#UKRAINE AKTUELL Nr. 1560 (1.6.2026 / 8Uhr)

  • Kraftstoff-Kollaps auf der Krim
  • Rationierungskarten eingeführt
  • Gründe für den Benzin-Mangel
  • Variantenreiche Logistik-Angriffe
  • 9 Raffinerien im Mai stillgelegt
  • Russland baut Starlink-Ersatz
  • US-Regierung stoppt Ermittlungen

KRIM: KRAFTSTOFF-KOLLAPS

Auf der besetzten Halbinsel Krim hat ein Kraftstoffkollaps begonnen. Die lokalen Bewohner suchen nach Tankstellen, wo Benzin frei verkauft wird. Allerdings gibt es an den meisten Tankstellen entweder kein Benzin oder es wird nur gegen spezielle Gutscheine ausgegeben. Doch diese Gutscheine können nur wenige Privatpersonen kaufen, weil zuerst öffentliche Dienste bedient werden. Die grosse Tankstellenkette ATAN schreibt auf ihrer Webseite: «Der Verkauf von Tankkarten für Privatpersonen ist vorübergehend ausgesetzt.»

An den wenigen Tankstellen, die noch geöffnet sind, bilden sich sehr lange Warteschlangen. An vielen Orten ist nur eine Art Benzin erhältlich: AI-100. Es wird für 120 Rubel pro Liter verkauft, obwohl es am Vortag noch 107 Rubel kostete. Für die meisten Fahrzeuge ist diese Benzinsorte nicht geeignet.

Autofahrer beklagen sich in Videos, dass sie nicht mehr auf der Insel herumfahren können, ohne zu riskieren, dass sie zu Fuss zurückkehren müssen. Ein weiterer Krimbewohner sagt in einem Video: «Kommen Sie, Touristen, mit Ihren Autos, wir werden Sie gerne empfangen. Aber wir wissen nicht, wie Sie wieder abreisen werden.»

https://t.me/u_now/201029; https://t.me/exilenova_plus/21548; https://t.me/Crimeanwind/100508;

https://t.me/uniannet/192682; https://t.me/Crimeanwind/100470;

RATIONIERUNG WIE IN DER UDSSR

Der Treibstoffmangel auf der Krim führte zu einem der grössten Fälle der Einführung von Rationierungskarten seit dem Zusammenbruch der UdSSR. Die russischen Behörden der Krim und Sewastopol haben aufgrund des Treibstoffmangels Rationierungskarten für Benzin eingeführt. Der Mangel wird durch die sogenannte dritte Front, den Beschuss der Logistikstrecken in Richtung Südukraine und die Krim, verursacht.

Am Wochenende haben der russische Gauleiter (Gouverneur) der Krim – Sergej Aksenow – und der Gauleiter von Sevastopol – Michail Razvozhaev – die Einführung von Rationierungskarten bekanntgegeben. Diese gelten für die beiden meistverkauften Benzinsorten AI-92 und AI-95. Ausserdem wurde die maximale Bezugsmenge auf 20 Liter beschränkt. Aksenow schrieb, er erwarte eine Normalisierung der Situation innerhalb von 30 Tagen. Und Razvozhaev schrieb, dies sei eine vorübergehende Massnahme zur «Auffüllung der Kraftstoffvorräte in Tankstellen».

Die Rationierungskarten werden nur an Bewohner der Krim übergeben, die einen russischen Pass haben. Sie sind damit auch ein Teil der Unterdrückung der ukrainischen Krim-Bevölkerung, die nicht die russische Staatsbürgerschaft annehmen will.

Rationierungskarten mit Bezugsbeschränkungen gab es auf der Krim für kurze Zeit im Jahr 2017 aufgrund einer damals knappen Benzinreserve, als die Halbinsel bereits seit 3 Jahren von russischen Truppen besetzt war.

Rationierungskarten wurden vor 35 Jahren zu einem Symbol der späten UdSSR. Damals war die sowjetische Wirtschaft nicht in der Lage, die Nachfrage der Bürger nach grundlegenden Lebensmitteln zu decken. Der Höhepunkt der Verteilung von Rationierungskarten für Produkte wie Zucker, Mehl, Seife, Tabakwaren und Treibstoff fiel auf Anfang der 1990er Jahre und dauerte etwa zwei Jahre.

https://t.me/Aksenov82/9636; https://t.me/razvozhaev/21168; https://vk.com/wall-165625693_261474?ysclid=mpticiups0341098429; https://www.rbc.ru/life/news/676006d49a7947abbbf0762d; https://t.me/Crimeanwind/100492

GRÜNDE FÜR DEN KOLLAPS

Der russische Militärblogger «Fighterbomber» hat die Gründe aufgezählt, weshalb es auf der Halbinsel Krim zu gravierenden Treibstoffengpässen kommt. Seine Auflistung zeigt die Folgen der systematischen Zerstörungsarbeit der ukrainischen Armee. Diese richtete sich zum Teil seit Monaten gegen die Krimbrücke zwischen Russland und der Halbinsel, die Krimfähren, die Infrastruktur auf der Halbinsel und die wichtigen Strassenabschnitte:

  • «Es ist nur in Ausnahmefällen nach einem Terroranschlag erlaubt, Treibstoff mit Eisenbahntransporten über die Brücke zu transportieren.»
  • «Die Besitzer von Benzin-Zisternen-Wagen sind nicht sehr daran interessiert, sie zur Verfügung zu stellen, da niemand sie versichert.»
  • «Es gab drei Eisenbahnfähren, alle wurden zerstört, eine neue wird irgendwann im September erwartet. Ausserdem gibt es einen Mangel an Seeleuten für diese Fähren.»
  • «Die Wartezeit für Autofähren beträgt bis zu 5 Tage.»
  • «Es gibt einfach niemanden, der bereit ist, mit Tankwagen in die neuen Gebiete zu fahren. Denn das sind zivile Fahrer, und sie fahren nicht einmal für 100 Rubel pro Fahrt. Nicht einmal für 200 Rubel.»
  • «Auf der Halbinsel selbst gibt es kaum Privatpersonen, die bereit sind, Treibstoff bei sich zu lagern, da alles wiederholt angegriffen wird.»
  • «Die Versicherungen versichern nicht.»

«Fighterbomber» schreibt nüchtern: «Deshalb kann das Problem ohne das Eingreifen des Staates und des Militärs (die das Treibstoff kostenlos transportieren werden) nicht gelöst werden.» https://t.me/bomber_fighter/25431

VIELFALT IN DER 3. FRONT

Der Kampf gegen die Logistik der russischen Besatzungstruppen hat verschiedene Formen.

  • Neu sind Angriffe auf Autos, direkt an der Grenze zwischen Russland und den besetzten ukrainischen Regionen. So haben ukrainische Drohnen der Typen «Hornet», «Baton», «RAM-2X» den 160 km entfernten Grenzübergang «Veselo-Voznesenka» zwischen der russischen Region Rostow und dem ukrainischen Luhansk angegriffen. Zuvor hatten sie unbeschädigt die ganze besetzte Zone überflogen. Der Kommentar von «Milinfolive»: «Die Streitkräfte der Ukraine werden in der Lage sein, Terror direkt an den Grenzübergängen zwischen dem «Festland» Russlands und den neuen Gebieten zu verüben, indem sie sowohl Autos angreifen als auch einfach die Zufahrten zu ihnen aus der Ferne minen, was die Logistik erheblich beeinträchtigen wird.» https://t.me/milinfolive/173343
  • Zahlreich dokumentiert sind die direkten Angriffe auf Last- und Tanklastwagen in der besetzten Südzone, inklusive der «Strasse des Todes» zwischen Mariupol und der Krim-Halbinsel. Die russischen Lastwagenfahrer schalten ihre Scheinwerfer aus und versuchen so in der Nacht, unerkannt von den Drohnen, ihre Waren zu liefern. https://t.me/milinfolive/173349
  • Noch wenig bekannt ist über den Abwurf von Mini-Minen in Paketen von 10 bis 48 Exemplaren auf die Strassen. Diese Mini-Minen explodieren, wenn Fahrzeuge darüber fahren. Erste Einsätze solcher Mini-Minen wurden zwischen den besetzten Teilen der Regionen Kherson und Saporischschja in der Nähe von Melitopol entdeckt. Das Ziel ist nicht, ein bestimmtes Fahrzeug zu zerstören, sondern den gesamten Nachschubverkehr in Richtung Front und Krim lahmzulegen.
    Siehe Ukraine Aktuell Nr. 1559: https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1559-31-5-2026-9uhr/; https://t.me/Crimeanwind/100500
  • Neu greifen ukrainische Drohnen auch Lkw- und Tanklaster-Parkplätze an. Einer dieser Angriffe wurde aus der russischen Region Rostow dokumentiert. Die russischen Blogger von «Milinfolive» schreiben dazu: «Wie wir vor einer Woche schrieben, ist es notwendig, mit dem Bau von geschützten Parkplätzen zu beginnen, um Autos zu schützen und bereits bestehende Parkplätze vor Drohnen zu schützen. Zumindest vorerst mit Netzen als vorübergehende Massnahme. https://t.me/milinfolive/173353

MINUS 9 RAFFINERIEN IM MAI

Im Mai 2026 haben ukrainische Drohnen neun russische Raffinerien so stark beschädigt, dass sie ihren Betrieb einstellen mussten. Diese neun Ölverarbeitungsanlagen sind in der folgenden Liste festgehalten, nicht aber andere Raffinerien zum Beispiel bei Moskau, die angegriffen, aber nicht stark genug beschädigt wurden.

🛑05.05. «KINEF» – Kirishi

🛑07.05. «PNOS» – Perm

🛑08.05. «YANOS» – Jaroslawl

🛑15.05. «RNPD» – Rjasan

🛑18.05. «LUKOIL-Nizhegorodnefteorgsintez» – Kstovo

🛑20.05. Kstovo erneut

🛑21.05. «SNPD» – Sizran

🛑27.05. «TNPD» – Tuapse (5. Angriff)

🛑29.05. «Lukoyl – Volgograd Neftepererabotka» – Volgograd

🛑31.05. «SNPD» – Saratov

Der letzte Angriff auf die Ölraffinerie «Saratovsky» ist bedeutend. Sie gehört zu «Rosneft» und gilt als eines der wichtigsten Ölverarbeitungsunternehmen im Wolga-Becken. Ihre Kapazität beträgt etwa 7 Millionen Tonnen Öl pro Jahr.

Ausserdem gab es neben den Raffinerien viele weitere Ziele, wie Pumpstationen der Pipelines, Öltankanlagen und Leitungsnetze, deren Beschädigung eher unterschätzt wird und deshalb selten gemeldet werden.

Dazu gehören die am 31. Mai angegriffenen Ölpipeline-Knotenpunkte «Lazarevo» in der Region Kirow oder das Tanklager «Metveev Kurgan» in der Region Rostow. Der Brand in «Lazarevo» ist so gross, dass die Rauchwolke bis 35 Kilometer weit reicht.

https://t.me/exilenova_plus/21579; https://t.me/exilenova_plus/21552;  https://t.me/Crimeanwind/100478  

RUSSLAND BAUT STARLINK ERSATZ

Seit die russische Armee von der illegalen Nutzung von Starlink abgeschnitten ist, verliert sie an Boden in der Ukraine. Nun arbeitet Russland aktiv an der Einführung des Satelliten-Internet-Systems «Rassvet». Die ersten Satelliten wurden bereits in die Umlaufbahn gebracht, aber bis zu einer vollwertigen militärischen Nutzung ist es noch weit, berichtete der Berater des Verteidigungsministeriums, Sergei Beskrestnov.

➡️ Um eine ständige und stabile Datenübertragung zu gewährleisten, muss Russland mindestens 200–250 Satelliten starten.

➡️ In den kommenden Jahren plant der Kreml, 300 Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen, und anschließend die Anzahl der Satelliten um weitere 700 zu erhöhen.

Theoretisch können die vorhandenen 16 Satelliten bereits etwa einmal täglich über der Ukraine fliegen und für eine kurze Zeit – während sechs bis zehn  Minuten – eine schnelle Verbindung ermöglichen. https://t.me/u_now/201042

TRUMP REDUZIERT ERMITTLUNGEN

Die Trump-Administration hat die Finanzierung von Ermittlungen zu Kriegsverbrechen Russlands in der Ukraine gekürzt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Mindestens 40% der Programme zur Dokumentation von Verbrechen der Besatzer wurden eingestellt oder sind ausgelaufen, ohne erneuert zu werden. Zu den Folgen gehören:

➡️ Die Organisation «Truth Hounds» hat ihren Personalbestand reduziert und einige Projekte ausgesetzt.

➡️ Dutzende internationaler Experten können nicht mehr in der Ukraine arbeiten.

➡️ Ein Programm zur Wiederherstellung von Gerichten im Wert von 62 Millionen US-Dollar wurde eingestellt.

➡️ Die Yale University wird ein Projekt zur Suche nach von Russland entführten ukrainischen Kindern mangels Finanzierung einstellen müssen.

Die drastischen Kürzungen der US-Hilfe «könnten dazu führen, dass vielen Opfern Gerechtigkeit verwehrt bleibt», sagte Beth Van Schaack, Sonderbotschafterin für globale Strafjustiz unter dem ehemaligen Präsidenten Joe Biden.

Zugleich erklärten die EU und Grossbritannien, sie würden die Ermittlungen zu russischen Kriegsverbrechen und die Arbeit des künftigen Sondergerichtshofs weiterhin unterstützen.

https://www.reuters.com/world/ukraine-russia-war/how-trumps-ukraine-aid-cuts-undermine-justice-russian-war-crimes-2026-05-31

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