#UKRAINE AKTUELL Nr. 1537 (9.5.2026 / 9Uhr)

  • Kyiv erlaubt Moskau die Parade
  • 1’000 Gefangene kommen heim
  • Die Opfer der Ukraine im Weltkrieg
  • Friedensgespräche vorerst beendet
  • Russland will mehr als den Donbas
  • Die Liste der Kreml-Staatsfeinde
  • Klagen über hohe Preise in Russland

KEIN ANGRIFF AUF DEN ROTEN PLATZ

Putin kann heute seine Mini-Parade vor neun ausländischen Gästen ohne Panzer und Raketen auf dem Roten Platz in Moskau durchführen.

Er und das Kremlregime müssen sich dabei nicht vor ukrainischen Drohnen fürchten, denn Kyiv hat einer dreitägigen Waffenruhe bis zum 11.Mai zugestimmt. Im Gegenzug gibt es einen gegenseitigen Gefangenenaustausch von 1‘000 Soldaten.

Die Ukraine werde in diesen Tagen auf «Fernstrafaktionen» verzichten, schreibt Volodymyr Zelenskyj. Der Deal wurde von den USA vermittelt und Zelenskyj dankte «dem Präsidenten der USA und seinem Team». Zelenskyj beendet seine Mitteilung so: «Der Rote Platz ist für uns weniger wichtig als das Leben der ukrainischen Gefangenen, die nach Hause gebracht werden können.» https://twitter.com/ZelenskyyUa/status/2052816517268463696

DIE OPFER DER UKRAINER

Vor 81 Jahren endete der Zweite Weltkrieg und in meiner Erinnerung erschienen Ukrainer darin oft nur als Sadisten in KZs wie John Iwan Demjanjuk («Der Henkersknecht») oder als Anhänger von Stepan Bandera. Wobei im Zusammenhang mit Bandera und der Ermordung der jüdischen Bevölkerung durch seine Anhänger immer nur der erste Teil der Geschichte repetiert wurde, nämlich dass Bandera mit den Nazis zusammenarbeitete, weil er sie als Befreier von Stalins UdSSR empfing. Der zweite Teil, dass Teile der von Banderas Bewegung später auch gegen die Nazis kämpften, wird von der russischen Geschichtserzählung bis heute verschwiegen.

Und was den Kampf gegen die Nazis betrifft, war immer nur von den «Russen» und ihren Opfern die Rede. Dies geschah, weil die UdSSR mit Russland gleichgesetzt und der Anteil der Ukrainer an der UdSSR nicht erwähnt wurde. Es gibt allerdings Fakten, die zeigen, dass aus dem Osten die Ukraine den Hauptteil der Opfer im Zweiten Weltkrieg beisteuerten. Sie stammen vom amerikanischen Journalisten Edgar Snow, bekannt vor allem wegen seines Buches «Roter Stern über China».

Frank Obenaus aus Erfurt erzählt diese Story:

«Im Januar 1945 veröffentlichte Snow nach seiner Rückkehr aus der UdSSR einen Artikel in «The Saturday Evening Post» und nannte erstmals die Verluste der Ukraine: mindestens 10 Millionen Leben – Soldaten und Zivilisten – sowie materielle Schäden in Höhe von 30 bis 40 Milliarden US-Dollar.

Diese Daten wurden ihm von ukrainischen Beamten wie dem stellvertretenden Vorsitzenden der Regierung der Ukrainischen SSR für Landwirtschaft, Wassili Starchenko, und dem Leiter des Staatlichen Plans der Republik, Wladimir Walujew, mitgeteilt, die den wahren Stand der Dinge kannten.

Snow stellte fest: Während Russland nur teilweise von der Besatzung betroffen war, trug die Ukraine den Hauptschlag der nationalsozialistischen Truppen. Die sowjetische Statistik jedoch spielte die Tragödie herunter.

1946 nannte die Zeitschrift «Bolshevik» die Gesamtverluste der UdSSR mit 7 Millionen Menschen und verschwieg den unverhältnismäßigen Beitrag der Ukraine. Josef Stalin stiess im Mai 1945 auf den «russischen Volk» als «führende Kraft» an und begründete damit einen Mythos, den Snow widerlegte: «Der titanische Kampf war nicht «russischer Ruhm», sondern ein ukrainischer Krieg.»

Snows Schätzung von 10 Millionen Toten wird durch moderne Forschungen bestätigt: Die Verluste der Ukraine betrugen 8 bis 10 Millionen Menschen, einschließlich der Opfer von Kämpfen, Hunger, Repressionen und dem Holocaust.

Die Bevölkerung sank von 41 Millionen im Jahr 1941 auf 27 Millionen im Jahr 1945. Der materielle Schaden in Höhe von 30 bis 40 Milliarden US-Dollar betraf die Zerstörung von 700 Städten und 28’000 Dörfern. Die Nazis plünderten das Land, entführten Getreide, Ausrüstung, Menschen und sogar Boden, und dann kam der Hunger von 1946 bis 1947.

Die wirtschaftlichen Verluste in der Ukraine machten 42% der gesamten Verluste der UdSSR aus:

🟢 10 Millionen Menschen wurden obdachlos oder lebten in zerstörten Gebäuden;

🟢 18’000 medizinische Einrichtungen wurden (ganz oder teilweise) zerstört;

🟢 33’000 Bildungseinrichtungen wurden (ganz oder teilweise) zerstört;

🟢 16’000 Industrieunternehmen wurden (ganz oder teilweise) zerstört.

Snow forderte den sowjetischen Mythos des «einen Volkes» heraus, aber seine Worte wurden verschwiegen. In der Roten Armee machten Ukrainer die überwiegende Mehrheit an den wichtigsten Fronten aus, aber ihr Beitrag wurde heruntergespielt.»

Die ukrainische Webseite Texty.Org.Ua veröffentlicht zu den Zahlen von Edgar Snow eine Landkarte der Eroberungen Nazi-Deutschlands in der damaligen UdSSR. Die Ukraine war zu 100% besetzt und erlitt entsprechende Schäden, während es vom russischen Territorium rund 3% waren. Ausserdem werden in vielen Statistiken die Verluste und Schäden in der Ukraine durch die Nazis belegt.

Das Foto zeigt die Chreschtschatyk-Strasse in Kyiv nach der Schlacht um Kyiv und der Vertreibung der Nazis im November 1943.

https://www.facebook.com/frank.obenaus.3; https://texty.org.ua/projects/103854/occupation_eng ; https://de.wikipedia.org/wiki/Stepan_Bandera; https://germany.mid.ru/upload/iblock/16e/9kvqr6wl2sa6vfps4gc5fhp56ceu8r8l.pdf; https://de.wikipedia.org/wiki/John_Demjanjuk;

ENDE DER VERHANDLUNGEN

US-Aussenminister Marco Rubio hat eingeräumt, dass sich die USA aus den Ukraine-Gesprächen zurückgezogen haben: «Wir haben in diesem Prozess die Rolle eines Vermittlers übernommen und versucht, diese auch weiterhin zu spielen. Bislang hat dies aus verschiedenen Gründen zu keinem fruchtbaren Ergebnis geführt. Wir sind nach wie vor bereit, diese Rolle zu übernehmen, sofern sie produktiv sein kann. Wir wollen unsere Zeit nicht umsonst verschwenden und unsere Kraft und Energie in Bemühungen investieren, die keinen Fortschritt bringen», sagte Rubio.

Parallel dazu verbreitete der Kreml seine Version, warum sich Russland nicht mehr an den Verhandlungstisch setzt. Sie fordern die Aufgabe ukrainischen Landes als Vorbedingung für Verhandlungen: «Solange die Ukraine ihre Truppen nicht aus dem Donbas abziehen, gibt es keinen Spielraum für Verhandlungen». Das sagte Juri Uschakow, Putins Berater für Aussenpolitik.

Russland werde sich nicht mit dem Donbas begnügen, sagte demgegenüber ein Mitglied der ukrainischen Regierung der ukrainischen Nachrichtenagentur RBC. Russlands neues Ultimatum bezüglich der Friedensgespräche mit der Ukraine und den Vereinigten Staaten zeige, dass der Kreml keine Pläne hat, den Krieg zu beenden, selbst wenn er die Kontrolle über den Donbas erlangt.

RBC schreibt: «Die Quelle kommentierte die Äusserung des Kreml-Beraters Uschakow und merkte an, dass Moskaus Meinung im Kontext der Verhandlungen irrelevant sei. Entscheidend sei die Meinung von US-Präsident Donald Trump und Washington, die – wie die Ukrainer – der Ansicht seien, dass der Krieg beendet und ein geeignetes diplomatisches Format gefunden werden müsse.»

https://x.com/blyskavka_ua/status/2052737817671770511; https://t.me/u_now/198788;  https://www.rbc.ua/ukr/news/peregovori-vse-zelenskogo-vidreaguvali-ultimatum-1778176388.html

RUSSLANDS STAATSFEINDE

Die Zielperson Nummer 1 für den Kreml bleibt der ukrainische Staatspräsident Volodymyr Zelenskyj.

Bekannt ist auch, dass Kyrylo Budanov, der ehemalige Chef des Militärgeheimdienstes der Ukraine und jetzige Chef des Präsidialbüros, ganz oben auf der Abschussliste des russischen Regimes steht. Gegen Budanov gab es bisher schon 20 Attentatsversuche.

Die britische Zeitung «The Guardian» nannte nun einen weiteren Wunschtoten des Kremls: Robert „Magyar“ Brovdi, der Kommandeur der ukrainischen «Unmanned Systems Forces», also der Drohneneinheiten. Die britische Zeitung behauptet, dass er nach Zelenskyj als einer der wichtigsten Gegner für den russischen Geheimdienst gilt.

Die BBC berichtete vergangene Woche aus dem Kommandozentrum von Brovdis Armee: Diese Einheit töten 90% der russischen Soldaten, obwohl sie personell nur 2,5% der ukrainischen Armee ausmacht.

https://www.theguardian.com/world/2026/may/08/madyar-robert-brovdi-ukraine-military-vladimir-putin ; https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1528-30-4-2026-8uhr/

KLAGE WEGEN HOHER PREISE

Letzte Woche kam es in russischen sozialen Netzwerken zu einer Flut von Klagen über die Internetzensur. Nun folgt eine zweite Welle mit Klagen wegen der hohen Preise.

Die russische Behörde «Rosstat» meldet eine Inflationsrate von 0% und für den Monat März lediglich einen Anstieg der Preise um 0,17%. Tatsächlich dürfte die Inflation seit Jahresbeginn 5% betragen, was der höchste Anstieg seit acht Jahren ist.

Die offiziellen Zahlen seien vermutlich gefälscht, sagt Thomas Nilsson, Chef des schwedischen militärischen Geheimdienstes in einem Interview mit der «Financial Times». Die russischen Behörden würden Daten über die Wirtschaft systematisch verzerren, um dem Westen ein Bild stabiler Verhältnisse zu vermitteln. Auch die russische Zentralbank würde die Inflation unterschätzen, die aktuell eher 15% als die offiziell deklarierten 5,86% beträgt. Um das staatliche Defizit in den Griff zu bekommen, müsse der Preis für ein Barrel Rohöl der russischen Sorte bnis Ende Jahr auf 100 US-Dollar kosten.

Auch Videobloggerinen beklagen den akuten Preisanstieg, wie der ukrainische Journalist Anton Gerashchenko in einer Videozusammenstellung zeigt:

«Ich zahlte 800 Rubel ($10,50) für nur vier beschissene Zutaten»

«In diesen Tagen sind 1000 Rubel ($ 13,20) nicht genug, um einen beschissenen griechischen Salat zu machen»

«Wie soll ich denn heutzutage von diesem verdammten Geld leben?» https://twitter.com/gerashchenko_en/status/2047374881281790006

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