- Angriff auf Moskau: Die Folgen
- 1’000 Drohnen abgeschossen
- Entsetzte russische Blogger
- Westen finanziert mehr Waffen
- Ukraine hat «ganz gute Karten»
BILANZ DES MOSKAU-ANGRIFFS
Der meistgelesene russische Militärblogger «Rybar» schreibt seinen 1,55 Millionen Lesern auf Telegram: «In der Nacht und am Morgen des 18. Juni fand einer der grössten Angriffe ukrainischer Drohnen auf Russland statt: Laut Verteidigungsministerium wurden in der Nacht 555 Drohnen abgeschossen, von denen über zweihundert auf Moskau und Umgebung abgefeuert wurden.» https://t.me/rybar/81162
Das russische Verteidigungs-/Kriegs-Ministerium meldete, dass 992 Drohnen, vier Langstrecken-Marschflugkörper und zehn Fliegerbomben von der russischen Luftverteidigung innerhalb eines Tages abgeschossen wurden. https://t.me/barantchik/37915
Mehrere Drohnen trafen die Moskauer Ölraffinerie «Kapotnya» und die nahen Tanklager. Auch der Wohnkomplex «Kotelniki Park» und der Markt «Sadovod» wurden beschädigt. Dies geschah teilweise durch fallende Drohnen, die abgeschossen worden waren oder durch direkten Beschuss der russischen Luftabwehr, welche die Ziele verfehlte. Der Verkehr auf der grossen Umfahrungsstrasse von Wolgograder Prospekt bis Kashirskoe Shosse war in beiden Richtungen gesperrt.
Ein Bild, das um die Welt ging, zeigt die Explosion eines Öltanks, worauf dessen grosser, massiver Metalldeckel wie ein «Frisbee» in die Luft geschleudert wird. Eine Videoanalyse zeigt, dass es ein russisches Luftabwehrgeschoss war, das den Tank traf und die Explosion auslöste. https://t.me/exilenova_plus/23289

Der mehrschichtige, dichte Luftabwehrring rund um das Kreml-Zentrum wurde mit Flugbomben und FirePoint «Flamingo»- Marschflugkörpern ausgeschaltet. Die Firma FirePoint zeigt auf der Pariser Waffenmesse den Angriff auf die Moskauer Ölraffinerie an ihrem Verkaufsstand mit Live-Bildern. Dabei wurde auch die «Flamingo» vorgestellt, die beim Einsatz in Moskau verwendet wurde. https://t.me/zhivoff/26863
Die Brände in der Moskauer Ölraffinerie «Kapotnya» wurden am Donnerstag gelöscht. Wann die Anlage wieder ihren Betrieb aufnehmen kann, ist unklar. Nach den Angriffen stiegen in Moskau die Preise für Treibstoffe an den Tankstellen.
Über der Region Moskau wurde «schwarzer Regen» festgestellt. Es handelt sich dabei um einen öligen schwarzen Belag, der sich auf Autos, Pflanzen und Menschen festsetzt. Ähnliches wurde bereits bei den Bränden der Ölraffinerie in Tuapse festgestellt. https://t.me/barantchik/37918

DIE ANTWORT RUSSISCHER BLOGGER
Die Kommentare von russischen Militärbloggern sind von Panik und Wut gegen die eigene Armeeführung geprägt, aber auch von Rachefantasien gegen das ukrainische Volk. Hier gekürzt wiedergegeben:
- «Fighterbomber» schrieb: «Die Angriffe auf Moskau sind alarmierend und besorgniserregend, vor allem weil in den letzten vier Jahren rund um Moskau ein Luftabwehrsystem aufgebaut wurde, das weltweit seinesgleichen sucht. (…) Das bedeutet, dass der Feind die Kräfte und Mittel, die zum Treffen des Ziels erforderlich sind, richtig berechnet hat. Ihr aber nicht.» https://t.me/bomber_fighter/25616
- Alexei Sunkonkin fordert den Einsatz von Nuklearwaffen gegen die Ukraine: «Ja, und ausserdem sollte man der Bevölkerung des Landes erklären, wo die «roten Linien» verlaufen, nach deren Überschreiten der Feind gemäss der geltenden Nukleardoktrin in einem Atomfeuer verbrennen sollte.» Gleichzeitig höhnt Sunkonkin gegen die eigene Politik und Armee: « Nach den massiven Angriffen auf Moskau forderte die Staatsduma, «ernsthaft mit dem Krieg zu beginnen». Ich frage mich, ob der Generalstab davon weiss?» https://t.me/A_S_Sukonkin/9938
- Der Blogger «Gewichte» fragt, warum die Drohnen nicht vom äusseren Ring der Moskauer Luftabwehr abgeschossen wurden: «Wir verstehen das nicht, warum sie auf der Moskauer Ringstrasse abgefangen werden, aber nicht schon vorher an der Grenze zur Region Moskau. Gibt es wirklich keine Radargeräte?» https://t.me/svarschiki/12593
- Alexey Zhivov: «Der Feind scheint die Grenzen der Möglichkeiten der Hauptstadt-Luftverteidigung ausgelotet zu haben. Angesichts der Tatsache, dass alle diese Angriffe über Palantir (amerikanische Kriegsanalyse-Softwre) koordiniert und sofort analysiert werden, hat der Gegner jetzt ein Verständnis für die Grenzen der Verteidigungsmöglichkeiten Moskaus.» https://t.me/zhivoff/26847
- Der «Alte Soldat 1969» schreibt, dass die Drohnen den Druck auf den Kreml erhöhen und zu einer Destabilisierung führen können: «Man darf nicht ausser Acht lassen, dass Putin gezwungen sein wird, seinen Aufenthalt in der Moskauer Region einzuschränken, was die Managementkrise verschärfen könnte.» https://t.me/OldSoldier1969/5333
- Andrey Medwedew findet das alles nicht so schlimm: «Von den 555 Drohnen erreichten nur wenige ihr Ziel.» und über die Ukraine höhnt er: «Die Menschen haben nichts Gutes mehr im Leben, die Bevölkerung ist fast um die Hälfte geschrumpft und nimmt weiter ab, sie schlafen in der U-Bahn, und doch ist die Freude unglaublich – in Moskau brennt etwas.» https://t.me/MedvedevVesti/26170
- Das «Aufklärungstagebuch» ist ernüchtert drohend gleichzeitig: «Es ist lustig, aber in Teheran ist es derzeit sicherer und ruhiger als in Moskau, obwohl der Iran keine Atomwaffen hat, aber stattdessen Stahlnerven. Das Ergebnis ist vor der Tür. Die gesamte SVO (Überfall Russlands auf die Ukraine) basierte auf einem einfachen Prinzip. Der Krieg würde irgendwo weit weg stattfinden, und im Hinterland würde es ein friedliches normales Leben ohne Mobilisierung geben. Für den Durchschnittsbürger würde sich nichts ändern. Aber die Provokation durch Schwäche und das ständige Verschieben der roten Linien führten letztendlich zu Angriffen auf die Hauptstadt. Das Ergebnis war vorhersehbar.» https://t.me/razvedka_ros/31093
- Juri Baranchik hebt hervor: «bald sind Wahlen für die Staatsduma. Und wenn die Behörden das nicht schnell und hart beenden, dann sind die «elektoralen Folgen» der «Vergeltungsschläge» selbst für Laien verständlich.» https://t.me/barantchik/37914
- «Rybar» hebt das Problem hervor, dass massive ukrainische Angriffe die Bestände an Luftabwehrraketen Russlands erschöpfen: «Der massive Angriff ukrainischer Drohnen auf Moskau (und die allgemeinen Ereignisse im Gebiet der militärischen Sonderoperation) hat erneut die Frage nach einem Mangel an Boden-Luft-Raketen (SAMs) aufgeworfen. (…) Die Montage des RAS-3-SAM-Systems ‚im Handumdrehen‘ ist aufgrund seiner Komplexität schlichtweg unrealistisch. Dafür sind äusserst knappe Komponenten, qualifizierte Fachkräfte und vor allem Verträge erforderlich.» https://t.me/rybar/81158

MEHR WAFFEN FÜR DIE UKRAINE
GROSSBRITANNIEN: London wird Kyiv bis Ende des Jahres 150’000 in der Ukraine produzierte Drohnen finanzieren und mehr als 350 Raketen für Luftverteidigungssysteme übergeben. Das kündigte der britische Verteidigungsminister Dan Jarvis an. Die Lieferungen werden laut ihm aus den Einnahmen aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten finanziert und haben einen Gesamtwert von 870 Mio. Euro.
DEUTSCHLAND: Berlin wird Kyiv 400 Millionen Dollar für den Kauf von Luftverteidigungssystemen und Raketen für das Patriot-System zur Verfügung stellen. Das kündigte der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius an.
NIEDERLANDE: Amsterdam wird Kyiv ein neues Paket von 500 Millionen Euro an militärischer Hilfe zur Verfügung stellen. Laut «De Telegraaf» werden 250 Millionen Euro für die Beschaffung von Drohnen verwendet. Die restlichen 250 Millionen Euro werden im Rahmen der PURL-Initiative bereitgestellt. (PURL-Initiative = europäische Länder finanzieren Einkäufe amerikanischer Waffen).
SCHWEDEN: Stockholm wird weitere 108 Millionen Dollar für amerikanische Waffen für für die Ukraine bereitstellen.
NATO: Wie die Plattform «Euractiv» berichtet, bereitet das Bündnis ein neues Hilfspaket im Umfang von 70 Milliarden Euro vor. Laut der Veröffentlichung könnte die Ukraine 2026 28,3 Milliarden Euro zur Finanzierung von Militärausgaben erhalten. Die Teilnahme der USA an der neuen Initiative bleibt jedoch vorerst ungewiss.
Am 16. Juni hatte Trump erklärt, dass Washington den Antrag der Ukraine auf Erteilung einer Lizenz zur Herstellung von Raketen für Patriot-Systeme in der Ukraine prüfen werde. Darüber hinaus bestätigten die Staats- und Regierungschefs beim G7-Gipfel in Frankreich ihre Absicht, die Lieferungen von Luftverteidigungssystemen und Langstreckenwaffen an die Ukraine zu erhöhen.

GANZ GUTE KARTEN
(KOMMENTAR: Nachdem Trump die Ukraine zuerst verraten und dann links liegen lassen hat, ändert er nun angesichts der russischen Schwächen die Tonlage.)
Trump sagte, die Ukraine schlage sich „ganz gut“ gegen die größeren Streitkräfte Russlands, und fügte hinzu, dass Kiew standhalte und über „grossartige Waffen“ verfüge, einschließlich US-Waffen. Auf die Frage, was er bezüglich Sanktionen gegen Russland unternehmen werde, sagte Trump, er werde sie möglicherweise wieder verhängen.



