- Erste Stunden der Waffenruhe
- Russen griffen drei Städte an
- Fernangriff auf Rüstungsbetrieb
- Grosse Raffinerie abgestellt
- Ausfälle rund um Moskau
- 35’000 Soldaten neutralisiert
- Jetzt verändert sich der Krieg
- Auch Tschechien kippt
- Krise im EU-Land Rumänien
WACKLIGE WAFFENRUHE
Zurzeit gibt es widersprüchliche Meldungen darüber, ob der Waffenstillstand funktioniert. Ukrainische Militärblogger berichten, dass russische Angreifer auch in dieser Nacht ukrainische Stellungen im Frontbereich mit Lenkbomben und Drohnen angegriffen haben. Auch gibt es einzelne Meldungen über Drohnenangriffe auf die ukrainischen Städte Kharkiv, Saporischschja und Krywyj Rih.
Andererseits gab es nach den bisher verfügbaren Meldungen keine Angriffe ukrainischer Raketen und Drohnen auf Russland und umgekehrt wurden auch keine grossen Luftangriffe von Russland auf die Ukraine gemeldet.
Dies könnte belegen, dass der von Volodymyr Zelenskyj vorgeschlagene Waffenstillstand – geltend ab 6. Mai 0.00 Uhr – zumindest teilweise und gegenseitig eingehalten wird, obwohl Moskau das Angebot nicht öffentlich kommentiert hat.
Russische Militärblogger kommentieren dies so: «Wenn sich dieser Trend fortsetzt, bedeutet dies, dass Russland de facto den von Zelenskyj gestellten Bedingungen für einen Waffenstillstand zugestimmt hat, um den 9. Mai in Moskau ruhig feiern zu können, aber beschlossen hat, dies nicht öffentlich zu erklären.» und: «Wir haben kürzlich bereits einen ähnlichen Versuch beobachtet, die Notwendigkeit, seine Entscheidungen zu kommentieren, zu umgehen, im Fall des «Energie-Waffenstillstands». Dies wurde hinter verschlossenen Türen mit den USA vereinbart, aber über die Tatsache selbst wurde zunächst nicht öffentlich berichtet.»
Putin wollte einen Waffenstillstand vom 8. bis 9. Mai, um die Militärparaden im eigenen Land ungestört abhalten zu können. Kyrylo Budanov, Chef des ukrainischen Präsidialamtes schrieb auf Telegram: «Wenn der von dem Präsidenten ausgerufene Waffenstillstand gegenseitig ist, werden wir ihn fortsetzen. Und das gibt uns, wenn auch nur eine kleine, Hoffnung auf die Errichtung eines dauerhaften Friedens. Der nächste Schritt liegt bei Russland. Ist Moskau bereit zu beweisen, dass Menschenleben für sie irgendeinen Wert haben? Wir beobachten jede Bewegung des Feindes genau und sind auf jede Entwicklung der Ereignisse vorbereitet.»
https://t.me/u_now/198612 ; https://t.me/milinfolive/171798 ; https://t.me/exilenova_plus/20163 ; https://t.me/Kyrylo_Budanov_Official/480

20 TOTE VOR WAFFENSTILLSTAND
Volodymyr Zelenskyj hatte am Montag einen zweitägigen Waffenstillstand ausgerufen, beginnend am 6.Mai um 0.00 Uhr. Die russische Regierung hat auf dieses Angebot bisher nicht reagiert. Stattdessen griff die Putins Armee am Dienstagnachmittag mit verschiedenen Raketen die Städte Zaporischschja und Kramatorsk an.

In Saporischschja ist bisher der Tod von 12 Zivilisten bekannt. Ausserdem wurden 39 Zivilisten verletzt.
In Kramatorsk wurden nach einem Luftangriff auf die Stadt 5 Fussgänger und Automobilsten getötet und 12 verletzt. Die Angriffe richteten sich gegen eine Bildungseinrichtung und trafen mehrere auf der Strasse verkehrende Menschen und Autos.
In Dnipro kamen drei Menschen ums Leben, nachdem die russische Armee ein nicht näher bezeichnetes Unternehmen mit Raketen angegriffen hat. Ausserdem wurden 16 Personen verletzt.
https://t.me/u_now/198597: https://t.me/uniannet/190869;

FERNANGRIFF AUF FABRIK
Tscheboksary ist eine Industriestadt 700 Kilometer hinter Moskau im Osten des russischen Reichs. Dort befindet sich das Unternehmen «VNIIR-Progress». Die Firma ist ein Spezialist für den Bau von Antennen, GPS-Navigation, Automatisierungs- und Relaisschutzsysteme für Drohnen, Marschflugkörper, Raketen und Panzer.
Am Dienstagmorgen griffen fünf Marschflugkörper vom Typ Fp-5 «Flamingo» und mehrere Drohnen die Fabrik an. Die russischen Militärblogger von «Milinfolive» jubeln über einen angeblichen Fehlschlag, 1’100 Kilometer innerhalb Russlands. Sie schreiben: «Aufgrund der geringen Präzision der Rakete konnten schwere Zerstörungen vermieden werden. Die restlichen 5 von 6 Raketen wurden ebenfalls von der Luftverteidigung abgeschossen und/oder stürzten auf dem Weg ab.»

Demgegenüber belegen Satellitenbilder grosse schwarze Flächen verteilt auf dem Firmengelände. Die Analysten von «CyberBoroshno»: «Es wurde festgestellt, dass eine FP-5-Marschflugkörper «Flamingo» schräg in den vorderen Teil des Hauptgebäudes – eines Gebäudes, das durch Drohnennetze geschützt ist – eingeschlagen hat. Innen und aussen wurde ein grossflächiges Feuer festgestellt. Getrennt davon trafen zwei Drohnen AN-196 «Februar» ein anderes Gebäude des Unternehmens, was ebenfalls zu einem Brand führte.»
Die Brände entlang des Firmengebäudes wurden auch in Videos festgehalten.
In den sozialen Netzwerken erschienen eine grosse Anzahl Videos von Einwohner Tscheboksarys, die mit Verwunderung und Empörung auf die Angriffe tief im Innern des Landes reagierten.
https://t.me/milinfolive/171792; https://t.me/kiber_boroshno/12951 ; https://t.me/exilenova_plus/20136; https://x.com/grandparoy2/status/2051572112838758819; https://x.com/GarbuzYe/status/2051571937701175631 ; https://x.com/kyivindependent/status/2051631721322275176

GROSSRAFFINERIE ABGESTELLT
Die Raffinerie «KirishiNefteOrgSintez» ist die zweittgrösste derartige Anlage Russlands mit einer Kapazität von 21 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr. Dies entspricht etwa 7% der Gesamtmenge Russlands.
Nach einem Angriff ukrainischer Drohnen muss die Anlage ihren Betrieb einstellen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters: Drei von vier Anlagen der Primärdestillation sind ausser Betrieb gesetzt worden und auch andere technologische Blöcke wurden beschädigt.
Im Werk ist ein Feuer ausgebrochen, und der Zeitpunkt der Wiederherstellung ist noch unbekannt. Es gibt keine offiziellen Kommentare des Unternehmens.
Ebenfalls beschädigt wurde die benachbarte Pumpstation «Kirishi». Diese Pumpstation ermöglichte den Verkauf von russischem Öl über den Exporthafen Primorsk.
https://t.me/uniannet/190852; https://www.reuters.com/business/energy/russias-vast-kirishi-oil-refinery-halts-processing-after-drone-attack-sources-2026-05-05/; https://x.com/jurgen_nauditt/status/2051622285388235078

AUSFÄLLE RUND UM MOSKAU
Aufgrund ukrainischer Drohnen- und Raketenflüge und der Reaktion der Behörden darauf gab es am Dienstag in Moskau einige Ausfälle:
- Mehr als hundert Flüge waren am Nachmittag in Moskau verspätet oder wurden verschoben.
- Aufgrund der Flugsicherheitsbedrohung waren fast alle Flughäfen in Moskau geschlossen.
- Internetdienste fielen grossflächig aus: Die Onlinebezahlsysteme für Tankstellen, Restaurants und Läden funktionierten am Dienstag nicht. Leistungen und Waren konnten nur mit Bargeld bezahlt werden. Auch die von der Regierung geförderten Webseiten waren nicht erreichbar.
- Das mobile Internet fiel in St. Petersburg und Moskau aus. Auch Telefondienste wie das Versenden von SMS funktionierte während mehrerer Stunden nicht.
https://t.me/uniannet/190827 ; https://x.com/gerashchenko_en/status/2051624666536562874

35’000 SOLDATEN WENIGER
Im Monat April betrug die Zahl der getöteten und der nicht mehr kampffähigen russischen Soldaten 35’200. Diese Zahl nannte der ukrainische Verteidigungsminister Michailo Fedorov. Nach seinen Angaben umfasst dies ausschliesslich die Zahl der durch Drohnen ausgeschalteten Angreifer.
Fedorov schrieb auf «X» in Kürzestform: «Kriegsmathematik in der Praxis. Im April erreichte das „Army of Drones“-System eine neue Grössenordnung: Über 35’000 feindliche Verluste, womit es die feindlichen Mobilisierungszahlen fünf Monate in Folge übertraf. Die Zahl der Tiefenangriffe (20–150 km) hat sich seit Februar vervierfacht. Von Abfangjägern bis hin zu unbemannten Bodenfahrzeugen (UGVs) brechen wir in jedem Bereich neue Rekorde.»
Fedorov illustrierte die Information mit einem Video, welches die letzten Sekunden im Leben von mehreren Dutzend russischer Soldaten zeigt, bevor sie von Bombendrohnen zerfetzt werden. https://twitter.com/FedorovMykhailo/status/2051597878510977222

KRIEG VERÄNDERT SICH
Ukrainische Drohnen können ein Viertel des russischen Territoriums treffen, wo über 70% der Bevölkerung leben. Wie Analysten der Agentur «Bloomberg» berichten, geht es um Regionen, in denen etwa 146 Millionen Menschen leben. Die Ukraine ist bereits in der Lage, Angriffe auf eine Entfernung von mehr als 1500 km in das russische Territorium durchzuführen und sie baut diese Fähigkeiten weiter aus.
Die von Bloomberg befragten Analysten weisen darauf hin, dass solche Angriffe den Charakter des Krieges verändern: Nicht nur militärische Objekte, sondern auch Wirtschaftszentren und Regionen mit einer grossen Bevölkerungszahl sind gefährdet.
Es geht auch um den möglichen Einfluss auf die öffentliche Stimmung in Russland aufgrund des Gefühls der Bedrohung im tiefen Hinterland.

AUCH TSCHECHIEN KIPPT
Nach der Vertreibung Orbáns aus Ungarn kippte am Wochenende der slowakische Regierungschef Robert Fico um und anerkannte in einer spektakulären Kehrtwende das Recht der Ukraine auf einen Anschluss an die EU.
Dasselbe geschah nun mit dem zweiten vormaligen Verbündeten Orbáns: Auch der tschechische Regierungschef Andrej Babis hat seine Zuneigung zur Ukraine entdeckt.
Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj schreibt auf «X»: «Ein produktives Treffen mit dem Ministerpräsidenten der Tschechischen Republik Andrej Babiš. Wir haben detailliert die bilateralen Bereiche unserer Beziehungen besprochen (und) den europäischen Weg und die nächsten Schritte auf dem Pfad der Ukraine zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union erörtert. Ich danke dem gesamten tschechischen Volk für seine enorme und herzliche Unterstützung für die Ukraine – wir schätzen das wirklich sehr.» https://twitter.com/ZelenskyyUa/status/2050990362445873459

KRISE IM EU-LAND RUMÄNIEN
Die proeuropäische Regierung Rumäniens wurde zum Rücktritt gezwungen. Das Parlament hat ein Misstrauensvotum gegenüber dem Kabinett unter der Leitung von Ilie Bolojan durchgeführt — 281 Abgeordnete stimmten dafür. Dies ist ein Rekord in Bezug auf die Anzahl der Stimmen in der Geschichte.
Der Misstrauensantrag wurde von den Sozialdemokraten zusammen mit den Rechtsextremen nach dem Zusammenbruch der Koalition initiiert. Bereits im April zogen die Sozialdemokraten ihre Unterstützung für den Premierminister zurück, und ihre Minister traten aus der Regierung aus.
Bolojan wird beschuldigt, die «Wirtschaft zerstört» zu haben, den Lebensstandard gesenkt und möglicherweise Staatsvermögen verkauft zu haben. Ausserdem wird ihm vorgeworfen, die Mehrwertsteuer erhöht, Steuervergünstigungen abgeschafft und die Inflation angeheizt zu haben.
Jetzt muss der Präsident einen neuen Premierminister vorschlagen. Wenn die Abgeordneten die vorgeschlagenen Kandidaten zweimal ablehnen, könnte das Parlament aufgelöst und vorgezogene Wahlen angesetzt werden. https://t.me/uniannet/190854



