#UKRAINE AKTUELL Nr. 1543 (15.5.2026 / 8Uhr)

  • Russische Rakete zerstört Wohnhaus
  • Kremlblogger kritisieren Terrorangriffe
  • Ukraine attackiert militärische Ziele
  • Umstrittene Palantir beliefert Ukraine
  • Kreml–Kyiv: Kampf der Generationen
  • Ukraine wird Europas Schutzschild

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BEREITS 24 TOTE GEMELDET

Nach dem Stand von heute Morgen sind im Darnyzkyj-Bezirk von Kyiv seit dem gestrigen russischen Angriff bereits 24 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sind drei Kinder. In Kyiv wurde eine mehrtägige Trauer ausgerufen. Die meisten Toten gab es wegen eines Einschlags einer russischen X-101-Rakete in ein Mehrfamilienhaus, das danach teilweise einstürzte.

Präsident Zelenskyj erklärte, dass diese russische X-101-Rakete in diesem Jahr hergestellt wurde: «Das bedeutet, dass Russland immer noch die für die Raketenproduktion notwendigen Komponenten, Ressourcen und Ausrüstung importiert, um globale Sanktionen zu umgehen. Die Beendigung der Sanktionsumgehungsmechanismen Russlands muss eine echte Priorität für alle unsere Partner sein.»

https://t.me/Crimeanwind/99153; https://t.me/V_Zelenskiy_official/19045

KRITIK AUS EIGENEN REIHEN

Die russischen Militärblogger von «Milinfolive» veröffentlichten eine Karte der Drohnenangriffe der russischen Armee vom Mittwoch und Donnerstagmorgen. Mehr als 1’400 Drohnen und 50 Raketen hätten vor allem Ziele in der Westukraine und später in Kyiv angegriffen, schreiben die Kreml-Blogger. Sie wiederholen damit, was bereits von der ukrainischen Seite gemeldet wurde.

Interessant aber ist, dass diese Militärblogger mit der Art der Kampfführung ihrer eigenen Armee gegen vorwiegend zivile Ziele nicht einverstanden sind. Sie schreiben: «Stellen Sie sich vor, wenn eine solche Anzahl von Drohnen auf ein paar wirklich wichtige gross angelegte Ziele konzentriert würde, anstatt sie dünn über das ganze Land zu verteilen.»

https://t.me/milinfolive/172282

UKRAINE SCHLÄGT ZURÜCK

Am Mittwoch und Donnerstag trafen über 1’600 russische Kampfdrohnen insbesondere zivile Ziele in der Ukraine (siehe «Ukraine Aktuell» Nr. 1542). Der ukrainische Präsident drohte zuvor für einen solchen Fall mit «spiegelbildlichen Aktionen». Dies wurden in den letzten 24 Stunden umgesetzt, richteten sich aber nicht gegen Zivilisten, sondern gegen militärische Ziele und Betriebe, die dem Militärkomplex zudienen.

  • In der Stadt RYASAN/ Ryazan, 200 Kilometer südlich von Moskau, wurde der grosse Raffineriekomplex angegriffen. Die Anlage brennt an mehreren Stellen. Eine sehr grosse Rauchwolke (FOTO) ist am Rand der 500’000-Einwohner-Stadt zu sehen. Videos zeigen mehrere ukrainische Drohnen, die ungehindert über die Stadt in Richtung Raffinerie fliegen. Am Morgen begann es über der Stadt Öltropfen zu regnen. https://t.me/exilenova_plus/20574
  • In der besetzten Stadt DONEZK wurden die Hauptquartiere der 20. Motor-Schützen-Division und der 41. Motor-Schützen-Division der russischen Armee gesprengt. Die lokalen Behörden sprechen von hohen Verlustzahlen.
  • Im Hafen von BERDJANSK wurde beim Dock 3-4 ein Schiff von drei Kampfdrohnen getroffen. Der Trockengüterfrachter hatte militärische Güter geladen. Im Hafen befanden sich mehrere Flugabwehrsysteme «Pantsir-S1», die aus unbekannten Gründen nicht im Einsatz gegen die Drohnen waren. https://t.me/kiber_boroshno/13010

UKRAINE – PALANTIR KOOPERATION

Die amerikanische IT- Firma «Palantir» hat Methoden entwickelt, um unterschiedliche Datensätze aus einer Mehrzahl von Quellen in ein einheitliches Gesamtbild zusammenzufügen. Weil diese Methode auch für die Überwachung von Menschen eingesetzt werden kann, bestehen Bedenken bezüglich Datenschutz und Bürgerrechte.

Hinzu kommt, dass einer der Gründer sowie Anschubfinanzierer und auch heute noch entscheidende Person der Financier und Techmilliardär Peter Thiel ist. Er wird kritisiert wegen seiner radikal-libertären Ansichten, seiner antidemokratischen Haltung und der Förderung der Karriere von US-Vizepräsident J. D. Vance.

In der Öffentlichkeit weniger beachtet wurde bisher, dass Palantir auch im militärischen Bereich aktiv ist, obwohl dies eigentlich der Ursprung von Palantir war. Diese Woche trafen sich Volodymyr Zelenskyj und der Chef von Palantir Technologies Alex Karp.

Bei russischen Militärbloggern sorgt diese Nachricht für grosse Unruhe. Voenny Osvedomitel erinnert daran, dass Palantir schon seit längerem die Zusammenarbeit mit der Ukraine sucht. Vorallem der heutige Verteidigungsminister Mychajlo Fedorov habe den Kontakt aufrechterhalten.

Für die Ukraine ist die Palantir Plattform «Maven Smart System (MSS)» von grossem Interesse: «Mit der Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz bis 2024–2026 entwickelte sich das Ganze zu einer weitaus umfassenderen Plattform zur Zusammenführung von Geheimdienstdaten, zur Erstellung eines Gesamtbildes der Kampflage, zur Priorisierung von Zielen und zur Unterstützung bei der Entscheidungsfindung.»

Die Zusammenarbeit von Palantir mit Kyiv sei eine für beide Seiten vorteilhafte Massnahme «und eine sehr ernsthafte Bedrohung für Russland», schreibt Voenny Osvedomitel: «Für Karp wird die Ukraine zum weltweit grössten realen Übungsfeld für moderne netzwerkzentrierte Kriegsführung, auf dem er seine Errungenschaften im Bereich der militärischen KI verfeinern kann, und für die Ukraine wird dies eine hervorragende Hilfe bei der Sammlung von Aufklärungsdaten sein, um immer gross angelegtere Angriffe auf russisches Territorium durchzuführen.»

Und er beschreibt, warum dies für Russland bedrohlich ist: «Das Hauptproblem der modernen Kriegsführung ist die Datenflut. Informationen strömen von überall her, und Dutzende Terabyte an Daten müssen nicht nur gesichtet, sondern auch gefiltert, erklärt und interpretiert und anschließend genutzt werden. Sollte etwas Ähnliches gegen die Russischen Föderation geschaffen werden, besteht das Risiko, dass alle verstreuten Berichte in einem einheitlichen Informationsnetzwerk zusammengefasst werden, mit dessen Hilfe die Zeit für Entscheidungsfindungen von Tagen auf Minuten verkürzt werden kann.»

Über den Einsatz KI-gestützter Systeme in der Ukraine schreiben die Militärblogger von «Milinfolive»: «Im Januar dieses Jahres wurde gemeinsam mit dem Unternehmen in der Ukraine eine geschützte Plattform (https://t.me/milinfolive/164779) Brave1 Dataroom eingeführt, die Zugang zu Datensätzen (Datensammlungen) von Luftzielen bietet, um KI-Systeme von Abfangdrohnen zum Erkennen von Luftzielen und einer genaueren Zielerfassung zu trainieren.» Die russische Armee hat derzeit nichts Vergleichbares.

https://t.me/special_authors/9157; https://t.me/milinfolive/172160  

ALTE RUSSISCHE FÜHRUNG

Anatoli Loucher, ein demokratischer Blogger aus Deutschland, aufgewachsen im sowjetisch dominierten Osten, hat in einem Text die Unterschiede zwischen der ukrainischen und der russischen Führung herausgearbeitet. Hier Auszüge:

«Es ist ein Krieg der Generationen. Auf der einen Seite steht die Ukraine. Ein Präsident, der mit Anfang 40 ins Amt kam. Ein Verteidigungsminister Mitte 30. Eine Führung, die um die 40 ist, digital denkt, schnell entscheidet, international vernetzt ist.

Das ist eine Generation, die mit Internet, Technologie und globaler Realität aufgewachsen ist. Sie kommuniziert direkt. Sie reagiert schnell. Sie arbeitet unter Druck. Und sie hält einen Staat am Laufen, während dieser Staat gleichzeitig angegriffen wird. Das ist nicht perfekt. Aber es ist bemerkenswert effektiv.

Und dann schaut man auf die andere Seite. Russland wird von einer völlig anderen Generation geführt. Männer um die 70. Geprägt vom KGB. Geprägt von Kontrolle, Misstrauen und einem Weltbild aus dem Kalten Krieg.

Eine Führung, die nicht nach vorne denkt, sondern zurück. Die Zukunft nicht versteht, sondern fürchtet. Putin selbst prahlt damit, dass er das Internet nicht nutzt.

Dass ihm Informationen in Papiermappen vorgelegt werden. Gefiltert. Zusammengefasst. Vorgekaut.

Eine Realität aus zweiter Hand. Weit entfernt von der Welt, die sich tatsächlich verändert.

Es geht um die Grundfrage, welches System langfristig trägt: eines, das aus Angst in der Vergangenheit verharrt, oder eines, das sich anpasst, lernt und nach vorne denkt.

Dieser Krieg entscheidet nicht nur über Grenzen. Er entscheidet, welche Art von Welt sich durchsetzt.»

https://www.facebook.com/photo?fbid=26502918559335187&set=a.398016170252116

EUROPAS SCHUTZSCHILD

In einem Interview mit der «Financial Times» sagte Denis Shtilierman, Mitbegründer und Chefingenieur des ukrainischen Rüstungskonzerns Fire Point: «Die Idee hinter unseren Waffen ist, dass wir nicht nur Waffen und nicht nur Sicherheit verkaufen, sondern Unabhängigkeit in Sachen Sicherheit.»

Shtilierman sagte, dass das Unternehmen zwei Satelliten ins All gebracht habe und plane, im Jahr 2027 Dutzende weitere in die Umlaufbahn zu bringen. Die Financial Times merkte an, dass damit die Abhängigkeit von der US-Regierung und westlichen Technologiekonzernen verringert werden soll.

Shtilierman bestätigte, dass das Unternehmen die Produktion von Marschflugkörpern und ballistischen Raketen hochfährt und ein „paneuropäisches Luftabwehrschild“ entwickelt, um eine Abhängigkeit von bestimmten Herstellern zu vermeiden. Mehrere europäische Regierungen und Verteidigungskonzerne prüften die Möglichkeit, Fire-Point-Drohnen und -Raketen zu kaufen und gemeinsam zu produzieren. Deutschland habe großes Interesse gezeigt, so Shtilierman. «Die deutsche Regierung kauft unsere FP-1 und FP-2 für unser Militär . . . [aber] was sie ins Auge fassen, ist der mögliche Ersatz der Tomahawk» durch die Fire-Point Flamingo Marschfkugkörper.

https://www.ft.com/content/06570a4f-b5c0-473a-b8fe-3275b9f7d543?syn-25a6b1a6=1

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