeten, einen Tanker mit 50’000 Tonnen Benzin für Russland nicht anzugreifen. Bei dieser Lieferung handle es sich um «humanitäre Hilfsgüter». Das Benzin wolle man «im Zusammenhang mit einer drohenden Hungersnot in Russland» liefern.

Die ukrainischen Militärblogger amüsiert dieses Ansinnen. Einer von ihnen schreibt: «Klar doch, schickt uns die Koordinaten». https://x.com/dim0kq/status/2075542414668992533

VIEL BRENNENDES ÖL

In der Nacht auf heute haben ukrainische Drohnen die Ölraffinerie Michailowskaja in der Nähe von Stawropol angegriffen. Videos von Anwohnern dokumentieren einen grossen Brand. Es handelt sich bereits um den zweiten Angriff in den letzten sieben Tagen auf dieselbe Anlage. https://t.me/u_now/205308

Am Sonntag griffen mehrere FP-1- Drohnen die Raffinerie von Syzran an, welche schon in früheren Monaten das Ziel von Attacken war. Satellitenbilder zeigen Schäden an der zentralen Verarbeitungsstelle ATV-5 und weiteren Anlageteilen. Die Syzran Raffinerie befindet sich 900 Kilometer von der ukrainischen Staatsgrenze entfernt. https://t.me/exilenova_plus/25174

BENZIN KOSTET MEHR ALS 5€

Auf der von Russen besetzten Halbinsel Krim wird der Liter Benzin an einzelnen Tankstellen für einen Spitzenpreis von 450 Rubel verkauft. Dies entspricht einem Literpreis von 5,14 Euro. Ein Kassaticket einer Tankstelle in Jalta belegt diesen Rekordpreis. Ein voller Tank kostet dort 20’000 Rubel, also 228 Euro. https://x.com/wartranslated/status/2076282487743840699

Steigende Preise werden auch aus Russland gemeldet. In Woronesch kostet ein Liter Benzin 200 Rubel (2,28€) und die Warteschlange vor den Tankstellen ist gross. Vor der ukrainischen Anti-Benzin-Kampagne kostete ein Liter Benzin rund 70 Rubel. https://t.me/exilenova_plus/25160

GROSSER REGIERUNGSUMBAU

Die ukrainische Premierministerin Julia Swyrydenko hat ihren Rücktritt eingereicht. Dies geschah in Absprache mit Präsident Volodymyr Zelenskyj.

Dieser schrieb: «Ich bin Julia Swyrydenko dankbar für ihre klare, stabile und effektive Arbeit als Premierministerin, und ich habe ihr vorgeschlagen, eine neue, wichtige Aufgabe im Verhältnis zu unserem wichtigsten Partner zu übernehmen. Es wird angenommen, dass Swyrydenko neue Botschafterin der Ukraine in den USA wird. Die bisherige Amtsinhaberin in Washington hat ihren Rücktritt vom Posten bekanntgegeben.

Als mögliche Nachfolger für Swyrydenko als Premierminister gelten Serhij Korezkyj, Chef von «Naftogaz» oder Ihor Terechow, Bürgermeister von Kharkiv.

Solange Swyrydenko noch im Amt ist, wird sie zusammen mit Zelenskyj dem Parlament eine neue Verteilung der Regierungsposten vorschlagen. Gemäss ersten Berichten sollen folgende Personen im Amt bleiben:

➡️ Serhij Marchenko – Finanzminister;

➡️ Denys Schmyhal – Energieminister;

➡️ Oleksij Sobolev – Minister für Wirtschaft;

➡️ Wiktor Ljaschko – Gesundheitsminister;

➡️ Tetjana Berezna – Kulturministerin;

➡️ Taras Kachka – Vize-Premierminister für die europäische Integration.

https://t.me/u_now; https://t.me/uniannet

WAS RUSSEN DENKEN (TEIL2)

In den kommenden Tagen werde ich aus Selfie-Videos zitieren, welche zurzeit die sozialen Netze in Russland fluten. Die Idee: einen Einblick in die Gedankenwelt von Russinnen und Russen zu erhalten, angesichts der Treibstoffkrise und des Krieges, der nun das Aggressorland selbst erreicht.

Mann Nr.2: Ein in Russland bekannter Blogger mit dem Namen «Golman» ärgert sich über die Fehlinformationen: «Diese Lügen – ehrlich gesagt, alle haben es bis zum Hals. Lügen über Kupjansk, Lügen über Kostiantynivka. Hört auf, den Präsidenten zu belügen. Kann mal jemand mit echtem Mumm hereinkommen und die Wahrheit darüber sagen, was zum Teufel in diesem Land eigentlich los ist?» und in einem zweiten Video sagt «Golman» über die wirtschaftliche Lage: « Die Lage ist total im Arsch. Die Wirtschaft stürzt in den Abgrund. Nur die Starken werden respektiert. Schaut euch doch mal an – wen zum Teufel soll man da noch respektieren? Es gibt keine Staatsmänner mehr. Nur noch Manager, die mit dem Geld hantieren. Wir sind am Arsch. Bald wird kein Geld mehr da sein. (…) Ich empfehle euch Kartoffeln zu pflanzen. Ich mache hier nicht auf Panik. Ich bereite mich nur auf schwierige Lebensumstände vor.» https://x.com/Gerashchenko_en/status/2075272970432356396/video/1 ,

Mann Nr.3:  «Es tut mir wirklich leid um das russische Volk», sagt der Mann. Letzte Nacht habe er um 2 Uhr Morgen eine Tankstelle angesteuert und kam erst wieder gegen halb fünf Uhr morgens daheim an. Manchmal müssten die Leute 5, 6 Stunden an den Tankstellen warten. «Danke, verdammt nochmal, an jene Teufel, die ihr Volk nicht lieben und es bestehlen. Ich möchte die an die Wand stellen, so wie zu Stalins Zeiten. Wie könnt ihr eure eigenen Leute so behandeln? Dabei haben die Leute eigene Pläne, wollen in die Ferien, stattdessen stehen sie wartend an Tankstellen. Und wenn sie 3, 4 Stunden gewartet haben, heisst es oft, das Benzin ist ausgegangen.» https://x.com/JayinKyiv/status/2075566224025456942/video/1

LINDSEY GRAHAM IST TOT

Der republikanische US-Senator Lindsey Graham aus South Carolina starb am Samstagabend. Sein Büro teilte in einem kurzen Kommuniqué mit, Lindsey Graham sei am Samstagabend «nach kurzer und plötzlicher Krankheit» verstorben. Graham wurde 71 Jahre alt.

Der Politiker galt als «Dinosaurier» der Washingtoner Politik, der von einem Kritiker Trumps zu einem seiner grössten Anhänger und wichtigsten Berater wurde. In den letzten vier Jahren hatte er sich als enger Verbündeter der Ukraine erwiesen. Mit Ausnahme einer kurzen Phase, in welcher er Zelenskyj zur Aufgabe bewegen wollte, stand er immer für die Eigenständigkeit der Ukraine und ihrem Kampf gegen die faschistische Invasion Russlands ein.

Am Donnerstag hatte Lindsey Graham mitgeteilt, dass der von ihm und dem demokratischen Senator Richard Blumenthal eingereichte Gesetzesentwurf für harte Sanktionen gegen Russland-Unterstützer von Trump gutgeheissen worden war. Am Freitag reiste er nach Kyiv, wo er für eine engere Zusammenarbeit zwischen den USA und der Ukraine warb, Zelenskyj traf und eine Drohnenfabrik besuchte.

Der russische Oppositionelle Igor Eidman äusserte den Verdacht, dass Graham möglicherweise von Kreml-Agenten vergiftet worden sei. Dafür spreche seine erfolgreiche Rolle bei der Beeinflussung Trumps für eine russlandkritische Haltung und der Zeitpunkt des Todes. Es könne sein, so Eidmans Verdacht, dass Graham bei seinem Kyiv-Aufenthalt mit einer langsam wirkenden Substanz vergiftet worden sei.

Trump sagte in einem Interview mit CBS, dass er am Samstagabend gegen 17 Uhr mit Lindsey Graham telefoniert habe. «Was die Sache noch seltsamer macht», sagte Trump. «Er sagte, er sei ein bisschen müde», erinnerte sich Trump und fügte hinzu, dass er gerade von einer langen Reise in die Ukraine zurückgekommen sei. Trump sagte, er habe Graham am Ende des Telefonats gesagt: «Wir sehen uns bald. Komm vorbei, wann immer du willst.»

Nach vorläufigen Angaben aus seinem Büro dürfte Graham an einer Aortendissektion infolge einer atherosklerotischen Herzerkrankung gestorben sein; die endgültige Todesursache soll nach toxikologischen und mikroskopischen Untersuchungen festgestellt werden.

https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1601-12-7-2026-6uhr/; https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1600-11-7-2026-8uhr/;https://x.com/nexta_tv/status/2076284958776213571https://x.com/wartranslated/status/2075910126435815530; https://edition.cnn.com/2026/07/12/politics/live-news/lindsey-graham-tributes-death-updates; https://t.me/uniannet/195889

WELTWOCHE DEMASKIERT

«Der «Weltwoche»-Chef und Putin-Propagandist Köppel hat in Moskau eine Reihe von professionellen Putin-Propagandisten interviewt, unter ihnen den Kreml-Sprecher Peskow. Dabei liess er sich wortreich seine eigene Grundthese bestätigen: Der wahre Kriegstreiber im unseligen Ukraine-Krieg ist nicht der Angreifer Putin, sondern die Kyiver Führung und die sie unterstützenden Europäer.»

Das schreibt der ehemalige NZZ-Journalist Reinhard Meier im Schweizer «Journal 21». Meier zerkleinert die Ergüsse von Köppel und der von ihm befragten Verbrecher in Moskau detailliert. Der Artikel ist hier gratis zu lesen: https://www.journal21.ch/artikel/putin-propagandist-interviewt-putin-propagandisten .

Das von Heiner Hug, Reinhard Meier, Urs Meier, Ignaz Staub, Stephan Wehowsky, Pedro Hochmann und Silvia Kübler produzierte Magazin mit Texten unter anderem von Gret Haller, Eduard Kaeser, Iso Camartin oder Thomas Burmeister kann auch finanziell unterstützt werden: https://www.journal21.ch/ueber-uns/unterstuetzen-sie-journal21ch

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