#UKRAINE AKTUELL Nr. 1545 (17.5.2026 / 7Uhr)

  • 2. Hilfsaktion von Ukraine Aktuell
  • Notstromgenerator unterwegs
  • Hilfe für Khersoner Bevölkerung
  • «Swiss for Ukraine» als Partner
  • Eure Spenden sind entscheidend
  • Wie «Ukraine Aktuell» entsteht
  • Der moderne Kampf der Ukraine
  • Schweizer Medien und der Krieg

«UKRAINE AKTUELL» HILFT – AKTION 2

In diesen Stunden ist ein Notstromgenerator auf dem Weg aus der Schweiz in die Ukraine. Finanziert wurde das Gerät durch Spenden, die ich für «Ukraine Aktuell» erhalten habe. Der Verein «Swiss for Ukraine» besorgte das Gerät und sorgt für den Transport in die Ukraine. Es ist das erste Mal, dass wir zusammenarbeiten.

Der Generator stammt von der Schweizer Firma Bimex Energy AG aus Uetendorf. Er wird in der frontnahen Stadt Kherson den von Russland terrorisierten Menschen zur Verfügung gestellt. Verwendet wird der Generator in einem «Punkt der Unbeugsamkeit». In Kherson gibt es 26 solche Zentren und sie dienen der Bevölkerung, die unter den dauernden Angriffen der russischen Armee leidet.

PUNKTE DER UNBEUGSAMKEIT

Die Unbezwingbarkeitspunkte sind Zentren in Kellern, grösseren Gebäuden oder Zelten. Dort treffen sich die Menschen nach Putins Angriffen und werden mit dem Nötigsten versorgt. Der Generator wird dann betrieben, wenn das Stromnetz zusammenbricht, was nach solchen Bomben- und Drohnenangriffen häufig der Fall ist.

Die Betroffenen können sich dort aufwärmen, ihre Handys aufladen, im Internet surfen, warme Getränke und Speisen zu sich nehmen, miteinander reden und so den Widerstand aufrechterhalten.

Die Anzahl der Zentren wurde im letzten Winter während der russischen Terrorkampagne zur Zerstörung der Energieinfrastruktur erhöht. Weil die Angriffe auch im Frühling nicht aufhören, kommen jeden Monat 16’000 Bewohner von Kherson in die Punkte der Unbeugsamkeit.

Die Energie wird von Notstromgeneratoren geliefert. Neben dem von Ukraine Aktuell bezahlten Gerät werden drei weitere ähnliche Apparate in die Ukraine transportiert, die Swiss for Ukraine finanziert hat.

WAS DAS GERÄT KANN:

Der «Ukraine Aktuell» Generator hat eine Leistung von 44 kVA / 35 kW, ist eine Tonne schwer und kann mit einem Gabelstapler an den Einsatzort gebracht werden. Mit der Leistung dieses Geräts könnte man in der Schweiz etwa 70 durchschnittliche 4-Zimmerwohnungen, ein kleineres Schulhaus oder ein Verwaltungsgebäude mit Energie versorgen. Die Energie reicht für das gleichzeitige Aufladen von 3’500 Handys oder den parallelen Betrieb von 35 Kochplatten. Angesichts der anhaltenden Drohnenangriffe auf die Stadt sind leistungsstarke Generatoren lebensnotwendig.

Das Gerät war bereits zuvor im Einsatz und wurde nun an Ukraine Aktuell verkauft. Es ist praktisch neu und sofort einsatzbereit, sobald es in Kherson angekommen ist. Der Einsatz wird von der Caritas Spes in Absprache mit der dortigen Stadtverwaltung festgelegt.

WOHER DAS GELD KOMMT:

Seit eineinhalb Jahren können Leserinnen und Leser von Ukraine Aktuell über die Applikation «Buy Me a coffee» oder direkt auf mein Bankkonto Geld spenden. Einen Teil davon nehme ich für die Deckung von Sonderausgaben wie Abonnemente für Zeitungen und Internetdienste, Software, Bilderrechte und Ähnliches. Was übrig bleibt, will ich in Hilfsaktionen investieren. Für meine Arbeit nehme ich von diesem Geld nichts.

DIE ZUSAMMENARBEIT MIT «SWISS FOR UKRAINE»

Bei Swiss for Ukraine waren sechs Personen Teil des Projekts. Mein Dank geht an den Präsidenten Alexander; an Urs für die Abwicklung des Kaufs und die Vorabklärungen für den Einsatz; an den Finanzchef Samuel; an die Logistikerin Anna, an die Kommunikationsfachgrau Ariane und den Videoeditor Jürg.

VIDEO, FOTOS UND BERICHTE

Swiss for Ukraine hat zu dieser Aktion ein Video produziert. Hier der YouTube-Link: https://www.youtube.com/shorts/IYx5xGdaKvg

Sobald der Generator angekommen, installiert und in Betrieb ist, werde ich weitere Fotos und Informationen erhalten, die hier publiziert werden.

AKTION 1: SPITALBETTEN

Die erste Hilfeaktion von Ukraine Aktuell gab es am 14. Mai des letzten Jahres. Damals wurden 108 Spitalbetten und 67 Nachttische mit Lastwagen in die Ukraine transportiert.

Das Mobiliar stammte aus einer stillgelegten Schweizer Klinik und wurde in einem zentralen Lager in der ukrainischen Hauptstadt deponiert, wo sich seither ukrainische Spitäler und Kliniken bedienen können.

Jene Aktion fand gemeinsam mit dem humanitären Hilfswerk «Swiss-UAid» des Schweizer Journalisten Kurt Pelda statt. Auch damals stammte das Geld aus Spenden für Ukraine Aktuell.

HIER KANN GEHOLFEN WERDEN

Wer «Ukraine Aktuell» mit einer Spende unterstützen will, kann dies über «Buy Me a Coffee» https://buymeacoffee.com/aldrovandi tun oder direkt über das Schweizer Bankkonto: CH07 0824 3117 3705 1200 6 (UA Aldrovandi Mario. Les Courtines, F-30220 Aigues-Mortes)

Wer «Swiss for Ukraine» finanziell unterstützen möchte und dafür auch eine Spendenbestätigung erhält oder sich bei Swiss for Ukraine engagieren will, meldet sich am besten auf der Webseite https://www.swiss-for-ukraine.ch/helfen

INTERVIEW ZUR HILFEAKTION

Ariane Rihm Tamm, Kommunikationsfachfrau bei Swiss for Ukraine, hat mir ein paar Fragen gestellt. Die Antworten werden auch auf der Webseite www.swiss-for-ukraine.ch veröffentlicht.

  • Mario, du berichtest seit Kriegsbeginn täglich über die Ukraine. Das bedeutet über vier Jahre kontinuierliche Auseinandersetzung mit einem brutalen Krieg. Wie schützt du dich vor emotionaler Erschöpfung, und hat sich dein Blick auf diesen Krieg über diese Zeit verändert?

Ich beantworte mal den einfachen Teil dieser Frage: Der Blick auf diesen Krieg hat sich verändert mit der Entwicklung dieses Krieges, insbesondere in technologischer Hinsicht. Am Anfang war es der unglaubliche Widerstandswille der Ukrainer und dass sie nicht ganz unvorbereitet waren. Auf der anderen Seite war die dumme Militärtaktik der russischen Armee, die meinte, mit ein paar hintereinander fahrenden Panzern könnte sie ein Land übernehmen, so wie 1956 in Ungarn oder 1968 in der Tschechoslowakei.

Ich bin kein Militärexperte und war auch nur ein mittelmässiger Soldat, aber es zeigte sich doch deutlich, dass sich hier zwei Generationen von Militärverantwortlichen gegenüberstehen. Auf der einen Seite die alte Stahlhelmfraktion, welche die Siegesaussichten an der Anzahl der verschossenen Granaten messen wollte. Dazu gehörte 2022 auch der ukrainische Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj, der die westlichen Alliierten schockierte, indem er ein paar Millionen Artilleriegranaten verlangte. Zum Glück wurde er durch einen modern denkenden General, Olexandr Syrskyj, ersetzt. Hinzu kamen brutale Schläge, ausgedacht vom ukrainischen Militärgeheimdienst unter Kyrylo Budanov.

Noch viel wichtiger aber ist, dass die Ukraine das Potential der unbemannten Systeme erkannt hat: Drohnen in der Luft, am Boden und auf dem Wasser. Seit Michajlo Fedorov Verteidigungsminister ist, gibt es zudem die digitale Gefechtsführung, Erfassung von Erfolgen und Niederlagen, KI-gestützte Systeme und asymetrische Kriegsführung. Insgesamt hat sich die ukrainische Armee stärker professionalisiert und das Ergebnis ist eine russische Armee, die sich auf dem Rückzug befindet.

Der schwierigere Teil der Frage ist, wie ich damit umgehe. Tatsächlich geht das ganz gut und das soll bitte nicht zynisch tönen. Mein Herz ist auf der Seite der Ukraine, auch wenn ich keinen einzigen Menschen aus diesem Land kenne und mein Kopf arbeitet als Journalist: Ich erforsche Quellen, prüfe die Glaubwürdigkeit, versuche dabei nicht auf allzu positive Meldungen hereinzufallen, sortiere das Material, gewichte es, schreibe die Meldungen und entscheide über ihre Publikation. Daneben suche ich das dazu passende Bildmaterial. Natürlich gibt es viele Meldungen, die hässlich sind – wenn es etwa um Folter oder das Leid von Kindern und Zivilisten geht. Und es gibt schonungslose, grässliche Videos von der Front, die mich an Beschreibungen von Erich Maria Remarques «Im Westen nichts Neues» erinnern.

Insgesamt freut es mich, dass meine Arbeit Anerkennung findet und es Leser gibt, die mir das Vertrauen in der Berichterstattung schenken.

Ansonsten versuche ich gesund zu leben, spiele hier gerne Pétanque, geniesse die Sonne und das gute Essen und ab und zu auch einen guten Wein. Ausserdem habe ich eine wunderbare Partnerin, die mir die für die Ukraine nötigen Freiräume gibt.

  • Wo siehst du die grössten Unterschiede zwischen deiner Berichterstattung und jener der grossen Schweizer Medien: inhaltlich, aber auch punkto Geschwindigkeit?

Ich lebe in Frankreich und hier gibt es die sehr gut gemachte «La Tribune Dimanche». Vor zwei Wochen lautete die Titelstory «die Kosten des Krieges». Gemeint war aber fast ausschliesslich der Krieg gegen den Iran. Das ist zurzeit typisch für die Medienberichte: Der grösste Krieg auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg findet nur noch als «neue Normalität» statt und nur bei besonders grausamen Angriffen der Russen, wird noch berichtet.

Die Schweizer Medien unterscheiden sich diesbezüglich insgesamt kaum, aber es gibt erhebliche Qualitätsunterschiede. Bei den CH-Medien rettet der Reporter Kurt Pelda den journalistischen Stand und beim Schweizer Fernsehen ist die Arbeit von David Nauer von hoher Qualität. Was das Radio berichtet, höre ich hier nicht.

Bei den Zeitungen bietet die NZZ die besten Analysestücke. Demgegenüber ist die Qualität der TA-Medien miserabel. Je nachdem, was die Korrespondenten der Süddeutschen Zeitung liefern – mit denen die Tamedia verbunden ist – ist es prorussische aus Serbien oder Wien oder eher westlich orientiert, aber insgesamt nicht zuverlässig.

Alle Medien bedienen sich ansonsten von den grossen Nachrichtenagenturen wie Reuters und Agence France-Presse (AFP) und von denen schreibt die Deutsche Presseagentur (dpa) das meiste ab, was anschliessend in den Schweizer Medien publiziert wird. Aber weil das Interesse am Krieg Russlands gegen die Ukraine in den Redaktionen tief ist, liefern auch diese Agenturen immer weniger Stoffe.

  • Wie arbeitest Du?

Ich arbeite am intensivsten mit Primärquellen. Das sind der ukrainische Generalstab, ukrainische und russische Militärblogger und Behörden. Ausserdem verwende ich Texte von in der Ukraine und im Ausland lebenden Ukrainern und Flüchtlingen aus dem russischen und belarussischen Reich. Hinzu kommen die sehr zuverlässig arbeitenden freien Medien in der Ukraine und die vom Kreml geächteten russischen Oppositionsmedien wie «Moscow Times»; «Important Stories», BAZA oder ausländischen Stationen wie «Radio Liberty», «Deutsche Welle» oder «BBC-Russia».

Hilfreich sind auch die Analysestücke vor allem der Nachrichtenagentur «Bloomberg», von Reuters und von den amerikanischen Publikationen wie «Politico», «New York Times», dem «Wall Street Journal». Wertvoll sind zudem oft Texte der britischen Zeitungen «The Independent», «Guardian» und «The Times».

Insgesamt habe ich einen Pool von etwa 60 bis 70 Quellen, die ich unterschiedlich stark nutze. Das Suchen und Filtern der Quellen benötigt täglich etwa 3 bis 4 Stunden. Die werden dann in einem Konzentrat von 8-10 Meldungen im Newsletter publiziert. Bei der Veröffentlichung über Instagram hilft mir mein Sohn.

  • An welchem Punkt hast du entschieden, dass Berichten allein nicht mehr genug ist, und was hat dich konkret dazu bewogen, mit einer Spende selbst aktiv zu werden?

Vor eineinhalb Jahren habe ich das Spendetool «Buy Me a coffee» entdeckt. Damit kann man mir online für je 5 Euro einen oder mehrere Kaffees spenden. Ausserdem gibt es eine wachsende Gruppe von Menschen, die mir Geld auf mein Schweizer Konto überweist. In erster Linie verwende ich das Geld für die Deckung der Sonderausgaben wie Softwarekosten und Medienabos. Für meine Arbeit nehme ich davon nichts.

Nachdem ich mehr Geld hatte, als ich ausgeben musste, konnte ich eine erste Unterstützungsaktion finanzieren. Das war vor einem Jahr der Transport von 108 Spitalbetten mit Beistellmobiliar aus einer stillgelegten Schweizer Klinik. Diese kamen nach Kyiv in ein Zentrallager, wo sich seither Spitäler bedienen können.

Jetzt sind wieder ein paar tausend Franken zusammengekommen und so kann ich den Kauf des Generators finanzieren, den «Swiss for Ukraine» organisiert hat. 

  • Wie kam die Zusammenarbeit mit Swiss for Ukraine zustande und was hat dich überzeugt, dass deine Spende hier in den richtigen Händen ist?

Wie vieles im Leben spielt auch hier der Zufall eine Rolle. Es gibt ja in ganz Europa eine grosse Zahl von Organisationen, die aktiv Hilfe an die Ukraine leisten. Ich stosse immer wieder auf entsprechende Berichte und das war auch bei «Swiss for Ukraine» so. Ich habe mir dann die Webseite etwas genauer angeschaut und fand, dass hier eine sehr vernünftige Arbeit geleistet wird. Also habe ich Kontakt aufgenommen und so kamen wir ins Gespräch, respektive in den eMail-Austausch. Ein erstes Projekt für einen Generator kam nicht zustande, aber die Art und Weise, wie damit bei «Swiss for Ukraine» umgegangen wurde, hat mich überzeugt. Das hat sicher auch mit den Persönlichkeiten des Projektleiters Alexander Lüchinger und mit Dir als Kommunikationsfachfrau zu tun.

Es freut mich sehr, dass wir es gemeinsam schaffen, einen, respektive mehrere Generatoren in die Ukraine zu bringen und ich bin gespannt, wie sich das Ganze weiterentwickelt. In erster Linie bin ich froh, dass wir hier gemeinsam eine sicher wertvolle Hilfe für die tapferen Ukrainerinnen und Ukrainer auf die Beine bringen.

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