#UKRAINE AKTUELL Nr. 1555 (27.5.2026 / 8Uhr)

  • Kreml ist Meister der Manipulation
  • Kyrylo Budanovs Russland-Analyse
  • Panik im russischen «Parlament»
  • Russische Logistik geschwächt
  • 12 Stunden Attacken der Ukraine
  • Drohnenproduktion wird intensiver
  • Mini Putin neben «grossem Xi»

BUDANOV ANALYSIERT KREML

General Kyrylo Budanov, aktuell Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, hat als ehemaliger Chef des militärischen Geheimdienstes weiterhin tiefen Einblick in die Realität Russlands. Am «Kyiv Stratcom Forum 2026» sprach Budanov über die «kognitive Kriegsführung Russlands» (Erklärung: Kognitive Kriegsführung/Cognitive Warfare ist die gezielte Manipulation menschlicher Wahrnehmungen, Emotionen und Denkprozesse.).

Budanovs Erkenntnisse:

  • Die Spitzenpolitiker in Russland sind keineswegs dumm. Sie leben in einer Welt aus Zahlen, Grafiken, Wirtschaftsprognosen, geopolitischen Vorhersagen und so weiter.  Alles ist logisch, strukturiert, korrekt entsprechend ihrer eigenen Ideologie und ihrer Weltsicht. Aber all diese Prognosen sehen für sie zunehmend düster aus, so dass kaum noch Raum für Optimismus bleibt.
  • Die Gesellschaft ist, wie sie ist. Die Gesellschaft lebt von der Fernsehrealität, die diese herrschende Elite für sie erschafft. Wenn eine Person all dies sieht, glaubt sie wirklich, dass die Realität so ist, wie sie dargestellt wird. Es ist ein wenig wie in Nordkorea, wo sie eine künstliche Sicht auf die Welt geschaffen haben.
  • Die Menschen glauben immer noch an die Macht der Russischen Föderation, dass sie irgendwann etwas erreichen wird, dass sie mit nur etwas mehr Zeit einen Durchbruch schaffen wird. Jeden, den sie fragen, kann ihnen ganz viele Beispiele dafür geben.
  • Doch gleichzeitig kommen bereits Zweifel auf – vielleicht wird sie etwas erreichen, aber offensichtlich laufen die Dinge nicht nach Plan. Diese Erzählung existiert, und sie ist gefährlich für das russische Regime. Das verstehen sie ganz genau. Die Zeit ist für niemanden unendlich, und früher oder später fordert die Realität unweigerlich ihren Tribut.
  • Es gibt zwei Gründe für das harte Vorgehen des Kremls gegen das Internet: Erstens geht es, wie Sie richtig angemerkt haben, um Kontrolle – alles zu kontrollieren und Operationen zu erschweren, denn dies sind Kommunikationsmittel.
  • Die Idee ist, die Arbeit unserer Geheim- und Sicherheitsdienste zu erschweren. Aber darüber hinaus geht es auch darum, eine grössere Kontrolle über die öffentliche Stimmung auszuüben: wer was sagt, worüber die Menschen sogar privat untereinander diskutieren und so weiter.
  • Das zweite Ziel ist die systematische Vorbereitung der Gesellschaft auf die Akzeptanz schwerwiegender Entscheidungen. Für sie stellt der Informationsraum ein noch größeres Problem dar. Mit anderen Worten: Dies ist die Vorbereitung auf Entscheidungen, die aus Sicht der russischen Führung möglicherweise nicht besonders populär sind oder von der Gesellschaft nicht ohne Weiteres verstanden werden
  • Republiken innerhalb Russlands werden sich nur dann abspalten und trennen können, wenn ein Anführer auftaucht und wenn innerhalb Russlands eine Destabilisierung, respektive Schwäche einsetzt, was dasselbe ist. Aber es gibt kaum lokale starke Persönlichkeiten. Und jene Anführer aus ethnischen Gruppen leben aktuell nicht in der Russischen Föderation. Ihre Rückkehr würde sie enorm stärken.
  • Im kognitiven Bereich sind die Russen extrem stark und sollten nicht unterschätzt werden. Sie verfügen über eine umfangreiche und tief verwurzelte historische Erfahrung auf diesem Gebiet. In vielerlei Hinsicht gehört die russische kognitive Kriegsführung zu den ausgefeiltesten der Welt, und nur sehr wenige Akteure können in diesem Bereich wirklich mit ihnen konkurrieren.
  • Sie taten das 2014, als sie die Krim überfielen, und sie tun es noch heute, wenn es um die Geschichte der Krim-Tataren geht, die sie 1944 überfallen und deportiert haben. Die Russen haben es geschafft, alles so darzustellen, dass man im Westen sagt: «Ok, das sind ja alles Russen, also ist es eine Sache Russlands, nicht von uns.» Sie wollen dass das die nächsten Jahre so weitergeht.
  • Den Leuten eine andere Realität zu zeigen, gelingt nur über das TV. Man muss ihnen eine andere Realität zeigen. Wenn die Menschen das sehen, wird alles ändern. Aber dabei muss man vorsichtig sein, denn die heutige Realität zu zeigen ist ein sehr schmerzvoller Prozess, denn es ist grausam, was im richtigen Leben geschieht.

https://www.youtube.com/watch?v=3FLN-5ErjO4 (Video mit englischen Untertiteln); https://x.com/revishvilig/status/2058222036376281132

PANIK IN DER DUMA

Das unter autoritären Bedingungen bestimmte «Parlament» der Russischen Föderation heisst «Duma». Dort finden aktuell Beratungen zum defizitären Staatsbudget statt.

Waleri Gartung, Chef der Fraktion «Gerechtes Russland – Patrioten» verlor am Dienstag die Nerven und begann die anwesenden Parlamentarier anzuschreien.

Hier die Übersetzung des entsprechenden Videoausschnitts: «Was sollen wir tun? Also lasst uns mal anschauen, was wir tun können mit diesem defizitären staatlichen Budget. Letztes Jahr hatten wir, äh, ein Defizit von mehr als fünf Billionen (5 Billionen Rubel entsprechen 50 – 60 Milliarden Euro). Und jetzt haben wir fast 5 Billionen mehr. Insgesamt also bereits etwa 11 Billionen Rubel. Was sollen wir dagegen tun? Wollen wir jetzt Geld drucken, oder was? Wie 1992, als die Preise jede Woche um 30 % stiegen. Nun, das verstehen wir doch, oder? Das ist keine Lösung.

Also müssen wir irgendwo Geld beschaffen. Ja, ich verstehe, dass die Wirtschaft sich derzeit in einer sehr schwierigen Lage befindet. Aber im Moment führen wir einen Krieg, und wir müssen diesen Krieg gewinnen. Deshalb können wir natürlich gerade jetzt keine Steuererleichterungen gewähren.

Wir müssen Geld einnehmen. Aber Geld da einnehmen, wo es ist. Ich betone es noch einmal: bei den natürlichen Monopolen, im Rohstoffsektor und im Finanzsektor.»

Video: https://x.com/i/status/2059267298272194828

ANGRIFFE AUF LOGISTIK

Der Telegram-Kanal OKO_GORA hat die Angriffe auf die Logistik in der besetzten Zone im Süden der Ukraine aufgezeichnet. Hauptsächlich betroffen ist die «Strasse des Todes» zwischen Mariupol und der Halbinsel Krim auf den Strecken M14 und N20.

Neben den Angriffen auf die Hauptlogistikrouten werden auch solche auf andere Strecken in Richtung der Front registriert – mit weiss markiert: Derzeit sind auf der Karte 78 Angriffe / verbrannte Transporteinheiten eingetragen.

Der französische OSINT-Analyst Clément Molin registrierte 125 beschädigte Lastwagen auf wichtigen Strassen (hauptsächlich im Mai 2026), von denen mehr als 80 vollständig zerstört wurden. Die intensivsten Gebiete: Die Autobahn Mariupol – Taganrog (die höchste Konzentration); Nördlich von Mariupol; Der Bereich um Berdjansk; Die Umgebung von Melitopol.

Die Auswertungen decken sich mit den vielen Videos der letzten Tage, welche brennende Tanklastwagen oder ausgebrannte Transporter unterschiedlicher Grösse zeigen. Die Angriffe auf die Logistik sind möglich, weil die Ukraine aktuell eine Vielzahl von Angriffs-Drohnen und Piloten hat, welche bis 150 Kilometer weit fliegen können.

https://t.me/oko_gora/19249 ; https://x.com/clement_molin/status/2059237242069975438

VIELZAHL VON ANGRIFFEN

In den letzten 12 Stunden gab es eine Vielzahl von ukrainischen Angriffen auf Stellungen der russischen Armee in den besetzten Zonen und im russischen Hinterland. Deren Auswirkungen sind bis zur Stunde noch nicht bekannt. Auffallend ist der Einsatz mehrerer britisch-französischer Marschflugkörper der Typen Storm Shadow/SCALP.

  • Auf der Krim-Halbinsel wurde in Sevastopol das Hauptquartier der Schwarzmeerflotte in der Gogol-Strasse mit Storm-Shadow Raketen angegriffen. Anwohner berichten von mehreren Explosionen. https://t.me/oko_gora/19250
  • Ebenfalls in Sevastopol wurde das Gebäude der russischen Zentralbank stark beschädigt. Anwohner berichten, dass russische Abfangraketen, die ukrainische Drohnen verfehlt haben, der Grund für die Beschädigungen seien. https://t.me/Crimeanwind/100160
  • Aus Tuapse berichten Anwohner von mindestens einem Luftangriff. Videos zeigen Explosionen. https://t.me/exilenova_plus/21307
  • Vermutlich mit Storm-Shadow-Raketen – abgefeuert aus SU-24 – angegriffen wurde die Luftwaffenbasis «Baltimore» in der russischen Stadt Woronesch. Gemäss ersten Auswertungen wurde der Bereich Ausbildung, Reparatur und technische Wartung getroffen (Koordinaten: 51.623402, 39.159224) https://t.me/AMK_Mapping/30513
  • Aus Taganrog berichten Anwohner von Explosionen und veröffentlichten Fotos mit Rauchsäulen über einer Einrichtung für die Wartung und Reparatur von Flugzeugtechnik. https://t.me/u_now/200619
  • Aus der Stadt Makijiwka in der besetzten Zone Donezk wurden Videos von Bränden veröffentlicht, die nach Drohnenangriffen ausgebrochen seien. https://t.me/exilenova_plus/21277
  • Aus dem Hafen Noworossijsk wurden Videos von Flugabwehraktivitäten in der Luft und Bränden am Boden gezeigt. https://t.me/exilenova_plus/21263

HOHE PRODUKTIONSZAHLEN

Die vor vier Jahren gegründete ukrainische Waffenfirma «FirePoint» hat ihre Drohnenproduktion dezentralisiert, um weniger empfindlich für russische Angriffe zu sein. In den letzten Monaten ist es FirePoint gelungen, die Produktion ihrer Kurzstreckendrohnen «FP-1», der Mittelstreckendrohnen «FP-2» und der Marschflugkörper «FP-5 Flamingo» hochzufahren. Dies berichtet die Firmenleitung.

Gemäss den aktuellen Zahlen werden täglich 300 Drohnen und drei «Flamingos» zusammengebaut.

Die Journalisten des Projekts «Meanwhile in Ukraine» schreiben: «Das ist keine Werkstatt mehr, sondern eine Produktionslinie im Kriegszustand. Die Ukraine wandelt das Überleben in industrielle Kapazitäten um.» https://bsky.app/profile/meanwhileua.bsky.social/post/3mmqfesnxe52a

BIG XI UND MICRO PUTIN

Putin wurde in China ein Gemälde überreicht.

  • Zunächst einmal wird Xi Jinping fast doppelt so gross wie Putin dargestellt.
  • Zweitens geht Xi voraus, während Putin ihm folgt.
  • Drittens blickt Xi nach vorn, während Putin ihn ansieht.
  • Viertens wirkt Xi ruhig und selbstbewusst, während Putin so aussieht, als würde er versuchen, aufzuschliessen – eher wie ein Begleiter als ein Gleicher.

Und insgesamt macht es ziemlich klar, wer der «grosse Bruder» ist und wer der «kleine Bruder». https://twitter.com/MykhailoRohoza/status/2057571591471370344

Facebook
Twitter
Pinterest
Telegram
Email
Print
BLICKPUNKT

Ähnliche Texte

Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1573 (14.6.2026 / 8Uhr)

• Die Krim wird zur Insel
• Ponton-Brücken versenkt
• «Verlasst die Südzonen!»
• Jagd auf Russen-Logistik
• Brände in Fabrik&Ölbasis
• Benzinmangel in Russland
• Militärchef flog aus Fenster
• Spekulationen zum Kreml
• Putin: «Wir griffen nicht an»

Mehr »
Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1572 (13.6.2026 / 8Uhr)

• Tod eines Kindersoldaten Putins
• Krim-Brücken haben fünf Löcher
• Lastwagen-Stau bei Pontonbrücke
• Kreml bittet «Partner» um Benzin
• Benzin und Lebensmittel-Mangel
• Offene Kritik an Kreml-Führung
• Gerüchte über Zentralbank-Chefin
• Kanadischer Ex-General zur Lage
• «Putins Tod ist eine Bedingung»
• Anne Applebaums Einschätzung

Mehr »
Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1571 (12.6.2026 / 8Uhr)

• Russland verliert seine Lastwagen
• Alle Landbrücken zur Krim kaputt
• Brände in ostrussischer Industrie
• Innovativer Kampf gegen Drohnen
• Erfolgreiche Front-Bodenroboter
• Russland sagt Fest und Messe ab

Mehr »
Ukraine

UKRAINE AKTUELL Nr. 1569 (10.6.2026 / 8Uhr)

• Krim-Strassen unter Kontrolle
• Noch fahren täglich 1’000 LKW’s
• Privattransporte auf die Krim
• «Flamingo» flog 1’300 km und traf
• Kasachstan und China kooperieren
• Moskau hat den Anschluss verloren
• Bulgarien stoppt Waffenlieferungen
• Kriegsvorbereitungen in Norwegen

Mehr »

Copyright © 2020. www.aldrovandi.net. All rights reserved.