#UKRAINE AKTUELL Nr. 1531 (3.5.2026 / 8Uhr)

  • 13 Jahre Arbeitslager wegen Spende
  • Kreml will die russischen Sparbatzen
  • Russen zwischen Protest und Flucht
  • Militärblogger mit düsterer Prognose
  • Kapitulation mit Hamburgern belohnt
  • Drohnenschwarm gegen Russland
  • Beste Pentagon-Noten für Drohnen

EINE ANSTÄNDIGE RUSSIN

Die 38-jährige Svetlana Denisenko aus dem russischen Krasnodar wurde wegen «Hochverrat» zu 13 Jahren Haft in einer «Strafkolonie» verurteilt. Der Frau wurde zur Last gelegt, dass sie 2022 ein Konto zur Überweisung von Unterstützungsgeldern an die ukrainische Armee ausfindig machte und dorthin in mehreren Überweisungen den Gesamtbetrag von 100’000 Rubel überwies. (100’000 Rubel entsprechen 1’137 Euro, bzw. 1’042 Schweizer Franken).

Das Urteil wurde vom Kreisgericht Krasnodar gesprochen und zusammen mit Videomaterial der Verhaftung und der Verurteilung veröffentlicht. Für die Ermittlungen war der russische Geheimdienst FSB – die Nachfolgeorganisation des KGB – verantwortlich.

Bereits im März hatte dasselbe Gericht eine andere Frau aus Krasnodar zu 12 Jahren Arbeitslager verurteilt, weil sie der ukrainischen Armee 2’000 Rubel gespendet hatte.

Frank Obenaus aus Erfurt schreibt dazu auf Facebook: «Es gibt Russen, die ich für ehrenhafte Menschen und echte Helden halte. Aber sie sind in der Regel entweder bei der ukrainischen Armee oder hinter Gittern.»

https://t.me/opskuban/1571; https://zona.media/news/2026/04/30/denisenko; https://www.facebook.com/frank.obenaus.3

ANGRIFF AUF ERSPARTES

Vertreter der Zentralbank und Minister in Russland erwägen die Möglichkeit, dass die Regierung Einlagen oberhalb eines bestimmten Betrags beschlagnahmen und stattdessen Gutschriften ausstellen könnte. Begründet wird dieser Angriff auf Erspartes mit dem sich verschärfenden Haushaltsdefizit Russlands, verursacht durch Sanktionen und den Krieg in der Ukraine.

«Es ist an der Zeit, dass die Russen ihr Geld unter dem Kopfkissen hervorholen», sagte Finanzminister Anton Siluanov. Er erklärte, fast jeder habe Ersparnisse, doch diese nützten weder ihren Besitzern noch der Wirtschaft. Der Minister forderte die Menschen auf, «den Umgang mit Geld zu lernen» und es in russische Bankeinlagen zu investieren, anstatt es nur zu horten.

Auch die russische Zentralbankgouverneurin Elvira Nabiullina äusserte sich dazu und erklärte, dass die Ersparnisse der Russen nun zur einzigen Finanzierungsquelle für die Wirtschaft des Landes werden. «Unser Exportsektor, der zuvor Kredite im Ausland aufnahm, konnte sich Geld von Bürgern Europas und der Vereinigten Staaten leihen. Nun sind uns die globalen Ersparnisse unzugänglich. (…) Die Ersparnisse der Russen sind praktisch zur einzigen Finanzierungsquelle für die russische Wirtschaft geworden, da sich die westlichen Kapitalmärkte nach 2022 für inländische Unternehmen geschlossen haben», erklärte Nabiullina.

Russische Kommentatoren sind angesichts dieser Aussicht entsetzt.

  • «Troika» (192’000 Telegram-Abonnenten): «Der Prozess der Entnahme von 67 Billionen Rubel an Einlagen im Tausch gegen Toilettenpapier hat begonnen.»
  • Auch «Blaubart» (120’000 TG-Abos) sieht Parallelen zu den katastrophalen 1990er Jahren: «Auch damals beschlagnahmten sie praktisch die Gelder der Bevölkerung, versprachen dann, sie zurückzugeben und sogar zu vermehren, doch am Ende stellte sich heraus, dass es reiner Diebstahl war.» Er beendet seinen Text mit: «Ein toller Wirtschaftsplan, echt. Dümmer könnte man es auf den ersten Blick gar nicht erfinden.»
  • Alexey Zhivov (112’000 TG-Abos) sagt, es gebe einen sehr guten Grund, warum die Menschen ihr Geld «unter dem Kopfkissen» aufbewahren – sie befürchten, dass der Staat Vorwände finden wird, es zu beschlagnahmen, wenn sie es den Behörden melden: «Siluanov spricht nicht einfach so über die Bargeldersparnisse der Bürger. Die Bevölkerung hat rund 25 Billionen Rubel in Rubel und Fremdwährungen sowie noch mehr in Gold angesammelt.»

https://t.me/rustroyka1945/25455; https://t.me/beard_tim/32429; https://t.me/zhivoff/26219; https://x.com/ChrisO_wiki/status/2050111802617241787   

WARNENDER BLOGGER

Der russische Ultra-Patriot und Z-Blogger Maxim Kalashnikov (kein westlicher Liberaler mit 52’000 Abonnenten auf Telegram) prophezeit: «Putins Zeit neigt sich dem Ende zu. Ein nicht siegreicher Krieg wird zu einem grossen Machtwechsel, Chaos und Instabilität führen.»

Er vermutet, dass die Eliten eine schwache Marionette einsetzen werden, um eine Normalisierung der Beziehungen zum Westen zu erreichen und Sanktionen aufzuheben. Gleichzeitig: geschwächte Sicherheitskräfte, wütende SVO-Veteranen, Wirtschaftskrise, steigende Kriminalität, ethnische Konflikte und die Gefahr eines Zusammenbruchs nach sowjetischem Vorbild.

Kalaschnikow: «Stellt euch auf etwas wie die späten 80er und frühen 90er Jahre ein.» (Damals, nach dem Zusammenbruch der UdSSR herrschte im Land Chaos und grösseres wirtschaftliches Elend als heute). https://t.me/roy_tv_mk/20153; https://x.com/jalle51/status/2050562088167174550;

RUSSISCHE DISTANZIERUNG

Seit ukrainische Drohnen in Russland vermehrt schwere Schäden verursachen, hat ein Aufwachprozess im Land begonnen.

Die Frau auf dem Bild links beklagt sich über die Zustände in Tuapse, wo seit zwei Wochen immer wieder Öltanks brennen, was Luft und Wasser verpestet. Ausserdem stört sich die junge Dame an den Internet-Zensuren in Russland: «Ich habe das Gefühl, dass all das, was gerade passiert, eigentlich gar nicht passieren dürfte – es ist, als wäre ich in einer anderen Realität gelandet.»

Die Frau in der Mitte sorgt mit ihren Anti-Putin-Tiraden für Aufsehen im Netz. Heute erklärte sie, dass man mit dem Geld für einen Tag Krieg die Zähne aller Rentner in Russland reparieren könne. Sie wolle auch ihren Sohn nicht «Putins Arsch» opfern, nur damit er in einem Leichensack nach Hause komme. Anschliessend wünscht die Frau den Menschen in der Ukraine «gute Gesundheit».

Der Mann rechts redete nicht, sondern haute ab. Über Minsk (Weissrussland), Tiflis (Georgien) floh er in die USA.  Der Flüchtling heisst Denis Butsaev und war russischer Vizeminister für natürliche Ressourcen und Umwelt. Die ukrainische Behörde «Stratcom Centre»: «Butsaevs Flucht schafft einen Präzedenzfall und könnte zu einer verstärkten Überwachung der Bewegungen von Beamten führen. Dies wiederum wird den Konflikt zwischen Sicherheitskräften und Bürokratie weiter verschärfen.»

https://x.com/i/status/2050515001958396380; https://x.com/i/status/2050542376607703082; https://x.com/StratcomCentre/status/2050604555633598782

BIGMAC FÜR KAPITULATION

Vier russische Soldaten ergaben sich in der Nähe der Antonivskyi-Brücke am Dnjepro, gegenüber von Kherson. Zuvor hatte ihnen eine Lautsprecher-Drohne die Möglichkeit zur Kapitulation angeboten. Das entsprechende Video wurde von der ukrainischen 34. Marinebrigade veröffentlicht, die die Kapitulations-Drohne bediente.

Den über Lautsprecher ausgestrahlten Anweisungen der Drohne folgend, bewegten sich die vier russischen Soldaten zu einem festgelegten Punkt, wurden über den Fluss gebracht und in Gewahrsam genommen.

Als Bonus für die freiwillige Entscheidung zur Kapitulation erhielten sie eine McDonald’s-Mahlzeit. https://twitter.com/i/status/2050712855524110545

DROHNENSCHWARM GEGEN OSTEN

Drohnen haben in dieser Nacht die Leningrad-Region in der Nähe von St. Petersburg erreicht. Weitere Drohnen flogen nach Moskau, Twer, Wladimir, Jaroslawl und Nischni Nowgorod. Russische Kanäle berichten von einer «grossen Anzahl an Drohnen», machten aber kaum Angaben über die Luftabwehr.

Die direkt mit Frontsoldaten verbundene ukrainische Plattform «ExileNovaPlus» zeigt am Sonntagmorgen erste Videos von Angriffen in der Region Leningrad. Getroffen worden sei unter anderem der Hafen Primorsk, der für den Export von russischem Öl wichtig ist und schon zuvor mehrfach attackiert worden war.

ExileNovaPlus schreibt über die Reaktion der russischen Bevölkerung: «Eine lustige Beobachtung: Je mehr Ziele auf dem Territorium der sogenannten Russischen Föderation getroffen werden, desto mehr Beschwerden gibt es. Die russische Öffentlichkeit hat nur zwei Zustände:

Erster: Hurra! Der Krim gehört uns! Bis Baku und weiter nach Lissabon.

Zweiter: Seit wann haben wir Vogelgezwitscher gegen Bombengetöse eingetauscht? Lasst uns Hände schütteln.

Wir wollen euch nichts schütteln. Wir wollen nicht mit euch leben. Verschwindet einfach aus unserem Land und tut so, als würden wir nicht existieren. Haltet eure schweinische Schnauze aus unseren Angelegenheiten. Und wir werden gerne so tun, als würdet ihr nicht existieren.»

https://x.com/raging545/status/2050701336589549661/photo/1; https://t.me/exilenova_plus/19908

DROHNEN BEGEISTERN PENTAGON

Am 13. März sagte Trump: «Der Letzte, vom dem wir Hilfe brauchen, ist Zelenskyj. Wir brauchen keine Hilfe von der Ukraine. Wir wissen mehr über Drohnen als jeder andere.»

Das amerikanische Militär sieht das anders: Laut der Fachzeitschrift «Defense One» prüft das Pentagon ukrainische Abfangdrohnen, nachdem es zu dem Schluss gekommen ist, dass derzeit kein US-Hersteller hinsichtlich Kosten, Geschwindigkeit und im Einsatz bewährter Zuverlässigkeit mithalten kann.

Eine gemeinsam von Grossbritannien und der Ukraine entwickelte Drohne erzielte kürzlich im «Drone Dominance»-Programm des Pentagons 99,3 von 100 Punkten und übertraf damit die Konkurrenz bei weitem.

Vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine verfügte die Ukraine über 7–10 Drohnenhersteller. Heute sind es 500 Firmen und diese können derzeit jährlich 4 Millionen Drohnen produzieren.

Abgedeckt wird die ganze Palette von Geräten für die moderne Kriegsführung: Beobachtungsdrohnen, Kampfdrohnen, Transportdrohnen, Drohnen-Mutterschiffe, Anti-Drohnen-Drohnen, Überwasser-Drohnen und Bodenroboter.https://www.defenseone.com/business/2026/02/defense-business-brief-case-more-ground-stations-drone-dominance-sdas-reality-check/411211/

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