UKRAINE AKTUELL Nr. 1601 (12.7.2026 / 6Uhr)

  • Was Putins Untertanen denken
  • Kampf um jeden Liter Benzin
  • Angriff auf weitere 28 Schiffe
  • Stopp der russischen Schifffahrt
  • «Wir erreichen jede Raffinerie»
  • Ukraine gründet Killer-Einheit
  • Moskau verschanzt sich stur
  • Partnerschaft USA – Ukraine

WAS RUSSEN SO DENKEN

Seit die Ukraine Fabriken und Raffinerien im russischen Reich angreift, steigt die Zahl der veröffentlichten Selfie-Videos von beunruhigten Russinnen und Russen. Ich werde in den nächsten Tagen die Aussagen aus solchen Videos wiedergeben, um ein Bild der Stimmungslage zu erhalten.

FRAU NR.1: Eine Frau, die offenbar in einer Firma arbeitet: «Es gibt eine weitere Evakuierung im Werk. Das ist ein absoluter Albtraum. Beendet diesen Krieg sofort! (…) Schluss mit den Drohnen, den Raketen und all dem anderen von beiden Seiten. Lebt doch endlich in Frieden, um Himmels willen.» https://x.com/nexta_tv/status/2075292863647113443

(KOMMENTAR: Die Frau nimmt keinen Bezug auf Putin und keinen Bezug darauf, wer den Krieg führt.)

MANN NR.1:  Ein Moskauer, der seit einer Stunde vor einer Tankstelle auf Benzin wartet, erklärt, dass er «Putin liebt, egal, was andere sagen». Er weiss von seinem Vater, dass in ländlichen Gegenden 8 oder 14 Stunden lang auf Benzin gewartet werden müsse und findet das in Ordnung, denn schliesslich werde man angegriffen. Aber er findet, dass die eine Stunde Wartezeit und Benzin-Limiten für Moskau ungerecht seien. Beides müsse für die Hauptstadt enden, denn schliesslich spiele sich das wichtige und hektische Leben in der russischen Hauptstadt ab. «Moskau muss arbeiten, nicht in Warteschlangen stehen»https://x.com/LetsArmUKR/status/2075582720420315290/video/1

BENZIN UM JEDEN PREIS

Eine Russin zeigt in einem von ihr veröffentlichten Selfie-Videos, wie sie trotz Treibstoffmangel zu Benzin kommt. Sie hat von ihrer Nachbarin ein sichtlich schwer behindertes Kind ausgeliehen, inklusive aller dazugehörigen Unterlagen. So ausgerüstet kann sie neben der Warteschlange vor der Tankstelle vorbeifahren und ihr Auto mit Benzin-92 betanken. Die Frau präsentiert ihren Trick sichtlich stolz. https://x.com/HHatress/status/2075659300089823299/video/1

Auf der Krim beträgt der Preis für einen Liter Benzin aktuell 279 Rubel (= 3,19 Euro). Täglich steige der Benzinpreis im Schnitt um 10 Rubel. «ExileNovaPlus» schreibt: «Zuvor hatte die illegitime Besatzungsverwaltung der Krim erklärt, dass die Situation bei den Kraftstoffen «unter persönlicher Kontrolle» des Kremls stehe. Dennoch sehen die Bewohner der Halbinsel bisher nur neue Preisschilder an den Tankstellen und eine weitere Verschlechterung der Situation.» https://t.me/exilenova_plus/25102

Gleichzeitig werden immer mehr Videos veröffentlicht, welche Schlägereien an russischen Tankstellen zeigen.

2. FRONT: BRENNENDE SCHIFFE

In der Nacht auf Samstag wurden 28 Schiffe der russischen Schattenflotte im Asowschen Meer von den ukrainischen Drohnen-Spezialeinheiten (SBS) ausgeschaltet. Insgesamt verzeichneten die 28 Schiffe 73 Treffer. Die Drohnenarmee meldet, dass 21 Tanker, 4 Schlepper, 2 Frachtschiffe und 1 Spezialfahrzeug zu den Angriffszielen gehörten.

Verschiedene Einheiten der SBS waren an diesen Aktionen beteiligt: 414. Brigade «Ptahi Madjar»; 20. Brigade «K-2», 1. Spezialeinheit SBS, 413; Spezialeinheit SBS «Reid», 412. Spezialeinheit SBS «Nemesis», 427. Spezialeinheit SBS «Rarog».

Die kombinierten Drohnenstreitkräfte haben somit in 6 Tagen (6. – 11. Juli 2026) insgesamt 76 Schiffe der Putin «Schattenflotte» beseitigt, die vor allem Treibstoff auf die besetzte Halbinsel Krim schmuggeln wollten. Die SBS schreibt: «Die Operation «Krim-Schalter aus» läuft unbegrenzt weiter.» https://sbs-group.army/ (Auf dieser Webseite werden die Einsätze der ukrainischen Drohnenarmee – SBS – laufend aktualisiert dokumentiert)

Die russischen Blogger von «Milinfolive» bestätigten die seit 6 Tagen andauernden Angriffe und schreiben: «Es ist schwer zu sagen, wie viele der beschädigten Schiffe neu sind und ob es sich bei einigen um wiederholte Angriffe auf bereits beschädigte Schiffe handelt. Aber eines ist sicher: Mit jedem Mal steigt die Anzahl der Angriffe, und die Vielfalt der eingesetzten Drohnen nimmt zu.» https://t.me/milinfolive/175882

FRONT 2: BLOCKIERTES MEER

Nach den Massenangriffen auf Schiffe der Schattenflotte ist die Durchfahrt durch die Strasse von Kertsch, die das Asowsche Meer mit dem Schwarzen Meer verbindet, eingestellt. Auch der Schiffverkehr im Donskoi-Asow-Kanal ist vorübergehend ausgesetzt, berichtet Reuters. https://www.reuters.com/business/rpt-russia-halts-don-azov-channel-shipping-affecting-grain-trade-after-ukraine-2026-07-10/

Anton Gerashchenko, ukrainischer Journalist, schreibt: «Dies markiert einen weiteren Wendepunkt in Russlands Krieg gegen die Ukraine.»

Er führt aus: Russland nutzt den Asow-Don-Kanal für die militärische Logistik, den Gütertransport, den Transport von Öl und Erdölprodukten zur Umgehung von Sanktionen sowie zur Finanzierung seiner Kriegsmaschinerie. Diese Schiffe sind zudem an der Versorgung der russischen Besatzungstruppen auf der Krim mit verschiedenen Gütern, darunter Treibstoff, beteiligt.

Schiffe, die zum Transport von Gütern eingesetzt werden – darunter auch von Russland geraubte – stärken die Wirtschaft Russlands. Mit diesen Steuern werden Iskander-Raketen, Lenkbomben und andere Waffen finanziert, die täglich Ukrainer töten.

Die Strasse von Kertsch ist eine entscheidende Logistikroute für den Moskaus Aussenhandel. Dies betrifft nicht nur Militärfracht, sondern auch für geplünderte Güter aus den besetzten Gebieten der Ukraine.

Viele Schiffe, die in die Häfen Taganrog und Asow einlaufen, tun dies unter der Flagge afrikanischer und ozeanischer Länder und fahren von dort in Richtung Türkei. Ein Teil der Ladung wird anschliessend im Schwarzen Meer auf grössere Schiffe umgeladen, wodurch die Herkunft der Ladung verschleiert wird.

OSINT-Analysten bestätigen: Die Russen verkaufen gestohlenes Getreide, Kohle und Metall an die Türkei, und von dort weiter, auch nach Israel. Die Länder, die diese Waren kaufen, fragen entweder nicht nach deren Herkunft oder geben sich mit den Erklärungen der Russen zufrieden. https://twitter.com/Gerashchenko_en/status/2075944631351550110

2. FRONT: BRENNENDES ÖL

Die ukrainische Armee hat ihre Angriffe auf Ölanlagen in der 3. Front (im russischen Hinterland) und in der 2. Front (direkt hinter der Kampfzone, in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine und in den Grenzregionen) in dieser Woche verschärft. Am Samstagabend sind folgende Brandstellen bekannt:

  • Der Brand im Öllager Wjasniki in der Region Stawropol in Südrussland ist seit Freitag gelöscht. Für die dort bewohnte Region hat der lokale Gouverneur den Notstand ausgerufen.
  • Seit Samstagmorgen brennt die Ilski-Raffinerie bei Krasnodar in Südrussland. Dort wurden Tanks, technische Anlagen und der zentrale Anlageteil ELOU-AVT 5 beschädigt, wo das Erdöl in verschiedene Bestandteile (Teer, Schweröl, Diesel, Benzin etc.) aufgespalten wird.
  • Seit Samstagmorgen brennt ein Öltanklager in Asow bei Rostow am Don.
  • Im Hafen von Tangarog in der Region Rostow am Don brennt es weiter. «ExileNovaPlus» schreibt: «Dies ist ein Unterstützer des Krieges. Vor Beginn des Konflikts gab es dort keine Brände.»

Die russische Erdölwirtschaft kann aktuell nur 65% des täglichen Benzin-Bedarfs decken. Dies ist die Folge der anhaltenden Angriffe ukrainischer Drohnen auf russische Ölraffinerien. Die Nachrichtenagentur Reuters beziffert das tägliche Defizit für Juli mit 35% und für Juni mit 25%.

Wegen Angriffen eingestellt wurden unter anderem der Betrieb bei den beiden grössten Benzinproduzenten in Norsi und Omsk und auch die Raffinerie in Saratow war laut Branchenquellen gezwungen, die Produktion einzustellen. 

Volodymyr Zelenskyj sagte zu den Angriffen in dieser Woche: «Ukrainische Drohnen haben Sibirien erreicht und Raffinerien in Omsk angegriffen – fast 2’500 Kilometer von der Ukraine entfernt. Jetzt gibt es keine einzige russische Raffinerie, die nicht von ukrainischen Waffen erreicht werden kann.»

https://x.com/annademilanese/status/2075642892261994913; https://t.me/exilenova_plus/25094 (TANGAROG); https://www.reuters.com/business/energy/russias-gasoline-output-covers-65-demand-after-ukrainian-strikes-sources-say-2026-07-10; https://t.me/RBC_ua_news/197608

UKRAINISCHE SPEZIALEINHEIT

In der ukrainischen Armee wird neu eine Einheit «für schnelle Reaktion» gegründet. Volodymyr Zelenskyj hat ein entsprechendes Dekret unterzeichnet. Die neue Struktur soll ein «moderner und technologischer Angriffsteil der Armee» sein, um so schnell wie möglich reagieren zu können.

Gemäss Zelenskyj soll die Einheit eine «globale Fernwirkung auf Russland» haben: «Diese Einheit muss hundert Prozent der verfügbaren Ressourcen einsetzen, um das russische Kriegspotenzial noch stärker zu schwächen. Der Kommandeur in diesem Bereich wird stark und zweifellos äußerst erfahren sein», sagte der ukrainische Präsident. https://t.me/RBC_ua_news/197626

Kommandeur der «schnelle Reaktion»-Einheit wird Brigadegeneral Dmytro Voloshyn sein. Wie die Nachrichtenagentur RBC schreibt, ist Voloshyn ein «kampferprobter Kommandeur», der zurzeit das 8. Korps der Spezialeinheiten leitet. https://t.me/RBC_ua_news/197631

MOSKAU MACHT AUF STUR

In einem illegalen Akt hat das Kreml-Regime im September 2022 die vier ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Kherson und Saporischschja zum «Neuen Russland» als Teil der Russischen Föderation erklärt. Ausser Nordkorea und Nicaragua hat niemand diesen Landraub anerkannt.

Dennoch erklärte der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow: «Die Ukraine muss ihre Truppen aus den Regionen abziehen, die „Teil Russlands geworden sind“, und sie als russisch anerkennen. Am nächsten Tag würde der Krieg enden. Ausserdem wiederholte Peskow die bereits Anfang der Woche gemachte Aussage: «Das ist keine Operation mehr. Es ist ein umfassender Krieg.» https://t.me/u_now/205190

KOMMENTAR: Russland hat nicht die geringste Chance, die vier Regionen zu erobern, zudem schwinden ihre militärischen und wirtschaftlichen Kräfte dramatisch. Aber das Kreml-Regime benimmt sich so, als ob Russland immer noch eine Weltmacht sei, die ihren Willen anderen Nationen diktieren kann. Dieser fundamentale Irrtum blockiert jede positive Entwicklung im zusammengewürfelten, flächenmässig grössten Staat dieses Planeten.

«TRUMP MAG GEWINNER»

In einem Statement gegenüber der ukrainischen Presse sagte der republikanische US-Senator Lindsey Graham: «Trump mag Gewinner, und im Moment sieht er die Ukraine genau in diesem Lager. Er war tief beeindruckt von der Fähigkeit der Ukrainer, den Verlauf des Krieges zu wenden.» https://t.me/RBC_ua_news/197628

Graham lobte die ukrainische Waffenindustrie und sagte, dass es für die USA ein Fehler wäre, hier nicht zu kooperieren: «Sie produziert Drohnen und Technologien, die viel fortschrittlicher sind als die von jedem anderen Land auf dem Planeten, und das, weil es notwendig ist, alle Innovationen zu nutzen», sagte der Senator. Er fügte hinzu, dass je schneller die USA zu Partnern mit der Ukraine werden, desto besser wird es für beide Länder sein. https://t.me/RBC_ua_news/197622

Am Freitag hatte sich Lindsey Graham in Kyiv mit Volodymyr Zelenskyj zum Gedankenaustausch getroffen und danach unter anderem eine unterirdische Drohnenfabrik besucht. https://t.me/u_now/205157

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