#UKRAINE AKTUELL Nr. 1561 (2.6.2026 / 8Uhr)

  • 1996 machte Kyiv einen Fehler
  • Ukraine war drittgrösste Atommacht
  • Hyperschall-Raketen gegen Städte
  • Russlands Offensive gestoppt
  • Logistik-Lockdown wird grösser
  • Russische Panik wegen 3. Front
  • 40% der Ölraffinerien stehen still
  • Kreml-Beamte: Krieg wird zu teuer
  • Kommentar: Russlands Schwäche

1996: UKRAINE DIE ATOMMACHT

Heute vor 30 Jahren, am 2. Juni 1996, gab die Ukraine den letzten ihrer Atomsprengköpfe freiwillig an Russland und zur Vernichtung ab. (FOTO: Eine der abgegebenen Atomraketen). Zuvor war die Ukraine die drittstärkste Atommacht der Welt nach den USA und Russland.

➡️ Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit 1991 verfügte die Ukraine über etwa 1’900 strategische Atomsprengköpfe und mehr als 2’500 Einheiten taktischer Atomwaffen.

➡️ Der Verzicht auf das Atomwaffenarsenal erfolgte im Rahmen des Budapester Memorandums, das die Ukraine 1994 unterzeichnete.

➡️ Die USA, Grossbritannien und Russland versprachen der Ukraine damals Sicherheitszusagen, Unabhängigkeit und territoriale Integrität.

➡️ Die Ukraine war der einzige Staat der Welt, der freiwillig auf ein derart grosses Atompotenzial verzichtete.

➡️ Der letzte Atomsprengkopf wurde am 2. Juni 1996 aus der Ukraine abtransportiert — seitdem hat das Land offiziell den Status einer Atommacht verloren.

https://t.me/u_now/201195

UMFASSENDER RAKETENANGRIFF

Russlands Armee hat mit über 300 Drohnen und 40 Raketen insbesondere die Hauptstadt Kyiv angegriffen. Unter den Geschossen war auch eine Hyperschallrakete des Typs «Zirkon», von denen Russland nur wenige Exemplare besitzt und die eigentlich für Angriffe gegen Schiffsziele bestimmt ist. An mehreren Stellen in Kyiv brachen Brände aus. Einer der grössten Brandherde ist ein Garagenkomplex für private Autos.

Allein aus Kyiv wird der Tod von vier Menschen gemeldet. 58 Personen wurden verletzt, davon befinden sich 40 in Krankenhäusern.

Weitere Einschlagorte für Selbstmorddrohnen des Typs Shahed136/Geran-2 und Marschflugkörper Iskander-K wurden aus Kharkiv, Dnepropetrovsk, Odesa und Saporischschja gemeldet. In Dnipropetrowsk starben sechs Menschen und weitere 36 wurden beim nächtlichen Angriff verletzt.

Gestern Abend hatten ukrainische Plattformen vor Angriffen auf die Ukraine gewarnt. Es wurde erwartet, dass die strategische russische Luftwaffe in Kürze startet: 6 Tu-95MS/160, 6 Tu-22M3 und 6 Mig-31K sind für den Kampfeinsatz vorbereitet. Darüber hinaus gibt es in Noworossijsk 3 Trägerplattformen für Marschflugkörper «Kalibr».

Die Einwohner von Kyiv wurden vor diesem Grossangriff von den Behörden gewarnt. Die Empfehlungen lauteten: «Bereiten Sie im Voraus die notwendigen Ladegeräte, Gegenstände, Lebensmittel und Wasser für den Aufenthalt in den Schutzbunker bis zum Morgen vor.» https://t.me/milinfolive/173424; https://t.me/kyiv_hey/36050;  https://t.me/u_now/201203;

OFFENSIVE STEHT STILL

Im ganzen Monat Mai konnte die russische Armee lediglich 14 Quadratkilometer ukrainischen Landes erobern. Es ist der schlechteste Monat für die Eroberung von Territorien seit Oktober 2023. Zu diesem Schluss kommen die Analysten von «Deep State»:

Die russischen Truppen versuchen weiterhin, ukrainische Gegenden zu infiltrieren, also mit Einzelvorstössen Geländegewinne zu erzielen. Aber die Erfolge bleiben aus: «Eine interessante Entwicklung ist, dass der Anstieg der Sturmangriffe um 37,5 % stieg und einen neuen Rekord von mehr als 7’000 Angriffen erreichte. Aber es gibt keine grossen Ergebnisse, da die russische Armee auf taktischer Ebene weiter an Qualität verliert. Wir erhalten ständig Videos, in denen die Russen im besten Fall zu zweit Sturmangriffe durchführen, sehr oft stürmt aber ein Russe im Alleingang vor. Doch bevor er ankommt, wird alles auf ihn abgefeuert.»

Gleichzeitig stellt «Deep State» fest, dass die Ukraine mehr Gebiete zurückerobert hat, als die Invasoren gewonnen haben: «Man muss wissen, dass wir aus Sicherheitsgründen die Vorstösse der ukrainischen Streitkräfte mit einer Verzögerung und daher ohne konkrete Angaben darstellen, aber wir können sagen, dass dies der erste Monat in den letzten Jahren seit der „Gegenoffensive 2023“ ist, in dem der Zuwachs an besetztem Gebiet für die Russen negativ war.»

Die Analysten stellen aber auch fest, dass die Lage bei Kostjantynivka problematisch sind: «Die Aussichten für die Stadt sind bei weitem nicht die besten.» https://t.me/DeepStateUA/23546

LOGISTISCHER LOCKDOWN

  • Volodymyr Zelenskyj sagte am Montagabend: « Unsere Soldaten sind nun in der Lage, die russische Militärlogistik praktisch über die gesamte Tiefe des vorübergehend besetzten Gebiets hinweg zu treffen. Im Süden und Osten unseres Staates gibt es für die Besatzer praktisch keine sicheren Strassen mehr. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass es für die Besatzer auf unserem Boden keine ruhigen Zeiten geben wird. Dies spiegelt sich auch in Versorgungsengpässen wider – vor allem in der Treibstoffknappheit auf der Krim und in unseren anderen besetzten Regionen.» https://t.me/V_Zelenskiy_official/19307
  • Auf der besetzten Krim haben einzelne Warteschlangen vor Tankstellen eine Länge von mehr als 300 Fahrzeugen. https://t.me/exilenova_plus/21626

PANIK WEGEN DRITTER FRONT

Seit ein paar Wochen greifen ukrainische Drohnen vermehrt die Logistik-Routen in der mittleren Zone, in einer Distanz von 100 bis 150 Kilometern hinter der Front an. Die Eröffnung dieser dritten Front neben der unmittelbaren Kampfzone und den Fernangriffen, beunruhigt russische Beobachter. Ausschnitte aus einem Text einer prorussischen Bloggerin aus Donezk:

  • «Das Traurigste daran ist, dass nicht nur die Fakten beängstigend sind, sondern vor allem die unglaubliche Dynamik, die all die Errungenschaften, Opfer und Pläne dieses Krieges, der nun schon seit 12 Jahren andauert, mit Leichtigkeit zunichte machen könnte.»
  • «Noch vor ein paar Wochen waren Drohnenangriffe und Angriffe auf den Strassen zwischen Mariupol und Donezk sowie auf den Landwegen eher die Ausnahme, doch mittlerweile ist der totale Drohnen-Terror zur Normalität geworden.»
  • «An jedem Strassenrand sieht man die Überreste von ausgebrannten Lastwagen und PKWs. Zivilbusse werden angegriffen. In den Chats sorgen Nachrichten für endlose Diskussionen über Strassensperren im Süden, weil „etwas passiert ist“. Drohnen greifen nicht nur an, sondern streuen auch Minen ab, an denen Menschen sterben.»
  • «Benzin wird knapp und teurer. An der örtlichen Tankstelle zucken sie mit den Schultern – die Tankwagenfahrer weigern sich, in den Donbas zu fahren, und kündigen, wenn die Geschäftsleitung Druck auf sie ausübt.»
  • «Die Krim wartet auf die Saison, und vor dem Hintergrund der Ereignisse bei uns war mir das Ausmass der Probleme irgendwie nicht bewusst. Erst die Worte der Krimbewohner, dass die Saison bereits ins Wasser fällt, haben mich wieder zu der Erkenntnis gebracht, dass die Halbinsel einfach nichts mehr zum Leben haben wird, wenn der Sommer des blutigen Terrors weitergeht. Buchungen werden bereits eilig storniert, wie man mir erzählte.»
  • «Natürlich gibt es im Donbas eine Parallelwelt – mit grossen Projekten, Hypotheken, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Wahlversprechen, und ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich kann diese beiden Richtungen nicht an einem einzigen Schnittpunkt zusammenführen.»
  • «Das Einzige, was in dieser Situation tröstlich sein kann: Russland hat immer nicht dank, sondern trotz allem überlebt.»

https://t.me/martynovadn/6313

ANGRIFFE AUF ÖLINDUSTRIE

  • Volodymyr Zelenskyj sagte am Montagabend: «Der Plan unserer weitreichenden Sanktionen wird Schritt für Schritt umgesetzt. Zwischen Januar und Mai dieses Jahres haben unsere Krieger 15 russische Ölraffinerien angegriffen. Das ist beachtlich. Russland hat bereits Exportverbote für Flugbenzin und Benzin aus seinem Hoheitsgebiet verhängt und erwägt zudem ein Verbot für Dieselexporte. Für ein Land, das bis vor kurzem noch als „Tankstelle“ bezeichnet wurde, ist der Verlust selbst dessen ein bedeutendes Ereignis – ein schwerer Verlust. Seit Mai sind fast 40 % der primären Ölraffineriekapazitäten Russlands ausser Betrieb.» https://t.me/V_Zelenskiy_official/19307
  • In der Nacht auf heute Dienstag war die Ilsky Raffinerie in der russischen Region Krasnodar Ziel ukrainischer Drohnen. Videos zeigen Brände in der Anlage und von weitem sichtbare hohe Rauchsäulen. (Übrigens: Das Erstellen und insbesondere das Verbreiten von Fotos von brennenden Anlagen ist in Russland unter Strafe gestellt. Wer Bilder ins Internet stellt, geht als russischer Bürger ein hohes Risiko ein. ExileNovaPlus ist eine der Plattformen, die diese Bilder konsequent sammelt und veröffentlicht.) https://t.me/exilenova_plus/21655

KRIEG WIRD ZU TEUER

Unter Berufung auf namentlich nicht genannte russische Regierungsbeamte schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg:

  • Hochrangige Regierungsbeamte haben den russischen Präsidenten Wladimir Putin gewarnt, dass die Ausgaben für den Krieg in der Ukraine unerschwinglich werden und das Risiko einer gefährlichen Ausweitung des Haushaltsdefizits bergen.
  • Als der Haushalt für 2026 entworfen wurde, war den Beamten klar, dass in der zweiten Jahreshälfte eine Finanzierungslücke von etwa 1,2 bis 1,5 Billionen Rubel entstehen könnte – Geld, das möglicherweise für den Verteidigungssektor benötigt würde. Damals gab es Hoffnungen, dass der Krieg in der Ukraine nach dem Gipfeltreffen zwischen Putin und US-Präsident Donald Trump im vergangenen August in Alaska enden würde.
  • Beamte im russischen Finanzministerium und in der Zentralbank haben neue Kürzungen der Verteidigungsausgaben vorgeschlagen, doch das Verteidigungsministerium widersetzt sich den Kürzungen und fordert zusätzliche Mittel, um ein Defizit auszugleichen.
  • Putin ist sich der Haushaltszwänge bewusst und hat die Beamten des Finanzministeriums gebeten, zunächst in anderen Haushaltsbereichen Einsparungen zu finden, bevor die Verteidigung ins Visier genommen wird. Das Ausmass etwaiger Ausgabenkürzungen hänge allein von Putin ab, da keine wichtigen Haushaltsentscheidungen ohne seine Zustimmung getroffen würden.

https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-06-01/russia-finance-officials-tell-putin-war-spending-is-unaffordable

DER BESONDERE KOMMENTAR

Das russische Reich werde sich auflösen oder bedingungslos kapitulieren. Einen dritten Weg gebe es nicht, schrieb Denys Shtillierman, Chefentwickler der ukrainischen Drohnenfabrik FirePoint. Daraufhin hat Jan Nbg mit einer Analyse Russlands geantwortet, gestützt auf öffentlich verfügbare Quellen:

  • «Russland verliert nicht, weil andere stärker sind – sondern weil es ohne fremde Schultern nie stehen konnte. Die Ukraine hat keinen Koloss gestürzt, sondern einen Mythos enttarnt.»
  • «Nicht die Ukraine ist zu stark. Russland ist zu leer. Leer an Kompetenz, leer an strategischem Denken, leer an Zukunft. Ein Staat, der vier Jahre Krieg führt und trotzdem auf derselben Linie verharrt, hat kein Problem an der Front. Er hat ein Problem im Kopf.»
  • «Der sichtbare Schaden ist nur die Oberfläche. Der eigentliche Zerfall Russlands findet in einer Schicht statt, die nicht repariert werden kann: im moralischen Fundament. Ein Land, das zwei Jahrhunderte lang versuchte, seine Gewaltgeschichte mit Kultur zu überpinseln, hat sich vor laufender Kamera demaskiert. Die Welt hat gesehen, wie wenig ein Menschenleben dort zählt. Wie routiniert Kriegsverbrechen produziert werden. Wie selbstverständlich ein Staat Menschen als Einwegmaterial behandelt. Das kann man nicht weginszenieren.»
  • «Noch deutlicher ist die Abhängigkeit. Russland wäre 2022 ohne iranische Drohnen in wenigen Wochen kollabiert. 2023 ohne nordkoreanische Munition ebenso. Und China? China sitzt nicht auf der Tribüne – China besitzt die Tribüne. Russland liefert Öl mit Rabatt, Gas mit Rabatt, Souveränität mit Rabatt. Ein ganzer Staat als Treuepunkteprogramm für Peking. Chinesische Analysten diskutieren inzwischen offen, wie viele Millionen Quadratkilometer Russland „historisch“ eigentlich abtreten müsse.»
  • «Geopolitisch bricht alles weg. Armenien und Aserbaidschan orientieren sich neu. Zentralasien schliesst sich wirtschaftlich an China an. Syrien und Iran sind verloren, Libyen auch. Afrika wird zu einer Wüste einstiger russischer Einflussreste. Venezuela, das letzte Schaufenster, bewies in einer einzigen Nacht, dass russische Luftabwehr nur auf PowerPoint existiert.»
  • «Demografisch sinkt Russland in eine Leere, die kein Staat überlebt. Über eine Million Männer tot, verstümmelt oder geflohen. Hunderttausende im Ausland, unwiederbringlich verloren. Die Geburtenraten kollabieren, die Altersstruktur kippt, die Zukunft schrumpft.»
  • «Und während Russland sich fragt, warum seine Grossväter Berlin erreichten und die heutigen Söhne nicht einmal den Rand des Donbas überwinden, liegt die Antwort offen: Die Sowjetunion siegte, weil Millionen Ukrainer, Belarussen, Georgier, Armenier, Kasachen, Usbeken und amerikanische Industriekapazität sie dorthin trugen. Russland hat nie allein gewonnen. Es hat nur so getan.»

https://www.facebook.com/jan.gulhan?comment_id=Y29tbWVudDozNjEwMjkzNzA5OTM1MjI5OV8xNTQ0MzAwNjAzOTE3NDAy

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