- Russen schlagen sich um Benzin
- Benzin ist in 80 Regionen knapp
- Drohnen knipsen Krim-Strom aus
- Mehrere Rüstungsfirmen attackiert
- Kein Wendepunkt an der Front
- Harte Kämpfe um Kostiantynivka
- 2. Luxusjacht von Putin unterwegs
- Das Dilemma von Lukaschenko
- Dreieck Minsk – Moskau – Peking
SCHLÄGEREIEN WEGEN BENZIN
In den letzten zwei Tagen wurden verschiedene Videos veröffentlicht, auf denen sich in russischen Tankstellen Käufer verprügeln, weil sie sich benachteiligt fühlen. Videos: https://t.me/exilenova_plus/24129; https://t.me/exilenova_plus/24115

In der südrussischen Region Krasnodar weigern sich die Tankstellenbesitzer Autos mit einer Krim-Kennzeichen mit Benzin zu bedienen. Auf der Halbinsel Krim sind viele Tankstellen ohne Treibstoff. https://t.me/Crimeanwind/103615

Der von Russland eingesetzte Krim Gauleiter Sergey Aksyonov sagte in einem von ihm veröffentlichten Video, dass in den kommenden Tagen keine grösseren Mengen an Kraftstoff in den Verkauf kommen würden, obwohl Putin behauptet habe, die Versorgungsengpässe würden sich bald entspannen. https://x.com/visegrad24/status/2071934343627288747; Video: https://x.com/NOELreports/status/2071923374419308950/video/1
Nach den neuesten Daten gelten in etwa 80 Regionen Russlands vollständige oder teilweise Beschränkungen für den Verkauf von Treibstoff. Lange Warteschlangen werden unter anderem aus Anapa, Brjansk, Irkutsk, Moskau oder Transbaikalien gemeldet. https://t.me/exilenova_plus
Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, dass Russland den möglichen Import von Treibstoff aus anderen Ländern diskutiert, diese Länder aber nicht nennen werde.
Zuvor hatte auch der stellvertretende Premierminister Alexander Nowak erklärt, dass die Behörden den Import von Treibstoff als eines der wichtigsten Instrumente zur Stabilisierung des Binnenmarktes betrachten. https://t.me/milinfolive/175197

KRIM OHNE STROM
Nachdem die Treibstoffversorgung auf der Krim weitgehend zum Erliegen gekommen ist, fokussieren sich die ukrainischen Drohnenangriffe nun auf die Stromversorgung der von Russland besetzten Halbinsel. In dieser Nacht werden zwei Ereignisse gemeldet:
- Wie Satellitenbilder belegen, brennt in Feodosia die Elektrostation Kertsch-Highway. Das Hochspannungs- und Hauptstromnetz von Feodosia sind damit ausgefallen und im Grossteil der Stadt gibt es keinen Strom. https://t.me/Crimeanwind/103611
- Die elektrische Unterstation PS 330/110 kW «West-Krim» in der Nähe des Dorfes Karjernoe im Saksky Bezirk wurde von Drohnen getroffen. «West-Krim» ist ein zentrales Element des Stromübertragungs- und -verteilungssystems der Krim – auf dem Weg von den Kraftwerken zu den Endverbrauchern. Sie versorgt den zentralen und westlichen Teil der Halbinsel, wo die Anzahl der russischen Militärobjekte besonders hoch ist. https://t.me/Crimeanwind/103600

RÜSTUNGSFIRMEN ATTACKIERT
In Pensa – 1’100 km von Kyiv entfernt – brennt es seit heute Morgen im Rüstungsunternehmen «OJSC Mayak». Die Firma gehört zum militärisch-industriellen Komplex und ist auf die Herstellung von radioelektronischen Geräten, Steuerungsinstrumenten und Kommunikationssystemen spezialisiert.
Die Produkte von «Mayak» werden in Flugzeugen, Hubschraubern, Interkontinentalraketen (ICBMs «Bulawa», «Topol-M», «Sinewa») und dem Raketensystem «Iskander» eingesetzt. Ausserdem liefert der Rüstungskonzern Sensoren für die Marschflugkörper X-101 und X-59M2/X-59M2A sowie Messsysteme für die Su-35 und Su-57 her.
«Mayak» gehört zur staatlichen Korporation «Roskosmos» und unterliegt Sanktionen der USA und der Ukraine.
https://x.com/Q0MT6pFmbVqynsM/status/2072171801459781745; https://t.me/exilenova_plus/24222
Gestern hatten ukrainische Drohnen militärisch relevante Objekte in der Region Moskau angegriffen. Eines der Ziele waren Firmen in Dubna. Dort befinden sich das Weltraumkommunikationszentrum. Dieses sorgt für Satellitenkommunikation, Rundfunkübertragungen und staatliche Kommunikationsverbindungen. Ausserdem befinden sich in Dubna das Werk «Kronstadt», in dem Drohnen hergestellt werden und das Werk «Raduga», in dem die Raketen vom Typ Х-101/555, Х-69 und Х-59МК produziert werden. https://x.com/gerashchenko_en/status/2071864865258352962

NOCH KEIN WENDEPUNKT
Verlässliche Informationen über die Lage an der 1. Front, der unmittelbaren Kampfzone, sind schwierig zu erhalten. Diejenigen des russischen Kriegsministeriums sind oft tatsachenwidrig und auch Putin hat am Wochenende teilweise komplett falsche Informationen verbreitet und Orte und Distanzen mehrfach verwechselt.
Direkte Berichte von Frontoffizieren sind selten, umso wertvoller sind die Informationen von General Viktor Nikoliuk, ukrainischer Verteidigungskommandant der Region Donezk:
- Die russischen Verluste übersteigen unsere bei weitem. Zudem sind etwa 60–80 % dieser russischen Verluste Todesfälle.
- Jeder Erfolg, selbst ein relativ kleiner, wie beispielsweise die Zerschlagung feindlicher Streitkräfte im Laufe mehrerer Tage, kann als lokaler Wendepunkt betrachtet werden.
- Betrachtet man die Lage jedoch strategisch, so glaube ich, dass ein entscheidender Wendepunkt noch in weiter Ferne liegt, zumindest in unserem Frontabschnitt.
- Es muss noch eine gewisse Zeit vergehen. Das kann mehrere Wochen dauern, oder auch mehrere Monate, aber dieser Wendepunkt wird kommen. Aus technischer Sicht haben wir bereits gewisse Vorteile.
- Es gibt Fälle, in denen der Feind in Kostiantynivka eindringt. Der Feind nutzt sowohl ungünstige Wetterbedingungen als auch die Auswirkungen seines Artillerie- und sonstigen Beschusses gegen unsere Stellungen aus.
- In vielen Fällen machen diese Angriffe bewohnte Gebiete praktisch dem Erdboden gleich, verursachen Verluste und reißen Lücken in unsere Verteidigung. Der Feind versucht dann, diese Lücken auszunutzen, indem er durch sie hindurch eindringt.
- Wird die Stadt standhalten oder nicht? Bei dem Ausmaß an Unterstützung, das wir derzeit erhalten – wird sie es. Wenn wir weiterhin Personal, unbemannte Flugsysteme und Munition im derzeitigen Umfang erhalten, wird Kostiantynivka standhalten.
- Die Logik des Krieges ist immer dieselbe: Die eine Seite greift an, die andere verteidigt sich. Dieses Grundprinzip ändert sich nie. Was sich jedoch ändert, ist die Art der Kriegsführung selbst.
- Selbst als Soldat braucht man Zeit, sich wieder einzugewöhnen, wenn man die Kampfzone nur für drei Monate verlässt und dann zurückkehrt, denn das Schlachtfeld verändert sich fast täglich.
- Diejenigen von uns, die dort kämpfen, bemerken die allmählichen Veränderungen vielleicht nicht, aber jemand, der aus dem Urlaub oder von einem Einsatz zurückkehrt, merkt schnell, wie viel sich verändert hat. Es braucht Zeit, sich anzupassen.
- In der modernen Kriegsführung geht es darum, wer den anderen taktisch übertrumpfen kann – durch überlegene Planung, Ressourcen und Waffen.
https://youtube.com/watch?v=S8WM54DKQVE; https://x.com/revishvilig/status/2071207844439814294

2. YACHT VON PUTIN UNTERWEGS
Am Montag wurde die «Graceful», das zweigrösste Schiff von Putins Yachtflotte in dänischen Gewässern entdeckt, die sich auf dem Weg in die Türkei befindet. Begleitet wurde die Yacht von zwei Schiffen der russischen Marine. Die «Graceful» ist 82 Meter lang und kostete 100 Mio. US-Dollar. (Siehe Ukraine Aktuell Nr. 1589). Kurz nach den ersten Berichten über diese Reise schaltete die «Graceful» ihre Transponder aus.
Jetzt ist eine weitere Yacht von Putins Privatflotte auf dem Weg in die Türkei. Es handelt sich um die 71 Meter lange «Victoria». Gemäss Schiffüberwachsungsdaten von «Marine Traffic» verliess sie am 26. Juni die Region Krasnodar. Das Schiff wird als die grösste Yacht der sogenannten Schwarzmeerflotte Putins bezeichnet. Es wird auch behauptet, dass auch Putins Geliebte Alina Kabaeva und ihr enges Umfeld die Yacht regelmässig nutzen. Ende 2023 wurde die Victoria in der türkischen Werft Desan in Istanbul einer umfassenden technischen Überholung unterzogen. https://t.me/u_now/204169

LUKASCHENKOS DILEMMA
Der ehemalige ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba bewertete in einem Interview die Reisen von Alexander Lukaschenko, die den weissrussischen Diktator zuerst zu Putin und danach zu Xi führten:
«Putin hat zwei Tage lang in Valdai Druck auf Lukaschenko ausgeübt. Danach flog Lukaschenko direkt nach Peking. Diese Abfolge ist kein Zufall. Er reiste nach China, um den Stress abzubauen, den er während des Treffens mit Putin erfahren hatte, und nicht, um die Erlaubnis zum Kriegseintritt zu erhalten. (…) Das ist nichts Neues. Als Putin einmal Druck auf Lukaschenko ausübte, die Integration in den von Moskau beherrschen Unionsstaat beschleunigen – im Grunde genommen, um Weissrussland zu schlucken –, rief Lukaschenko in Peking an. Und dieser Druck auf Minsk liess auf mysteriöse Weise nach. Die Abfolge von Valdai nach Peking folgt demselben Muster. (…) Lukaschenko will nicht, dass Weissrussland in den Krieg hineingezogen wird; er weiss, dass ukrainische Angriffe auf Weissrussland schnell und verheerend wären. Aber er kann Putin nicht einfach „Nein“ sagen, denn das Überleben seines Regimes hängt von Moskau ab. Er ist hin- und hergerissen zwischen „Ich will nicht“ und „Ich kann nicht ablehnen“» Video: https://x.com/mylovanov/status/2071864368073982395

BELARUS – CHINA CONNECTION
Der weissrussische Diktator Alexander Lukaschenko war über das Wochenende zwei Tage in Putins Wohnsitz zu geheim gehaltenen Gesprächen und reiste danach nach Peking (siehe «Ukraine Aktuell Nr. 1588 und 1589»). Der ukrainische Journalist Anton Gerashchenko analysiert, was in diesem Dreieck Russland – Belarus – China geschieht (Originaltext von mir leicht gekürzt).
«Zum ersten Mal gab es nach dem Treffen zwischen Putin und Lukaschenko in Valdai weder eine gemeinsame Pressekonferenz noch inhaltliche Erklärungen, ja nicht einmal den traditionell-symbolischen Fototermin. Das Treffen dauerte zwei Tage.
Unmittelbar danach reiste Lukaschenko eilig nach Peking, und dieser Besuch wurde mit für China beispielloser Geschwindigkeit organisiert, wo er von Xi Jinping persönlich empfangen wurde. Der Besuch war weder geplant noch im Voraus angekündigt worden. Offenbar war er für beide Seiten dringend und wichtig.
Der chinesische Staatschef betonte die Unterstützung für die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität von Belarus. Formal handelt es sich dabei um eine übliche diplomatische Floskel. Unter den gegenwärtigen Umständen kann dies jedoch als Signal gedeutet werden: Peking erklärt Belarus zu seinem Protektorat und deutet an, dass es dort eigene Interessen verfolgt. Und wir wissen, worin diese Interessen bestehen – Belarus ist ein bedeutender Produzent von Kalidüngemitteln, ein wichtiger logistischer Knotenpunkt zwischen Russland und Europa sowie Teil der Landhandelswege Chinas.
Derzeit sieht es so aus, als habe Lukaschenko Putins Forderungen, Belarus noch tiefer in den Krieg mit der Ukraine hineinzuziehen, zurückgewiesen und sich an Peking gewandt, um Schutz zu erlangen.
Die Zeit wird zeigen, ob diese Annahmen zutreffen.
Wenn ja, hat sich die geopolitische Konstellation der Region grundlegend verändert.
Sollte China gegenüber Weissrussland (und der Ukraine) eine aktivere Haltung einnehmen, würde ich nicht ausschliessen, dass auch die Länder Zentralasiens weniger auf Russland hören und sich zunehmend China als Zentrum ihrer Interessen zuwenden.
Unterdessen gab Putin nach den Gesprächen mit Lukaschenko eine der wichtigsten Erklärungen der letzten Monate ab. Er lehnte den ukrainischen Vorschlag für eine gegenseitige Einstellung der Fernangriffe nicht nur einfach, sondern er eskalierte die Lage. Einerseits forderte er die „vollständige Befreiung des Donbass und von Noworossija“ und er bestand darauf, dass künftige Verhandlungen nicht nur die Ukraine, sondern das gesamte europäische Sicherheitssystem betreffen müssen.
Somit wird deutlich, dass der Krieg zunehmend über den Rahmen eines bilateralen Konflikts zwischen Russland und der Ukraine hinausgeht. Er entwickelt sich zu einem chinesisch-russischen Instrument zur Neugestaltung des gesamten europäischen Sicherheitssystems, und sein weiterer Verlauf hängt immer stärker von den strategischen Kalkülen Pekings ab.» https://x.com/gerashchenko_en/status/2071546120099004685



