- Kreml legt falsche Daten vor
- Propagandist gegen Strategen
- McFaul: «Die Ukraine gewinnt»
- Fehlinformationen über Yamal
- «Zelenskyj ist nicht korrupt»
- Russen üben Krim-Verteidigung
FALSCHE KREML REALITÄT
Putin traf am Freitag mehrere russische Kommandeure und liess sich über die militärischen Erfolge der russischen Armee informieren. Die Analysten des amerikanischen «Institute for the Study of War» (ISW) schreiben, dass beim «inszenierten Treffen» mit Kommandeuren «stark übertriebene Behauptungen über russische Vorstösse aufgestellt wurden, die nicht mit der Realität auf dem Schlachtfeld übereinstimmen, und so das Bild anhaltender russischer militärischer Erfolge zu konstruierten.»
Das ISW schreibt weiter: «Das russische Verteidigungsministerium und andere russische Quellen veröffentlichen grosse Mengen an Bildmaterial, das möglicherweise mithilfe von KI manipuliert wurde, um die übertriebenen Behauptungen Russlands fälschlicherweise zu untermauern und die Überprüfung einzelner Aufnahmen zu erschweren. Putin nutzte das Treffen mit russischen Kommandeuren am 3. Juli, um sein Festhalten an der Fortsetzung des Krieges in der Ukraine wie bisher zu signalisieren.»

Ein möglicher Grund für die fehlerhaften Lagekarten des russischen Generalstabs ist laut dem französischen OSINT- (Open Source Intelligence)-Militäranalysten Clément Molin folgender: In der sogenannten «Falsche-Flagge-Taktik» schleichen sich ein bis zwei russische Soldaten wochenlang durch ukrainische Stellungen, oft ohne Waffen. Erreichen sie eine Ortschaft tief in ukrainischem Gebiet, entrollen sie eine russische Flagge – gefilmt per Drohne.
Danach verstecken sie sich wochenlang in Kellern oder Gebäuden.
Die meisten werden anschliessend getötet oder gefangen genommen, nur wenige schaffen die Rückkehr.
Zielpublikum ist laut Molin nicht die Front, sondern das eigene Oberkommando. Das Ergebnis: Die Lagekarten in Moskaus Generalstab weichen zunehmend von der Realität am Boden ab. Diese Art der Bilderfälschung desinformiert auch westliche Militärbeobachter, die sich jeweils auf Videos berufen, wenn sie ihre Frontkarten anpassen. https://x.com/thestudyofwar/status/2073577738644984130; https://twitter.com/clement_molin/status/2073047854914887828/photo/1

KALKÜL GEGEN PAROLEN
Obwohl der Angriff mit ukrainischen Drohnen auf St. Petersburg von Samstagmorgen weniger erfolgreich war als angestrebt, triumphiert Robert «Magyar» Brovdi, der Chef der «unbemannten Systeme» (Drohnenarmee) des ukrainischen Militärs. Demgegenüber skandiert der von europäischen Reaktionären bejubelte russische Chefpropagandist Wladimir Solowjew Durchhalteparolen, obwohl das Eis für die russische Armee immer dünner wird.
Hier die Worte von Brovdi im Namen der «ukrainischen Vögel»:
«Wie rattenhaft all diese sogenannten ‚Racheakte‘ doch wirken. Der freie ukrainische Vogel geht anders vor – präzise, gegen symbolische Ziele.
Der Schlag ins Gesicht heute Morgen im Hinterhof Leningrads zerbricht einmal mehr den Mythos vom allmächtigen ‚Hof, der Vova (Putin) beigebracht hat, zuerst zuzuschlagen‘.
Jetzt weisst du es ganz sicher, du Bunker-Arschloch: Das ist weder Rache noch Vergeltung für die Raketenangriffe auf die Wohnviertel von Kyjv, Dnipro, Saporischschja, Sumy, Kherson und anderen Städten in den letzten 48 Stunden. Dafür wirst du weiterhin mit Tausenden von Leichen der Besatzer bezahlen – jeden einzelnen Tag, genau so, wie es der Vogel beschlossen hat.
Unterdessen läuft in den Sümpfen und auf unserer Krim eine systematische, mathematisch kalkulierte Operation ohne Enddatum unter dem Motto: „Der Hof hat nicht mehr die Kontrolle“ – bis „Moskau fällt“.
Eine globale, aber pragmatische Mission. So, wie einer der „Vögel“ vom 1. Eigenständigen Zentrum der Streitkräfte für unbemannte Systeme sagt: „Schritt für Schritt.“
Meine Herren, machen wir uns an die Arbeit.“» https://x.com/nexta_tv/status/2073328153607422236;
Und hier die Durchhalteparolen von Solowjow, in Englisch ausgesprochen am Freitag in seiner täglichen Propaganda-Show:
«Russland wird nie verlieren auf dem Schlachtfeld. Nie. Niemals.
Wir leben im Krieg. Das ist der Teil unseres Überlebenskurses.
Das ist der Kern unseres Überlebenswillens.
Wir wissen, wie man kämpft.
Wir wissen, dass wir Russen sind.
Wir lieben es zu leiden.
Deshalb können all das Unglück und all die Entbehrungen unseren Willen nicht brechen. Und unsere Soldaten und unsere Generäle – sie sind die Besten der Welt.
Die Besten der Welt. Aber was ich gerade beobachte, ist schon wieder ein hinterhältiger Plan der heuchlerischen Westler.
Sie lieben es zu sehen, wie Russen Russen töten. Wie slawische Völker slawische Völker töten, und sie applaudieren dem.
Und sie sind bereit, alles zu tun, damit sich diese sogenannten barbarischen Stämme gegenseitig vernichten.
Ihr Gewinn? Wie immer unsere natürlichen Ressourcen. Der Westen bringt niemals Zivilisation. Der Westen bringt Demütigung. Deshalb haben sich eure Kolonien nie entwickelt. Und dafür werdet ihr bezahlen. Nicht die Schweizer natürlich. Die Europäer.» https://www.facebook.com/reel/2860489367637793

DIE UKRAINE GEWINNT
Michael McFaul war US-Botschafter in Moskau und ist heute Professor für Politikwissenschaften an der Stanford University in den USA. Ich habe sein Essay «Warum die Ukraine gewinnt», übersetzt und gekürzt:
«Als Wladimir Putin im Februar 2022 seine gross angelegte Invasion der Ukraine startete, glaubten viele Beobachter, dass die Zeit auf seiner Seite sei. Die Grösse der russischen Armee in Verbindung mit Moskaus riesigem militärisch-industriellem Komplex würde dem Land sicherlich den Vorteil auf dem Schlachtfeld verschaffen. Mit der Zeit würde dieser Vorteil eine entscheidende Rolle spielen – so glaubten es zumindest viele. Die Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump bestärkte diese Annahme.»
Danach hat Trump versucht, die Ukraine zur Kapitulation zu drängen, «reduzierte die direkte Militärhilfe fast auf null», setzte Zelenskyj unter Druck, «sich Putin zu unterwerfen, und drängte ihn, Teile des Donbass aufzugeben, die noch von ukrainischen Soldaten gehalten wurden.».
Im vergangenen Winter versuchte Russland mit einer massiven Offensive, einem «verzweifelten und grausamen Versuch, die Moral der Ukrainer ein für alle Mal brechen.»
«Doch der Winter wich dem Frühling, und die Ukraine brach nicht zusammen. Nun, im fünften Jahr von Putins barbarischer Invasion, scheint die Annahme, dass die Zeit auf der Seite Russlands steht, zunehmend unzutreffend zu sein. Je länger sich dieser Krieg hinzieht, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Zeit stattdessen auf der Seite der Ukraine steht.»
Für das Scheitern Putins sieht McFaul verschiedene Gründe:
- «Erstens strebte Putin an, Russen und Ukrainer zu vereinen, die er als „ein Volk“ betrachtet. Ukrainer sind seiner Ansicht nach lediglich Russen mit Akzent. Was dieses Kriegsziel angeht, ist Putin kläglich gescheitert. Die Ukrainer haben seine Invasionsarmee nicht als Befreier willkommen geheissen.»
- «Vielleicht mehr als jedes andere historische Ereignis hat Putins grossangelegte Invasion im Jahr 2022 die ukrainische nationale Identität gefestigt. Zweitens hat Putin sein zweites Kriegsziel nicht erreicht – den Regimewechsel oder das, was er seltsamerweise als „Entnazifizierung“ bezeichnet. (Die Nazis regieren nicht in der Ukraine.)»
- «Drittens haben die Ukrainer nach mehr als vier Jahren Kampf Putin auch sein revidiertes, begrenzteres Kriegsziel – die Annexion grosser Teile des ukrainischen Territoriums – weiterhin verwehrt. Man erinnere sich daran, dass Putin bei Beginn seiner grossangelegten Invasion im Jahr 2022 darauf abzielte, die gesamte Ukraine zu erobern, und seine Panzer und Spezialeinheiten nach Kiew schickte, nicht nach Donezk.»
Sofern nicht etwas Dramatisches die Dynamik dieses Konflikts verändert, werden das ukrainische Volk, seine Kämpfer und seine Führung Putin weiterhin seine zentralen Kriegsziele verwehren. Putin wird die Ukraine nicht Russland unterwerfen; er wird keinen Regimewechsel erzwingen, und er wird kein Land entmilitarisieren, das heute ein Vorreiter der modernen Kriegsführung ist. Die Ukraine wird diesen Krieg als pro-europäische, unabhängige Demokratie überstehen, wobei der grösste Teil ihres Territoriums von Kiew aus und nicht von Moskau aus regiert wird. Das wird ein riesiger Sieg sein.» https://michaelmcfaul.substack.com/p/ukraine-is-winning

ILLUSION YAMAL-KREUZ
In den letzten Tagen sind in sozialen Netzwerken Bilder des sogenannten Yamal-Kreuzes erschienen, welche den Eindruck erwecken, es handle sich um eine einzige Bündelung von Erdgasleitungen. 17 grosse Gaspipelines mit einem Durchmesser von jeweils 1,2 bis 1,4 Metern würden an einem «winzigen Punkt» zusammenlaufen, hiess es. Diese Kreuzung – so lautete die unterschwellige Botschaft – müssten doch einfach zu zerstören sein. Das Problem bei dieser Betrachtung: Das Bild einer geordneten, eng beieinander liegenden Kreuzung diverser Erdgas-Leitungen ist nicht echt, sondern ein durch Künstliche Intelligenz produziertes Bild.
Tatsächlich ist die Situation bei den Yamal-Leitungen um einiges komplizierter und die Zerstörung dieses zentralen Teils der russischen Erdgasindustrie ist kaum zu bewerkstelligen.

Das Yamal-Kreuz befindet sich beim Fluss Pravaya Khetta, tief im russischen Hinterland (Koordinaten: N65.36, E73.42). Die Anlagen befinden sich 2’700 Kilometer von Kyiv entfernt. Die Rohre laufen dort nicht zentral an einem Ort zusammen, sondern sind über ein mehrere Kilometer grosses sumpfiges Tundragebiet verteilt und unterirdisch in einer Tiefe von 1,2 bis 1,5 Metern verlegt.
Die Knotenpunkte der Kompressor Stationen (KS Pangodinskaya), die das Gas in die Pipelines pressen, sind riesige Industriegebiete. Um den Gastransport wesentlich zu unterbrechen, muss man nicht nur einen Zaun oder ein Nebengebäude treffen, sondern die Gas-Kühlanlagen (SOG) oder die Gasturbinen-Kompressoren. Diese sind durch Stahlkonstruktionen gut geschützt. Der Abstand zwischen den einzelnen Gasturbinen-Hallen beträgt zudem aus Sicherheitsgründen 300 bis 500 Meter.
Um die Kompressorleistung eines Knotens garantiert ausser Betrieb zu setzen, muss jede Halle an mehreren Stellen getroffen werden. Bei einer solchen Fläche erfordert dies den Einschlag von 15–20 schweren Raketen mit jeweils mindestens 400 kg Sprengstoff.
Effizienter als ein schwer zu realisierender Angriff auf den Yamal-Knoten sind Attacken gegen untergeordnete Schlüsselstellen im europäischen Teil Russlands. Diese Logistikknotenpunkte bei Torschka, Kursk oder Wologda versorgen die LNG-Flüssiggas-Terminals und Exporteinrichtungen. Sie befinden sich lediglich 400 bis 1’000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Yurii Pylypenko, der die «Yamal-Kreuz»-Legende enthüllt hat, schreibt: «Ein Angriff auf die europäischen Kompressorstationen unterbricht den bereits gebildeten, konzentrierten Gasstrom und erzielt mit deutlich geringerem Aufwand eine grössere Wirkung.» https://www.facebook.com/ypylypenko/posts/pfbid0r8sMmnF7qg1RJ8YSHmxtJBsxKnKbzZgGqnZBNK6rYKm3kp279KR4bYC8u3Zq883dl

«ZELENSKYJ IST NICHT KORRUPT»
Keith Kellogg, Trumps ehemaliger Sonderbeauftragter für die Ukraine, sagte in einem Interview mit der konservativen US-Mediengruppe «PragerU» unter anderem:

- Putin will einfach nur Macht. Nicht das russische Volk – seine Gruppe will Macht. Die Ukrainer wollen einfach nur in Ruhe gelassen werden. Aber Putin will sie nicht in Ruhe lassen.
- Die Sowjets zogen sich aus Afghanistan zurück, nachdem sie 18’000 Soldaten verloren hatten. Putin hat 1,2 bis 1,4 Millionen Soldaten durch Tod, Verletzungen oder Desertion verloren. Die Amerikaner würden solche Verluste niemals akzeptieren. Aber Putin macht weiter, weil er glaubt, er könne die gesamte Ukraine besetzen.
- Putin gewinnt nicht. Er ist auf der Verliererseite. Wenn er nicht aufpasst, könnte er wie Nikolaus II., der letzte Zar, enden. Jemand wird ihn zur Rechenschaft ziehen, und ich glaube, darüber macht er sich Sorgen.
- Die Sicherheit Europas wird sich nicht mehr nur um Deutschland, Frankreich und Grossbritannien drehen. Sie wird sich nach Osten verlagern – über Finnland, Schweden, Polen, die Ukraine und Rumänien. Die Ukraine wird das Sparta Europas sein, mit einer Armee von 800’000 Soldaten. Das hat sonst niemand.
- Zelenskyjs Geld stammt aus seiner Fernsehkarriere. Er ist nicht durch amerikanische Hilfe reich geworden. Wer das behauptet, lügt. Wir haben das gründlich untersucht, unter anderem gemeinsam mit der CIA, um zu prüfen, ob er korrupt war. Was Zelenskyj betrifft, lautete die Antwort: Nein.
https://www.youtube.com/watch?v=tTLkB9Fy_HM&t=92s; https://x.com/Mylovanov/status/2072744099170390197/video/1; https://x.com/Mylovanov/status/2072744092534984974

KRIM: RUSSEN ÜBEN VERTEIDIGUNG
Russische Offiziere führen eine Stabsübung zur Abwehr einer möglichen ukrainischen Offensive auf der Krim durch. Die Übung trug den Namen «Crimean Wake-Up» (Krim wach auf!).
An der Übung nahm der Militärexperte und ehemalige russische Generalstabsoffizier Viktor Murakhovsky teil. Er erzählte der russischen Publikation «Inside», wie diese vor sich ging.
Die blaue (ukrainische Gruppe) griff die Krim mit verschiedenen Flugkörpern und einer Landungsgruppe an. Die rote Gruppe (russische Besatzer) war «gezwungen, zu verteidigen». Im Mittelpunkt des Szenarios stand eine moderne maritime Operation unter Einsatz von Drohnen, Präzisionswaffen mit grosser Reichweite, Aufklärungssystemen und kleinen Schnellbooten.
Es handelte es sich bei dem Szenario nicht um eine klassische Landung im Stil des Zweiten Weltkriegs, bei der Hunderte von Schiffen auf die Küste zusteuern. Stattdessen wurde eine moderne Operation nachgebildet, bei der Drohnen, Präzisionswaffen mit grosser Reichweite, Aufklärungssysteme und möglicherweise kleine Hochgeschwindigkeitsboote in grossem Umfang zum Einsatz kamen. https://theins.press/en/news/294418



