#UKRAINE AKTUELL Nr. 1544 (16.5.2026 / 8Uhr)

  • Der Kreml verliert Boden und Krieg
  • 7 Millionen Drohnen in einem Jahr
  • Ukraine greift Militär & Industrie an
  • Russische Drohnen gegen UN-Konvoi
  • Gericht gegen Putins Regime kommt
  • 410 von 2’000 Gefangenen sind frei
  • Ungarn spendet für Kinderheim

KREML VERLIERT BODEN UND KRIEG

(Meine Einschätzung plus namentlich genannte Quellen – dokumentiert im Abo-Newsletter)

Die Innovationskraft der ukrainische Drohnenmacht ist beachtlich. Die Vielfalt und die Effizienz der ukrainischen Drohnenindustrie in der Luft, auf dem Boden und auf dem Wasser wird von westlichen Experten anerkannt. Bei Drohnen hat die Ukraine einen Know-how-Vorsprung und produziert jetzt schon mehr Drohnen als alle westlichen Länder zusammen:

  • Im Jahr 2024 produzierte die Ukraine 2 Millionen Drohnen.
  • Im Jahr 2025 waren es 4,5 Millionen.
  • Im Jahr 2026 werden es 7 Millionen sein.

Die Mehrzahl dieser Drohnen kostet unter 1’000 US-Dollar, werden alle 3 bis 6 Monate weiterentwickelt und machen jeden russischen Soldaten zu einem wandelnden Ziel.

  • Erstens weiten ukrainische Drohnen die Todeszone entlang der Front auf bis zu 50 Kilometer Tiefe aus. 90% der Verluste werden im frontnahen Korridor durch Drohnen verursacht. In diesem breiten Bereich werden jeden Monat 30’000 bis 35’000 Soldaten kampfunfähig gemacht oder getötet. Dies geschieht durch Bombenabwürfe oder Direktkontakte zwischen den sprengstoffbeladenen Drohnen und den russischen Soldaten. Die Bewegungsfreiheit der russischen Armee und ihre Logistik sind massiv eingeschränkt, was die russische Angriffsfront schwächt.
  • Zweitens zerstören ukrainische Drohnen militärische Stellungen und Technik der russischen Armee. Dazu gehören insbesondere kaputte Luftabwehrsysteme, was der Ukraine zunehmend grössere Handlungsspielräume im Luftraum verschafft. Hinzu kommt, dass Putin die Luftverteidigung Moskaus verstärkt und damit die Verteidigung aller anderen Regionen Russlands schwächt.
  • Drittens beschädigen ukrainische Drohnen, Marschflugkörper und Raketen militärrelevante Industriebetriebe und Geldmaschinen wie Raffinerien und Exporthäfen. Zu den Zielen gehören auch Hightechbetriebe oder Chemiefirmen, die Grundsubstanzen für die Waffenindustrie herstellen. Die Reichweite ukrainischer Drohnen beträgt aktuell bis zu 2’000 Kilometer. Damit liegen 70 % der russischen Bevölkerung und fast die gesamte Industrie in ihrer Reichweite. 
  • Viertens zerstören ukrainische Abfangdrohnen russische Angriffsdrohnen und dies zum Kostenvorteil der Ukraine. Eingesetzt werden Abfangdrohnen vom Typ «Sting», welche 2’000 US-Dollar kosten gegen Shahed 136/Geran-2 Drohnen der russischen Armee, die je nach Konfiguration 20’000 – 50’000 US-Dollar kosten.

Diese vier Methoden sind defensive Massnahmen. Aber mit der Defensive allein wird kein Krieg gewonnen, wie der ukrainische Generalstabschef Olexandr Syrskyj zum Jahreswechsel sagte.

Parallel dazu, aber weitgehend von der Öffentlichkeit ignoriert, hat sich auch am Boden in den letzten zwei Monaten eine Verschiebung ergeben. Erstmals seit 2024 erobern die ukrainischen Infanteristen und Panzersoldaten mehr Boden zurück als sie verlieren.

Konservative Schätzungen wie jene des amerikanischen «Institute for the Study of War» (ISW) gehen von 116 Quadratkilometern rückeroberten Gebieten allein im Monat April aus. Im Jahr 2025 war es den russischen Truppen noch gelungen, in 9 von 12 Monaten jeweils 300 bis 500 Quadratkilometer neues Gebiet zu erobern. Von Januar bis März 2026 verlangsamte sich der Frontvorstoss deutlich.

Die Siege der Ukraine im April 2026 führten zum ersten dokumentierten Gebietsverlust für die Russen in dieser Grössenordnung seit August 2024. Damals eroberte die Ukraine mit einem Überraschungsangriff auf die grenznahe Region Kursk bis zu 1’200 Quadratkilometer und hielt diese mehrere Monate.

Der deutsche Analyst «HC Strien» geht davon aus, dass sich in den nächsten zwei Monaten zeigen wird, ob die Vorwärtsbewegung der Russen weiter gestoppt und an einzelnen Stellen durchbrochen werden kann.

Gleichzeitig ist es den Ukrainern gelungen, ihre Verteidigung zu halten. Sollten nennenswerte russische Gewinne ausbleiben, rückt ein systematisches «Aushungern» russischer Schwachstellen mittels Drohnen zwecks weiterer ukrainischer Gegenangriffe in Reichweite, wie das jetzt schon bei Huljaipole geschieht.

«HC Strien» schreibt: «Ein Kriegsende wäre damit zwar noch nicht unmittelbar in Sicht, aber zusammen mit den zunehmenden Angriffen im russischen Hinterland und dem Niedergang der Wirtschaft würde ein Ausgang wie 1918 an der Westfront greifbar: kein kompletter Zusammenbruch der russischen Front, aber die innere Aufgabe vieler russischer Soldaten, die dann ein ukrainisches Vorrücken auf breiter Front und die Befreiung zumindest grosser Teile der besetzten Gebiete – auch auf der Krim, durch Sonderagenten und Partisanen – ermöglichen würde. Dieses Szenario könnte im Verlauf des Jahres 2027 Realität werden.»

Einen schnelleren Zusammenbruch hält Sir Lawrence Freedman, Ehrenprofessor für militärische Studien am King’s College London für möglich. Freedman gilt als einer der bedeutendsten globalen Experten für Strategie. Er sagte dem Magazin «The Economist»: «Alles in allem scheint es ein Wendepunkt im Krieg zu sein. Wenn die Russen keine Ergebnisse aus ihren Bemühungen erzielen, würde es mich nicht überraschen, wenn in einigen Bereichen alles zusammenbricht.»

https://x.com/tkouilou/status/2045888300594897349;  https://x.com/TheStudyofWar/status/2054971069455298745/photo/1; https://x.com/Strien9/status/2051287778516697203; https://t.me/milinfolive/172353; https://x.com/jirik957/status/2051178447620214800;  https://www.economist.com/europe/2026/05/10/russia-is-stumbling-on-the-battlefield

MASSIVE DROHNEN-SCHLÄGE

Die ukrainische Drohnenarmee SBS führte in der Nacht zum 15. Mai 55 Angriffe auf 23 militärische Ziele in den besetzten Gebieten und in Russland durch. Im Visier waren Taganrog, Yeisk, Krim, Donezk, Saporischschja, Luhansk, Berdjansk, Melitopol und weitere Orte.

Gemeldet wurden die folgenden Zerstörungen und Beschädigungen:

  • Flugzeug Be-200, Standort Morskoi, Russland
  • Hubschrauber Ka-27, Standort Morskoi, Russland
  • Flugabwehrsystem „Tor-M2“, Standort Goncharovo, Luhansk-Region
  • Flugabwehrsystem „Pantsir-S1“, Standort Khutorok, Autonome Republik Krim
  • Trockengüter-Frachtschiff mit BK, Berdjansk, Saporischschja-Region
  • Feindliches Ausbildungszentrum, Standort Raygorodka, Luhansk-Region

Zwischen Dezember und Mai wurden gemäss SBS bereits 153 Elemente der Luftverteidigung zerstört:

  • Flugabwehrsysteme: 108 Einheiten
  • Radar-Komplexe: 39 Einheiten
  • Elektronische Kriegsführung: 6 Einheiten

https://sbs-group.army

CHEMIEWERK ANGEGRIFFEN

In dieser Nacht brachen im Chemiewerk «Nevinnomyssky Azot» in der Stadt Nevinnomyssk in der südrussischen Region Stawropol ein Grossbrand aus. Koordinaten: 44.63718218981937, 41.93572068543434. Zuvor hatten Einwohner den Überflug von Drohnen gemeldet, die vermutlich aus der Ukraine kamen und anschliessend Explosionen im Chemiewerk gemeldet.

Dieses Unternehmen ist für den russischen Rüstungskomplex von entscheidender Bedeutung. Jährlich werden hier bis zu 1,4 Millionen Tonnen Salpeter und über 1 Million Tonnen Ammoniak produziert – Rohstoffe, die zur Herstellung von Sprengstoffen und Munition verwendet werden.

https://t.me/u_now/199546; https://t.me/worldmilitares/42956

ANGRIFF AUF UN-KONVOI

Russland hat Videos eines Angriffs auf einen UN-Konvoi in der Region Kherson veröffentlicht. Gezeigt wurden Lastwagen für den Transport von Lebensmitteln und Begleitfahrzeuge, die deutlich mit den Buchstaben «UN» gekennzeichnet waren.

In einer ersten Veröffentlichung bestätigte die russische Armee, dass solche Angriffe fortgesetzt werden, auch auf Krankenwagen und Rettungskräfte. In der Veröffentlichung hiess es: «Die feindliche Technik wird zerstört. Wie praktisch, sich hinter irgendwelchen humanitären Missionen zu verstecken, ohne die kämpfenden Seiten zu informieren oder die Bewegungsroute abzustimmen.»

Diese Information erwies sich als falsch. Die UN bestätigte, dass sie die russische Seite vorab über den Transport informiert hatte. Wenige Stunden später wurden die Originalvideos, aufgenommen aus der Sicht der angreifenden Drohnen, gelöscht.

https://t.me/exilenova_plus/20610; https://x.com/JulianRoepcke/status/2055278262704591013/photo/1

GERICHT GEGEN PUTIN KOMMT

36 Länder unterstützen die Einrichtung eines Sondergerichts gegen Putin und seine Führungsclique. Der Europarat hat sich am Freitag offiziell für ein Sondergericht in Den Haag wegen des Verbrechens der Aggression Russlands gegen die Ukraine ausgesprochen.

An der Initiative beteiligen sich die europäischen Staaten Andorra, Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Moldau, Monaco, Montenegro, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, San Marino, Slowenien, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik, das Vereinigte Königreich, die Ukraine, Zypern sowie Australien und Costa Rica.

Das Gericht wird befugt sein, die Handlungen der russischen Führungsebene, einschliesslich Putin, zu untersuchen. Es muss noch eingerichtet werden und wird in Den Haag angesiedelt sein.

Ignazio Cassis, Schweizer Bundesrat und Aussenminister, schrieb: «In diesem Geist habe ich die Unterstützung der Schweiz für die Einrichtung des Sondergerichtshofs für das Verbrechen der Aggression angekündigt und damit ein klares Signal gegen Straffreiheit gesetzt.»

https://x.com/nexta_tv/status/2055292114880127380;  https://x.com/ignaziocassis/status/2055209296820883734; https://t.me/u_now/199539

410 GEFANGENE FREI

Die Ukraine und Russland haben am Freitag gegenseitig 205 Kriegsgefangene ausgetauscht. Nach der Aussage von Volodymyr Zelenskyj ist das «die erste Phase des Austauschs „1000 gegen 1000“.»

Unter den Freigelassenen befinden sich Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere. Die meisten von ihnen befanden sich seit 2022 in russischer Gefangenschaft. Sie verteidigten die Ukraine in Mariupol und im «Azovstal», in den Gebieten Donezk, Luhansk, Kharkiv, Kherson, Saporischschja, Sumy, Kyiv sowie beim Tschernobyl-Kernkraftwerk.

Zelenskyj dankte den aktuell kämpfenden ukrainischen Soldaten, die den «Austauschfonds auffüllen» und versprach: «Wir werden weiter für jeden und jede kämpfen, die noch in Gefangenschaft sind.»

https://t.me/V_Zelenskiy_official/19057; https://t.me/u_now/199484;

UNGARN SPENDET FÜR KINDERHEIM

Die ungarische Regierung wird dem Kinderheim im Dorf Velika Dobron in Transkarpatien und einer Stiftung für ukrainische Kinderheime die Summe von 2.8 Millionen Euro überweisen. Das Geld war ursprünglich für Abfindungen von Ministern der Orbán-Regierung vorgesehen. Die ungarische Regierung unter Péter Magyar zwingt nun die Minister und ihre Stellvertreter das Geld zurückzugeben.

Magyar: «Ich fordere alle Minister, die unser Land ruiniert und in Schulden gestürzt haben, auf, nicht einmal daran zu denken, dieses Geld zu nehmen. Angesichts des Zustands, in dem sie das Land hinterlassen haben, ist das das Mindeste, was sie tun können.»

Im Weiteren sagte Péter Magyar, dass die Amtsübergabe weitgehend reibungslos verlaufen sei. Die meisten bisherigen Minister hätten ihre Unterlagen in «ordentlichem Zustand» übergeben. Der ehemalige Regierungschef Viktor Orbán sei nicht anwesend gewesen.

https://telex.hu/belfold/2026/05/14/magyar-peter-atadas-atvetel;  https://t.me/u_now/199550

Facebook
Twitter
Pinterest
Telegram
Email
Print
BLICKPUNKT

Ähnliche Texte

Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1573 (14.6.2026 / 8Uhr)

• Die Krim wird zur Insel
• Ponton-Brücken versenkt
• «Verlasst die Südzonen!»
• Jagd auf Russen-Logistik
• Brände in Fabrik&Ölbasis
• Benzinmangel in Russland
• Militärchef flog aus Fenster
• Spekulationen zum Kreml
• Putin: «Wir griffen nicht an»

Mehr »
Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1572 (13.6.2026 / 8Uhr)

• Tod eines Kindersoldaten Putins
• Krim-Brücken haben fünf Löcher
• Lastwagen-Stau bei Pontonbrücke
• Kreml bittet «Partner» um Benzin
• Benzin und Lebensmittel-Mangel
• Offene Kritik an Kreml-Führung
• Gerüchte über Zentralbank-Chefin
• Kanadischer Ex-General zur Lage
• «Putins Tod ist eine Bedingung»
• Anne Applebaums Einschätzung

Mehr »
Ukraine

#UKRAINE AKTUELL Nr. 1571 (12.6.2026 / 8Uhr)

• Russland verliert seine Lastwagen
• Alle Landbrücken zur Krim kaputt
• Brände in ostrussischer Industrie
• Innovativer Kampf gegen Drohnen
• Erfolgreiche Front-Bodenroboter
• Russland sagt Fest und Messe ab

Mehr »
Ukraine

UKRAINE AKTUELL Nr. 1569 (10.6.2026 / 8Uhr)

• Krim-Strassen unter Kontrolle
• Noch fahren täglich 1’000 LKW’s
• Privattransporte auf die Krim
• «Flamingo» flog 1’300 km und traf
• Kasachstan und China kooperieren
• Moskau hat den Anschluss verloren
• Bulgarien stoppt Waffenlieferungen
• Kriegsvorbereitungen in Norwegen

Mehr »

Copyright © 2020. www.aldrovandi.net. All rights reserved.