#UKRAINE AKTUELL Nr. 1572 (13.6.2026 / 8Uhr)

  • Tod eines Kindersoldaten Putins
  • Krim-Brücken haben fünf Löcher
  • Lastwagen-Stau bei Pontonbrücke
  • Kreml bittet «Partner» um Benzin
  • Benzin und Lebensmittel-Mangel
  • Offene Kritik an Kreml-Führung
  • Gerüchte über Zentralbank-Chefin
  • Kanadischer Ex-General zur Lage
  • «Putins Tod ist eine Bedingung»
  • Anne Applebaums Einschätzung

PUTINS KINDERSOLDAT GETÖTET

Er hiess Alisher Svirin (Алишер Свирин) und ist der erste 2008 geborene russische Soldat, der im Krieg gegen die Ukraine gefallen ist. Als Putin 2022 die Ukraine überfiel, war Alisher Svirin 14 Jahre alt. Schon als Kind posierte er stolz als Teil der «Putin Jugend» in einer Uniform mit einem Kalaschnikow-Gewehr – indoktriniert von der faschistischen Propaganda des Kremls.

Mit 18 unterzeichnete Alisher einen Vertrag, wurde Maschinengewehrschütze und fiel am 1. Mai 2026. Er war erst seit wenigen Monaten an der Front.

Die BBC berichtet gemeinsam mit «Mediazona», dass seit Kriegsbeginn mindestens 200 junge Putin Soldaten im Alter von 18 Jahren an der Front getötet wurden.

Die Autoren der Untersuchung identifizierten zudem drei Regionen mit der höchsten Zahl an bestätigten Verlusten in Russland: Baschkortostan, Tatarstan und die Region Moskau.

Gemäss dem ukrainischen Generalstab beträgt die Zahl der getöteten und schwer verletzten russischen Soldaten und Offiziere bis zum heutigen Tag: Eine Million dreihunderteinundachtzig tausend vierhundertdreissig. (1’381’430). Das sind innerhalb eines Tages 1’310 Personen mehr.

https://x.com/nexta_tv/status/2065300754038992980/photo/1; https://www.facebook.com/GeneralStaff.ua/posts/pfbid0yJQFAM6kmymD7rhLCgVYVcdhnpP1xFjhTv8gNRXGvHjuJUBcCp1RAvxFY2hQAHRQl

LÖCHRIGE KRIM-BRÜCKEN

In der 2. Front griffen diese Woche ukrainische Drohnen vom Typ «FP-2» zwei Mal die Brücken bei Chonhar an, die den besetzten Teil der Südukraine mit der besetzten Halbinsel Krim verbinden.

Satellitenbilder zeigen, dass die Chonhar-Brücke am nördlichen Brückenende drei deutliche Einschlagstellen aufweist. Am südlichen Brückenende sind zwei Einschlagstellen zu sehen. Beide Brückenabschnitte sind offensichtlich ausser Betrieb.

Parallel dazu hat die russische Armee eine Pontonbrücke errichtet. Dieser schwimmende Übergang ist nur einspurig befahrbar.

Das am Freitagmorgen aufgenommene Satellitenbild zeigt 17 Lastwagen und mehrere Autos, die vor der Pontonbrücke in einer Schlange stehen, sowie weitere 15 Lastwagen weiter südlich in der Nähe des Kontrollpunkts Dschankoi. Der deutsche Militäranalyst «Tendar» schreibt: «Dies macht sie zu einem idealen Ziel für weitere Drohnen.»

Bei einem der Angriffe in den letzten zwei Tagen ist dies bereits geschehen. Videos zeigen den Angriff auf einen Konvoi mit 50 Lastwagen und Tanklastwagen, von denen ein Teil in Brand gesetzt wurde.

https://x.com/tendar/status/2065449528933654707;  https://x.com/noelreports/status/2065379475739537561; https://x.com/saintjavelin/status/2065328192890528139/photo/1

KREML BETTELT UM BENZIN

In einem Statement wendet sich Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, an die «internationale Gemeinschaft». Sacharowa sagte: «Angesichts der anhaltenden Terroranschläge des Kiewer Regimes auf unsere Regionen wendet sich das Aussenministerium an eine Reihe befreundeter Länder mit der Bitte, Treibstoff für den staatlichen Bedarf zu liefern. Ich hoffe, dass sie uns die Hand reichen werden, so wie wir es immer als Erste getan haben», so Sacharowa.

In der russischen Region Rostow am Don haben die ersten Tankstellen kein Benzin mehr im Angebot. Die Region im Süden Russlands ist einer der wichtigsten Standorte für Raffinerien. Allerdings wurden einige dieser Anlagen von ukrainischen Drohnen angegriffen und zum Stillstand gezwungen.

Die Knappheit an Benzin und Gütern des täglichen Bedarfs nimmt auf der besetzten Halbinsel Krim zu. Fotos zeigen ausverkaufte und leere Regale in Lebensmittelläden. Der ukrainische Blogger «TankerFella» schreibt: «Die Ukrainer griffen auf eine mittelalterliche Taktik zurück, die sich auf der Krim als äusserst wirksam erwies. Es gibt weder Treibstoff noch Lebensmittel. Ich hoffe, dass alles genauso endet wie im Mittelalter, wenn eine Burg belagert wurde – mit einer Kapitulation.»

Derweil versucht die russische Armee mit Tricks den Drohnen zu entgehen und Güter auf die Krim zu liefern. So wurde auf der Strasse in Richtung Krim ein russischer Armeelastwagen gesichtet, der so bemalt war, dass er wie ein Holztransporter aussah.

https://x.com/PrzemekShura/status/2065187498008232407/video/1 https://x.com/lxsummer1/status/2065334727486111963; https://x.com/TankerFella/status/2065053166786199837 Video: https://x.com/front_ukrainian/status/2065356856701190380/video/1

ZUNEHMENDE PANIK IN MOSKAU

Vyacheslav Markhayev (FOTO) ist Mitglied des russischen «Parlaments» der Duma und Abgeordneter der russischen Kommunistischen Partei. In einem offenen Brief wendet er sich an seine «lieben Mitbürger». Er verlangt von den «Behörden» einen «klaren Plan für den Abschluss der militärischen Sonderoperation» und kritisierte den derzeitigen politischen Kurs.

Markhayev macht das «Team, das seit 25 Jahren an der Macht ist», direkt für eine Vielzahl von Problemen verantwortlich: steigende Versorgungskosten, fehlende Programme zur wirtschaftlichen Entwicklung, die Bereicherung der herrschenden Klasse, zunehmende Angriffe auf die Russische Föderation und die Entfremdung der Eliten von den Sorgen der russischen Gesellschaft.

«Die Zeit der Illusionen ist vorbei. Das Land steht am Rande einer sozialen Explosion, und die Regierung – unverändert wie sie ist – wird die volle Verantwortung dafür tragen», schliesst der Abgeordnete.

https://x.com/jurgen_nauditt/status/2065374498161869196; Ganzer Brief auf Englisch übersetzt: https://x.com/gerashchenko_en/status/2065399592246485129  

Die Amtszeit für Elvira Nabiullina, die Chefin der russischen Zentralbank, endet dieses Jahr. Seit über einer Woche ist sie nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Sie fehlte am Sankt Petersburger Wirtschaftsgipfel und bei zwei weiteren entscheidenden Treffen diese Woche. Kreml-Sprecher Dmitroi Peskow sagte, dass Nabiullina «krank» sei. Das russische Oppositionsmedium «Meduza» berichtet mit Bezug auf anonyme Quellen, dass Nabiullina beim letzten Treffen mit Putin radikale Massnahmen verlangt habe, um die Folgen des Krieges gegen die Ukraine zu mildern und dass sie sich nicht mehr melden würde, solange Putin diese Massnahmen nicht verkündet.

https://meduza.io/en/feature/2026/06/11/russia-s-central-bank-chief-disappears-from-public-view-as-resignation-rumors-swirl-one-report-links-her-future-to-fears-of-border-closures-and-martial-law

TOD ODER KAPITULATION

Der pensionierte kanadische Generalleutnant Christopher Coates hält einen dauerhaften Frieden in der Ukraine für unwahrscheinlich, solange Putin an der Macht bleibt. Er argumentiert, dass nur ein militärischer Sieg der Ukraine – oder Putins Tod – dauerhafte Voraussetzungen für Stabilität schaffen könne. Nach einem Besuch in der Ukraine sagte er, Russland sei eine im Niedergang begriffene Macht, die mit wachsenden wirtschaftlichen und militärischen Belastungen konfrontiert sei.

Coates, ehemaliger Kommandeur des kanadischen gemeinsamen Operationskommandos, sagte nach einem Besuch in der Ukraine:

  • Die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölinfrastruktur sind strategisch bedeutsam, da sie Moskaus Einnahmen und Kriegskapazitäten schwächen.
  • «Ich habe Vertrauen in die Ukraine, aber ich mache mir keine Illusionen über das Ausmass der Herausforderungen», sagte er und fügte hinzu, dass die Ukraine mit begrenzten Ressourcen operiere, während Russland weniger Einschränkungen unterliege.
  • «Russlands grösste Verwundbarkeit liegt darin, dass es einen illegitimen Krieg führt». Russland kämpfe nicht um das Überleben, sondern um politische Entscheidungen. Dabei verwendet der Kreml «enorme Ressourcen für begrenzte Gewinne».
  • «Ein auf Lügen aufgebautes System beginnt irgendwann von innen heraus zu zerfallen», sagte er und fügte hinzu, dass anhaltende Verluste an Personal und in der Wirtschaft Russlands Fähigkeit, den Krieg aufrechtzuerhalten, allmählich untergraben würden
  • «Für mich wendet sich das Blatt zugunsten der Ukraine», sagte der pensionierte Armeeführer und charakterisierte Russland als eine im Niedergang begriffene Macht, die zunehmend zu einer sogenannten «horizontalen Eskalation» gezwungen sei – also dazu, den Druck über das Schlachtfeld hinaus auszuweiten, da ihre militärischen Erfolge ins Stocken geraten.
  • Dieser Krieg habe die moderne Kriegsführung grundlegend verändert. Coates verwies auf die Kombination aus Umfang und Präzision bei den ukrainischen Drohnen-Einsätzen, die seiner Meinung nach die Erwartungen an Kosten und Effektivität bei militärischen Systemen neu definiere.
  • Was die Frage des Friedens angeht, äusserte sich Coates unverblümt zu den Bedingungen, die seiner Meinung nach für eine dauerhafte Lösung notwendig sind: «Putins Tod. Dies ist die erste notwendige Bedingung. Leider fällt es mir sehr schwer, mir dauerhaften Frieden vorzustellen, solange Putin an der Macht bleibt. Ich sehe nur einen militärischen Sieg der Ukraine als eine solidere Grundlage für einen solchen Frieden.».
  • Territoriale Zugeständnisse würden bestenfalls nur eine vorübergehende Pause schaffen, und warnte, dass Russlands imperiale Ambitionen wahrscheinlich wieder aufleben würden, sobald seine Kapazitäten wiederhergestellt seien.
  • Coates: «Die Ukrainer sind härter und entschlossener geworden und erkennen immer deutlicher, dass die Hauptlast des Kampfes genau bei ihnen liegt» und «Ich bin nicht überzeugt, dass der Rest der Welt das Problem des Krieges so ernst nimmt wie wir.»

Das FOTO von Putin entstand während seines China Besuches am 20. Mai 2026 und wurde vom Kreml der internationalen Presse offiziell zur Verfügung gestellt.

https://www.ukrinform.ua/rubric-world/4132743-kristofer-kouts-ekskomanduvac-obednanogo-operativnogo-komanduvanna-kanadi.html

KLARTEXT VON APPLEBAUM

Anne Applebaum hat in einem Interview einige zentrale Elemente der aktuellen Situation des Krieges Russlands gegen die Ukraine hervorgehoben, die in den letzten Wochen auch bei «Ukraine Aktuell» thematisiert wurden.
Applebaum ist bekannt als amerikanische Journalistin und Autorin. Sie veröffentlichte unter anderem die Bücher «Roter Hunger», «Der Gulag» sowie «Die Achse der Autokraten» und sie ist Trägerin des Pulitzer-Preis und des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels.

• Was Russland, China, den Iran und Nordkorea verbindet, ist weder Religion noch Ideologie. China ist kommunistisch, Russland nationalistisch, der Iran theokratisch. Was sie verbindet, ist die Angst vor liberalen Begriffen: Rechte, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und unabhängige Gerichte.

• Die Ukraine hat die Art und Weise verändert, wie der Krieg geführt wird. Die Front ist nun eine 20 Meilen breite transparente Zone, in der ukrainische Drohnen fast alles sehen können. Jeder russische Lastwagen, jedes Auto und jeder Soldat, der diese Zone betritt, kann identifiziert und getroffen werden.

• Die russischen Verluste von rund 1’000 Toten und Verwundeten pro Tag, etwa 30’000 pro Monat, sind darauf zurückzuführen, dass Moskau immer noch Menschen in eine Zone schickt, die die Ukraine sehen und angreifen kann. Russland rückte massenhaft vor, aber jetzt ist diese Bewegung zum Stillstand gekommen.

• Die Langstrecken-Drohnen der Ukraine können nun tief in Russland zuschlagen. Berichten zufolge wurde jede Raffinerie in Zentralrussland getroffen, viele davon mehr als einmal. Der Angriff auf St. Petersburg während Putins Wirtschaftsforum machte schwarzen Rauch zu einem Symbol für Russlands Verwundbarkeit.

• Die Macht der USA bestand nie nur aus militärischer Stärke. Amerikas wahre Stärke lag in wertebasierten Allianzen, Institutionen und Ländern, die sein System nachahmen wollten. Trump hat dieses System beschädigt und es durch eine kindische Idee ersetzt: Dinge bombardieren und es als Sieg bezeichnen.
https://x.com/Mylovanov/status/2065473617274528038/video/1

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