UKRAINE AKTUELL Nr. 1589 (30.6.2026 / 8Uhr)

  • Putins 100 Mio. $ Yacht gesichtet
  • Isolation der Krim geht weiter
  • Kein Strom mehr auf der Halbinsel
  • Russische Soldaten leben nur kurz
  • Moskau von Drohnen überfordert
  • Der «Geist von Anchorage» ist tot
  • Zelenskyj ruft zum Widerstand auf
  • Lukaschenko reiste nach Peking

PUTINS YACHT GESICHTET

Putin hat aus dem gestohlenen Vermögen des russischen Staates unter anderem sechs Yachten gekauft – wobei er dessen Eigentumsverhältnisse jeweils verschleierte. Das zweitteuerste Luxusschiff heisst «Graceful», ist 82 Meter lang, wurde in Hamburg gebaut und kostete vor dem Krieg Russlands gegen die Ukraine rund 100 Millionen US-Dollar. Die Yacht steht auf der Sanktionsliste westlicher Staaten.

Jetzt wurden Putins Yacht zum ersten Mal seit Beginn des umfassenden Krieges gesichtet. Laut dänischen Medien hat Putins Yacht in der Nacht zu Montag den Grossen Belt durchquert und ist am Montag an Anholt vorbeigefahren mit Kurs auf Skagen. Gemäss dem Tracking-Dienst MarineTraffic ist Istanbul der Zielort.

Begleitet wurde Putins Privatyacht vom russischen Militär-Patrouillenboot «Voejvoda» und dem Zerstörer «Nastojchivy». Die dänische Armee schickte zur Überwachung das Patrouillenboot «Freja», das zu keinem Zeitpunkt eingriff. https://www.dr.dk/nyheder/indland/putins-superyacht-sejler-forbi-danmark-efter-mere-end-3-aar-under-radaren; https://t.me/Crimeanwind/103515  ; Hintergrundartikel zu Putins Yachten, Flugzeugen, Helikoptern und Eisenbahnen aus dem Jahr 2022: https://ukraineaktuell.com/putin-besitzt-mindestens-6-yachten/

ISOLATION DER KRIM

Die ukrainische Drohnenkampagne gegen die russischen Besatzer der Krim geht auch diese Woche weiter. Einer der Schwerpunkte sind Angriffe auf Trafostationen für die Elektrizitätsversorgung. Am Montag wurden entsprechende Anlagen bei den Dörfern Karjernoe (Bezirk Saki), Vypasnoe (Bezirk Dschankoj), Alexandrowka (Bezirk Krasnogwardeisk), Marjanowka (Bezirk Krasnogwardeisk) und die Station Dschankoj in der Stadt Dschankoj angegriffen. https://t.me/Crimeanwind/103516

Nach ukrainischen Angriffen auf die Stromversorgung der Krim haben die russischen Behörden und das staatliche Unternehmen «Krymenergo» am Montag Einschränkungen der Versorgung mit Elektrizität eingeführt. Weil die Betreiber von den Angriffen überrascht wurden, gibt es keine geregelten Stromabschaltpläne. «Die Abschaltungen werden punktuell und nach Bedarf vorgenommen», schreibt «Krymenergo». https://t.me/crimeaenergy/6241

Auf der Krim ist als Folge der Stromausfälle auch die Wasserversorgung gefährdet. Igor Ivyn, der von Russland eingesetzte Gauleiter für Dschankoj, schreibt auf seinem Socialmedia-Konto: «Aufgrund der Einführung einer vorübergehenden Einschränkung der Stromversorgung wird die Wasserversorgung in der Stadt nach folgendem Zeitplan erfolgen: von 06:00 bis 09:00 Uhr und von 18:00 bis 21:00 Uhr. Ich bitte die Bewohner, rechtzeitig einen ausreichenden Vorrat an Wasser zu beschaffen.» https://t.me/krymrealii/37930

In Simferopol, in den Gebieten Mokotsel und dem Bahnhof, gab es am Montagabend kein Licht. «Crimeawind» schreibt: «Es ist dunkel in den Häusern und Geschäften, die Ampeln funktionieren nicht, und die Trolleybusse stehen still.»  https://t.me/Crimeanwind/103523

Die Versorgung mit Internetdiensten auf der Krim ist gefährdet. Die Anbieter von Internetdienstleistungen wurden nicht auf die Liste von «versorgungsrelevanten Betrieben» genommen. Damit haben sie kein Recht, Notrationen von Benzin für den Betrieb von Notstromgeneratoren zu erwerben. Durch den Ausfall der Elektrizität können wesentliche Dienste nicht mehr garantiert werden und dazu gehören beispielsweise auch Bankomaten für den Bezug von Bargeld. https://t.me/krymrealii/37929

Russische Militärblogger zeigen von der Krim Bilder eines ausgebrannten Lastwagens, der Gemüse transportierte und einen Fahrer eines anderen Transporters, der kurz vor dem Einschlag einer «Hornet»-Kamikaze-Drohne aus dem Fahrzeug flüchten konnte. Kurz darauf brannte sein Fahrzeug aus. https://t.me/milinfolive/175174

KURZE ÜBERLEBENSZEIT

Im Bereich der 1. Front – der unmittelbaren Kampfzone – leben russische Soldaten im Durchschnitt 20-35 Minuten. Das schreibt der britische Historiker Peter Frankopan in einem Beitrag für das Magazin «Foreign Policy». Aktuell verliere die russische Armee jeden Monat 30’000 Mann und oft vergehen nicht mehr als drei Wochen zwischen der Unterzeichnung eines Vertrags und dem Tod eines Soldaten.

Peter Frankopan schreibt, dass Russland aufgrund des umfassenden Einsatzes von Drohnen für jeden getöteten Ukrainer etwa acht Soldaten verliert. Trotz der enormen Verluste erzielen die Besatzer jedoch keine territorialen Gewinne.

Der ehemalige Leiter des US-Militärgeheimdienstes, Robert Ashley, ist der Ansicht, dass sich die Ukraine «auf dem Weg zum Sieg befindet», da Russland nach wie vor nicht in der Lage ist, seine wichtigsten militärischen Ziele zu erreichen. https://foreignpolicy.com/2026/06/25/russia-ukraine-war-putin-escalation-nato-europe/

WEHRLOSES MOSKAU

In der Nacht auf heute wurde Moskau aus verschiedenen Richtungen angegriffen. Einzelne Videos zeigen Brände in Jegorjewsk und Dubna und der Bürgermeister von Moskau berichtete, dass bis jetzt 50 ukrainische Drohnen abgeschossen worden seien. https://t.me/uniannet/194842

Die Militärblogger von «Milinfolive» veröffentlichen einen kritischen Text zu den erfolgreichen Angriffen ukrainischer Drohnen gegen Moskau und warum die russische Luftabwehr dagegen nicht genug unternehmen kann.

Mit einer Statistik belegen die Blogger, dass die ukrainische Armee seit März 2026 insgesamt mehr Drohnen gegen Russland einsetzt als die russische Armee gegen die Ukraine.

Für das jeweils stark geschützte Moskau habe dies unmittelbare Folgen: «Die Hauptänderungen erfolgten nicht in der Organisation, der Qualität oder der Anzahl der russischen Luftverteidigung, sondern in der Anzahl der ukrainischen Drohnen. Seit 2026 hat die Ukraine aufgrund der Ausweitung der eigenen Produktion und westlicher Lieferungen die Anzahl der in Russland gestarteten Drohnen drastisch erhöht und kann täglich Hunderte billiger Langstreckendrohnen einsetzen.»

Die Ukraine kann aktuell jeden Monat 5’000 Langstreckendrohnen selbst produzieren und dagegen ist das russische Verteidigungssystem machtlos: «Die Besonderheit solcher Drohnen besteht darin, dass sie viel billiger sind als die gegen sie eingesetzte Flugabwehrrakete und vor allem das Flugabwehrsystem, das sie startet. (…) Infolgedessen wird bei Hunderten gestarteter Drohnen die absolute Mehrheit beim Anflug auf das Ziel abgeschossen, aber die durchgebrochenen Einheiten reichen aus, um ernsthaften Schaden anzurichten, an so schlecht geschützten Zielen wie Raffinerien, Tanklager, offene Lagerplätze usw.» https://t.me/milinfolive/175172

TOTER «GEIST VON ANCHORAGE»

Wochenlang hatten Trump und der Kreml von einem «Geist von Anchorage» gesprochen, einem angeblichen Abkommen zwischen den USA und Russland auf Kosten der Ukraine. Am Wochenende hatte Putin erstmals gesagt, dass es zu diesem «Geist» keine schriftliche Vereinbarung gebe, sondern die USA lediglich «Kompromissvorschläge» unterbreitet hätten. (Siehe Ukraine Aktuell Nr. 1588).

Einen Tag später sagte auch US-Aussenminister Marco Rubio, dass beim Treffen zwischen Trump und Putin im August 2025 in Anchorage kein Abkommen getroffen worden sei: «In Alaska wurde lediglich ein Angebot gemacht, und es gab dort nie eine Vereinbarung», sagte der US-Aussenminister. https://t.me/milinfolive/174914

ZELENSKYJ: «DENKT NACH!»

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj sagte am Montagabend unter anderem in Richtung des russischen Volkes:

  • «Wir haben bereits alle Vorschläge gemacht, um diesen Krieg zu beenden, und Russland lehnt jedes Mal ab. Am Vortag wurde erneut der klare Wunsch Russlands, Krieg zu führen, geäussert. Also müssen wir so viele Hindernisse wie möglich schaffen, um den Wunsch, weiter Krieg zu führen, zu verhindern.»
  • Seit Beginn des umfassenden Krieges wurden der russischen Armee bereits 15 Fristen für die Eroberung unserer Region Donezk gesetzt. Die politische Führung Russlands träumt ständig vom Donbass.
  • Wenn Putin noch eine Million seiner Soldaten opfern will, um weiter gegen diese Mauer zu kämpfen, dann sollten eine Million dieser Russen, die noch nicht in die russische Armee eingezogen wurden und sich in Warteschlangen um Benzin streiten, darüber nachdenken, was ihnen weiterhin bevorsteht. https://t.me/V_Zelenskiy_official/19681https://www.president.gov.ua/en

LUKASCHENKO IN PEKING

Nach seinem zwei Tage dauernden Besuch bei Putin (siehe Ukraine Aktuell Nr. 1588) ist der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko nach Peking weitergereist. Dort wurde der sichtlich abgemagerte Lukaschenko mit allen militärischen Ehren empfangen.

Während der Gespräche mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping sprach Lukaschenko von einer «globalen Zusammenarbeit mit China». Zudem erklärte er, Weissrussland und die VR China seien «untrennbare Freunde». Lukaschenko: «Sie und ich tauschen uns ständig über die internationale Agenda und die Lage in der Region aus. Ich halte Sie regelmässig darüber auf dem Laufenden. Ich bin der Meinung, dass wir diese Kontakte auch in Zukunft fortsetzen sollten», sagte der durch Wahlbetrug an der Macht bleibende belarussische Staatschef. https://x.com/wartranslated/status/2071555384267984922

In einer Erklärung der chinesischen Regierung hiess es: «Die Beziehungen zwischen China und Belarus haben den Herausforderungen der internationalen Lage standgehalten» und «treten nun in die beste Phase ihrer Geschichte ein». Xi erklärte Lukaschenko gegenüber, ihre beiden Länder «sollten Ressourcen in allen Bereichen mobilisieren, um den Aufbau der ‚Belt and Road‘-Initiative voranzutreiben und die praktische Zusammenarbeit zu vertiefen», so die Erklärung. https://www.kyivpost.com/post/79232

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