#UKRAINE AKTUELL Nr. 1567 (8.6.2026 / 9Uhr)

  • Putin verliert auch in Armenien
  • Russischer Frontvorstoss gestoppt
  • Viele Angriffe hinter der Frontlinie
  • Brände in mehreren Öltankanlagen
  • Ukrainer erhalten Satellitenbilder
  • Europa definiert fünf Bedingungen

PRO-EU GEWINNT IN ARMENIEN

Die prowestliche Partei des aktuellen Ministerpräsidenten Armeniens erreicht fast 50% der Stimmen, die prorussische Opposition kommt auf 37%.

Nach Auszählung aller Stimmen hat die Partei «Zivilvertrag/Bürgervertrag» des amtierenden Ministerpräsidenten Nikol Pashinyan 49,81% der Stimmen erreicht. Das berichtet die Zentrale Wahlkommission Armeniens. Der klar pro-russische Wahlverein «Starkes Armenien» erreicht 23,3%. Die «Armenien Allianz» des vormaligen Regierungschefs Robert Kocharyan kommt auf 9,9% der Stimmen und die ebenfalls pro-russische Partei «Blühendes Armenien» erreicht 4,0% der Stimmen.

Die anderen 14 Parteien sind weit entfernt von der notwendigen 4% Zustimmung für den Einzug ins Parlament.

Die Wahlbeteiligung war mit 59% ausserordentlich hoch und übertraf die Wahlen der letzten zehn Jahre um 9 bis 20%.

Diese Wahl wird die Beziehungen Armeniens zu Russland und zum Westen prägen. Im Vorfeld hatte der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinyan seine Hoffnung auf einen EU-Beitritt bekräftigt.  Paschinjan bedankte sich vor der Wahl für die „VOLLSTÄNDIGE und UNEINGESCHRÄNKTE Unterstützung“ von Präsident Donald Trump.

An einer Medienkonferenz nach der Wahl wurde der mutmassliche Wahlsieger Nikol Pashinyan von der russischen Zeitung «Iswestija» gefragt, ob die armenischen Behörden ihre Politik der Annäherung an die Europäische Union fortsetzen würden. Pashinyans Antwort: «Armenien wird seinen Kurs der Annäherung an die Europäische Union fortsetzen, gleichzeitig aber auch seine Beteiligung und Mitgliedschaft in der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) aufrechterhalten und die Beziehungen zu Russland und den anderen Mitgliedstaaten des Blocks weiter ausbauen.»

Armenische Quellen berichteten, dass Russland die Wahlen aktiv beeinflussen wollte. Vom russischen Staat finanzierte Flüge hätten mehrere zehntausend in Russland lebende Armenier eingeflogen. Offizielle Bestätigungen dafür gibt es nicht, aber bekannt ist, dass die Warteschlangen bei der Einreise am Flughafen sehr lange waren.

Die armenische Justiz spricht aktuell von 80 vermuteten Fällen von illegaler Wahlbeeinflussung. In 59 Fällen wurde bisher eine Strafuntersuchung eingeleitet.

Die ukrainische Plattform «Neuheiten» (1,5 Mio. Leser auf Telegram) schreibt: «Putin ist wieder „aussen vor“ — dieses Land ist das fünfte auf der Liste derjenigen, die dem russischen politischen Druck nicht nachgegeben haben.»

https://armenpress.am/en/article/1252310; https://armenpress.am/en/articles/parliamentary-elections-2026; https://x.com/washingtonpost/status/2063652256705139030; https://x.com/StuartDowell_/status/2063658221441589489; https://x.com/JayinKyiv/status/2063629215300239818; https://t.me/rbc_news/150809;  https://t.me/voynareal/137815  

UKRAINE-SITUATION 1. FRONT (KAMPFZONE)

Das amerikanische «Institute for the Study of War» (ISW) schreibt, dass Putins Behauptungen zur Lage an der Front nicht zutreffen und in Widerspruch zu den vorliegenden Daten stehen. ISW vermutet, «dass das russische Militärkommando Putin keine genauen Informationen über die tatsächliche Lage an der Front liefert.»

Das ISW berichtet, dass die ukrainische Armee im April und Mai mehr Gebiete befreit, als verloren hat. Dies unterstreiche «die nachlassende Leistungsfähigkeit Russlands auf dem Schlachtfeld.»

Die russische Armee habe Schwierigkeiten, im Jahr 2026 im «gleichen Tempo» voranzukommen wie 2025. Zurückzuführen sei dies auf zum Teil erfolgreiche ukrainische Boden-Gegenangriffe, sowie auf die zunehmende ukrainische Mittelstrecken-Angriffskampagne («3. Front»), die die russische Logistik und die Fähigkeit, Angriffe an der Front aufrechtzuerhalten, beeinträchtigt.

Das ISW kommt zum Schluss: «Angesichts der aktuellen Entwicklungen bleibt unklar, ob die russischen Streitkräfte überhaupt in der Lage sein werden, den Festungsgürtel oder den Rest der Oblast Donezk einzunehmen.» https://twitter.com/TheStudyofWar/status/2063230674828730735

UKRAINE-SITUATION 2. FRONT (MITTLERE ZONE)

Direkt hinter der Front gehen die Angriffe ukrainischer Drohnen gegen die russische Logistik weiter.

  • In der Nacht zum 7. Juni wurde die einzige Brücke zwischen der Südzone und der Halbinsel Krim bei Chongar von ukrainischen Drohnen angegriffen. Fotos zeigen mehrere Löcher in der Fahrbahn. Die Stabilität der Brücke ist unbekannt. Die Beschädigung der Brücke kann die Versorgung russischer Soldaten mit Lebensmitteln, Munition und Treibstoff erschweren. Zum Einsatz kamen Fire Point-Waffen und Drohnen vom Typ «Behemoth». https://t.me/Crimeanwind/101176
  • Das Kommando der russischen Truppengruppe «Dnepr» hat den Befehl erteilt, in grossem Umfang zivile Fahrzeuge für den Transport von Treibstoff zwischen Rostow am Don und der Halbinsel Krim zu verwenden. Für den Transport werden Fahrzeuge privater Transportunternehmen, der Post sowie Lastwagen für den Transport von Brot, Lebensmitteln und Medikamenten beschlagnahmt. https://t.me/Crimeanwind/101150
  • Obwohl die ukrainischen Drohnen wesentliche Teile der Südzonen-Strassen kontrollieren und erreichen können, fahren immer noch Tanklastwagen auf diesen Strecken. In vielen Fällen werden sie zerstört; auch die Fahrer kommen dabei häufig ums Leben. https://t.me/exilenova_plus/22115
  • In Prochorowka im russischen Oblast Belgorod wurden drei Treibstofflastwagen an einer Tankstelle angegriffen. Zwei Fahrzeuge brannten aus, das dritte erlitt geringe Schäden. https://t.me/exilenova_plus/22104

UKRAINE-SITUATION 3. FRONT (FERNZONE)

  • Die Öltankanlage Semikolodjanski und der Seeölterminal in Feodosia auf der Krim wurden von ukrainischen Drohnen angegriffen und teilweise in Brand gesetzt. https://t.me/Crimeanwind/101186
  • In der besetzten ukrainischen Region Luhansk wurde bei Altschewsk (Koordinaten 48.452478, 38.851247) das Stromumspannwerk angegriffen. Diese Unterstation hat eine hohe Spannungsklasse — 220 kV — und versorgt sowohl die Stadt Altschewsk als auch den Altschewsker Metallurgiekomplex. https://t.me/exilenova_plus/22171
  • Die Öltankanlage Grusovaya bei der Stadt Noworossijsk im Süden Russlands am Schwarzen Meer wurde diese Nacht von ukrainischen Drohnen in Brand geschossen. Sie ist eine der grössten Umschlaganlagen für Erdöl im Kaukasus, die zum Industriekomplex „Sescharis“ (JSC „Tschernomortransnafta“) gehört. Fotos von Einheimischen zeigen eine hohe Rauchsäule. Die Anlage war bereits Ende Mai Ziel eines Angriffs. Sie ist für die Versorgung der russischen Truppen und für Belieferungen auf die Krim von grosser Bedeutung. https://t.me/uniannet/193248

SCHNELLE SATELLITEN-BILDER

Ukrainische Drohnenpiloten erhalten Satellitenbilder von der Firma Vantor innerhalb von 15 Minuten nach der Aufnahme. Das berichtet das Wall Street Journal.

Die Zusammenarbeit findet im Rahmen eines Tests zwischen den US-Unternehmen «Vantor» und «Persistent Systems», der niederländischen «Bravo1Alpha» und dem ukrainischen Verteidigungsunternehmens statt.

Die von «Vantor» bereitgestellten Bilder gelangen auf die Geräte der Soldaten, ohne eine zentrale Überprüfung in Kyiv zu durchlaufen. Früher konnte der Überprüfungsprozess die Übermittlung von Informationen an die Front um mehrere Stunden oder Tage verzögern.

Die Konstellation aus 10 Vantor-Satelliten deckt täglich 7 Millionen km² Land ab und fotografiert jeden Punkt der Erde zwischen 12- und 15-mal pro Tag. Die Koordinaten der Objekte auf diesen Bildern haben eine Genauigkeit von bis zu 5 Metern, was laut ukrainischen Militärs für Drohnenangriffe ausreicht. https://www.wsj.com/world/europe/real-time-satellite-intel-is-making-ukraines-drone-strikes-deadlier-than-ever-8c2c909c

FÜNF FRIEDENSBEDINGUNGEN

In London haben sich die Staatschefs Deutschlands, Frankreichs, Grossbritanniens und der Ukraine auf fünf Bedingungen für die Erreichung eines «gerechten und dauerhaften Friedens» geeinigt:

  • 1. Bedingung: Beendigung der Kampfhandlungen.
  • 2. Bedingung: Die aktuelle Frontlinie ist  Ausgangspunkt für Friedensverhandlungen.
  • 3. Bedingung: Nach dem Waffenstillstand erhält die Ukraine rechtlich bindende Sicherheitsgarantien, einschließlich der Stationierung multinationaler Streitkräfte auf ihrem Territorium.
  • 4. Bedingung: Die russischen Vermögenswerte bleiben bis zur Beendigung des Krieges und zur Zahlung von Entschädigungen an die Ukraine eingefroren.
  • 5. Bedingung: Schutz der Sicherheitsinteressen der EU-Länder im Rahmen jeglicher Abkommen.

https://www.reuters.com/world/europe/zelenskiy-uk-talks-with-starmer-macron-merz-2026-06-07/ ; https://www.rbc.ru/politics/08/06/2026/6a25e86e9a7947147f9b5d59

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