#UKRAINE AKTUELL Nr. 1536 (8.5.2026 / 8Uhr)

  • Vor 81 Jahren kapitulierten die Nazis
  • Mini-Ehrentribüne für Moskau-Parade
  • Russische Drohungen gegen Kyiv
  • Kreml brach eigenen Waffenstillstand
  • 150 Drohnen fliegen nach Russland
  • Anlagen brennen 1’500 km entfernt
  • Vertrauen ist in Russland im Keller
  • Emirate investieren in Drohnen

81 JAHRE NIEDERLAGE DER NAZIS

Mit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation am 7. Mai 1945 in Reims und in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst durch das Oberkommando der Wehrmacht (FOTO, Wilhelm Keitel) endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit der vollständigen Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands.

Die westliche Anti-Nazi-Allianz hatte früh entschieden, dass damit der 8. Mai der Feiertag für das Ende des Zweiten Weltkriegs ist. Die kommunistische Sowjetunion hatte 1965 den 9. Mai zum Sieges- und Feiertag erklärt, während der Westen einen Tag vorher dem Frieden gedenkt.

Ein anderer Unterschied ist, dass die Sowjetunion, respektive Russland, den 9. Mai mit einer Militärshow feiern, während der Westen diesen Tag eher still begeht.

https://www.bundesarchiv.de/das-letzte-kriegsjahr-1944-45/die-letzten-kriegstage-1945/#c66122

MINI EHRENTRIBÜNE DES KREMLS

Der Kreml hat die ausländischen Gäste für die 9. Mai-Feier in Moskau benannt. Die sehr bescheidene Liste wurde von der Propagandaagentur TASS veröffentlicht.

Unter den nur neun Gästen befinden sich zwei Führer der russischen Fantasiegebilde «Abchasien» und «Südossetien», die innerhalb von Georgien unter Anleitung des Kremls seit 20 Jahren für Unruhe sorgen.

Eingeladen sind ebenfalls drei Vertreter der «Republika Srpska», ebenfalls eine unter russischem Einfluss stehende Regionalführung, innerhalb von Bosnien und Herzegowina. Ebenfalls eingeladen ist der von Russland unterstützte weissrussische Diktator Alexander Lukaschenko.

Unter den eigentlichen Staatsoberhäuptern befinden sich das «Oberhaupt von Malaysia, Sultan Ibrahim» und Thongloun Sisoulith, Präsident des kommunistischen Laos.

Und ebenfalls nach Moskau reist Robert Fico, Ministerpräsident des EU-Landes Slowakei. Weil die baltischen Staaten den Luftraum für Fico gesperrt haben, werden er und seine Delegation über eine längere Route durch Tschechien, Deutschland, Schweden und Finnland nach Moskau reisen. Gemäss «NextaTV» war zunächst unklar, ob Fico tatsächlich an der Parade teilnehmen würde. TASS zählt ihn als Teilnehmer auf, der nach «Moskau reist».

Zum Vergleich — 2005 nahmen an der Moskauer Parade Führer aus aller Welt teil: Es waren Staatsoberhäupter aus den Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich, China, Südkorea, Japan, Indien, Italien, dem Vereinigten Königreich, den postsowjetischen Ländern sowie die Generalsekretäre der UN und der UNESCO.

Jetzt wirkt das alles ziemlich erbärmlich.

https://tass.ru/politika/27339721;  https://x.com/nexta_tv/status/2052391536722108621

ANGEBOT OHNE BEDEUTUNG

Das russische Kriegsministerium erklärte gestern einseitig einen Waffenstillstand vom 8. Mai 0:00 Uhr bis zum 10. Mai, also für die Zeit der Feiern zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Dieses Angebot weist Volodymyr Zelenskyj indirekt zurück und fordert stattdessen einen langanhaltenden Frieden.

Unter dem Titel: «Waffenstillstand im Mai und Warnung an Kiew» veröffentlichte die Agentur TASS die wichtigsten Ausschnitte der Ankündigung:  «Während des Waffenstillstands werden alle Gruppierungen der russischen Truppen in der Zone der Spezialmilitäroperationen (SMO) die Kampfhandlungen vollständig einstellen», heisst es in der Erklärung. Auch die «Angriffe auf Standorte der ukrainischen Streitkräfte und Einrichtungen des militärisch-industriellen Komplexes tief im ukrainischen Territorium» werden eingestellt. Keine Zusicherung gibt es für die Zivilbevölkerung, die vor zwei Tagen zum letzten Mal von Russland in drei Städten angegriffen wurde und bei denen 20 Menschen ihr Leben verloren.

Die Meldung des Kriegsministeriums beinhaltet auch eine Warnung an die Ukraine. Sollte die ukrainische Armee die russische Armee oder bewohnte Gebiete angreifen, werde «angemessen reagiert». Und für den Fall, dass die Ukraine die Feierlichkeiten zum 9. Mai in MOSKAU (Hervorhebung von mir) störe, werden «die russischen Streitkräfte einen massiven Angriff auf das Zentrum von Kiew starten.»

Während man von Putin nichts sah, reagierte der ukrainische Präsident Zelenskyj mit einem Selfie-Video auf die Meldung des Kremls. Er lehnte die Waffenruhe weder direkt ab, noch stimmte er ihr zu. Zelenskyj im Originalton:

«Die Russen wollen von der Ukraine die Erlaubnis für ihre Parade – damit sie einmal im Jahr eine Stunde lang gefahrlos auf den Platz gehen können, um anschliessend wieder unsere Leute zu töten und Krieg zu führen. Die Russen sprechen bereits von Angriffen nach dem 9. Mai. Eine seltsame und zweifellos verdrehte Logik der russischen Führung.

Es gibt auch Meldungen aus einigen russlandnahen Staaten, dass deren Vertreter beabsichtigen, nach Moskau zu reisen. Ein seltsamer Wunsch in Zeiten wie diesen. Wir raten davon ab.»

Zelenskyj betonte in dieser Botschaft, dass die Ukraine einen echten und sicheren Frieden wolle und eine Delegation dabei sei, mit den beiden amerikanischen Unterhändlern Jared Kushner und Steven Witkoff zu verhandeln.

https://tass.ru/armiya-i-opk/27342249, https://x.com/i/status/2052429519600963626

WAFFENRUHE GEBROCHEN

In einem Telegram-Eintrag schreibt Zelenskyj heute Morgen: «In der vergangenen Nacht hat die russische Armee ihre Angriffe auf ukrainische Stellungen fortgesetzt. Bis 7 Uhr morgens wurden bereits mehr als 140 Beschüsse von Stellungen an der Front verzeichnet. Die Russen führten in dieser Nacht 10 Angriffsaktionen durch, die meisten davon in Richtung Slovyansk.

All dies zeigt deutlich, dass es von russischer Seite nicht einmal einen vorgetäuschten Versuch gab, den Beschuss an der Front einzustellen.»

https://t.me/V_Zelenskiy_official/18922

ANLAGEN IN PERM BRENNEN

Gemäss dem satellitengestützten Überwachungssystem «Fire Information for Resource Management System» (FIRMS) der NASA brennt es in der Region Perm – 1’500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt – an zwei Orten: Am Pipeline-Knotenpunkt von Transneft und in der Raffinerie von Lukoil.

Transneft ist ein staatliches russisches Unternehmen, das die Erdöl-Pipelines des Landes betreibt. Das börsenkotierte Moskauer Unternehmen wurde 1993 gegründet und verfügt heute über das weltgrösste Pipeline-System mit einer Gesamtlänge von knapp 50’000 Kilometer.

Nun werden aus der russischen „Perm Linear Production & Dispatch Station“ (LPDS) in der Region Perm Explosionen und massive Brände gemeldet. Die LDPS ist einer der wichtigsten Knotenpunkte für den Pipelinetransport von Rohöl zu Raffinerien und Exporthäfen. Jährlich fliessen alleine über diese jetzt beschädigte Schlüsselstelle 50 Millionen Tonnen Öl; das sind 10 % des Gesamtdurchsatzes von Transneft.

Neben dem Pipeline-Knotenpunkt befindet sich die Lukoil-Permnefteorgsynthese-Raffinerie. Dort brennen die Isomerisierungs- und die AVT-2-Ölaufspaltanlage – das Herzstück der Raffinerie – und diese sind nicht leicht zu löschen.

Die Lukoil-Anlage ist eine der grössten Ölraffinerien der Russischen Föderation, mit einer Kapazität zur Verarbeitung von etwa 13 Millionen Tonnen Öl pro Jahr. Sie stellt Autobenzin, Dieselkraftstoff und Flugkraftstoff für die russische Armee her. https://x.com/kshevchenkoreal/status/2052305484598714446; https://www.facebook.com/GeneralStaff.ua;  https://firms.modaps.eosdis.nasa.gov/map/#d:today;@56.068,57.898,11.096z

WEITERE TIEFE SCHLÄGE

Am gestrigen Donnerstag und in der Nacht auf heute griff die ukrainische Armee verschiedene Armeestellungen und für die Armee wichtige Industriebetriebe innerhalb Russlands an:

  • Rund 150 ukrainische Drohnen waren in dieser Nacht auf dem Weg in das Innere Russlands. Ein Teil flog in Richtung Moskau, andere in die südlichen Regionen. Erste Videos gibt es von einem Brand in der Ölraffinerie «YANOS» in Yaroslaw https://t.me/u_now/198807
  • In Rostow am Don brennt unter anderem die «NTZ Radar», ein Firmenkomplex der russischen Verteidigungsindustrie. Es ist ein wissenschaftlich-technisches Zentrum, das mit der Entwicklung und Herstellung von Radioelektronik, Kommunikationssystemen, Navigation und Komponenten für militärische Ausrüstung verbunden ist. https://t.me/exilenova_plus/20325
  • Rostow am Don war in dieser Nacht das Ziel mehrerer Raketeneinschläge. Getroffen wurde unter anderem ein Zentrum für die Rekrutierung von Soldaten sowie die Chemiefirma «Rostovagropromzapchast», wo es seither brennt. Die Militärparade für den 9. Mai war in der Stadt zuvor abgesagt worden. https://unn.ua/en/news/large-scale-fire-breaks-out-at-factory-in-russias-rostov-following-missile-strike ;
  • Im Bereich des Stützpunkts «Kaspiysk» (Kaspiysk, Republik Dagestan, RF) wurde bereits gestern das Mehrzweck-Raketenboot des Projekts 22800 «Karakurt» getroffen, das für den Abschuss von „Kalibr“-Marschflugkörpern verwendet wird. Das Ausmass des Schadens wird noch ermittelt. https://t.co/g9MsBPUixm

VERTRAUEN IST IM KELLER

Die Stimmung der russischen Unternehmen im Handel ist auf den tiefsten Stand seit Beginn von Putins Amtszeit gesunken. Im Jahr 2000 bei Putins Machtübernahme lag der Index bei 0 Punkten. Zeitweise stieg er in den vergangenen 26 Jahren auf bis zu 15 Punkte. Doch im ersten Quartal ist der Vertrauensindex auf Minus 8 Punkte gefallen. Durchgeführt wird die Studie von der Nationalen Forschungsuniversität «Höhere Schule für Wirtschaft» Russlands.

Das Hauptproblem für die Unternehmen war die Steuererhöhung: 43 % der Befragten nannten dies als einen entscheidenden Faktor, der ihre Aktivitäten einschränkt. Weitere 38 % der Unternehmen beklagten eine unzureichende zahlungskräftige Nachfrage und 21 % einen Mangel an finanziellen Mitteln. https://twitter.com/beefeater_fella/status/2050859545828749581

INVESTMENT IN DROHNEN

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen in den ukrainischen Sektor für unbemannte Systeme investieren, um die Produktionskapazitäten auszuweiten. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die VAE wollen einen «Investitionsfonds» gründen mit dem Auftrag, Beteiligungen an Verteidigungsunternehmen weltweit zu erwerben darunter an ukrainischen und türkischen Drohnenherstellern sowie von bereits etablierten Firmen in Europa und den USA. Die VAE wollen sich damit auch von den USA als Hauptlieferanten für ihre Waffen lösen.

Bereits im Januar hatten Saudi-arabische Investoren angekündigt, dass sie an der Übernahme von 30% der ukrainischen Drohnenfirma FirePoint interessiert sind und dafür 760 Millionen US-Dollar zahlen würden. Dieses Angebot wird von den ukrainischen Behörden geprüft.

FirePoint ist bekannt für seine Mittelstreckendrohnen der Typen «FP1» und «FP2» sowie für den Marschflugkörper «FP5 – Flamingo».

https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-05-05/abu-dhabi-considers-setting-up-new-fund-for-defense-deals; https://ukraineaktuell.com/ukraine-aktuell-nr-1433-25-1-2026-8uhr/;

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