#UKRAINE AKTUELL Nr. 1566 (7.6.2026 / 8Uhr)

  • Schlagkraft der Drohnen erhöht
  • Ukraine hat Lufthoheit im Süden
  • 80% der Drohnen kommen durch
  • Krim: Kaum Benzin und wenig Zucker
  • Mehrere russische Ölanlagen brennen
  • Munitionslager bei Kronstadt getroffen
  • Russische Kritik an «Armee der Lügner»
  • Putins wiederholte Fehlprognosen
  • Schluss mit Asyl für Dienstverweigerer

GESAMTSICHT

Über die 1. Front (unmittelbare Kampfzone) gibt es kaum verlässliche Informationen. Berichte von russischer Seite verweisen auf Rückzüge der eigenen Armee.

Über die 2. Front (Fernangriffe) in Russland und den besetzten Zonen gibt es eine Vielzahl von Einzelmeldungen über diverse angegriffene Öltankanlagen und einen strategisch wichtigen Stützpunkt bei Kronstadt – Sankt Petersburg.

Über die 3. Front (Mittlere Zone, direkt hinter der 1. Front) gibt es Meldungen, welche die Lufthoheit der ukrainischen Drohnen und Versorgungsprobleme auf der Halbinsel Krim dokumentieren.

EFFIZIENTERE DROHNEN

Ukrainische Langstrecken-Drohnen können über 1’000 km weit fliegen, trugen aber nur 60-kg-Sprengköpfe. Das war nicht genug, um Raffinerien oder Kriegsschiffe zu zerstören. Dies war der Stand bis zum letzten Jahr.

Nun hat die ukrainische Drohnenfabrik FirePoint das Problem gelöst. Flügeltankbehälter haben Platz im Rumpf der FP-1-Langstreckendrohne freigegeben für einen 105-kg-Explosiv-Splitter-Sprengkopf bei gleicher Reichweite. Die Kurzstrecken-Version FP-2 trägt nun 158 kg.

Am Donnerstag bewies eine so ausgerüstete FP-1-Drohne ihre neuen Qualitäten. Im Hafen von Kronstadt, Region St. Petersburg, wurde die russische Korvette «Boiki» von einer FP-1 in Brand gesetzt, nachdem sie 1’100 km überwunden hatte. Das Feuer breitete sich durch Kabelkanäle aus und die Löscharbeiten dauerten Stunden.

Das gesamte Ausmass der Schäden und die Einsatzfähigkeit des Schiffes sind derzeit unklar. Bisher hatte das Schiff als Teil der baltischen Flotte Marschflugkörper in Richtung Ukraine abfeuern können.

Eine FP-1-Drohne kostet 50’000 US-Dollar, was relativ günstig ist. FirePoint produziert davon täglich 300 Stück.

https://x.com/EuromaidanPress/status/2063095542058459548; https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1563-4-6-2026-8uhr/  

DROHNEN HABEN LUFTHOHEIT

Die für die Logistik der besetzten Südzone und zur Versorgung der Krim wichtigen Strassen R-280 und R-150 sind für den Personenverkehr gesperrt. Der von Russland für die Region Luhansk eingesetzte Gauleiter Leonid Pasechnik verbot die Benutzung der Strasse für private Zwecke.

Für die ukrainischen Drohnen ist dies ein Vorteil. Die ukrainischen Blogger von «ExilNovaPlus» schreiben: «Ab jetzt können die Streitkräfte der SSO praktisch alles zerstören, was Räder hat.» https://t.me/exilenova_plus/22063; https://t.me/milinfolive/173650?single

Der 3. separate Spezialeinheiten-Regiment der Streitkräfte der Ukraine meldet, dass sie die Luftkontrolle über den Strassenabschnitt Melitopol – Chongar übernommen habe. Die Piloten würden die Angriffsdrohne «Hornet» einsetzen, um Fahrzeuge zu zerstören und die logistischen Wege des Feindes auf dem Abschnitt zu unterbrechen. Diese Aktionen haben bereits zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Versorgung der russischen Armee und der Treibstofflieferung auf die vorübergehend besetzte Halbinsel Krim geführt. https://t.me/Crimeanwind/101090

KEIN ZUCKER AUF DER KRIM

Auf der Halbinsel Krim wurde der Verkauf von Zucker, Salz und Getreide eingeschränkt. Das berichten lokale Medien. In vielen Geschäften habe es bereits leere Regale, wo sonst Grundnahrungsmittel verfügbar sind.

Am Samstagmorgen versuchten hunderte Fahrzeuge die Insel über die Krimbrücke zu verlassen, um Benzin zu tanken. Die Warteschlange umfasste über 600 Fahrzeuge und das Warten dauerte stundenlang. Die örtlichen Bewohner klagen auch über einen Mangel an Treibstoff auf der Halbinsel. Ihren Angaben zufolge muss Benzin in Taman im Krasnodar-Kraj gekauft werden. https://t.me/u_now/201673

LÖCHRIGE LUFTVERTEIDIGUNG

«Wir kommen grösstenteils durch die Luftverteidigungssysteme». Das sagte Nikolay Kolesnik (Rufzeichen «Tyson»), Kommandant des 422. unabhängigen Drohnensystem-Regiments «Luftwaffe» der ukrainischen Streitkräfte.

Die Effizienzquote liege bei etwa 70% bis 80%, das heisst von 100 Drohnen erreichen 70 bis 80 ihr Ziel, sagt Kolesnik. Die «Luftwaffe» hatte bisher wiederholt Energieanlagen auf der annektierten Krim angegriffen, insbesondere in Dschankoj, Armjansk und Krasnopewersk.

Mit welchen Mitteln sie dies tun, verschweigt der Kommandant: «Es gibt bestimmte Mechanismen, es gibt bestimmte Entwicklungen, die uns helfen, ihre Luftverteidigungssysteme fast ohne Verluste zu durchdringen.» https://t.me/Crimeanwind/101093

DROHNEN VERURSACHEN BRÄNDE

In der Region Sankt Petersburg gab es am Samstag neue Zerstörungen im Hafen von Kronstadt. Nach den Angriffen ukrainischer Drohnen ist die Inselstadt Kronstadt für den Ein- und Ausgang gesperrt. https://t.me/milinfolive/173692

Im benachbarten Lomonosowski-Bezirk der Region Leningrad/Sankt Petersburg wurde das 15. Arsenal der russischen Marine getroffen. Das Arsenal ist ein strategisches Objekt der baltischen Flotte, der die Lagerung, Reparatur, Wartung und Entsorgung von Seemunition, Torpedos und Raketenwaffen durchführt. Die nahegelegene Siedlung Grossijora wurde evakuiert.

Russische Militärblogger zeigen Satellitenaufnahmen mit mehreren Brandherden und schreiben: «Laut anderen frühen hochauflösenden Bildern lagen die Munitionsvorräte im Arsenal einfach unter freiem Himmel herum, was zu diesem tragischen Ergebnis führte.» https://t.me/u_now/201662

In der von Russland besetzten Stadt Mariupol in der Südzone brennt es im Hafengebiet. Zuvor hatten ukrainische Drohnen die Anlagen angegriffen. https://t.me/exilenova_plus/22031

In Tjumen brennt seit Samstagmorgen die «Antipinski NPP», eine der grössten privaten Ölraffinerien Russlands. Die geplante Kapazität übersteigt 9 Millionen Tonnen Öl pro Jahr. Der Betrieb produzierte Benzin, Dieselkraftstoff und andere Ölprodukte für den russischen Binnenmarkt. https://t.me/exilenova_plus/22017

Die am Samstagmorgen angegriffene Öltankanlage in Ust-Labinsk brennt weiterhin und Satellitenbilder zeigen eine weitreichende Wolke mit Brandpartikeln, die sich in Richtung Krasnodar bewegt. https://t.me/exile_plus/145;

Seit dieser Nacht brennt auch die Ölanlage in Lenino auf der Krim. Koordinaten:  46.05505 34.79948. Auch dies wird von Satellitenbildern des NASA-Dienst «FIRMS» belegt. https://t.me/exilenova_plus/22093;

DIE ARMEE DER LÜGNER

Pavel Gubarev war früher der von Russland eingesetzte Gauleiter für die Region Luhansk. Nun meldet er sich mit einem öffentlichen Text zur weit verbreiteten Lügenkultur in der russischen Armee. Gubarev schreibt (Originalzitat, Originallänge):

«Der Präsident sagte heute am Sankt Petersburger Wirtschaftsforum, dass die russische Armee entlang der gesamten Linie im nördlichen Militärdistrikt vorankomme. Da sei kein Platz, wo die bewaffneten russischen Kräfte nicht voranrücken würden.

Meine Quellen von der Front sagen in einstimmigen Berichten, dass es seit langer Zeit keine Offensive mehr gibt, dass tatsächlich mehrere Sektoren der Front im Rückzug begriffen sind.

Dass die Landesführung missverständliche Berichte über die Kampfsituation veröffentlich ist die Folge eines allgegenwärtigen Lügensystems, das das gesamte Offizierskorps in eine gemeinsame Fessel gelegt hat, wonach wahrheitsgemässe Informationen von vornherein nicht weitergegeben werden, und sollte sich doch einmal eine mutige Seele finden, wird ihr Schicksal schnell und unerbittlich nach dem „General-Popow“-Schema geregelt.»

(Erklärung zum General-Popow-Schema: Der bei Soldaten und Bloggern beliebte Generalmayor Popow wurde 2025 wegen «Betrug» zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der tatsächliche Grund für seine Bestrafung: Kritik an Putins Militärführung und Sympathie für Söldnerchef Prigoschin.) https://twitter.com/StratcomCentre/status/2063176670069035118/photo/1

DREI FEHLPROGNOSEN PUTINS

Am Freitag versprach Putin am Sankt Petersburger Wirtschaftsforum (SPIEF), dass seine Armee in der Ukraine erfolgreich sei und der Krieg im Sinne Russlands verlaufe. Eine solche Fehleinschätzung ist nichts Neues. Das belegen einige unerfüllte Vorhersagen Putins, die er auf dem Wirtschaftsforum seit 2022 gemacht hatte.

SCHUTZZONEN: Im Juni 2023 versprach Putin die Einrichtung eines Schutzgürtels zwischen der Ukraine und Russlands. TATSÄCHLICH besetzte die Ukraine im August 2024 einen Teil der russischen Region Kursk und blieb dort bis zum Frühjahr 2025.

MOBILISIERUNGSALTER: 2024 sagte Putin, dass die Ukraine das Mobilisierungsalter auf 18 Jahre senken müsse, weil die Armee sonst nicht genug Soldaten habe. TATSÄCHLICH ist das Mobilisierungsalter in der Ukraine auch zwei Jahre später weiterhin bei 25 Jahren.

FREMDE TECHNIK: Am Forum 2024 sagte Putin: «Schauen Sie, bald wird die Ukraine überhaupt keine eigene Technik mehr einsetzen, nichts bleibt. Alles, womit sie kämpfen, und alles, was sie einsetzen, wird von aussen geliefert, aber so kann man nicht lange Krieg führen». TATSÄCHLICH entwickelte die Ukraine ihre eigenen Langstreckendrohnen und Langstreckenraketen. Infolgedessen musste der Kreml in diesem Jahr den Siegestag auf dem Roten Platz ohne militärische Technik feiern. https://t.me/Crimeanwind/101087

KEIN ASYSL FÜR DESERTEURE

Ukrainische Männer sollten von der EU zurückgeschickt werden, um zu kämpfen, sagt der schwedische Migrationsminister Johan Forssell. Die britische Zeitung «The Guardian» zitiert Forssell:

«Es ist für uns unerlässlich, den Ukrainern Schutz zu gewähren, aber gleichzeitig muss der Krieg geführt und gewonnen werden. Damit dies geschieht, ist es unerlässlich, dass mehr Männer in der Ukraine bleiben und kämpfen.»

Mehr als 4,33 Millionen Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind, erhalten derzeit Schutz ausserhalb des Landes, wie aus Eurostat-Daten hervorgeht. Die meisten befinden sich in Deutschland, gefolgt von Polen und der Tschechischen Republik. https://www.theguardian.com/world/2026/jun/05/ukraine-war-briefing-ukrainian-men-should-be-turned-back-from-eu-to-fight

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