#UKRAINE AKTUELL Nr. 1580 (21.6.2026 / 8Uhr)

  • Russlands Armee sucht Soldaten
  • Kreml beharrt auf Kapitulation
  • Ukraine gegen Zugeständnisse
  • Übergänge zur Krim zerstört
  • Brände in den Kertsch-Häfen
  • Moskauer Raffinerie steht still
  • Drohne flog mehr als 2’000 km
  • Azov-Drohnen gegen Mariupol
  • Budanov: «Schockierte Russen»

PUTIN FEHLEN DIE SOLDATEN

«Was würden Sie mit einem Bonus von 80’000 Dollar anfangen, der mehr als das Vierfache eines durchschnittlichen Jahresgehalts beträgt? Oder mit einem Schuldenerlass in Höhe von 140’000 Dollar? Das sind die Fragen, die Männern in Russland gestellt werden, während das Militär mit Anreizen in Höhe von mehreren Millionen Rubel für den Einsatz in der Ukraine wirbt», so beginnt der Recherchebericht von CNN.

Die Journalisten schreiben, dass Russlands personeller Vorteil gegenüber der Ukraine zu schwinden beginnt. Laut dem russischen Wirtschaftsexperten Janis Kluge gingen die Rekrutierungszahlen für die russische Armee im ersten Quartal 2026 im Vergleich zu 2025 um 20 % zurück. Das Reservoir an Verbrechern ist ausgeschöpft, denn die russische Armee hat bereits Zehntausende Strafgefangene an die Front geschickt und Verstärkung aus Nordkorea erhalten.

Eine breite Mobilisierung sei ein möglicher Ausweg, dem aber der Widerstand der Bevölkerung und die wirtschaftlichen Probleme des Landes entgegenstehen.

Putin habe zwei Möglichkeiten, sagt Nigel Gould-Davies, vom International Institute for Strategic Studies (IISS): «Entweder er verschärft seine Anforderungen an die russische Wirtschaft und Gesellschaft radikal oder er schraubt seine Kriegsziele zurück.» https://edition.cnn.com/2026/06/14/europe/russia-manpower-problem-ukraine-war-intl

MAXIMALISTISCHER KREML

Ungeachtet der Niederlagen an der Front und den Angriffen auf Moskau hält der Kreml an seinen maximalistischen Forderungen fest und fordert nicht weniger als die Kapitulation der Ukraine. Die Analysten des amerikanischen «Institute for the Study of War» (ISW) schreiben:

«Der russische Aussenminister Sergej Lawrow lehnte die kürzlich von der Ukraine und ihren europäischen Partnern vorgeschlagenen Friedensbedingungen ab und machte damit deutlich, dass der Kreml weiterhin kein Interesse an Friedensvorschlägen hat, die die russischen Forderungen nach einer Kapitulation der Ukraine nicht akzeptieren. Lawrow erklärte zudem, dass Russland die Umsetzung angeblicher Vereinbarungen anstrebe, die während des US-russischen Alaska-Gipfels im August 2025 erzielt worden seien, obwohl es keinerlei offizielle Unterlagen über auf dem Gipfel erzielte Vereinbarungen gibt.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow und der russische Aussenminister Sergej Lawrow bestätigten die ukrainischen Angriffe vom 18. Juni auf Moskau. Sie begannen, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Angriffsserien gegen die Ukraine fortzusetzen und zu intensivieren.»

https://www.facebook.com/InstitutefortheStudyofWar/posts/pfbid0vHn8Qdg8iFAG9YXLth96gfUyyouDFojtCWz4U3A6b2zsauMwvxT1FizyaDwZiJU3l

KEINE ZUGESTÄNDNISSE

Kyrylo Budanov, Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, lehnt jede Gebietsforderung des Kremls ab:

«Die roten Linien bleiben unverändert: Die Ukraine erkennt unter keinen Umständen territoriale Verluste an und wird dies auch in Zukunft nicht tun; sie lehnt jegliche Idee ab, Land im Austausch für Frieden abzutreten.

Jeder Versuch, solche Zugeständnisse aufzuzwingen, wird als inakzeptabel und als Verstoss gegen das Völkerrecht und die Souveränität der Ukraine angesehen.

Diese Haltung spiegelt den allgemeinen Grundsatz wider, dass dauerhafter Frieden nicht auf der Legitimierung von Besatzung oder Gewalt aufgebaut werden kann.

Die Ukraine setzt sich weiterhin für die vollständige Wiederherstellung ihrer territorialen Integrität ein.» https://twitter.com/dakdar22/status/2068307047112663053

KRIM-ÜBERGÄNGE ZERSTÖRT

Eine zerstörte Brücke, eine Brücke mit drei Löchern in der Fahrbahn und vereinzelte Potonbrücken-Teile der russischen Armee. Dieses Bild enthüllt eine Satellitenaufnahme der Genichesk-Autobrücke über die Arabat-Strasse.

Die Autobrücke in Armjansk wurde an vier Stellen beschädigt, vier Lücken im Brückenbelag wurden festgestellt. Aufgrund dieser erheblichen Schäden wird die Brücke nicht genutzt. Allerdings haben die Russen in der Nähe bereits eine Schutthaldeüberfahrt eingerichtet und nutzen sie anstelle der Brücke.

In der 2. Front hinter der Kampflinie wurde die Eisenbahnbrücke bei Rozdolne über den Nordkrimkanal so stark beschädigt, dass sie nicht mehr verwendet werden kann. Die Aktion wurde von der „MiddleStrike Ballista“-Drohneneinheit der ukrainischen Armee durchgeführt. In ihrer Mitteilung schreiben sie: «Die Drohnen werden die Spielregeln schneller ändern, als der Feind Gleise verlegen kann.» https://x.com/noelreports/status/2067856887622640055; https://x.com/front_ukrainian/status/2068393924901671309/photo/1

Selbstkritisch schreiben die russischen Blogger von «Milinfolive»: «Wie erwartet ist es für den Gegner nicht schwierig, die Pontons aufgrund ihrer geringen Stabilität und der starken Kampfkraft der Drohnen zu treffen. Ausserdem wurden erneut Angriffe auf gezwungene offene Parkplätze von Frachttransporten durchgeführt, die aufgrund der Sperrung des Verkehrs auf ihr Schicksal warten.» und noch offener kritisieren dieselben Blogger die Blödheit der russischen Militärs: ««Darüber hinaus werden nicht nur bereits installierte Pontons angegriffen, sondern auch ihre Vorräte, die aus Unklugheit in Haufen unter freiem Himmel aufgestapelt sind.» https://t.me/milinfolive/174145

Die ukrainischen Blogger von «ExileNovaPlus» sind noch etwas zurückhaltend: «Insgesamt dauert die Kampagne an, die Logistik der Russen ist erheblich beeinträchtigt, aber ein «Zusammenbruch» ist noch weit entfernt.» https://t.me/exilenova_plus/23390;

«Die Krim ist für die Russen der Schwerpunkt dieses Krieges», sagte der Analyst Mykhailo Samus. Werde die Blockade ignoriert, warnte er, könne dies «einen ideologischen Zusammenbruch des Putin-Regimes von innen heraus» bedeuten. https://euromaidanpress.com/2026/06/19/russian-forces-depend-on-crimea-ukraine-is-turning-it-into-an-island

Die ukrainische «Euromaidan Press» fasst zusammen: «Die Ukraine trennt die besetzte Krim vom russischen Festland ab und verstärkt ihre logistischen Angriffe. Dies könnte die Offensive in Saporischschja vorzeitig beenden, die Besetzung des Gebiets Cherson ersticken und Moskau dazu zwingen, seine schwindenden Luftabwehrkräfte zur Verteidigung der Halbinsel umzuleiten.» https://x.com/euromaidanpress/status/2068123666768916749

BRÄNDE BEI KERTSCH

Die zwischen Russland und der besetzten Krim illegal erbaute Kertsch-Brücke ist eine der wenigen noch funktionierenden Versorgungsrouten. In dieser Nacht wurde nicht die Brücke, aber der Hafen von Kertsch (45°20’04.25″N 36°27’57.93″E) und der Hafen Kavkaz (45°20’09.15″N 36°40’18.90″E), bei der Kertsch-Brücke von mehreren ukrainischen Drohnen angegriffen.

Videos und Fotos zeigen grosse Brände in den Hafenanlagen und bei den Umschlagplätzen für Erdöl- und Erdgasprodukte. Zu Schaden gekommen sein sollen ausserdem eine Luftabwehrbatterie und der Standort der militärischen Einheit Nr. 98546.

Die ukrainischen Militärblogger von «ExileNovaPlus» schreiben: «Früher war die Stadt voll von Luftverteidigungssystemen und mobilen Feuergruppen, und es war sehr schwierig, hier durchzukommen, aber wir sehen, dass die Russen aufgrund des systematischen Ausschaltens der Luftverteidigungssysteme allmählich die Kontrolle über Städte verlieren, die bisher gut geschützt schienen.» https://t.me/exilenova_plus/23423;  https://t.me/exilenova_plus/23419

KAPUTTE KAPOTNYA

Nach dem Angriff auf die Ölverarbeitungsanlage «Kapotnya» in Moskau – 15 Kilometer vom Kreml entfernt – veröffentlichte der ukrainische Generalstab ein Satellitenbild der beschädigten Anlage.

Der Generalstab schreibt: «Die Anlage, die für fast 50% der Treibstoffversorgung von Moskau zuständig ist, hat nach dem Angriff vom Donnerstag den Betrieb eingestellt.»

Nicht mehr verwendet werden können die Primärölverarbeitungsanlage AVT-6 – hier wird das Rohöl in verschiedene Elemente wie Teer, Schweröl, Heizöl, Diesel, Benzin etc. aufgeteilt. Ebenfalls kaputt sind die kombinierte Ölverarbeitungsanlage (KUPN) und drei Tanks mit 10’000 bis 30’000 Kubikmeter Fassungsvermögen.

Russische Blogger schreiben, dass «die kombinierten Ölverarbeitungsanlage und 6 Tanks mit Treibstoffen unterschiedlichen Grades beschädigt wurden.» https://www.facebook.com/GeneralStaff.ua/posts/pfbid026XE81AYZJudao5zYUrGxBYtwDVftSsvLhSebWX8xVUDvFiYZrTyxpYcJSC4y8DcJl; https://t.me/milinfolive/174621

2’000 KM DROHNEN-FLUG

Drohnen der Streitkräfte der Ukraine griffen die Tjumen-Ölraffinerie an, die mehr als 2’000 km von der Grenze zur Ukraine entfernt ist.

Der Gouverneur der Region, Alexander Moor, erklärte, dass der Angriff erfolgreich abgewehrt wurde und Trümmer gefallen sind. Bilder zeigen Rauch aus dem Werk aufsteigen, die aber die Folgen eines «Druckablasses» und nicht eines Schadens seien.

Volodymyr Zelenskyj meldete sich am Abend per Video und sprach über die «Sanktionen mit grosser Reichweite» als Antwort auf die russischen Angriffe: «Heute kamen neue, modernisierte Fire-Point-Drohnen zum Einsatz, die ein bis zu 3’000 km entferntes Ziel erreichen können. Sie waren es, die die Raffinerie in Tjumen angegriffen haben. Ich bin den Ingenieuren von Fire Point dankbar.» https://t.me/milinfolive/174608; https://www.president.gov.ua/en/news/sogodni-vnochi-ta-najblizhchim-chasom-treba-osoblivo-uvazhno-105061

RUSSISCH FÜR LEICHTGLÄUBIGE

Die ukrainische Armee hat bis zu 50% der russischen Ölraffinerie-Kapazitäten durch Drohnenangriffe stillgelegt. Elvira Nabiullina, Vorsitzende der Russischen Zentralbank, hat dafür eine schöne Formulierung erfunden – ganz im Sinne des Kremls und der Verneblung: «temporäre Stilllegung bestimmter Industriekapazitäten.»

MARIUPOL ATTACKIERT

Die Hafenstadt Mariupol liegt in der von Russland besetzten Südzone der Ukraine und wurde letzte Woche erstmals zu einem Ziel in der 2. Front, hinter den Kampflinien. Über den Angriff berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Verantwortlich für den Einsatz war das Azov-Korps, welches die Hafenstadt im Frühling 2022 während drei Monaten verteidigt hatte. Die Azov-Drohnenpiloten griffen Umspannwerke, Reparaturanlagen und ein mit internationalen Sanktionen belegtes Schiff an.

Zum Einsatz kamen «Hornet»-Drohnen. Diese sind mit Starlink-Terminals und Künstlicher Intelligenz ausgerüstet, werden von der Firma «Perennial Autonomy» des ehemaligen Google-CEO Eric Schmidt produziert und haben nun eine Reichweite von deutlich mehr als den ursprünglich vorgesehenen 100 Kilometern. https://www.reuters.com/world/europe/ukraines-azov-fighters-were-forced-mariupol-now-theyre-hitting-back-2026-06-18

SCHOCK FÜR DIE RUSSEN

Kyrylo Budanov, Ex-Chef des Armeegeheimdienstes und heute Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, sprach am Samstag über eine «interessante Story». Er wurde von Journalisten gefragt, was er zum Angriff auf das russische Ölwerk in Moskau vom Donnerstag sage und Budanov antwortete: «Klar, für uns hat das eine bestimmte Bedeutung. Aber die interessantere Story ist: Was bedeutet das für die Russen? Für sie waren das die ersten Angriffe (auf Moskau) seit dem 2. Weltkrieg. Aber die Intensität ist um einiges höher und das ist ein reales Problem für sie. Ihr Land war moralisch nicht darauf vorbereitet, dass Drohnen, überall Drohnen, und Raketen in solchen Massen einfliegen konnten. Das ist ein Schock für sie und sie können das überhaupt nicht verstehen, und die Gesellschaft ist ebenfalls nicht bereit, dies zu akzeptieren. Es ist genau das, von dem sie glaubten, es könne nie geschehen. Weil sie meinten, sie seien sehr stark, sehr mächtig und alle hätten Angst vor ihnen. Aber es kommt anders als man denkt.»
(2 Fotos aus russischen Selfie-Videos); https://x.com/DakdaR22/status/2067965548386746682/video/1

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