- Putins Armee mobilisiert zu wenig Soldaten
- Verluste grösser als Neurekrutierungen
- Reste der Schwarzmeerflotte in Gefahr
- Konzentrierte Angriffe auf besetzte Zonen
- Verkehr auf «Strasse des Todes» gestoppt
- Schwerer Angriff auf die Hauptstadt Kyiv
- UN-Botschafter: Keine Lust auf Moskau
- Russischer Antikriegsfilm gewinnt in Cannes
PUTIN FEHLEN DIE SOLDATEN
Das amerikanische «Institute for the Study of War» (ISW) schreibt, dass die russische Armee «zunehmend unter Rekrutierungs- und Personalproblemen leidet». Dies geschieht, obwohl die Entschädigungen für den freiwilligen Militärdienst stark gestiegen sind. Insgesamt nimmt die Truppenstärke der russischen Armee ab, weil die Verluste durch Tod und Verwundungen nicht durch Neurekrutierungen ausgeglichen werden können.
Zur Rekrutierung nennen die Analysten folgende Fakten:
- Das russische Verteidigungsministerium hat Schwierigkeiten, genügend Personal zu rekrutieren: In den ersten drei Monaten 2026 wurden nur 70’500 Wehrdienstverträge abgeschlossen. Geplant war eine monatliche Quote von 33’500 bis 34’600, was insgesamt 100’000 neuen Verträgen entsprochen hätte. Zwischen Anfang Januar und Ende März wurden täglich 800 und 930 Soldaten rekrutiert. 2025 waren es im gleichen Zeitraum durchschnittlich 1’200 neue Soldaten.
- Das russische Verteidigungsministerium hat für jede Teilrepublik Rekrutierungsquoten festgelegt. Damit diese erreicht werden können, haben 24 russische Teilrepubliken («Föderationssubjekte») die Anmeldeprämien seit Mitte Februar 2026 um drei bis 68 Prozent erhöht. Gleichzeitig leiden diese Teilrepubliken unter finanziellen Schwierigkeiten, weil durch den Ausfall von Öl-Produktion und Export wichtige Steuereinnahmen fehlen.
- Das russische Verteidigungsministerium hat die «erzwungenen verdeckten Mobilisierungsbemühungen» gegenüber Unternehmen und Universitäten seit Januar 2026 intensiviert.
Zur Reduktion der russischen Armee schreibt das ISW:
- Gemäss Major Robert «Magyar» Brovdi, Kommandeur der ukrainischen «Unmanned Systems Forces» (USF), haben ukrainische Drohnen in den ersten 19 Tagen des Monats Mai 19’203 russische Soldaten direkt oder durch Bombenabwürfe getroffen. Die Folgen seien Tod oder Kampfunfähigkeit. Seine eigene Einheit, die «SBS Magyar Vögel», habe dazu mehr als 6’000 beigetragen. Alle Verluste auf russischer Seiten seien durch Videos belegt und in der Schlachtfeldmanagement-Software «Delta» erfasst worden.
- Brovdi prognostizierte, dass ukrainische Drohnen bis Ende Mai 2026 über 34’000 russische Verluste verursachen würden. Dabei seien die zusätzlichen Verluste durch Artillerie, Verluste aus direkten Gefechten und Tiefenangriffen hinter der Frontzone nicht berücksichtigt Hinzu kämen geschätzte 18 bis 20 Prozent weitere Verluste, die nicht durch Belege wie Videos dokumentiert seien.
- Der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov hatte bereits am 5. Mai gesagt, dass die ukrainischen Streitkräfte ihr Ziel erreicht hätten, im April 2026 Verluste zu verursachen, die über der russischen Rekrutierungsrate liegen. Fedorov hatte im März 50’000 russische Opfer pro Monat als neues Ziel genannt.
https://understandingwar.org/research/russia-ukraine/russian-offensive-campaign-assessment-may-19-2026/; https://understandingwar.org/research/russia-ukraine/russian-offensive-campaign-assessment-may-20-2026/; https://sbs-group.army/; https://t.me/robert_magyar/2378;

RESTFLOTTE IN GEFAHR
Ukrainische Drohnen haben am Samstag den Hafen von Noworossijsk am Schwarzen Meer erneut angegriffen. Ziel waren die Fregatte «Burevestnik» (Projekt 11356R, FOTO) und das Luftkissenschiff «Sivuch» (Projekt 1239). Das Ergebnis des Angriffs ist unklar, da die Aufnahmen der Drohnen vor dem Einschlag auf das Ziel abbrechen.
Wie bei früheren Angriffen mit Kamikaze-Drohnen schlugen sie bei Schiffen ein, die am Dock lagen.
Die russischen Blogger von «Milinfolive» befürchten weitere schwere Konsequenzen für die Schwarzmeerflotte: «Es ist offensichtlich, dass die Flucht eines Grossteils der Flotte weg von der Krim auf lange Sicht nicht geholfen hat, und der Gegner beginnt, sie immer häufiger in Noworossijsk zu belästigen. Wo die Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte das nächste Mal versteckt werden, ist unklar.» (Ende Originalzitat) https://t.me/milinfolive/172823

KONZENTRIERTE ANGRIFFE
In einer Serie von Schlägen hat die ukrainische Drohnenarmee in der Nacht auf Samstag und am Samstag mehrere Stützpunkte und Lager in den besetzten Zonen Donezk und Luhansk ausgeschaltet. Zum Einsatz kamen in den meisten Fällen die Drohnen FP-2 der Firma FirePoint:
Die Angriffe konzentrierten sich auf die besetzten Städte Luhansk, Kadiivka, Bilokurakino sowie die Regionen Siewersk und Swatowo. Getroffen wurde ein Zug mit Treibstofftanks, mehrere stationäre Öltanks, Feldlager für Munition, Reparaturbasen und Anlagen der Telekommunikation. Im ehemaligen Gebäude der Schewtschenko-Universität in Starobilsk wurde eine Truppenunterkunft getroffen.
Unter den russischen Besatzern gab es über 80 Tote und Verwundete. Grosse Brände nach den Angriffen wurden von Satellitenüberwachungssystemen registriert.
Die Distanzen zwischen den Einschlagorten und der Frontlinie betrugen teilweise über 100 km.

Weitere Schläge gegen die besetzten Zonen gab es in der Nacht auf Sonntag in der Region Melitopol im Süden der Ukraine. Dort richteten sich die Angriffe gegen die Logistik der Besatzungstruppen. Unter anderem wurde ein Munitionsdepot gesprengt und es kam dort zu Folgeexplosionen.
https://t.me/exilenova_plus/21096; https://t.me/exilenova_plus/21108; https://t.me/milinfolive/172850; https://x.com/i/status/2058340034080592195;

STRASSE DES TODES OHNE VERKEHR
Die Bewegung von Lastwagen auf einem Abschnitt der Autobahn R-280 «Novorossiya» («Neurussland») durch die Region Kherson bis zum Raum des Verkehrsknotens Dschankoj ist vorübergehend ausgesetzt. Diesen Entscheid veröffentlichte der von Russland eingesetzte Gauleiter für die Region Kherson, «Gouverneurs» Wladimir Saldo.
Laut dem Erlass gelten Ausnahmen für militärische Güter, Sonderfrachten, Medikamente, Technik zur Wiederherstellung der Infrastruktur, Treibstoff, verderbliche Waren und bestimmte sozial wichtige Grundnahrungsmittel.
Zuvor hatten die Streitkräfte der Ukraine begonnen, Drohnenangriffe auf Lastwagen und Tankwagen auf den Autobahnen durchzuführen, die vom russischen Festland in die besetzten Gebiete und zur Krim führen. https://t.me/milinfolive/172754

SCHWERER ANGRIFF AUF KYIV
Russische Militärblogger schreiben über einen grossen kombinierten Raketen- Drohnenangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kyiv in der Nacht auf heute Sonntag: «Anscheinend haben wir den grössten Raketenangriff seit Beginn des Krieges erlebt».
Eine provisorische Auflistung vom Sonntagmorgen zeigt, dass die Marschflugkörper, Raketen und Drohnen an 40 verschiedenen Stellen der Hauptstadt eingeschlagen haben. Betroffen waren die Bezirke Darnytskyi, Desnyanskyi, Dniprovsky, Golosiyivskyi, Obolonskyi, Pecherskyi, Podilskyi, Shevchenkivskyi, Solomianskyi und Sviatoshynskyi.
Angegriffen wurden unter anderem Wohngebäude mit 5, 16, 20 und 24 Stockwerken, ein Wohnheim, eine Autowerkstatt, mehrere Schulen, ein Supermarkt, ein Einkaufszentrum und mehrere unbewohnte Gebäude. Auf dem Maidanplatz wurde das historische Gebäude der «Ukrposhta» beschädigt.
Bis 6 Uhr am Morgen war ein Todesopfer bekannt. 21 Personen, darunter ein 15-jähriger Junge, wurden verletzt. 7 Personen befinden sich im Krankenhaus.
Zum Einsatz gegen Kyiv kamen Marschflugkörper der Typen «X-101» oder «Iskander-K». Eine Flugbewegungskarte zeigt, dass es sich um einen sehr konzentrierten Angriff mit einer Vielzahl von Raketen und Drohnen vor allem gegen Kyiv handelte.

Kritisch merken russische Blogger an: «Es wäre natürlich besser gewesen, wenn diese Angriffe auf wirklich wichtige Industrie- und Militäranlagen abgefeuert worden wären, anstatt auf leere Regierungsgebäude, die man für Bilder als Entscheidungszentren ausgeben kann. Entscheidungen werden in den Zentren von konkreten Menschen getroffen, nicht von symbolischen Gebäuden in der Nacht eines Wochenendes.»
Volodymyr Zelenskyj hatte bereits am Freitagabend vor einem geplanten grossen Angriff auf Kyiv gewarnt und war dafür von russischen Bloggern verhöhnt worden.
https://t.me/u_now/200317; https://t.me/milinfolive/172895; https://x.com/i/status/2058382040433668523;

KEINE LUST AUF MOSKAU
Andrij Melnyk, Botschafter bei den UN, sagte:
«Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt Lust haben werde, Moskau zu besuchen. Selbst wenn Russland besiegt ist, selbst wenn und nachdem Putins Regime zusammengebrochen ist, selbst nachdem Russland Kriegsreparationen gezahlt hat, selbst wenn die nächste Regierung in Russland auf Knien um eine Entschuldigung bettelt, selbst nachdem alle russischen Kriegsverbrecher verurteilt sein werden, wird es zwischen der Ukraine und Russland für Jahrzehnte, vielleicht für Jahrhunderte, keine Versöhnung geben.
Ich werde mich sogar weigern, Moskau als Mitglied der ukrainischen Delegation zu besuchen, die nach Russland reist, um Russlands Unterzeichnung seiner Kapitulationserklärung.» https://twitter.com/i/status/2058241150561993003

ANTIKRIEGSFILM GEWINNT
Der russische Regisseur Andrey Zvyagintsev gewann mit seinem Film «Minotaurus» den Grossen Preis der Jury bei den 79. Filmfestspielen von Cannes. Dies ist bereits die vierte Auszeichnung des Regisseurs in Cannes. Die Hauptauszeichnung, «die Goldene Palme 2026» gint an «Fjord» von Cristian Mungiu.
Bei seiner Dankesrede sagte Zvyagintsev: «Es gibt eine Person, an die ich mich heute persönlich wenden möchte. Er nutzt kein VPN, um diese Zeremonie live zu verfolgen. Ich bin sicher, er hat weitaus dringendere Angelegenheiten zu regeln. Und ich weiss, dass es in seinem Umfeld Menschen gibt, die wissen, wie sie ihm diese Worte übermitteln können.
Millionen Menschen auf beiden Seiten der Kontaktlinie träumen jetzt nur noch von einem: dass die unzähligen Morde endlich aufhören. Und nur Sie, Herr Präsident der Russischen Föderation, können dieses Gemetzel beenden. Setzen Sie diesem Blutbad endlich ein Ende. Die ganze Welt wartet darauf. Vielen Dank.»
Über den Film «Minotaurus» schreibt die russische Oppositionsplattform «Meduza»: «Andrej Swjaginzews „Minotaurus“ ist der erste Spielfilm über Russland während der Ära der „Spezialoperationen“. Und er wird in die Geschichte eingehen. Als Russlands grossangelegter Einmarsch in die Ukraine begann, beschloss er, nicht zurückzukehren. „Minotaurus“, gedreht in Riga, ist der erste Spielfilm, der sich ernsthaft und kompromisslos mit der „SVO-Ära“ auseinandersetzt.»
https://meduza.io/feature/2026/05/20/kanny-2026-minotavr-andreya-zvyagintseva-pervyy-igrovoy-film-o-rossii-epohi-spetsialnoy-voennoy-operatsii ; https://www.youtube.com/watch?v=9B0m6WdffMs



